oben

             www.saar-nostalgie.de - START

 

 

Buchbesprechungen

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

In dieser Rubrik finden Sie Hinweise auf Bücher, die für unser Thema 'Saarland von 1945 bis 1959' interessant sind.

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

Bilder der Großstadt

 

Paul Burgard, Ludwig Linsmayer (Hg.): Bilder der Großstadt. Barbian belichtet Saarbrücken (1948-1962). ECHOLOT. Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, Band 9. Herausgegeben im Auftrag der Vereinigung zur Förderung des Landesarchivs Saarbrücken. Saarbrücken 2009. Hardcover, 408 S., ca. 400 SW-Fotografien. Format: 25x27 cm. ISBN 978-3-9811672-2-1. Preis: 29,90 €.

 

Das Buch erschien anlässlich des 100-jährigen Großstadtjubiläums der Stadt Saarbrücken.

 

Die „Bilder der Großstadt“ hat der Pressefotograf Walter Barbian zwischen 1948 und 1965 in seiner Heimatstadt Saarbrücken aufgenommen. Er hat damit faszinierende Zeugnisse aus einem spannenden Kapitel der Großstadtgeschichte hinterlassen, aus einer Zeit, in der Saarbrücken ein neues Antlitz erhielt und zur Landeshauptstadt aufstieg. Mit Barbians Bildern wird die ereignisreiche Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg in einer bisher nicht gezeigten Perspektive neu erzählt. Von der Hinterhofidylle bis zum Stadtteilpanorama, von der Kriegsruine bis zum glänzenden Neubau: Die wunderbaren Aufnahmen Barbians porträtieren nicht nur die Großstadt selbst von buchstäblich allen Seiten. Sie setzen auch den SaarbrückerInnen der damaligen Zeit ein Denkmal, zeigen sie bei der Arbeit und bei der Freizeit, im Straßenverkehr und auf dem Sportplatz, beim Konsumieren oder beim Demonstrieren. Ein Essay über den Zusammenhang von Fotografie und urbaner Kultur sowie zwei Beiträge über die Saarbrücker Nachkriegsgeschichte bzw. den Fotografen Walter Barbian runden den Bildband ab. Er ermöglicht so zum Großstadtjubiläum eine ebenso sinnliche wie informative Entdeckungsreise in die Vergangenheit der Landeshauptstadt. (Siehe auch Webseite des Saarlandarchivs:)

 

Mehr Infos über den Fotografen und einige seiner wunderschönen Bilder finden Sie hier auf der Seite Walter Barbian.

 

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

Bürger, Brücken und Duelle

 

Dieter Gräbner, Stefan Weszkalnys: Bürger, Brücken und Duelle Die Geschichte der Großstadt Saarbrücken 1909-2009 – Bilder, Erinnerungen und Chronik Hardcover, Großformat, 240 Seiten ISBN 978-3-936950-85-4, Preis: 24,90 €

 

Zum hundertsten Mal jährte sich 2009 der Zusammenschluss des Verwaltungszentrums Saarbrücken, der Handels- und Handwerkerstadt St. Johann und der Arbeitervororte Malstatt/ Burbach zur Großstadt Saarbrücken. Dass sich vor dem Zusammenschluss Bürgermeister duellierten, ist nur eines von vielen unterhaltsamen Details aus der Geschichte. Dieter Gräbner und Stefan Weszkalnys fanden in den Archiven und bei Interviews Unbekanntes wie Erstaunliches, Offizielles wie „Offiziöses”. Ehemalige Bürgermeister, Geschäftsleute, Prominente und Bürgerinnen und Bürger wie Sie und ich erinnern sich an die wechselvolle Geschichte der Stadt im 20. Jahrhundert. Ein umfangreicher Bildteil mit unbekannten und schönen Fotos verschiedener Fotografen (u.a. Gerd Schulthess, St. Ingbert) und aus dem Stadtarchiv illustriert die Stadtgeschichte.

 

Mit einem Vorwort von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Ein Band zum Schmökern und Nachschlagen, für Einheimische und Besucher, für jung und alt.

 

(Verlagstext; mehr über das Buch und seine Autoren finden Sie auf der Webseite des Conte-Verlags.)

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

Johannes Hoffmann (1890 - 1967): Biographie eines Deutschen.

 

Heinrich Küppers: Johannes Hoffmann (1890 - 1967): Biographie eines Deutschen. Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte; Bd. 54. Düsseldorf: Droste 2008. Gewebeeinband, 603 S. EUR 49.00.

 

Der 1939 geborene Prof. Heinrich Küppers war bis 2005 Professor für Neueste Geschichte an der Universität Wuppertal. Ende 2008 hat er im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung dieses umfangreiche Buch über Johannes Hoffmann (1890 bis 1967), den ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes (1947 bis 1955), herausgebracht.

