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Reihe "Besondere Ereignisse im Saarstaat": 1) Rohrbach Sportlerunglück 1948   2) Johannistag Rohrbach 1948   3) Einweihung der Brücke Bous-Wadgassen 1951   4) Ausstellung Bexbacher Blumengarten   5) Eisenbahn- und Post-Ausstellung Bexbach 1952

 


 

 

4) Ausstellungen im Bexbacher Blumengarten

 

 

> zur Sonderseite Ausstellung zu 100 Jahre Post und Eisenbahn in Bexbach 1952

 


Bexbach liegt zwischen Neunkirchen und Homburg und hat heute ungefähr 18.000 Einwohner. Es ist u.a. bekannt für sein Bergbaumuseum und seinen Blumengarten, in dem von 1949 an jedes Jahr Ausstellungen stattfanden. Deren Protektor war in den ersten Jahren Ministerpräsident Johannes Hoffmann. Die ausführende Gemeinde Mittelbexbach dankte ihm für seine Schirmherrschaft, indem sie ihm 1952 ein Fotoalbum mit zahlreichen Bildern von diesen Ereignissen überreichte (siehe Albumblatt mit Widmung ganz unten auf dieser Seite!). Einige der Fotografien dieses Albums können Sie im Folgenden sehen.

 

Das Stadtarchiv Bexbach hat uns freundlicherweise noch weitere Bilder und eine Ausstellungsbroschüre zur Verfügung gestellt.

 

 

Zur Entstehung der Stadt Bexbach

 

Ab 1937 bildeten die bis dahin selbstständigen Gemeinden Mittelbexbach, Höchen, Oberbexbach, Frankenholz und Ludwigsthal die Großgemeine Höcherberg. Nach dem Krieg wurden sie am 1.1.1947 jedoch wieder selbstständig. Mittelbexbach wurde 1955 in Bexbach umbenannt (siehe Urkunde rechts). 1970 erhielt der Ort das Recht, die Bezeichnung "Stadt" zu führen. Bei der Gebietsreform 1974 wurden die anderen oben genannten Gemeinden sowie Niederbexbach und Kleinottweiler in die Stadt eingegliedert (nur Ludwigsthal kam zur Stadt Neunkirchen).

 

 

Geschichte des Bexbacher Blumengartens

mit Textbeiträgen von Achim Schmitt, Stadtarchiv Bexbach

 

1931 begann die Gemeinde Bexbach mit dem Bau eines Wasserhochbehälters. Er hatte ein Fassungsvermögen von 200 cbm und wurde an der Niederbexbacherstraße mit Blick auf die Bergehalde "Monte Barbara" (s. Foto rechts) erstellt. Er sollte gleichzeitig als Aussichtsturm dienen und ein Grubenmuseum beherbergen. 1933 wurde er eingeweiht und erhielt den Namen Hindenburgturm.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte er auf Anordnung der Franzosen in "Bellevue" umbenannt werden. Dies wollte aber die Gemeinde nicht akzeptieren. Am 2. Juli 1947 beschloss der Gemeinderat eine Namensänderung in "Museums- und Aussichtsturm", und nach der Volksabstimmung erhielt er 1956 seinen alten Namen wieder zurück.

 

Schon kurz dem Krieg begann man damit, auf dem Gelände am Hindenburgturm eine Bauausstellung vorzubereiten, die 1949 eröffnet wurde. 1951 legte man dort einen Blumengarten an und nannte die Ausstellung von nun an "Garten und Blumen im sozialen Wohnungsbau". (Mehr zu den Ausstellungen: siehe weiter unten!) Der Name "Garten und Blumen" wurde von der Bevölkerung aber nicht angenommen, sondern es hieß im Sprachgebrauch von Anfang an "Blumengarten". Offiziell taucht dieser Name allerdings erst 1954 in den Sitzungsprotokollen der Gemeinde Mittelbexbach auf, vorher war darin immer nur vom "Park am Turm" die Rede.

 

In den Folgejahren entwickelte sich der Blumengarten zu einem Publikumsmagneten. Zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte fanden jedes Jahr dort statt. Viele Jahre lockten auch die jährliche Camping-Ausstellung "100 000 Tulpen blühen" (eine Tulpenschau für Saar, Rhein und Mosel), die Blumengartenfeste und die Stadtfeste im Blumengarten.

