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Inhalt des Kapitels VERKEHR:

a) Allgemeines / Autofahren im Saarst.

b) Die Kfz-Kennzeichen des Saarlandes

c) Was bedeutete das "OE"?

d) PKW: französische Fabrikate

    Extraseiten:  Renault 4 CV - Citroën Traction Avant

e) PKW: deutsche u. ausländische Marken

f ) Motorräder und Motorroller

g) Fahrzeuge mit "SAAR"-Kennzeichen

h) Nutzfahrzeuge:  LKW 1, LKW 2,  Kombis, Sonderfahrzeuge, Omnibusse, Straßenbahn, Obusse, Eisenbahn, Feuerwehr, Fliegen,Schiffe

 

f) Motorräder und Motorroller

 

Motos et Scooters


 

Zum Bild oben rechts: Die vorderen Motorrad-Nummernschilder wurden über dem Vorderrad längs zur Fahrtrichtung angebracht. Ihre Form war der Rundung des Schutzbleches angepasst. (Zur Erinnerung: OE 6 = Stadt und Landkreis Saarlouis.) (Foto: Stefan Michelbach)

 


 

Zugelassene Motorräder und Motorroller im Saarland am 1. Juli 1951  (berücksichtigt sind nur Marken ab 20 Einheiten)  

 

Wie Sie aus der folgenden Tabelle ersehen können, waren die größten Stückzahlen der 1951 vorhandenen Motorräder solche von DKW und NSU. Dies erklärt sich wohl daraus, dass die Saarländer gegen Ende des Krieges ihre noch vorhandenen Fahrzeuge gerne im Heuhaufen versteckten, um sie vor dem Zugriff der Allierten zu retten. Dies gelang mit Motorrädern viel leichter als mit Autos.

 

Adler  28

Ardie  324

Automoto  43

Bastert  26

BMW  306 

BSA  147

BSW  26

DKW  2211 

Dürkopp  283

Elite-Diamant  64

Excelsior  20 

Express  134 

Fichtel & Sachs  26

FN    23

Gnome-Rhone  89 

Göricke  89

Harley-Davidson  21

Hecker  34

Hercules  112 

Horex  61 

Jawa  32 

Koehler-Escoffier  28

Lambretta  22

Magnat-Debon  101 

Maico  88

Miele  250

Monet Goyon  203

Motobecane  298 

Motoconfort  55

NSU  1586

Peugeot  463

Phänomen  61 

Presto  279

Puch  163

Radior  26 

Standard (Gutbrod) 164

Terrot  290

Tornado  54  

Tornax  30

Torpedo  41

Triumph Nürnberg  294

Vespa  24 

Viktoria  523

Wanderer  261

Zündapp  308

 

 

 

 Quelle: Der Saarhandwerker Nr. 19 vom 15.10.1951. In den Jahrgängen 1952 bis 1955 finden sich leider keine Statistiken dieser Art mehr im "Saarhandwerker".  

 

 

I) Motorräder      (DenTeil  II Motorroller  - Vespa und andere finden Sie weiter unten.)

 

Hinweis:  Motorräder aus der Zeit vor 1945 sehen Sie auf der Seite SAAR-Kennzeichen.

 

 

A)  Maschinen saarländischer Herstellung  (Texte und Fotos: Torsten Gatzke, Ludweiler)

 

 

Im Saarland der Nachkriegszeit gab es nur wenige Motorrad-Hersteller. Sie vertrieben aus wirtschaftlichen Gründen in erster Linie sogenannte Konfektions-Motorräder: Um die hohen Einfuhrzölle für fertige Maschinen zu umgehen, führten sie die Einzelteile ins Saarland ein, bauten sie in ihrem Werk zusammen und verkauften sie unter ihrem eigenen Markennamen.

 

Folgende Marken sind bekannt:

 

 

 

 

 

 

 

1) Tornado (Fa. Strauch, Saarbrücken)

 

2) Saarperle (Fa. Hensler, Saarbrücken)

 

3) Hoffmann & Seidel (Fa. Hensler, Saarbrücken)

 

4) Standard (Fa. Gutbrod, Bübingen)

 


 

1) TORNADO

 

Am 1. Oktober 1923 eröffnete Alfred Eugen Strauch in Saarbrücken, Mainzer Straße 58, ein Verkaufsbüro der Firmen FAG Kugelfischer (Kugellager) und Peters Union (Reifen). Später baute er sein Geschäftsfeld aus und bot Fahrräder unter dem Markennamen TORNADO an.

 

Nach dem Krieg baute die Firma auch Konfektions-Motorräder, die sie ebenfalls unter ihrem Markennamen TORNADO verkaufte. In Merzig konnte man sie z.B. bei der Fa. Hilger kaufen.

