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Die Geschichte der Kriegsopfer-Hilfe

 

 

im Saarland nach dem 2. Weltkrieg  (VKS - VdK)

 

 

Vereinigung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Saarlandes (VKS, seit 1959: VdK)

 


 

 

VKS – neue Hoffnung für viele  (von Achim Schmitt, VdK)

 

Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es im Saarland eine Kriegsopfervereinigung, den "Saarverband der Kriegsbeschä- digten und Kriegshinterbliebenen“. Zur Zeit der Nationalsozialisten wurde daraus der NSKOV (Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung).

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es dringend notwendig, die Kriegsbeschädigten und die Kriegshinterbliebenen (Witwen und Waisen) zu unterstützen und eine Organisation aufzubauen, welche die Interessen der Kriegsopfer vertreten sollte. Die Versorgungslage war zunächst sehr primitiv. Das Elend der Menschen war so groß, dass man schon 1945 Versuche unternahm, die Not der Kriegsgeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu lindern. So kam man auf die Idee, eine Organisation zu schaffen, die den Opfern dabei helfen sollte, ihre Rechte durchzusetzen. Ältere Menschen, die diese Kriegsopferversorgung vom Ersten Weltkrieg her kannten, wandten sich nun an die jüngere Generation, um mit ihnen zusammen ein neues Konzept zu erarbeiten.

 

Der 2. Weltkrieg hatte in allen Lebensbereichen ein bisher nicht vorstellbares Chaos hinterlassen, in dem sich die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen unter den schwierigsten Umständen zurechtfinden mussten. Zehntausende von Kriegsopfern sahen zunächst keine Möglichkeit, als Einzelpersonen ihre Ansprüche auf Versorgung mit Nachdruck zu vertreten. Bereits im Jahre 1945 wurde der Versuch unternommen, durch Schaffung einer gemeinsamen Organisation wenigstens die dringlichsten Maßnahmen bei der französischen Militärregierung durchzusetzen. Diese zeigte sich jedoch ablehnend gegenüber einer solchen Organisation, da eine Vereinigung von ehemaligen Soldaten der Militärregierung sehr suspekt war. Zum einen begegnete man solchen Vereinigungen generell mit großem Misstrauen, zum anderen wurden Bedenken grundsätzlicher Art geltend gemacht, die sich auf den propagandistischen Missbrauch von Kriegsopfern in der Vergangenheit stützten.

 

Abb. links: Das Logo aus der Zeit der Gründung. Es wurde in den 50er Jahren geändert (Abb. rechts) und enthielt nun die Brücke aus dem Saar-Wappen und das lateinische Wort PAX (Frieden).

 

Erst Anfang März 1946 konnte die erste konstituierende Sitzung von sozialpolitisch interessierten Kriegsbeschädigten und Kriegshinterblie- benen im Gebäude der Einheitsgewerkschaft Saarbrücken stattfinden. In dieser Sitzung wurde die erste Satzung ausgearbeitet und damit der Grundstein zur Kriegsopfervereinigung des Saarlandes gelegt.

 

In der Satzung von 1946 heißt es im § 2 über Zweck und Ziel der Vereinigung unter anderem: Die Vereinigung erstrebt den Zusam- menschluss aller Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Sicherstellung, Verbesserung auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung im allgemeinen, im Versorgungs- und Fürsorgewesen und in der Versorgungsrechtsprechung.

Da mit der schnellen Genehmigung einer Organisation nicht zu rechnen war, bildete man zunächst eine "Beratungsstelle für Kriegsopfer und Sozialrentner des Saargebietes“. Dort liefen zu Hunderten die Anträge auf Versorgung und Fürsorge ein. Ihre Bearbeitung erfolgte in einem kleinen Büro, das mit geliehenen Möbeln und Schreibmaschinen ausgestattet war.

 

Die Finanzierung sollte durch die Erhebung von Unkostenbeiträgen aufgebracht werden. Doch diese Beiträge reichten bei weitem nicht aus. Inzwischen wurde ein weiterer Satzungsentwurf ausgearbeitet und der Militärregierung zugestellt.

