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Jabob Lauer auf DKW  F 8 1948    

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Motorsport im Saarland

 

 

2) Automobilsport     

 

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Hallmeyer auf NSU 250 ccm, 1956  


 

 

 

a) Saarländische Teilnehmer an internationalen Veranstaltungen

 

        [Im Teil b) berichten wir über den selbstgebauten Kleinst-Rennwagen von Jakob Lauer, Eppelborn.]

 

 

 Mehrere Automobilsportler aus dem Saarland nahmen erfolgreich an verschiedenen europäischen Wettbewerben teil. Hier einige Beispiele:

 

 

1) Jugoslawien 1952

 

Die eintägige Sprintrallye Jugoslavanska Alpska Voznja fand erstmals im September 1952 statt, mit Start und Ziel in Bled und mit Auslandsbeteiligung. Das Saarland entsandte z.B. drei Peugeot 203 (Alfred Bolz, Horst Frisch und Franz Fuchs) sowie einen Citroën 11 légère mit Gert Seibert am Steuer.

 

Gewinner dieser ersten jugoslawischen Alpenfahrt wurde Alfred Bolz (Peugeot) vor dem Kärntner Peter Goritschnig (Chevrolet) und Horst Frisch (Peugeot). Gert Seibert fuhr mit seinem Citroën Tagesbestzeit auf der 15 km-Bergprüfung und wurde Vierter in der Gesamtwertung.

 

                                                                                                                                                  SZ vom 20. September 1952

 

2) Die Rallye Sestriere von 1953

 

(Das Foto hat François Touret, Paris, zur Verfügung gestellt)     

Sestriere (frz. Sestrières) ist eine Gemeinde mit etwa 900 Einwohnern in der italienischen Region Piemont. Der Wintersportort liegt nahe der Grenze zu Frankreich und 65 km von Turin entfernt. Von 1950 bis 1959 wurde dort jeweils im Februar vom Automobilclub Turin die Rallye Sestriere (italienisch: Rallye Automobilistico del Sestriere) ausgerichtet. Eine 1800 km lange Rundstrecke führte von Sestriere aus über Bologna und Rom zurück nach Sestriere. An den zehn Ausgaben dieser Rallye nahmen zahlreiche Werksteams teil.

 

Bei der Rallye von 1953 war neben italienischen, französischen, belgischen und deutschen Teilnehmern auch ein saarländisches Team dabei: Gert Seibert und Alfred Bolz belegten in ihrem Citroën 15-Six sogar den ersten Platz. Der Ort Sestriere wurde auch in mehreren Jahren von der Tour de France angefahren (1952, 56 und 66 sowie in den 90er-Jahren und 2011).

 

Bild links: Der Citroën 15-Six mit Seibert/Bolz und dem Kennzeichen 300-OE15

 

 

 

Der obenstehende Bericht erschien am 6. März 1953 zusammen mit diesem Bild in der Saarbrücker Zeitung.

 

Zu dem Foto:

Bei ihrer Heimkehr nach dem Sieg in Sestriere wurden Seibert (links, mit Pokal) und Bolz (rechts, mit Zeitung, neben ihm Citroën-Direktor Schneider) in Hanweiler empfangen.

Das Bild wurde auch in der Clubzeitschrift "Auto, Technik und Sport" des ACS zusammen mit einem eigenem Bericht abgedruckt.

 

 3)

 

 

Titelzeilen oben aus Auto, Technik und Sport Nr. 2, Feb. 1953

 

Bei dieser Veranstaltung mit 130 Teilnehmern fuhren auch drei saarländische Teams mit. Sie starteten in Den Haag:

 

- Stenger/Stamm in einem Borgward,

- Schorr/Minnerath in einem Crèmeschnittchen

- Friedhelm Kampf mit Beifahrer Meunier in einer

  Renault Frégate.

 

Letztere erreichten mit einer Durchschnitts- geschwindigkeit von 65,4 km/h den 2. Platz im Gesamtklassement und erhielten einen Pokal und eine Goldmedaille.

Auf dem Bild oben ist die Frégate des Teams Kampf (auf der Tafel im Foto oben ist er unten rechts abgebildet)und Meunier (links).