 

Das Foto zeigt den Tornado-Stand auf der Saarmesse 1958.

 

Folgende Typen wurden angeboten:

 

a) Tornado STM100 mit 98 ccm-SACHS-Motor. Leider können wir davon vorläufig nur einTypenschild zeigen (Wer hat ein Bild?):

 

 

 

b) Tornado STM150  mit 150 ccm-SACHS-Motor (Bild rechts)

 

Das Foto entstand auf einem Oldtimertreffen in Niedaltdorf in den 80er-Jahren. (Beide Fotos: Torsten Gatzke)

 

c) Tornado STM175  mit Viergang-175 ccm-SACHS-Motor  (Basis: KS 175 der Panther-Werke in Braunschweig.)

 

Auf dem Bild rechts (aus den 50er Jahren) steht links eine STM175. Das Farbfoto einer STM175 (unten) wurde bei einem Oldtimertreffen vor dem ehemaligen Zweiradmuseum Wadgassen aufgenommen. (Foto: Torsten Gatzke)

 

 

d) Tornado mit 2,2 PS-47 ccm-

 

SACHS-Motor

 

aus dem Jahr 1958

 

 

Das Foto wurde im ehemaligen Zweiradmuseum in Wadgassen aufgenommen.

 

(Foto: Torsten Gatzke)

 

 2) SAARPERLE

 

Auch SAARPERLE war ursprünglich eine Fahrradmarke. Der saarländische Spitzenfahrer im Radsport, Hermann Messinger, fuhr zum Beispiel SAARPERLE-Räder.

 

In den 50er-Jahren stellte die Saarbrücker Firma Hensler auch Konfektionsmotorräder unter dem Markennamen SAARPERLE her. Sie baute die Rahmen und kaufte Motoren, Räder, Bremsen usw. zu. So entstanden verschiedene Modelle, in die französische bzw. deutsche Zweitaktmotoren oder französische Viertaktmotoren eingebaut wurden.

 

Bei den 175 ccm-Motorrädern soll Hensler keine eigenen Rahmen gebaut, sondern auf solche von Radior zurückgegriffen haben (Hinweis von Rolf Schneider).

 

Später (Ende der 60er-Jahre) wurde Hensler von der Saarbrücker Firma Alfred Strauch übernommen.

Foto: SAARPERLE HAR, 8 PS, 175 ccm AMC-4-Takt- Motor, Baujahr 1955. (Foto aus dem Motorrd-Museum Wadgassen:Torsten Gatzke)

 

 

SAARPERLE 3,5 PS, 175 ccm Sachs-2-Takt-Motor, Baujahr ca. 1957. (Foto Torsten Gatzke)

 

 

 

SAARPERLE 4 PS, 125 ccm Nervor-2-Takt-Motor, Baujahr 1952 mit Original OE-Kennzeichen. (Foto Torsten Gatzke)

 

 

Das Landeswappen im Emblem war dasjenige,

 

das von 1946 bis 1948 als Wappen

 

des Saarlandes verwendet wurde

 

(> siehe hier).

 

 

Nach Ansicht unseres Lesers Helmut Gräning müsste das hier abgebildete Modell eine

Saarperle Typ HAR mit AMC-Motor (aus Frankreich), Bj. 1955 sein. Der Motor hatte einen Zylinder mit 175 ccm und leistete 8 PS.

 

(Die beiden Farbfotos wuden im ehemaligen Saarländischen Zweiradmuseum Wadgassen aufgenommen. Fotos Torsten Gatzke)

 

 

 

3) HOFFMANN & SEIDEL

 

 

Hoffmann & Seidel war ebenfalls eine Konfektionsmarke der Fa. Hensler in den 50er-Jahren.

 

Weitere Informationen liegen uns leider nicht vor.

 

 

 

4) STANDARD REX – Motorradmarken der Fa. Gutbrod

 

Wilhelm Gutbrod gründete 1926 in Ludwigsburg die Standard Fahrzeugfabrik GmbH und produzierte dort Motorräder, später auch Autos und Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen zog 1933 nach Stuttgart-Feuerbach und 1937 nach Plochingen am Neckar um.

 

Es betrieb im saarländischen Bübingen ein Zweigwerk, in dem es landwirtschaftliche Geräte produzierte. Unmittelbar nach dem Krieg wurden dort aber auch Motorräder gebaut, nämlich die Standard Rex 350. Diese musste man im Werk in Bübingen fertigen, da die Herstellung im Stammwerk in Württemberg wegen des Kontrollratsverbots für 350-ccm- Motorräder nicht erlaubt war. Da das Saarland zu dieser Zeit unter französischer Militärverwaltung stand, war hier eine Fertigung möglich. Es wurden 200 Maschinen für die Polizei und 39 für Händler gebaut.