   

Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten konnte endlich am 12. Januar 1947 im Saarbrücker Johannishof die Gründungsversammlung der Vereinigung durchgeführt werden. Der daraufhin einsetzende Organisationsaufbau verlief jedoch nicht ungestört. Die ursprünglich von dem damaligen Militärgouverneur Grandval erteilte Genehmigung wurde vom Oberkommandierenden der französischen Besatzungszone wieder zurückgezogen. Erst am 17. März 1947 wurde die endgültige Genehmigung erteilt; siehe Abbildung oben: Auszug aus einem Rundschreiben der VKS (VdK Archiv).

 

Die allgemeine Versammlungstätigkeit wurde im Jahre 1948 aufgenommen. Der erste Landesvorsitzende war Karl Hoppe (Foto: Landesarchiv Saarland).

 

Zur Zeit der Gründung bestanden 18 Ortsgruppen, Ende 1947 waren es bereits 130 Gruppen mit zusammen 8165 Mitgliedern.Sieben Jahre später war die Zahl der Mitglieder auf fast 50.000 angestiegen. Allein schon aus diesen Zahlen ersieht man, wie wichtig eine Organisation wie der VKS zu dieser Zeit war. Die Vereinigung kämpfte weiterhin für das Recht der Kriegsopfer und Hinterbliebenen und entwickelte Schritt für Schritt die Grundsätze für eine sinnvolle Versorgung der Kriegsopfer. Die Ortsgruppen richteten Weihnachtsfeiern für die Kriegswaisen aus, organisierten Brennmaterial und veranstalteten Kaffeekränzchen.

 

 

 

 

Aus der Arbeit der Vereinigung

 

 

Die VKS–Siedlungen

 

Der VKS leistete bis weit in die 60er Jahre einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau des Saarlandes. Am Ende des 2. Weltkrieges standen nicht nur die unersetzlichen Verluste an Menschenleben, sondern auch kaum überschaubare materielle Schäden. So war nach der Vernichtung zahlloser Häuser die Beschaffung von Wohnungen zu einem Problem erster Ordnung geworden, das besonders den Kriegsopfern zu schaffen machte. Um die aktuelle Wohnungsnot zu lindern, wurden von Gemeinden und Regierung Wohnbauprogramme aufgelegt. Doch diese allein reichten nicht aus.

 

1937 war bereits ein Heimstättengesetz erlassen worden, in Folge dessen die NSKOV die ersten Siedlungen erbaute. Nach dem Kriege führte man diese Entwicklung weiter. Die Siedlungen der ehemaligen NSKOV wurden im Dezember 1950 von der Regierung des Saarlandes der VKS lastenfrei übertragen. Es handelte sich hierbei um Grundstücke und Siedlungen in Gersweiler, Malstatt-Burbach, Orscholz, Homburg-Beeden, Schwarzenbach, Landsweiler-Reden und Wemmetsweiler. Lange Verhandlungen mit den Franzosen gingen der Übertragung voraus, weil das Immobilieneigentum als Nazi-Vermögen beschlagnahmt worden war.

 

Das erste Beispiel einer geschlossenen VKS-Siedlung der Kriegsopfer entstand in St. Ingbert im Jahre 1950. Angespornt durch dieses Beispiel bildeten sich in den folgenden Jahren weitere Notgemeinschaften der Kriegsopfer, denen es unterdessen gelang, etwa 400 Neubauten zu erstellen. Dabei unterstützten sich die Mitglieder gegenseitig.

 

   

Neubauten im Kreisverband Homburg (VdK Archiv)

 

 

Bau des Erholungsheimes Haus Sonnenwald in Besseringen

 

Mehrere Jahre lang plante der Landesvorstand die Errichtung eines eigenen Erholungsheimes für die Kriegsopfer. Dieser Plan war jedoch aus eigenen Mitteln der Vereinigung nicht durchzu- führen. Im Jahre 1951 wurde deshalb die "Saarländische Kriegsopfer-Lotterie" ins Leben gerufen, deren Gewinne restlos für die Errichtung eines Erholungsheimes zur Verfügung stehen sollten. Leider mussten im März 1952 die weiteren Ausspielungen der Lotterie eingestellt werden. Als einmalige Sonderzahlung gewährte jedoch die Regierung des Saarlandes der VKS einen Betrag von 20 Millionen Franken. Aus den bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Ausspielungen war der Vereinigung ein Reingewinn von fast sieben Millionen Franken verblieben, so dass zunächst für den vorgesehenen Zweck knapp 27 Millionen Franken zur Verfügung standen. Die Saarland-Sport-Toto GmbH schoss 10 Millionen Franken zu, und auf Veranlassung von Ministerpräsident Johannes Hoffmann wurden im Haushalt der Landesregierung weitere 25 Millionen Franken bereitgestellt. Nach eingehender Prüfung der Verhältnisse an mehreren Örtlichkeiten entschied man sich schließlich für ein von der Gemeinde Besseringen kostenlos zur Verfügung gestelltes Baugelände. Im Rahmen dieses Bauprojektes wurden 15 Einzel- und 10 Doppelzimmer, mehere Aufenthaltsräume als Lese- und Schreibzimmer und Spielzimmer und ein Restaurant für 60 Personen sowie eine große Freiterrasse und eine überdachte Liegeterrasse geschaffen. Am 19. Juni 1954 wurde in einer Feierstunde das "Haus Sonnenwald“ offiziell eingeweiht.