 

Mit seiner äußerst detaillierten Biografie hat der Autor eine ungeheure Fleißarbeit abgeliefert, für die er viele Jahre lang authentisches Material zusammengetragen hat. Er hat Nachfahren JoHos befragt, ihre Erinnerungen ausgewertet und riesige Archivbestände und Nachlässe durchforstet. Davon zeugen die unzähligen Zitate und Verweise auf Fundstellen und einschlägige Literatur.

 

Er schildert in chronologischer Reihenfolge auf gut 600 Seiten die einzelnen Lebensstationen und politischen Aktivitäten des bis heute umstrittenen Saar-Politikers. Das größte Kapitel ist natürlich seinem Wirken an der Saar in der Zeit von 1945-1955 gewidmet, aber davor geht der Autor auch sehr ausführlich auf Hoffmanns Leben und Wirken in der ersten Hälfte des Jahrhunderts ein. Er berichtet über Studienzeit, Dienst im Ersten Weltkrieg und die Redaktionsleitung bei der Saarbrücker Landeszeitung während der Weimarer Republik. Er erläutert die ablehnende Haltung Hoffmanns zu den Nazis und seinen Kampf gegen den Anschluss der Saar an Hitler-Deutschland. Dann schildert er ausführlich die nach der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 notwendig gewordene Flucht Hoffmanns vor den Nazis, die ihn schließlich in die Emigration nach Brasilien führte. Sein Weg dorthin über Forbach, Luxemburg und Marseille, seine Leiden im Exil und schließlich seine Rückkehr in die Heimat werden minutiös dargestellt. Dabei bedient er sich unter anderem des Tagebuchs, das Hoffmann in seinem brasilianischen Exil geführt hat und das der Forschung bis vor einiger Zeit unbekannt war. Küppers zeigt auf, dass es keine Belege für die Behauptung gibt, die Franzosen hätten Joho nach dem Krieg aus dem Exil ins Saarland „zurückgeholt“. Er schildert die wahren Umstände seiner Rückkehr im Herbst 1945 und legt die Gründe dar, weshalb er den Franzosen als der geeignete Mann für die Verwirklichung ihrer Vorstellungen über die Zukunft der Saar erschien.

 

Nach den Vorstellungen Hoffmanns sollte unser kleines Land eine Brückenfunktion zwischen den beiden großen ehemals verfeindeten Nationen übernehmen und zur Wiege eines geeinten Europas werden. Warum Hoffmann an dieser Aufgabe scheiterte (es kam stattdessen recht schnell zum Anschluss der Saar an die Bundesrepublik), erläutert Küppers im vorletzten Teil seines Buches. Zum Schluss beschreibt er die sich daran anschließenden „Jahre der Versöhnung“, während derer Joho sich unter anderem um die äußerst schwierige Vereinigung der CVP mit der CDU bemühte.

 

Hoffmann wird oft vorgeworfen, nur ein Erfüllungsgehilfe für die Franzosen gewesen zu sein und dass sein "Ziel Europa" lediglich ein Vorwand für seine eigenen Machterhaltungsbestrebungen war. Beim Lesen der Biografie Küppers' spürt man durchgehend, dass es ein Anliegen des Autors ist, gegen dieses negative Image anzukämpfen. Wie der Untertitel des Buches ankündigt, möchte er Johannes Hoffmann als „einen Deutschen“ darstellen. Dies war er zweifellos, als er während der Völkerbundzeit zunächst vehement für den Wiederanschluss der Saar an das Deutsche Reich plädierte. Nach der Machtergreifung Hitlers warnte er vor den Gefahren des Nationalsozialismus und kämpfte von da an für die Beibehaltung des Status quo, um die Saar vor Hitler zu schützen. Nach dem 2. Weltkrieg konnte er sich nicht mehr vorstellen, dass die Saar im Schoße des vom 3. Reich übrig gebliebenen Deutschlands gut aufgehoben sei, und bemühte sich deshalb darum, sie zu einem autonomen und von Deutschland unabhängigen Staat werden zu lassen. Seine Kritiker verneinen deshalb die Korrektheit der Formulierung "Biographie eines Deutschen".                                                                                                                                                                                          Rainer Freyer    

 

Anmerkung zu dem Foto oben: Es ist nicht vom 24.10.1955 (wie auf dem Buchumschlag angegeben), sondern 10 bis 15 Jahre älter.

 

Viele Einzelheiten und Abbildungen über Leben und politisches Werk Johannes Hoffmanns finden Sie auf der Seite Johannes Hoffmann.

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

  Seite erstellt am 01.03.2010, zuzletzt geändert am 06.04.2010             

 

nach oben

arrow4_u.gif

|

arrow4_L.gif zurück <---------> weiter arrow4_R.gif

 

 

Home > saar-nostalgie.de