 

Links: Ausschnitt aus einem Gutbrod-Standard-Prospekt von 1937

 


 

 

B) Maschinen nicht saarländischer Herkunft, die im Saarland gefahren wurden

 

 

1) Deutsche Fabrikate

 

Diamant, Modell 36 K

 

mit 98er Sachs-Motor und Kickstarter. Die Diamant wurde von 1936 bis 1940 gebaut.

 

Dieses Exemplar steht hier im Jahr 1948 an der Zollstelle Jägersburg. Auf dem Kennzeichenschild steht die Zulassungsnummer: SA 01 8784, auf dem Pappkarton über dem Hinterrad der Name eines typisch saarländischen Würzmittels :-)

 

Das vollständige Bild sehen Sie auf unserer Seite Die ungeliebte Grenze. (Foto: Stadtarchiv Homburg.)

 

Die BMW R 35

 

wurde von 1937 bis 1940 gebaut. Sie hatte noch den Pressstahlrahmen der BMW R4, verfügte aber im Gegensatz zu dieser schon über eine Teleskopgabel. Mit 350 ccm Hubraum und 14 PS erreichte sie etwas mehr als 100 km/h.

Hier ist sie in ländlicher Umgebung im Landkreis St. Wendel (OE 8) zu sehen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1950.

Foto: Hr. Hoffmann, Werschweiler

Weitere BMW-Maschinen sehen Sie in der unteren Hälfte unserer Seite Polizeifahrzeuge.

                                                                                                                                            

 

Eine Hoffmann MR125

 

mit 125-ccm-ILO-Motor; Baujahr 1951.

 

DieFirma Hoffmann (Lintorf, bei Düsseldorf) hat von 1949 bis 1954 Motorräder konfektioniert und manchmal sogar eigene Motoren verbaut.

 

DKW NZ 250

(Man könnte auch eine NZ 350 vermuten, aber dafür wäre der Abstand zwischen Tank und Zylinderdeckel zu groß - als Zweitak- ter hat sie keinen Zylinderkopf).

(Foto: Sammlung Jürgen Konrad, Wadgassen; Techn. Infos: Manfred Zimmer)

 

Mathilde Berger (geb. 1913) mit ihrem Moped DKW RT3PS (RT100). Dieser Typ wurde ab 1937 gebaut und hatte 98 ccm Hubraum, Kickstarter und feststehende Fußrastern. Charakteristisch ist der weiße "Flügel" vorne auf dem Tank.

 

Das Bild entstand kurz nach 1950 vor dem Haus der Familie in Oberbexbach, Hochstr. 266.  

(Foto: Dieter Berger, Bexbach, Infos: Manred Zimmer.)

 

 

 

Eine NSU am Straßenrand irgendwo im Landkreis Saarbrücken. Es muss irgendwie eine "Mischung"

aus der 501 OSL und der 601 OSL sein. (Foto: Karl Abel, Rohrbach; Info: Manfred Zimmer.)

 

 

 

Beim Festzug "100 Jahre selbstständige Gemeinde Rohrbach" am 4.September 1949 fuhr auch Elimar

Becker auf seiner flotten Zündapp mit. Es war eine K500 (Merkmal für diesen Typ ist der "Deckel" vorne

am Motor). Daten: 500 ccm und 16 PS bei 4800 U/min.   (Foto: Karl Abel, Rohrbach. Info: Manfred Zimmer.)

 

 


 

2) Französische Marken

  

 

a) Koehler Escoffier

 

Eine Koehler Escoffier mit 250 ccm Hubraum. Links mit Klara Gatzke aus Ludweiler und rechts mit ihrem Sohn Adolf, dem die Maschine gehörte.

 

Fotos: Torsten Gatzke (Klaras Enkel und Adolfs Sohn)

 

 

 

Eine umgebaute Terrot 350         

 

b) Terrot

 

 

Terrot ETD 125 OHV  (Beide Fotos: Sammlung Jürgen Konrad, Wadgassen)

 

 

Terrot ETD 125

 

beim Geschicklichkeitsparcour

des Motorsportclubs Völklingen

im Stadion der Hüttenstadt

am 17. Juni 1951

 

Aus dem Buch

"Völklingen 1870 - 1970"

 

 

 

c) Magnat-Debon

 

 

vorne im Bild zu sehen;

dahinter steht eine

175 er Tornado

(Made in Saar)

 

 

 

 

 

d) Peugeot    

 

 

 

Dieses Bild zeigt eine Peugeot P56

 

aus der Stadt oder

 

dem Landkreis Saarlouis (OE6),

 

Baujahr zwischen 1949 und 1951.

 

Sie wurde von einem 125 ccm-Motor

 

angetrieben.

