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www.saar-nostalgie.de - SAARSTATUT und Volksbefragung 1955
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6) Plakate
Auf zahlreichen Plakatwänden wurden in sämtlichen Gemeinden des Saarlandes
während des Wahlkampfs Plakate von allen zugelassenen
Parteien geklebt. Wie die Handzettel und Flugblätter
waren einige (wenige) sachlich und informativ, andere
ironisch bis sarkastisch und manchmal beleidigend. Manchmal
wurden Plakate auch beschädigt oder überklebt (mehr
darüber auf der Seite Volksbefragung
u. Abstimmungskampf (im Abschnitt c). Eine Aufstellung der
zugelassenen Parteien finden Sie etwas weiter unten. |

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Viele Plakate wurden
von bekannten Künstlern wie Bob Strauch, Peter
Frantzen usw. gestaltet. Es wurden teilweise alte Muster
aus dem Wahlkampf von 1935 verwendet, um
die Gegner zu diffamieren. Man arbeitete mit Bildern,
Motiven und Symbolen von damals und verbreitete altbekannte
Angstparolen. Die Befürworter des Statuts versuchten auf ihren Plakaten oft,
die Vertreter der deutschlandfreundlichen Parteien in
die Nähe der Nazis zu rücken (sie überklebten deren Plakate
auch manchmal mit dem Hakenkreuzsymbol),
während die Statutgegner ihre Kontrahenten gerne
als Separatisten bezeichneten. Oft verwendeten
die Parteien auf ihren Plakaten dieselben Motive und
Parolen wie auf ihren Flugblättern und Klebe-Zetteln.
Die meisten Parteien gaben mehrere Motive heraus; die
DPS warb z.B. mit 16 verschiedenen Plakatmustern für
die Ablehnung des Statuts.
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Die beiden S/W-Fotos (o. re. und u. li.) von der Litfaßsäule
hat Günther Faust aufgenommen, der damals noch in Püttlingen zu Hause war.

Gerne griffen die Parteien Symbole
oder Motive der anderen Seite auf, um auf deren Plakate
eine Antwort zu geben. Als sich z. B. die DPS einen
mächtigen Adler als Emblem für eine Plakatserie
ausgesucht hatte und (am Ende ihrer vierjährigen
Verbotszeit) stolz verkündete "Wir sind wieder
da!" (s. Foto
oben links),
nahm die 'Europa-Bewegung des Saarlandes' diesen Satz
und das Bild des Adlers in einem eigenen Plakat auf,
titulierte die DPS-ler als "Nationalisten"
und schoben ihnen praktisch die Schuld am 2. Weltkrieg
zu (Bild
unten links).
Die DPS konterte prompt, indem sie dieses Plakat vielerorts
mit einem Spruchband überkleben ließ: "Wir beten für unsere Gefallenen - Sie treiben pietätlos Propaganda mit dem,
was anderen heilig ist!" |
Häuser, Zäune, Plätze
und Straßen durften während des Abstimmungskampfes
laut § 29 VBG (Volksbefragungsgesetz) nicht mit
"Aufschriften politischen Inhalts" versehen
werden. Stattdessen mussten die Parteien dafür
besondere, von der Ortspolizeibehörde freigegebene
Stellen oder extra für diesen Zweck aufgestellte
Anschlagtafeln benutzen. Diese Plakatwände
mussten so beschaffen sein, dass jede Partei mindestens
zwei DIN A 1-Plakate anschlagen konnten. Die Rangfolge
der Parteien auf den Wänden von links nach rechts
wurde wie folgt bestimmt: Zunächst kamen die im
Landtag vertretenen Parteien in der Reihenfolge ihrer
Stimmenzahl bei der Landtagswahl, dann die übrigen
Parteien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Registrierung
(siehe Beispielfoto
hier unten).
Laut Verfügung der Regierung wurden übrigens
auch die damals im Saarland bestehenden europäischen
Organisationen (z.B. NEI und EU
- siehe Parteientabelle auf der Seite Volksbefragung) hinsichtlich der Benutzung
von Plakatwänden wie politische Parteien angesehen (Amtsblatt
des Saarlandes 1955, Seite 1053). |
So sah eine der im Land aufgestellten
Plakat- wände aus. Die Reihen- folge der Parteien
war: |

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CVP
SPS
KP
NEI
EU
DPS
DSP
UAPS
CDU
FDP
CSU SAAR
DDU
SABP |
JA
JA
NEIN
JA
JA
NEIN
NEIN
JA
NEIN
JA
JA
NEIN
JA |
(Foto: Landesarchiv Saar-
brücken, Öttinger, Actuelle.) |
Erläuterungen zu den
einzelnen Parteien finden Sie auf den Seiten Politische
Parteien
und Volksbefragung
u. Abstimmungskampf (Abschnitt b). |


 

Plakat
der 'Europa-Bewegung des Saarlandes'... ...und
der CVP

Die SPS Richard Kirns setzte sich für
die Annahme des Statuts ein, Hubert Neys CDU war dagegen..
 
Das wahrscheinlich einzige Volksabstimmungsplakat
der DSP. Das
DPS-Plakat mit dem bekannten Slogan hatte eine Auflage von 44.000.
 
^ Zwei Plakate der DPS ^

Zum linken Bild: Infos über die CSU-Saar finden
Sie hier. - Rechts: Die Freie Deutsche
Partei war eine 1955 von
jungen saarländischen Intellektuellen
gegründete kleine liberale Partei (die
aber nichts mit den Liberalen der bundesdeutschen FDP - Freie Demokratische
Partei - zu tun hatte).
Die Freie Deutsche Partei des Saarlands war
für das Statut, aber gegen
die Regierung Hoffmann.
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Quellen: Leider war es mir damals
nicht möglich, ganze Plakate für meine Sammlung
zu erhalten, und zum Abfotografieren von den Plakatwänden
fehlten mir sowohl die Ausrüstung als auch das
nötige Geld. Die Fotos auf dieser Seite, bei denen
keine andere Quelle vermerkt ist, habe ich 2007 aufgenommen.
Die Plakate stammen zum einen aus der umfangreichen
Sammlung des Dörrenbacher
Heimatbunds e.V.,
die zum Teil beim Landesfest "50 Jahre Saarland"
im August 2007 ausgestellt war, zum anderen vom Motivwagen
und den fahrbaren Litfaßsäulen des Wallerfanger
Karnevalsvereins
"De Neimerder", mit denen dieser bei der Parade zum Landesfest
am 18.08.07 teilgenommen hat. Beiden Vereinen herzlichen
Dank! Einige Plakate sind auch aus dem Archiv des Saarländischen
Landtags. Ich habe die Objekte an den angegebenen Orten
abfotografiert und danach digital bearbeitet.
Foto links: Plakatsäule 1955 in
Riegelsberg, Ecke Saarbrücker Straße und
Güchenbacher Straße. (Foto: Archiv der Gemeinde Riegelsberg) |
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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am
05.10.09
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