 

Das Bild oben zeigt den Turm in den 50ern vom Blumengarten aus, die Fotos unten wurden vom Turm aus in unterschiedlicher Höhe gemacht

Das Grubenmuseum kann noch heute besichtigt werden. Seit 1960 befindet sich hinter dem Blumengarten der "Sonderlandeplatz Bexbach" (Näheres darüber in Kürze auf unserer Seite Flugzeuge). Erwähnenswert ist auch der Kinderverkehrsgarten im Blumengarten.

 

 

Die ersten Ausstellungen in Bexbach:

 

1949 und 1950: Sozialer Wohnungsbau - Bauausstellung des Saarlandes (siehe weiter unten!)

1951: Garten und Blumen im sozialen Wohnungsbau (siehe ganz unten auf dieser Seite)

1952: Aus 100 Jahren Post und Eisenbahn (siehe Eisenbahn-Seite!)

 

 

Die Bauausstellung des Saarlandes - Sozialer Wohnungsbau (ab 1949)

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde im Saarland - wie im übrigen Deutschland - ein großer Teil der Häuser völlig zerstört oder so stark beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. Hieraus ergab sich eine unerträgliche Wohnungsnot allerorten. Die ersten Menschen, die 1945 aus der Evakuierung zurückkamen, mussten sich Notunterkünfte suchen oder in Ruinen leben. Beschädigte Häuser wurden notdürftig wieder instand gesetzt. Für einen Wiederaufbau fehlte das Geld. Das Ministerium für Arbeit und Wohlfahrt unter Richard Kirn stellte bald in Zusammenarbeit mit der Landesbausparkasse günstige Finanzierungsprogramme zur Verfügung, mit deren Hilfe sich die arbeitende Bevölkerung an den Bau oder Kauf von Eigenheimen heranwagen konnte. Auch die Régie des Mines legte ein großzügiges Wohnungsbauprogramm für die Bergleute auf.

 

Um den Saarländern zu zeigen, welche Möglichkeiten es beim Eigenheimbau gab, erstellte man am Bexbacher Blumengarten eine kleine Siedlung mit Musterhäusern in verschiedenen Bauweisen. Diese waren die Grundlage für eine Bauausstellung, die von 1949 an dort einige Jahre lang ausgerichtet wurde. Von ihr sollte eine Fülle von Anregungen für die Bauwilligen im ganzen Land ausgehen.

 

In seiner Eröffnungsansprache sagte Ministerpräsident Johannes Hoffmann am 27. August 1949 unter anderem:

 

Die Beseitigung der Wohnraumnot in unserer Heimat ist die dringlichste Aufgabe, die die Regierung des Saarlandes im Einvernehmen mit den dabei zu beteiligenden Organisationen und Institutionen zu lösen hat. Seit dem Dreißigjährigen Krieg war nie so viel Zerstörung in unserem Land wie nach der letzten Völkerauseinandersetzung. Niemals wurde in unserem Land auch so viel Unordnung und absolute Vernichtung jeglicher organisatorischer Bindungen vorgefunden wie 1945. Aus diesem Elend will das Saarvolk heraus. Zu einem menschenwürdigen Dasein gehört vor allen Dingen ein entsprechendes Wohnen. Dieser Zustand muss erreicht werden. Dann ist auch die Erziehung unserer Jugend gesichert.

 

Die Regierung des Saarlandes hat vom ersten Tage ihres Bestehens an der Lösung des Wohnraumproblems die größte Aufmerksamkeit zugewandt und die nach Lage der Dinge überhaupt nur möglichen Voraussetzungen dafür zu schaffen gesucht. Dass sie hierbei jede private oder gemeindliche Initiative außerordentlich begrüßt, ist selbstverständlich. Nur in der gemeinsamen Arbeit aller und miteinander können die unsagbaren Wohnungsschwierigkeiten beseitigt werden. Die Gemeinde Bexbach hat unter der Führung ihres Bürgermeisters mit der Ausstellung "Sozialer Wohnungsbau" einen besonderen Beitrag zu leisten versucht.

 

 

 

 

 

  

 

Fotos oben: Mit einem Umzug durch die Gemeinde feiern die Bexbacher die Ausstellungseröffnung.