 

 

(Foto: Sammlung R. Freyer)

 

e) FMC (Trophée de France u.a.)

 

 

Eine weitere Motorradmarke aus Frankreich, die auch im Saarland gefahren wurde, war Trophée de France (die Schreibweise "Trophe de France", die man manchmal sieht, ist falsch). Sogar die saarländische Polizei soll Motorräder dieser Marke verwendet haben.

 

 

Leider haben wir noch keine Bilder von Maschinen der vier in der Anzeige genannten Marken der F.M.C. (France Motor Cycles), die ihren Sitz in Mandelure (Doubs) hatte.

 

Griffon, Trophée de France, Météore, Aiglon

 

 

3) Fabrikate anderer Länder

 

 

a) Oesterreich

 

 

 

Diese Puch Einzylinder TF 250 wurde im Jahr 1950 fotografiert, zusammen mit ihrem Besitzer aus dem Kreis St. Wendel .

 

 

Foto: Hr. Hoffmann, Werschweiler






 

b) Großbritannien

 

 

BSA:

 

Die Maschine auf dem Bild unten ist eine

BSA 1956 Model C12 mit 250er OHV Motor

(Info von Jürgen Böhm, Eppelborn)

 

(Das vorne befestigte Nummernschild ist sicherlich nicht original, denn hinter dem OE 1 ist z.B. die Jahreszahl angebracht [1956] -

dies war damals nicht üblich.)

 

Das Bild wurde aufgenommen von Torsten Gatzke bei einem Oldtimertreffen in St. Wendel in den 90er Jahren.

 


 

 

 


 

 

Fahrrad mit Hilfsmotor

 

 

Dies ist Opa Otto Ziebuhr. Er war mit einem umgebauten Fahrrad mit Hilfsmotor unterwegs und bot seine Dienste als Scherenschleifer an. (Foto: Familie Falk-Ziebuhr)

 

Torsten Gatzke schreibt zu dem Fahrzeug: Es stammt aus den 40er-Jahren. Der Motor ist ein Rex-Fahrrad-Hilfsmotor aus den 50er-Jahren. Er wurde in sehr hohen Stückzahlen gebaut.

 

 


 

 

 II) Motorroller

 

 

1) Die VESPA - Lieblingsgefährt

 

      vieler Saarländer(innen)

 


 

Als der Italiener Enrico Piaggio im April 1946 die erste Vespa bauen ließ, konnte er nicht ahnen, dass er damit auch das Lieblings-Zweirad der Saarländer in den 50er Jah- ren und darüber hinaus geschaffen hatte. Er wollte eigentlich nur, so kurz nach dem Krieg, für die Menschen seines Landes ein einfaches und preiswertes Transportmittel auf den Markt bringen. Es sollte leicht, handlich, wendig und zuverlässig sein und zwei Personen befördern können.

 

In seinem Auftrag entwickelte der Luftfahrt-Konstrukteur Corradino D'Ascanio ein selbsttragendes Chassis, an dem er eine Einheit aus Motor und Radführung montierte. Der Motor war also direkt am Hinterrad angebracht; so konnte man auf die unbeliebten (und damals meist schwer beschaffbaren) Antriebsketten verzichten.

 

Werbeanzeige aus der Tagespresse.

Titelblatt einer Vespa-Bedienungsanleitung in französischer Sprache.

 

Da der Motor vollständig unter einer Abdeckung verschwand, konnte man sich an ihm auch nicht schmutzig machen.

 

Das Vorderrad steckte bei der Vespa nicht in einer Gabel, sondern in einer einseitigen Aufhängung. Dies erleichterte seinen Ein- und Ausbau erheblich.

 

Ein weiterer Vorteil gegenüber den hochbeinigen Motorrädern jener Zeit war die komfortablere Sitzposition (beide Füße nebeneinander auf dem Boden- brett) sowie die leichtere Manövrierfähigkeit, wenn man mal schieben musste. Auf den damaligen Straßen, vielfach mit Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen, war allerdings das Fahrverhalten nicht unproblematisch. Dies galt besonders bei Nässe.

 

Bild rechts: Auf der Vespa direkt ins Eheglück? Drei Fotos: Ernst Becker,Heckendalheim.

 

Den Namen des neuen Gefährts erfand Piaggio selbst: Als er den ersten Prototyp sah, soll er (auf Italienisch) ausgerufen haben: "Sembra una vespa" (Sie sieht aus wie eine Wespe).

 

Man baute 1946 zuerst das Modell 98 mit einem 98- ccm-Motor und 3,3 PS. Es erreichte eine Höchstge- schwindigkeit von 60 km/h.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im ersten Jahr konnten bereits ein bis zwei Tausend Exemplare verkauft werden.