 

Die Bilder zeigen das Haus Sonnenwald kurz vor der Fertigstellung (oben) und bei der Einweihung mit dem Minister für Arbeit und Wohlfahrt Richard Kirn (ganz links im Bild unten links) am 19. Juni 1954 sowie in späteren Jahren (Bild rechts). Fotos: VdK Archiv

 

     

 

Im März 1949 wurde eine verbandseigene Zeitung als „Organ der Kriegsopfer des Saarlandes“ mit einer Auflage von monatlich 57.000 Exemplaren erstmals herausgegeben. Die Zeitung war das Bindeglied zwischen Landesvorstand und Mitgliedern. Sie berichtete über die Sorgen und Nöte, über Unternehmungen der Ortsgruppen sowie der Gesamtvereinigung. Blättert man heute die einzelnen Jahrgänge durch, dann rollen die ereignisreichen Jahre der VKS und der Kriegerfamilien an der Saar wie ein Film an unserem geistigen Auge vorüber. Im Jahre des Anschlusses des VKS an den VdK, 1959, wurde die letzte Ausgabe gedruckt.

 

Erholungsfürsorge

 

Vielen Hinterbliebenen und Kranken konnte durch sachdienliche Auskünfte ein Erholungsaufenthalt vermittelt werden. Darüber hinaus hat der VKS im Verlauf der Jahre einige hundert Freiplätze im Erholungsheim in Besseringen zur Verfügung gestellt. Tausende von Mitgliedern fanden dort Erholung zu einem günstigen Pensionspreis, der weit unter den Kosten lag.

 

 

Kinderferienaktion

 

Neben den zahlreichen Weihnachtsfeiern der Ortsgruppen mit Geschenken für Kriegswaisen und anderen Aktionen wurden durch die VKS schon seit dem Jahre 1948 unter Mithilfe der Jugendferienwerke und der Regierung des Saarlandes alljährlich einige hundert Kinder in Erholung geschickt. Bis 1959 waren es fast 8.000 Kinder, die durch die Vermittlung der VKS unvergessliche Ferienerlebnisse zu günstigsten Preisen erleben durften.

 

Ein Sonderzug mit Ferienkindern verlässt den Saarbrücker Hauptbahnhof. (Foto: VdK-Archiv)   

 

Nach der Rückgliederung

 

Im Jahre 1955 erfolgte im Saarland die Volksbefragung und in der Folge 1957 der Beitritt zur Bundesrepublik. Danach stellte sich für die VKS die Frage, wie es weitergehen sollte. Man entschied sich für den Anschluss an den 1950 in Düsseldorf gegründeten VdK Deutschland (Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands). Der Anschluss wurde im Januar 1959 vollzogen.

 

Rechts: Das neue Logo.

 


 

Text und Bildauswahl:

Benutzte Quellen:

 

 

 

 

        Bilder:

 

 

Website des VdK:

 

 

 

Achim Schmitt, Archiv des VdK-Landesverbandes Saarland

Dokumentation von Melanie Kirch

VdK Archiv (Geschäftsberichte, Chroniken)

VKS Zeitungen (Saarländische Kriegsopferversorgung)

Universitäts- und Landesbibliothek des Saarlandes

Stadtarchiv Neunkirchen

Saarländisches Landesarchiv, VdK Archiv

 

 

http://www.vdk.de/saarland/

 


 

Textbearbeitung und Layout: Rainer Freyer, 14. Februar 2013. Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 2.7.2016

 

 

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