 

Im Foto rechts sieht man die drei Teilnehmerfahrzeuge nach ihrer Heimkehr vor dem Clubhaus des ACS in Saarbrücken stehen. Die siegreiche Frégate kam wohl etwas ramponiert von der Sternfahrt zurück.

 

(Foto: Heinz Klein, 1953)

 

 

 4) ADAC-Rheinlandfahrt am 3. Oktober 1954 auf dem Nürburgring

 

Mehrere Teilnehmer aus dem Saarland nahmen an dieser Veranstaltung teil, die in den 50er-Jahren jährlich stattfand. 22 Runden und eine zusätzliche Prüfung waren zu absolvieren. Ausrichter war der ADAC-Gau Nordrhein.

 

Mit einem "frisierten" Peugeot 203 startete Dr. Johannes aus Merzig in der Sportwagenklasse bis 1300 ccm (siehe Bild links).

 

"Der Wagen konnte in der illustren Gesellschaft der schnellen Porsche einwandfrei mithalten. Trotz einer Zündstörung bei der entscheidenden Berg- und Geschwindigkeitsprüfung kam er noch mit guter Placierung [sic!] zu einer Bronzeplakette."

(Zitat und Fotos aus Auto, Technik und Sport, Clubzeitschrift des ACS)

 

 

5) Europameisterschaft 1955

 

Alfred Bolz und Gert Seibert wurden 1955 Vizemeister bei der Europameisterschaft hinter der Equipe Polensky/Schlüter.

 

Am Rovtarica in Jugoslawien wurde Gert Seibert in seinem Citroën Zweiter hinter dem bundesdeutschen Alex von Falkenhausen (auf einem BMW 328).

 

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Verwendete Literatur:

Martin Pfundner. 100 Jahre Alpenfahrt. 2., erweiterte Auflage. Weimar, 2010. S. 141f.

Verschiedene Ausgaben der ACS-Clubzeitschrift Auto, Motor und Sport.

 

Die Zeitungsausschnitte hat uns Torsten Gatzke, Ludweiler, zur Verfügung gestellt.

 

 


 

 

 

b) Der selbstgebaute Kleinst-Rennwagen von Jakob Lauer, Eppelborn

 

 

Text: Torsten Gatzke und Rainer Freyer

Der gelernte Kfz- und Elektromeister Jakob Lauer (Jahrgang 1912) eröffnete 1944 in Eppelborn einen eigenen Betrieb. Nach Kriegsende baute er sich einen "Kleinstrennwagen" aus einem Unfallauto der Marke DKW F8 Meisterklasse zusammen, das schon einige Zeit in seiner Werkstatt herumstand. So verwandelte er das DKW-Wrack in einen offenen, einsitzigen Renner.

 

Geeignetes Material war so kurz nach dem Krieg Mangelware. Deshalb bastelte er die Karosserie aus einem alten Flugzeugtank, und ein einfaches Holzbrett wurde zum Fahrersitz umgewidmet.

 

Auf diesem Bild erkennt man noch die Motorverklei- dung des Ursprungs-DKW. Die Kühlermaske scheint allerdings von einem Opel P4 zu stammen.

 

Im Jahre 1947 wurde in Deutschland eine neue Serie von Rennen ausgeschrieben, bei denen man auch mit Eigenbaumodellen teilnehmen durfte. Diese Gelegenheit ergriff Jakob Lauer: 1948 meldete er sich zu seinem ersten Rennen an.

 

So begann er in Köln seine Rennfahrer-Karriere und landete mit seinem Rennwägelchen gleich beim ersten Rennen auf Platz Drei.

 

 

10. Juni 1948: Der kleine Sohn Willi ist gerade mal zehn Monate alt, aber er darf schon im Rennwagen seines Papas sitzen. Der Wagen hat eine andere Kühlermaske erhalten. An diesem Tag fuhr Lauer zu einem Rennen auf dem Schottenring bei Fulda.