 

1948 wurde die neue Vespa 125 mit einem entsprechend größeren Hubraum und 4,5 PS eingeführt; sie erreichte 70 km/h. Man erhöhte den Komfort durch den Einbau eines gefederten Hinterrades. Nach 1948 wurden jährlich mehrere 10.000 Roller gebaut, ab 1950 schon weit über 100.000 im Jahr.

 

Aufgrund des enormen Erfolges der Vespa in Italien wurden nun in vielen europäischen Ländern Produktionsstätten unter Piaggio-Lizenz eröffnet. Ende 1950 errichtete man in Fourchambault an der Loire, im Département Nièvre, die ACMA (Ateliers de Construction de Motocycles et Accessoires), um dort ab Februar 1951 Vespas für den französischen Markt zu bauen. (Einzelheiten dazu in dem Absatz unter diesen Fotos). Anfangs stellten etwa 20 Beschäftigte 200 Motorroller her, 1953 verließ die 100.000ste Vespa das Werk.

 

 

Nach Deutschland wurde die Vespa ab 1950 exportiert, und auch im Saarland tauchte sie nun auf: Auf der ersten Saarmesse Ende April 1950 wurde sie erstmals in unserem Land vorgestellt.

 

Die Vespa erlangte schnell große Beliebtheit bei den Saarländern, die sich in den frühen 50er Jahren meist noch keine Autos leisten konnten. Und so entwickelte sie sich in den kommenden Jahren auch hier schnell zum Inbegriff von Mobilität und Lebensfreude. Die an der Saar verkauften Modelle stammten aus der französischen Produktion und trugen deshalb das "ACMA"-Signet oben auf der Vorderseite. Gegenüber dem italienischen Original wiesen sie einige Besonderheiten auf:

 

Besonderheiten der von A.C.M.A. in Frankreich produzierten Vespas

 

"Als die Produktion in Fourchambault, Frankreich, 1950 beschlossen wurde, importierte man vorerst fertigmontierte Vespa V15 (Gestänge- schaltung) aus italienischer Produktion und stattete diese mit den für Frankreich typischen Änderungen aus. So gab es von Anfang an eine spezielle Finne am vorderen Kotflügel und einen in Frankreich beschafften Hauptscheinwerfer (Marke Auteroche) mit gelber Glühbirne. Das Rücklicht entspricht dem der italienischen V15. Da es in Frankreich üblich war die Buchstaben des Kennzeichens nach erfolgter Zulassung selbst aufzumalen, war hinten ein mattschwarzes Blech angebracht und vorne am Kotflügel, jeweils auf der linken und rechten Seite, ein schwarzer, halbrunder Kennzeichenstreifen lackiert. Das Typenschild war noch nicht an späterer Stelle (Hinterseite der Frontschürze), sondern befand sich im hinteren Gepäckfach. Obwohl ab 1951 schon ein großer Teil der verwendeten Teile aus eigener Produktion stammte, wurde immer noch vieles aus Italien ergänzt. Mit Beginn der Eigenproduktion stattete man die Fahrzeuge (V 31) mit der Seilzugschaltung, einer neuen Vorderradaufhängung und der A.C.M.A. Typenplakette mit Motor- und Chassisnummer auf der Hinterseite der Frontschürze aus. 1951gab es ein rechteckiges Rücklicht mit Glaseinsatz (Marke Auteroche [...]). Schon 1952 waren alle Teile aus französischer Produktion.

 

1951 und 1952 wurde ein helleres Grünmetallic zum Lackieren verwendet als 53 und 54. 1952 wurde ein Tachometer in die Lenkerbrücke integriert. 1953 wurde der Lenkerkopf verändert (Gehäusekopf mit Tacho) und das Rücklicht mit mittelstehendem Kreis und zwei Seitenflügeln eingeführt. Das Modelljahr 1953 war außerdem das letzte mit nach unten offener Motorbacke." [1]

 

[1] Auszug aus der Website www.austrian-indian-riders.at/Vespa/acmabeso.htm.

 

Die VESPA-Generalvertretung für das Saarland übernahm die Firma Auto-Industrie, Bleichstraße 11-13. In der Frühlings-Werbeanzeige (siehe unten) ist das Gebäude eingezeichnet, so wie es damals aussah (es ist heute als "Die Garage" bekannt). In vielen Orten des Landes standen auch so genannte Untervertretungen zur Verfügung.

 

Die Auto-Industrie verwendete spezielle Kundendienstwagen, um ihren Vespa- Kunden schnelle Hilfe bei Pannen und Problemen anzubieten.

 

 

Kleinere Reparaturen konnte man mit den mitgeführten Werkzeugen und Ersatzteilen an Ort und Stelle ausführen, bei größeren Problemen nahm man die defekte Vespa mit in die Werkstatt.