 

Auszug aus dem Grußwort von Gilbert Grandval in der Broschüre zur Ausstellung:

 

Die Saar, durch den Krieg ernstlich betroffen, arbeitet unermüdlich an ihrem Wiederaufbau. Die in Bexbach unter dem Losungswort "Sozialer Wohnungsbau" ergriffene Initiative stellt einen bedeutenden Wiederaufbauplan von großem Ausmaß dar. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Behörden und interessierten Privatleuten zu ermöglichen, die besten Wege zum Wiederaufbau von Wohnhäusern, angefangen bei den allerbescheidensten, zu gehen.

 

Der Bürgermeister von Bexbach, Aloys Nesseler, führt in derselben Broschüre u.a. aus:

 

Sozialer Wohnungsbau - ein großes Wort in einer Zeit, die aus Trümmern und der dadurch entstandenen Wohnungsnot den leidenden Mitmenschen Hilfe zu schaffen hat. Leere Worte und hinhaltende Versprechungen können hier nicht helfen - nur noch sichtbare Taten sind Trumpf. (...)

In der richtigen Erkenntnis, dass die Art des Wohnens der Anfang und das Ende der Kultur, der Erziehung und der Gesundheit eines Volkes ist, gibt es nur ein einziges unaufschiebbares Handeln: B A U E N !

 

Foto: Das Ehepaar Hoffmann beim Rundgang über die Ausstellung.

 

 

Oben: Blick vom Aussichtsturm auf die Musterhaussiedlung und auf Bexbach. Hinter der Ausstellung verläuft die Bahnlinie Neunkirchen - Homburg. Links erkennt man die Kohlenwäsche der Grube Frankenholz (mit dem Schornstein) und rechts davon den historischen Bahnhof (erbaut 1848). Noch weiter rechts an der Bahnstrecke entlang folgt der Güterbahnhof. Ganz hinten vor der bewaldeten Hügelkette sieht man in der Mitte die drei Schornsteine des Falzziegelwerks, rechts von diesem das Kraftwerk St. Barbara 1 und links davon die Häuser der Bergarbeitersiedlung St. Barbara. - Vielen Dank für Foto und Beschreibung an Gerhard Reichmann, Bexbach.

 

Alfred Dorscheid, der Leiter des Informationsamtes, schreibt in der Broschüre zur Bauausstellung 1949 (Abb. rechts):

 

Der Saarländer drängt zum Eigenbau. Dieses Streben ist ein Wesenszug von ihm und beweist, daß er nicht der Proletarisierung anheimfallen will. Darin drückt sich nicht zuletzt die Liebe zum angestammten Boden aus und die Sehnsucht, in der von seinen Vätern überlieferten Heimat das einzig wahre Glück des engsten Raumes in Familie und Häuslichkeit zu leben. Die Zerstörungen des Krieges und der jahrelange Ausfall organischer Wohnraumbeschaffung aber machen durch die grausame Wohnungsnot dieses Glück für eine große Mehrheit unserer Bevölkerung unmöglich. Da müssen weiter Auswege und eine Beseitigung der traurigen Wohnzustände gesucht werden. (..)

 

Aus solchen Überlegungen kam die Bexbacher Bauausstellung "Sozialer Wohnungs- bau" zustande. Sie ist (...) Ausdruck eines sozialen Motivs, das in einer klug geleiteten Gemeinde pulst, die aus einem Versuch einen allgemeinen Fortschritt erzielen will.

 

 

Oben der Übergang vom Blumengarten zur Bauausstellung. Links ein Musterhaus.

 

Unten links der Stand der Holzbearbeitungsfirma Heinrich Petri, Mittelbexbach, die sich z.B. für das Schleifen von neuen und alten Fußböden anbot. Unten rechts der Durchgang zur Siedlung und zum Musterhaus der Bausparkasse des Saarlandes.

 

 

Eine "Dauerdachabdichtung" bot die Fa. Kisola, Gesellschaft für Teerstraßenbau in Neunkirchen an.

In diesem Haus warb die Firma Saar-Cement Verkaufsgesellschaft Saarbrücken für ihre Produkte.

Sägewerk und Holzhandlung Karl Born, Mittelbexbach, Auguststraße

Die Rebenaufbaugenossenschaft Nennig-Perl

 

Die Musterhaussiedlung umfasste insgesamt zehn Häuser, sechs Einzelhäuser und zwei Doppelhäuser mit je zwei Wohnungen. Die bebaute Fläche der Einzelhäuser bzw. Doppelhaushälften betrug zwischen 55 und 96 m², ihre Wohnflächen beliefen sich auf 57 bis 121 m².

