3)
Melbourne 1956 - erstmalig mit
gesamtdeutscher Mannschaft (aus BRD, Saarland
und DDR)
Ursprünglich war die erneute
Teilnahme einer eigenständigen saarländischen
Mannschaft an den Olympischen Spielen
im November 1956 in Melbourne fest geplant. Sie
wäre eigentlich auch nach der Volksabstimmung im Oktober 1955 noch möglich gewesen, aber nach dem eindeutigen Votum der Saarländer gegen das Saarstatut verzichtete man darauf. Am 21.9.1956 teilte das Saarländische Olympische Komitee dem IOC seine Selbstauflösung mit. Damit verlor das Saarland seine Anerkennung als olympische Nation und konnte keine eigene Mannschaft mehr entsenden. Stattdessen beschloss man, die saarländischen
Sportler innerhalb der nun auch von Ostdeutschland
erstmalig anerkannten gesamtdeutschen Olympiamannschaft
an den Spielen teilnehmen zu lassen.
Natürlich war dadurch die
sportliche Qualifikation für eine Zulassung
saarländischer Sportler zu dieser riesigen
Delegation um ein Vielfaches schwieriger
als zuvor im kleinen Saarland. Der Exekutiv-Ausschuss des IOC
hatte zudem mitgeteilt, dass Sportler aus dem Saarland, das ja noch
nicht wieder offiziell an Deutschland angegliedert
war, nur dann an den Spielen teilnehmen
durften, wenn sie gebürtige Deutsche
waren.
Die Sportler aus Ost und West
mussten sich unter schwierigsten Bedingungen
ihre Olympiateilnahme erkämpfen.
Dabei hatten sie zunächst einige nationale
und internationale Leistungsnormen zu erfüllen
und mussten danach bei den Ost-West-Ausscheidungen
einen der drei ersten Plätze erobern.
Dies gelang 1956 nur zwei Sportlerinnnen aus
dem (noch) autonomen Saarland, :
1) Die eine von beiden war Therese Zenz
aus Mettlach. Sie gewann im Einer-Kajak die Silbermedaille
über 500 m in 2:19,6. Dabei unterlag sie
ihrer russischen Kontrahentin Elisabeth Dementjewa mit lediglich 0,7
Sekunden.
Bereits 1954 hatte
sie in derselben Disziplin bei der dritten Kanu-Weltmeisterschaft
in Mâcon (Frankreich) den Weltmeistertitel errungen (Foto rechts): Dies war das erste und einzige Mal, dass
ein Teilnehmer einer saarländischen
Mannschaft Weltmeister wurde und dass
bei einer Weltmeisterschaft die saarländische
Landesflagge als Fahne der Siegernation gehisst und die saarländische Nationalhymne gespielt werden konnte.


Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Bildersammlung.
2) Die andere war Helga-Hoffmann aus Saarbrücken, die
in Melbourne mit einer Weite von
5,73 Metern Platz
10 im Weitsprung belegte. Die damals 19-jährige und
1,62 m große Helga Hoffmann war nach
den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften
in Berlin (dort sprang sie 6,02 m) und zwei
weiteren Qualifikationen in die gesamtdeutsche
Olympiamannschaft aufgenommen worden. Sie flog mit
einer viermotorigen DC6 mit der
ersten Delegation der deutschen Mannschaft
in 55 Stunden (reine Flugzeit) über
die Polarroute nach Australien, mit Zwischenlandungen
u.a. in Alaska, Hawaii und den Fiji-Inseln.
Als sie nach den
Spielen nach Saarbrücken zurückkehrten,
wurden die beiden Sportlerinnen auf dem
Hautbahnhof von einer großen Menschenmenge
frenetisch gefeiert. Anschließend
wurden sie vom Ministerpräsidenten
Hubert Ney im Weißen Haus (dem damaligen
Sitz der Regierung) empfangen und beglückwünscht.
Helga Hoffmann
beim Weitsprung 1956 in Melbourne. (Foto: Hartung.)
4)
Die Entwicklung nach 1956
Das Saarland hatte schon zur Olympiade in Melbourne keine eigene Mannschaft mehr geschickt (siehe oben im Punkt 3). Nachdem es
am 1. Januar 1957 offiziell der Bundesrepublik
beigetreten war, wurde das bereits aufgelöste saarländische
olympische Komitee im Februar 1957 mit dem
Nationalen Olympischen
Komitee für Deutschland zusammengeschlossen. Damit war die
Geschichte eines eigenständigen saarländischen
NOKs beendet.
> Zu der Seite über die Spiele 1952 mit
der Saarland-Olympia-Mannschaft: B)
Die SAAR in Helsinki 1952.
Quellen:
-
Wolfgang Harres, Bübingen, "Sportpolitik
an der Saar 1945-1957", Saarbrücken
1997.
-
Sammelalbum "Olympia 1952", Band
2, Informator-Verlag Frankfurt 1952.
Aus
diesem Band stammen die mit "Informator-Verlag"
gekennzeichneten Fotos. Ich konnte leider
bisher wegen der Urheberrechtsfrage für
die Fotos keinen Kontakt zu dem Verlag herstellen
und befürchte, dass er nicht mehr existiert.
Sollte jemand glauben, dass seine Rechte
durch die Verwendung von Bildern auf meiner
Seite verletzt wurden, bitte ich darum,
Kontakt mit mir aufzunehmen (siehe auch
"Wichtige Hinweise", Punkt 2,
auf der Seite Kontakt
und Impressum).
- Volker Bernardi,
Martina Fischer, Peter Meyer, "Olympische
Geschichte des Saarlandes", Union Stiftung,
Malstatter Beiträge; Gollenstein, Blieskastel
2004.
- Olympische Spiele 1896-1996,
Ein deutsches Politikum. Agenda Verlag Münster,
1996, zitiert nach wikipedia. |