 

Der abgebildete Werkzeugwagen ist ein Citroën 1200 kg H (Infos zu diesem Fahrzeugtyp finden Sie auf der Seite Polizeifahrzeuge).

Beide Fotos: Stadtarchiv Saarbrücken.

 

Vespa-Anzeige aus der SZ

kurz vor Ostern 1953.

 

 

SZ-Anzeige vom 21.03.1953. Sammlung Torsten Gatzke, Ludweiler.

 

 

 

Liste der Vespa-Typen der ersten 16 Jahre

 

Jahr

Typ

Hubraum

Leistung

Vmax

Getriebe, Räder

 

 

cm³

PS

km/h

 

1946

Vespa 98

98

3,2

ca. 60

 

1948

Vespa 125

125

4,5

70

 

1955

Vespa 150 GS

150

 

100

4 Gänge, 10-Zoll-Räder

1957

Vespa 125 VNA

125

4,5

75

8-Zoll-Räder

1959

Vespa 125 VNB

 

 

 

3 bzw. 4 Gänge

1959

Vespa 150 VBA

150

 

85

3 Gänge, 8-Zoll-Räder

1960

Vespa 150 VBB

150

 

85

4 Gänge, 8-Zoll-Räder

1962

Vespa 160 GS

160

 

 

4 Gänge, 10-Zoll-Räder

SZ-Anzeige von 1953. Sammlung Torsten Gatzke.

 

 

 

 

 

Tabelle: Rainer Freyer

Infos aus wikipedia

 

 

 

Seit vielen Jahrzehnten besitzt die Vespa in zahlreichen Ländern der Erde Kultstatus. Bis 2006 sollen insgesamt über 17 Millionen Exemplare verkauft worden sein.

 

Schon in den 50ern bildeten sich vielerorts Vespa-Clubs, in denen man Erfahrungen austauschen und gemeinsame Ausflüge und Reisen unternehmen konnte. Ziel dieser Clubs war es außerdem, "über die Landesgrenzen hinaus mit anderen Clubs freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten und die Erfahrungen auszutauschen, um auf internationaler Ebene den Geist der Kameradschaft und der gegenseitigen Verständigung zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, finden alljährlich internationale Vespatreffen statt." [1]

 

 

Die Abbildung oben links zeigt eine Plakette des Vespa-Clubs Saar: Drei Wespen (ital. "vespe") fliegen über die Saarschleife.

Im Bild links eine Anstecknadel des Vespa Clubs Quierschied, Bild rechts: Vespa Club Warndt.

 

 

 

Bilder oben links und rechts: Sammlung Torsten Gatzke, Ludweiler. Bild links: Sammlung Armin Flackus.

 

[1] Festschrift 700 Jahre Güdingen. Güdingen 1959. S. 75.

 

Unten: Diese Vespa ist in der Ausstellung "Saargeschichte seit 1870" im Historischen Museum Saar zu bestaunen.   (Fotos: R. Freyer. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Museumsleitung.)

 

 

  

 

 

 

 

 

Geschicklichkeitsfahren auf dem Landwehrplatz in Saarbrücken, 1953/54.

 

Am linken Bildrand sieht man noch eine Ecke des Gebäudes der Oberrealschule (heute Otto-Hahn-Gymnasium).

 

Ein Teilnehmer vom Vespa-Club Saarbücken balanciert gerade auf dem Hinterrad über das Brett. Ob er wohl heil unten ankommt?

 

Foto (Copyright): Walter Barbian (http:///www.saarlandarchiv-walter-barbian.eu)

 

   

 

  Im Bild links eine mit zwei Mann besetzte Vespa mit Homburger Nummer (OE 1). (Die Gesichter wurden vom Bildgeber unkenntlich   gemacht.) Rechts die Vespa in der Ausstellung des Historischen Museums Saar. Dahinter steht eine Velosolex, davor eine der typischen   Saarbrücker Verkehrsampeln der 50 und 60er Jahre.

 

 

Vespas konnte man in direkt bei der Auto-Industrie in Saarbrücken und Saarlouis kaufen (siehe Anzeigen) oder in einem der zahlreichen kleineren Betriebe im ganzen Land. Man konnte sich auch eine Vespa ausleihen, z.B. beim Vespa-Verleih-Saar von H. Triem in der Dudweilerstraße. Die Saarländische Union für Motorroller vertrat die Interessen der Motorrollerfahrer und richtete Veranstaltungen aus.

 

SZ-Anzeige von 1958: Sammlung Torsten Gatzke, Ludweiler. Foto des Banners der Motorroller-Union: J. Konrad, Wadgassen.