 

Die Baupreise der vorgestellten Häuser richteten sich nach ihrer Aufteilung und Ausstattung. Die Einzelhäuser kosteten zwischen 895.000 und 1.750.000 Franken, die Doppelhäuser waren für 1.900.000 bzw. 2.400.000 Franken zu haben.

 

Auch über die Finanzierung seines Bauvorhabens konnte sich der interessierte Saarländer auf der Ausstellung informieren. Er konnte z.B. ein Bauspardarlehen bei der Bausparkasse des Saarlandes beantragen (siehe rechts) oder ein langfristiges Baudarlehen bei einer der Sparkassen in Anspruch nehmen. Die Kreissparkasse Homburg hatte auch schon vor dem Krieg zahlreiche Bauvorhaben im Höcherberg- Gebiet finanziert. Sie wollte nun an diese Tradition anknüpfen, obgleich ihr die Kapitalknappheit und die strengen Kontigentierungsbestimmungen starke Hemmungen auferlegten (s. Ausstellungsbroschüre, S. 37).

 

Die Bausparkasse des Saarlandes war bei Ausstellungseröffnung bereits seit sieben Monaten tätig und hatte "in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit nahezu 4000 Bausparer erfasst, die sich zum größten Teil aus Arbeitern, Angestellten, Beamten und kleinen Gewerbetreibenden zusammensetzten" (siehe Broschüre, S. 36). Ca. 500 Wohnungen hatte sie bis dahin schon finanziert, aber sie erwartete, dass sich diese Zahl noch wesentlich erhöhen werde, sobald die ersten Zuteilungen erfolgen würden. Das Institut hatte seine Arbeit bei einem Bedarf von 90.000 Wohnungen begonnen.

 

Die Siedlung konnte man auch in den folgenden Jahren weiterhin besichtigen; die Musterhäuser wurden erst später wieder abgerissen.

 

Für die Saison 1951 wurde im Gelände am Turm ein Blumengarten errichtet, und zusammen mit der Musterhaussiedlung entstand daraus die Ausstellung "Garten und Blumen im sozialen Wohnungsbau".

 

Sie wurde von der Landesregierung ausgerichtet und sollte an zentraler Stelle dem Siedler, Junggärtner und allen Gartenfreunden eine Übersicht geben über die toten und lebenden Gartenbauelemente und den schönen Zusammenklang zeigen von Pflanzen, Wasser, Stein und Holz. Man wollte damit eine Daueranlage, ein parkähnliches Ausstellungsgelände schaffen.

 

Zu der Ausstellung 1951 kamen über 100 Aussteller aus der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg und natürlich aus dem Saarland. Zehn internationale garten- und landwirtschaftliche Verbände waren vertreten. Bei der Eröffnungsfeier waren anwesend: der Hohe Kommissar Gilbert Grandval, Wirtschaftsminister Ruland als Vertreter des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, der Präsident der Landwirtschaftskammer Kurz, Vertreter des Hohen Kommissariats, der Regierung, Landräte, Vertreter der Baugenossenschaft und der Bausparkassen, der in- und ausländischen landwirtschaftlichen Verbände.

 


 

Titelblatt des Fotoalbums, das die Gemeinde Mittelbexbach 1952 dem Ministerpräsidenten überreichte:

 

 

 

Herzlichen Dank für die Überlassung von Fotos und Informationsmaterial zur Gestaltung dieser Seite an das Stadtarchiv Bexbach und den Heimatverein Düppenweiler (dessen Museumsbestand jetzt im Besitz der "Stiftung Kulturbesitz der Gemeinde Beckingen" ist).

 

Weitere Quellen und Links:

http://www.saarlandbilder.net/orte/bexbach/geschichte.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Bexbach

Sozialer Wohnungsbau. Broschüre zur Bauausstellung des Saarlandes von August - Oktober 1949 in Bexbach. Bexbach 1949.

 

 


 

 

> Zur Sonderseite Ausstellung "Aus 100 Jahren Post und Eisenbahn" von 1952 in Bexbach

 

 


 

 

Inhalt der Reihe "Besondere Ereignisse im Saarstaat":   

 

 

 

Rohrbach 1948 - Tragisches Sportlerunglück

Johannistag in Rohrbach 1948

Einweihung der Saar-Brücke Bous-Wadgassen 1951

Ausstellungen im Bexbacher Blumengarten

 


Diese Seite wurde erstellt am 01.01.2012, zuletzt bearbeitet am 3.6.2014

 

 

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