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Olympische Spiele  

     

A) Die SAAR und Olympia von 1948 bis 1956  

 

 

 


> zum Teil B): Die SAAR in Helsinki 1952


 

Das Saarland war von 1947 bis 1956 ein von Deutschland abgetrennter teilautonomer Staat. In diesen Zeitabschnitt fielen drei Olympische Sommerspiele, nämlich diejenigen von 1948, 1952 und 1956. Dieser Teil A des Olympiakapitels gibt einen Überblick über die (Nicht-)Teilnahme saarländischer Sportler an diesen drei olympischen Ereignissen. Nur bei den Spielen 1952 in Helsinki war die Beteiligung einer separaten saarländischen Olympiamannschaft möglich.

 

ACHTUNG: Die sportlichen Ergebnisse und allerlei Interessantes und Kurioses über die Teilnahme unserer Saar-Mannschaft in Helsinki wird im Teil B) Die SAAR in Helsinki 1952 ausführlich dargestellt.

  


 

 

1) London 1948 - noch ohne Deutschland, und auch die geplante saarländische Beteiligung scheiterte

 

 

Die ersten Olympischen Spiele nach dem 2. Weltkrieg wurden 1948 in Großbritannien ausgetragen. Schon damals hatte Erwin Müller, der Präsident der vorläufigen Verwaltungskommission des Saarlandes, den Plan, das Land zur Teilnahme anzumelden. Er wurde von Gilbert Grandval unterstützt, der darin eine einmalige Möglichkeit sah, die Eigenständigkeit der Saar weltweit zu demonstrieren. Man hätte durch eine Teilnahme an den Spielen in London und die damit verbundene internationale Anerkennung als "olympische Nation" die Herauslösung der Saar aus Deutschland - auch auf sportlichem Gebiet - hervorragend unter Beweis stellen können. (Dies entsprach allerdings nicht dem Wunsch Erwin Müllers, der eine Teilnahme von Saar-Sportlern an der Olympiade damals lieber in einer Zusammenarbeit mit deutschen Verbänden gesehen hätte.)

 

Aber die Teilnahme der Saarsportler an der Olympiade 1948 in London wurde vom IOC (Internationales Olympisches Komitee) abgelehnt, und zwar mit der Begündung, dass erstens das Saarland noch nicht offiziell von Deutschland abgetrennt und zweitens die Zeit zwischen Antragstellung (etwa 20. Juni) und Beginn der Spiele (29. Juli) zu kurz sei. Gleichzeitig gab der IOC-Vorsitzende Edström aber seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Saar 1952 in Helsinki teilnehmen könne.

 

Übrigens durfte auch Deutschland noch nicht an den Spielen in London 1948 teilnehmen, weil das englische Organisationskomitee und das IOC im Hinblick auf den Krieg und das gerade erst zu Ende gegangene Dritte Reich erhebliche Vorbehalte gegen eine Zulassung Deutschlands hatten. Interessanterweise wurden solche Vorbehalte bei den Zulassungsverhandlungen mit dem Saarland aber an keiner Stelle erwähnt. Dies zeigt, dass die Saar schon damals als eine von Deutschland unabhängige Einheit angesehen wurde. 

 


  

 

2) Helsinki 1952 - mit westdeutscher und eigener saarländischer Mannschaft

 

ACHTUNG: Die Teilnahme unserer Saar-Mannschaft in Helsinki wird im Teil B) Die SAAR in Helsinki 1952 ausführlich dargestellt!

 

1952 wurden die XV. Olympischen Sommerspiele in der finnischen Hauptstadt Helsinki durchgeführt. Nach dem Misserfolg des Saarlands bei der Zulassung zu den Spielen von 1948 wurde am 12. Januar 1950 ein "provisorisches Komitee" gebildet, dem Erwin Müller als Präsident angehörte. Dieses beantragte am 5. Mai 1950 beim IOC die Anerkennung der Saar als "olympische Nation". Der von Erwin Müller hierüber informierte Präsident des französischen NOC in Paris, Armand Massard, stimmte einige Länder auf diplomatischem Weg und unter Mithilfe von Gilbert Grandval auf eine Befürwortung der Zulassung einer saarländischen Mannschaft ein.