 

 

1951 (oder 52) lief im Saarbrücker Gloria-Palast der Film "Professor Nachtfalter" mit Johannes Heesters. Dieser fuhr in dem Film zusammen mit Mädchen eines Mädchenpensionats auf Vespas durch die Gegend. Deshalb schickte man fünf dieser Motorroller durch Saarbrücken, um für den Film und gleichzeitig für die Firma Auto-Industrie zu werben, die sie zur Verfügung gestellt hatte (siehe Beschriftung der Vespas).

Info und Fotos: Ernst Becker, Heckendalheim   

 

                                                                                                                                     

Mit diesen Hebeln und Schaltern wurde die Vespa bedient.

Auszug aus der französischsprachigen Bedienungsanleitung.

 

 

Gasgriff

  

 

 

 

Luftklappenhebel

 

 

 

 

Kickstarter

 

 

 

 

Benzinhahn

 

 

 

Zugangsklappe

zum Vergaser

 

 

 

 

 

Schalter f. Hupe und Abstellen des Motors

 

 

Kupplungshebel und Gangschaltung

 

 

Hupe

 

 

 

 

Hinterradbremse

 

 

 

 

Vorderradbremse

 

 

 

 


 

 

Saarländer und ihre Vespas zur Zeit der OE-Kennzeichen

 

 

 

Links: 1954 auf einem Campingplatz in Offenburg. (Foto: Sammlg. R. Freyer)

Unten: 1953 bei einem Sonntagsausflug entlang der Saar in Richtung Saarschleife (etwa bei Dreisbach?). Foto: Werner Kochems, Furpach.

 

 

Zwei festlich geschmückte Vespas, aufgenommen wahrscheinlich in Geislautern. Der Grund für die Verzierung ist nicht bekannt.

 

 

Foto: Archiv Heimatkundeverein Warndt

 

 

Links:

Wonach der junge Fahrer mit dem Fernglas Ausschau hält, wissen wir nicht.

 

Frage: Erkennt jemand den Ort im Hintergrund?

 

 

Rechts:

Irgendwo in einer gebirgigen Landschaft - eine Saarländerin auf großer Tour.

 

 

 

Fotos: Jürgen Konrad, Wadgassen.

 

Die Mitglieder der Familie Josten wohnten in Weiskirchen, Merzig und Dagstuhl.

Eines Tages irgendwann in den 50er Jahren trafen sie sich zu einem Ausflug ins Grüne.

Zwei Vespas und ein Crèmeschnittchen dienten als Transportmittel.

Offensichtlich hatten alle viel Spaß dabei.

Foto: Achim Josten, Morscholz.

 

Damensitz. Auf den Rücksitzen posieren zwei junge Frauen als Beifahrerinnen im sogenannten "Damensitz", d.h. mit beiden Beinen auf einer Seite des Zweirads. Er war aber auch während der Fahrt sehr beliebt. Das galt zwar, besonders mit Rock, als äußerst "chic", war aber ebenso gefährlich und wurde von der Polizei häufig beanstandet. Ein formelles Verbot des "Damensitzes" erfolgte in der Bundesrepublik am 1. Mai 1956 und wurde im Saarland mit der Angliederung am 1.1.1957 übernommen. (Karl Presser)

 

Karl-Heinz Thom (links im Bild, wohnt heute in Frauenberg) erzählt zu dieser Aufnahme:

 

Meine Mutter und ich waren gerade vom Roller abgestiegen, als uns ein Straßenfotograf ansprach und zu diesem Bild überredete.

 

Wie man sieht, war von Schutzbekleidung damals noch keine Rede. Auf dem Roller fuhr man mit der Mode. Nur eine Schutzbrille gegen Staub und Mücken war obligatorisch. Aber ansonsten gab es Fahrspaß pur. Bei jedem Wetter, ob bei Regen oder auch bei hohem Schnee, waren wir - wenn es denn sein musste - unterwegs. Man zog sich halt warm an. So lernte ich zunächst vorne auf einem kleinen Stühlchen sitzend oder später auf dem Sozius das Saarland kennen und lieben.

 

Besonders bewundert habe ich die Fahrkünste meiner Mutter, die sich zwar immer schnell, aber doch mit sicherer Hand durch den dichtesten Stadtverkehr schlängeln konnte. Meinen Vater zog es eher auf die Feld- und Waldwege, wo wir des Öfteren die grüne Grenze nach Frankreich überquerten, um Freunde im benachbarten Lothringen zu besuchen, bei Rückkehr in der Dunkelheit dann auf Rehe und Wildschweine achten mussten, die unseren Weg kreuzten. Gelegentliche Stürze konnten bei den damaligen Wegeverhältnissen nicht ausbleiben, die wir aber immer ohne ernsthafte Spuren überstanden.

