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4) Das Musikkorps der Polizei des Saarlandes

Vorgeschichte: Bereits im Jahre 1929 wurde die Polizeikapelle der Stadt Saarbrücken
unter der Leitung von Polizeiobermeister
Kirch gegründet. Ihre Tätigkeit
musste sich zunächst aber auf die Hauptstadt beschränken,
da die Polizei damals eine kommunale Einrichtung war.
Deshalb stand sie in den ersten Jahren im Schatten des
1928 von Julius
Schmitt gegründeten
Landjägermusikkorps. Als die Polizei 1935 nach der
Rückgliederung der Saar "ins Reich" aber
zu einer staatlichen Einrichtung wurde, löste sich
das Landjägerkorps auf, und die meisten seiner
Musiker wurden von der Polizei-Musikkapelle übernommen. Da es sich
zumeist um gut ausgebildete Musiker handelte, entwickelte
sich diese dadurch schnell weiter. Sie wirkte erfolgreich
im ganzen Saarland und in der Pfalz bis zum Kriegsausbruch.
1942 wurde sie nach Metz verlegt, wo sie zunächst
weiter musizieren konnte.
In den 50er Jahren: Im
April 1949 wurde das "Musikkorps des Landespolizeipräsidiums
Saarbrücken"
gegründet, und die Leitung Polizeimeister Willi Klein übertragen. Die
meisten der ca. 30 - 35 Mitglieder des Musikkorps waren
Berufsmusiker, die mindestens zwei Instrumente spielen
konnten, meistens ein Streich- und ein Blasinstrument.
Zum Teil waren es ehemalige Polizeimusiker, es wurden
aber auch einige neue junge Musiker eingestellt. So
konnten die Proben sofort beginnen, und das neugegründete
Musikkorps gab bald in allen größeren Orten
des Saarlandes Konzerte.
Es erfreute sich schnell einer
großen Beliebtheit bei der Bevölkerung und
erfüllte damit in vollem Umfang auch seine Aufgabe, Mittler
zwischen Bevölkerung und Polizei zu sein. Sein guter Ruf verbreitete sich auch über die Landesgrenzen
hinaus. Radio
Saarbrücken
übertrug viele seiner Konzerte und machte Bandaufnahmen
von mehrern hundert Titeln in den Abteilungen Unterhaltungs-
und Volksmusik. Dabei war meistens Heinz Dützmann Aufnahmeleiter beim SR. In einem internationalen Musikwettbewerb
in Prag gewann
das Saarbrücker Radio damals mit einer Aufnahme
vom Polizeimusikkorps den ersten Preis mit original
symphonischer Blasmusik. Durch Konzerte des Musikkorps in
Luxemburg, Bad Mondorf, Esch usw. wurden enge freundschaftliche
Verbindungen mit der luxemburgischen und französischen
Polizei geknüpft.
Hier zwei Beispiele für die zahlreichen Auftritte des Polizei-Musikkorps:
Im Radio und in den Zeitungen wurde kurz vor Pfingsten 1950 gemeldet: Am ersten
Pfingsttag, Sonntag, den 28. Mai 1950, in der Zeit von
11:30 bis 12:30 Uhr findet in der Luisenanlage in Saarbrücken
ein Platzkonzert statt, das von
der Kapelle der Landespolizei unter Leitung des Polizeimeisters
Klein
veranstaltet wird.
1956 trat das
Polizei-Musik- korps im Bexbacher Blu- mengarten auf
(Foto links).
Nach der politischen Rückgliederung der
Saar an die BRD am 1.1.1957 weitete sich die Tätigkeit
des Polizeimusikkorps auf die anderen Bundesländer
und auch auf das westliche Ausland aus. Am 1. Oktober
1958 feierte der Leiter Willi Klein seinen Eintritt
in den Ruhestand mit einem Galakonzert. Sein Nachfolger
wurde Paul Adt, und der Name des Orchesters
wurde in Musikkorps
der Schutzpolizei umgeändert. Paul
Adt hatte bereits
seit 1949 dem Musikkorps als 1. Flötist, Cellist
und Pianist angehört.
Im März 1959 unternahm das
Musikkorps auf Einladung der französischen IPA
(International Police Association) eine Konzertreise
nach Paris. Dies
wurde als eine kleine Sensation angesehen, weil es das
erste Mal war, dass ein deutsches (uniformiertes!) Polizeiorchester
seit über 30 Jahren in Paris auftreten sollte.
Das Musikkorps spielte zusammen mit der Gardienne de
la Paix de Paris in der Salle Gaveau (unweit des Boulevard
Haussmann im 8. Arrondissement;
Foto links). Es gab dabei auch einen Empfang durch den
Bürgermeister von Paris. Das Wagnis, neben einer
der prominentesten Polizeikapellen Frankreichs zu spielen,
gelang hervorragend.
Aber auch in Deutschland konnte
das Musikkorps seine Beliebtheit bei der Bevölkerung
durch überaus erfolgreiche Auftritte bei zahlreichen
regionalen und überregionalen Veranstaltungen weiter
ausbauen. Hierzu gehörten auch Kirchenkonzerte,
die Begleitung von Chorkonzerten, Tanzmusikveranstaltungen
und vieles mehr. Es spielte u.a. auch bei der Beerdigung
des Ministerpräsidenten Egon Reinert Ende April
1959. Die meisten der Musiker beherrschen nicht nur
ein Instrument, sondern mehrere, was die Einsatzmöglichkeiten
und das Repertoire des Musikkorps trotz der ziemlich
kleinen Zahl von Musikern (zwischen 20 und 30) sehr
vielseitig macht.
Fotos links und unten: Aufnahmen vom Auftritt
des Musikkorps
der Schutzpolizei in Paris
1959.
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