 

Sein Hauptargument: Das Land habe sich von Deutschland losgelöst und dürfe deshalb keine Zielscheibe mehr für die im Ausland noch bestehenden Aversionen gegen Deutschland sein. Damit erreichte er eine nicht ganz satzungsgemäße Entscheidung des IOC:

Bereits am 15. Mai 1950 entschied das IOC in Kopenhagen, dem Saarland den Status einer "selbstständigen olympischen Nation" zuzugestehen. Aber auch nach dieser Entscheidung hatten einige hohe Funktionäre im IOC noch Bedenken, ob die Saar wirklich ein unabhängiges Land sei und ob es nicht doch besser innerhalb der deutschen Olympia-Mannschaft auftreten solle.

 

Als aber Gilbert Grandval im Januar 1952 seine Tätigkeit als Hoher Kommissar im Saarland beendete und von der französischen Regierung zu ihrem Botschafter an der Saar befördert wurde, war die polititische Unabhängigkeit des Saarlands, jedenfalls für Außenstehende, nicht mehr anzuzweifeln, und damit waren alle Bedenken ausgeräumt.

 

Am 20. Juni 1950 wurde das "provisorische Komitee" in das saarländische Nationale Olympische Komitee umgewandelt. Dabei wurden die Mitglieder des dreiköpfigen Präsidiums nicht etwa von den anwesenden Fachvertretern gewählt, sondern nach vorheriger persönlicher Absprache bestimmt. Im Laufe der darauffolgenden Monate erfolgte die internationale Anerkennung der saarländischen Sport-Fachverbände. Unter dem Protektorat von Johannes Hoffmann und Gilbert Grandval wurde die Olympische Gesellschaft des Saarlandes gegründet, deren Ziel es war, die auf die Anerkennung der staatlichen Autonomie ausgerichtete Regierungspolitik zu unterstützen. Sie gab eine Zeitschrift unter dem Namen "Olympia" heraus, von der aber nur drei Nummern erschienen.

 

Bereits im Spätsommer 1950 begannen die ersten organisatorischen und sportlichen Vorbereitungen für die Spiele. Am 5. Juli 1951 erhielt das Saarland die offizielle schriftliche Einladung zur Teilnahme in Helsinki. Erwin Müller, der damals Kultusminister und Vorsitzender des NOK in einer Person war, überzeugte die gesamte saarländische Führungsschicht davon, "dass es für eine weltumspannende Manifestation des Saarstaates keine günstigere Gelegenheit gibt, als mit einer eigenen Olympiamannschaft am Fest der Völker teilzunehmen" (W. Harres, Sportpolitik an der Saar 1945-57, Seite 152.)

 

Das Foto zeigt die 4x100-m-Frauenstaffel mit ihrem Trainer Hocke beim Training für die Spiele. (Foto: Jan Müller, Saarbr.)

 

    Über die Teilnahme der saarländischen Olympia-

    Mannschaft in Helsinki finden Sie alles Wissenswerte

    und viele interessante Einzelheiten auf dieser Seite:

    B) Die SAAR in Helsinki 1952.


 

 

3) Melbourne 1956 - erstmalig mit gesamtdeutscher Mannschaft (aus BRD, Saarland und DDR)

    

 

Ursprünglich war die erneute Teilnahme einer eigenständigen saarländischen Mannschaft an den Olympischen Spielen im November 1956 in Melbourne fest geplant. Sie wäre eigentlich auch nach der Volksabstimmung im Oktober 1955 noch möglich gewesen, aber nach dem eindeutigen Votum der Saarländer gegen das Saarstatut verzichtete man darauf. Am 21.9.1956 teilte das Saarländische Olympische Komitee dem IOC seine Selbstauflösung mit. Damit verlor das Saarland seine Anerkennung als olympische Nation und konnte keine eigene Mannschaft mehr entsenden. Stattdessen beschloss man, die saarländischen Sportler innerhalb der nun auch von Ostdeutschland erstmalig anerkannten gesamtdeutschen Olympiamannschaft an den Spielen teilnehmen zu lassen.

 

Natürlich war dadurch die sportliche Qualifikation für eine Zulassung saarländischer Sportler zu dieser riesigen Delegation um ein Vielfaches schwieriger als zuvor im kleinen Saarland. Der Exekutiv-Ausschuss des IOC hatte zudem mitgeteilt, dass Sportler aus dem Saarland, das ja noch nicht wieder offiziell an Deutschland angegliedert war, nur dann an den Spielen teilnehmen durften, wenn sie gebürtige Deutsche waren.