Foto und Text: Karl-Heinz Thom, Frauenberg.

 

 

Die Vespa der Familie Ziebuhr aus Saarbrücken. Sie wohnte dort in der Kronenstraße;

dort ist auch das hübsche Foto entstanden. (Foto: Familie Ziebuhr)

 

 

       Eine Vespa mit Beiwagen!

 

 

Mitglieder der Familien Flackus und Schmitzer auf einem Ausflug von Ottweiler nach Schneeberg 1955. In den 50er Jahren war eine Reise mit einer Vespa über solch eine Entfernung schon recht abenteuerlich.

 

Zu Hause musste der Beiwagen - ein Kali KL 110 - jedes Mal abgebaut werden, wenn die Vespa in die Garage in Ottweiler gestellt wurde, denn dort stand noch ein Dauphinchen. Die vielen Plaketten zeigen, wie viele Ausflüge die Vespa schon hinter sich hatte.

 

Fotos und Infos: Armin Flackus, Ottweíler.

 

 

Diese Reihe wird fortgesetzt - haben auch Sie vielleicht noch Bilder mit saarländischen Motorrollern aus den 50ern?

 


 

Der Hauptgewinn war eine Vespa!

 

Zeitungsmeldung mit Bild vom 3. November 1952. Das angesprochene Automobilunternehmen dürfte die Firma Auto-Industrie in der Bleich- straße gewesen sein, denn sie hatte ja die Generalvertretung sowohl für FORD als auch für Vespa inne.

Zeitungsausschnitt und Foto: Saarbrücker Zeitung 03.11.1952.

 

 


 

Quellen für einige Infos in diesem Text:

http://www.cafe-le-journal.de/auberge/auberge.php - http://www.seppenbauer.eu/automuseum-autos.html - http://de.wikipedia.org/wiki/Vespa

http://www.autogazette.de/oldtimer/Die-Vespa-Ein-Kultobjekt-wird-60/2904 -  alle zuletzt eingesehen am 01.04.2012


 

 

Die Reihe "Saarländer und ihre Vespas" wird noch erweitert werden.

 

 


 

 

2) Motorroller anderer Marken

 

 

Außer der Vespa fuhren die Saarländer auch Motorroller der Marken  Lambretta, Heinkel und Zündapp.

 

Für Lambretta hatte Auto-Hippchen in der Dudweilerstraße 72 - 72a die Generalvertretung für das Saarland. Über Heinkel-Motorroller im Saarland haben wir bisher keine Infos.

 

 

Zündapp Bella. Es war wahrscheinlich eine R 200 (zu erkennen an dem großen Scheinwerfer und der Hupe.). Der Fahrer ist leider unbekannt - vielleicht ein Arzt nach seinem anstrengenden Dienst im Krankenhaus?

 

Die Zündapp-Werke GmbH bauten ihr Modell Bella mit 7,3 bis 12 PS, Luftkühlung und 4 Gängen von 1953 bis 1964. In dieser Zeit stellten sie insgesamt mehr als 130.000 Roller in Nürnberg und in München her.

 

Foto: Torsten Gatzke im Motorradmuseum Wadgassen vor einigen Jahren

 

 

Die R 200 wurde von einem 198 ccm-Motor angetrieben, der nur etwa drei Liter Benzin auf 100 Kilometer brauchte. Man konnte mit ihr bis zu 90 km/h schnell fahren.

Foto: Sammlung Rainer Freyer.

                                                                                                                       

 

Die Bella 204 mit 12 PS kam 1958 auf den Markt. Diese Werbung erschien 1959

in einer saarländischen Zeitung. (Sammlung Torsten Gatzke.)

 


 

 

Auf der Seite Motorsport finden Sie Infos und Bilder über die Motorrad-Rennen in St. Wendel.

 

 

Inhalt des Kapitels VERKEHR:

a) Wiederaufbau / Autofahren im Saarst.

b) Die Kfz-Kennzeichen des Saarlandes

c) Was bedeutete das "OE"?

d) PKW: französische Fabrikate

    Extraseiten:  Renault 4 CV - Citroën Traction Avant

e) PKW: deutsche u. ausländische Marken

f ) Motorräder und Motorroller

g) Fahrzeuge mit "SAAR"-Kennzeichen

h) Nutzfahrzeuge:  LKW 1, LKW 2,  Kombis, Sonderfahrzeuge, Omnibusse, Straßenbahn, Obusse, Eisenbahn, Feuerwehr, Fliegen, Schiffe

Diese Seite wurde begonnen im April 2012, zuletzt bearbeitet am 11.9.2016

                 

 

> Ausführliche Übersichts-Seite des Kapitels VERKEHR

 

 

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