 

Jakob Lauer hatte Schwierigkeiten, seinen Rennwagen zu den jeweiligen Rennstrecken zu befördern. Ein Transportanhänger war für ihn in der damaligen Zeit unerschwinglich, deshalb wollte er auf eigener Achse zu seinen Rennen fahren. Er sprach im Landratsamt vor, und der Renner wurde wie ein normaler PKW zum Verkehr zugelassen. Sein erstes Kennzeichen war

SA - 03 4469; 1949 erhielt er die Nummer 4469-OE 3.

 

Ohne Winker oder Blinker hieß es beim Abbiegen: Arm raushalten. Später modifizierte er seinen Renner und verpasste ihm u. a. einen rundlichen Kühlergrill, um ihn stromlinienförmiger zu gestalten. Nachdem er von der Polizei wegen seines Fahrersitzes angehalten worden war, bastelte er sich aus Brettern eine Sitzschale, in der er mehr Halt hatte.

 

Jakob Lauer mit Freunden 1948 vor seiner Werkstatt

 

Im September 1949 erreichte er den ersten Platz in der 750 ccm-Klasse beim Saarufer-Rundstrecken-Rennen. Der Sportpräsident nahm in Saarbrücken die Siegerehrung vor (siehe Foto unten rechts - wer weiß, wer der Herr am rechten Rand war?).

 

 

Bild links: Lauer mit dem Siegerkranz des Saarufer-Rennens 1949.

 

 

Das Foto rechts zeigt die Startaufstellung beim Saarufer-Ring-Rennen 1949. Jakob Lauer stand in der zweiten oder dritten Reihe.

 

Wie man auf den Bildern sehen kann, veränderte Lauer die Karosserie seines Renners im Laufe der ersten Jahre mehrfach. Außerdem bohrte er fast 300 Löcher in die Vorder- und Hinterräder des Wagens, um ihn noch leichter zu machen

 

Der 700-ccm-Motor leistete ganze 22 PS. Trotzdem erreichte er schon in den verschiedenen Rennen von 1948 Durchschnitts-Geschwindigkeiten zwischen 82 km/h (Hockenheimring) und 112 km/h (Grenzlandring in Nordrhein-Westfalen).

 

In dieser Ausführung fuhr er bis 1958 zahlreiche Rennen in Deutschland und Europa. Danach legte er eine lange Pause ein.

 

 

Aber 1976 begann er mit 64 Jahren wieder, Rennen zu fahren. Er nahm nun an Oldtimer-Rennen teil. Jakob Lauer baute seinen DKW F8-Rennwagen, der bis dahin fast vergessen in einer Ecke seines Autohauses stand, wieder auf und fuhr damit bis zu seinem 86sten Geburtstag Rennen. Hatte der Motor im Jahr 1948 nur 22 PS, war er schließlich auf knapp 40 PS gekommen. 1997 wurde er bei einem Rennen mit einer Geschwindigkeit von 164,2 km/h gestoppt!

 

Sein letztes Rennen fuhr er beim Homburger Berg- rennen 1998. Er wurde damals als der älteste Rennfahrer mit Lizenz bei der Obersten Nationalen Sportkommission in Frankfurt geführt. Nach seinen eigenen Aufzeichnungen fuhr er insgesamt über 150 Rennen und gewann dabei 77 Pokale, die meisten davon erhielt er für den ersten oder zweiten Platz.

 

Stolz zeigt Jakob Lauer hier in den 80er Jahren seine gewonnenen Trophäen aus unzähligen Rennen. Bild rechts: Blick in den Motorraum.

 

Jakob Lauer ist im November 2004 im Alter von 92 Jahren verstorben. Seitdem gehört das Auto dem Sohn Willi Lauer, der in Eppelborn das Autohaus weiterführt und die hier abgebildeten Fotos zur Verfügung gestellt hat.

 

Bild rechts: So steht der kleine DKW heute im Büro von Willi Lauer in Eppelborn.


 

Quellen:

Handschriftliche Aufzeichnungen von Jakob Lauer und mündliche Berichte seines Sohnes Willi Lauer im Januar 2012 in Eppelborn.

 

 

Copyright der Fotos: Jakob Lauer, Willi Lauer.

Repros: Torsten Gatzke, Rainer Freyer

 


 

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Diese Seite wurde begonnen am 23.7.2012 und zuletzt bearbeitet am 18.4.2017

 

 

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