 

Die Sportler aus Ost und West mussten sich unter schwierigsten Bedingungen ihre Olympiateilnahme erkämpfen. Dabei hatten sie zunächst einige nationale und internationale Leistungsnormen zu erfüllen und mussten danach bei den Ost-West-Ausscheidungen einen der drei ersten Plätze erobern. Dies gelang 1956 nur zwei Sportlerinnnen aus dem (noch) autonomen Saarland, :

 

1) Die eine von beiden war Therese Zenz aus Mettlach. Sie gewann im Einer-Kajak die Silbermedaille über 500 m in 2:19,6. Dabei unterlag sie ihrer russischen Kontrahentin Elisabeth Dementjewa mit lediglich 0,7 Sekunden.

 

Bereits 1954 hatte sie in derselben Disziplin bei der dritten Kanu-Weltmeisterschaft in Mâcon (Frankreich) den Weltmeistertitel errungen (Foto rechts): Dies war das erste und einzige Mal, dass ein Teilnehmer einer saarländischen Mannschaft Weltmeister wurde und dass bei einer Weltmeisterschaft die saarländische Landesflagge als Fahne der Siegernation gehisst und die saarländische Nationalhymne gespielt werden konnte.

 

 

                                                                                     Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Bildersammlung.

  

 

2) Die andere war Helga-Hoffmann aus Saarbrücken, die in Melbourne mit einer Weite von 5,73 Metern Platz 10 im Weitsprung belegte. Die damals 19-jährige und 1,62 m große Helga Hoffmann war nach den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin (dort sprang sie 6,02 m) und zwei weiteren Qualifikationen in die gesamtdeutsche Olympiamannschaft aufgenommen worden. Sie flog mit einer viermotorigen DC6 mit der ersten Delegation der deutschen Mannschaft in 55 Stunden (reine Flugzeit) über die Polarroute nach Australien, mit Zwischenlandungen u.a. in Alaska, Hawaii und den Fiji-Inseln.

 

Als sie nach den Spielen nach Saarbrücken zurückkehrten, wurden die beiden Sportlerinnen auf dem Hautbahnhof von einer großen Menschenmenge frenetisch gefeiert. Anschließend wurden sie vom Ministerpräsidenten Hubert Ney im Weißen Haus (dem damaligen Sitz der Regierung) empfangen und beglückwünscht.   

 

  Helga Hoffmann beim Weitsprung 1956 in Melbourne. (Foto: Hartung.)

 

 


 

  

4) Die Entwicklung nach 1956

  

Das Saarland hatte schon zur Olympiade in Melbourne keine eigene Mannschaft mehr geschickt (siehe oben im Punkt 3). Nachdem es am 1. Januar 1957 offiziell der Bundesrepublik beigetreten war, wurde das bereits aufgelöste saarländische olympische Komitee im Februar 1957 mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland zusammengeschlossen. Damit war die Geschichte eines eigenständigen saarländischen NOKs beendet.

 

 


 

> Zu der Seite über die Spiele 1952 mit der Saarland-Olympia-Mannschaft: B) Die SAAR in Helsinki 1952.

 


 

 

Quellen:

 

- Wolfgang Harres, Bübingen, "Sportpolitik an der Saar 1945-1957", Saarbrücken 1997.

 

- Sammelalbum "Olympia 1952", Band 2, Informator-Verlag Frankfurt 1952.

Aus diesem Band stammen die mit "Informator-Verlag" gekennzeichneten Fotos. Ich konnte leider bisher wegen der Urheberrechtsfrage für die Fotos keinen Kontakt zu dem Verlag herstellen und befürchte, dass er nicht mehr existiert. Sollte jemand glauben, dass seine Rechte durch die Verwendung von Bildern auf meiner Seite verletzt wurden, bitte ich darum, Kontakt mit mir aufzunehmen (siehe auch "Wichtige Hinweise", Punkt 2, auf der Seite Kontakt und Impressum).

 

- Volker Bernardi, Martina Fischer, Peter Meyer, "Olympische Geschichte des Saarlandes", Union Stiftung, Malstatter Beiträge; Gollenstein, Blieskastel 2004.

 

- Olympische Spiele 1896-1996, Ein deutsches Politikum. Agenda Verlag Münster, 1996, zitiert nach wikipedia.

 


 Diese Seite wurde im August 2008 begonnen und zuletzt bearbeitet am 09.11.10                      

 

 

> Teil B) Die SAAR in Helsinki 1952

 

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