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Amateurfunk im teilautonomen Saarstaat: 9S4

 

(von 1950 bis 1959) Autor: Rainer Freyer, DL8EJ

  


 

Hinweis:  Da die Funklizenzen von der Post vergeben werden, ist das Thema Amateurfunk in unserem Kapitel POST angesiedelt.

Eine Bitte vorweg: Wer hat noch Material aus der Saar-Staat-Zeit, das den Amateurfunk betrifft? Ich suche noch eine 9S4-Lizenzurkunde oder andere amtliche Dokumente und Schreiben von damals, weitere 9S4-QSL-Karten, Fotos von Afu-Stationen usw. (bitte > Kontakt).

 

 

Die Geschichte des Amateurfunks im Nachkriegs-Saarland

 

Wir berichten hier über das Hoffen auf und den Kampf um die Zulassung des privaten Funkens im Saarland mit einer Amateurfunklizenz, die Entstehung eines Vereins (KWACS - Kurzwellen-Amateur-Club Saar), den eigenen Landeskenner 9S4 ab 1951 für das Saarland, das bis zum 31. März 1957 als eigenes DXCC-Land galt und vieles mehr, was über dieses Thema zu sagen ist.

 

Amateurfunk gab es in Deutschland und in vielen Ländern der Welt auch schon vor dem 2. Weltkrieg. Nach dem Krieg war Zivilisten in Deutschland und natürlich auch im Saarland jeglicher Funkbetrieb zunächst untersagt, und es schien illusorisch zu glauben, Funkamateure könnten innerhalb kurzer Zeit wieder Sendelizenzen erhalten.

 

Aber es hat dann gar nicht so lange gedauert, bis dieser Traum Wirklichkeit wurde. In der Bundesrepublik durften Amateure schon ab Ende März 1949 wieder offiziell funken (mit einem DL-Rufzeichen). Im Saarland dauerte es etwa anderthalb Jahre länger: von 1951 an konnten sie nach Ablegung der dafür vorgeschriebenen Prüfung bei der Post Saar eine Lizenz erhalten und mit einem Rufzeichen "in die Luft gehen", das mit 9S4 begann - siehe den Zeitschriften-Ausschnitt ganz unten!

 

Das Bild zeigt die erste QSL-Karte, die ich als sehr junger Kurzwellenhörer erhielt (siehe Text unten neben dem Radio!)

   

 

Nach dem Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik 1957 bekamen die saarländischen Funkamateure statt ihrer bisherigen 9S4-Calls ein deutsches Rufzeichen aus dem bisher noch nicht verwendeten DL 8 - Block (z.B.: aus 9S4 CH wurde DL 8 CH.)

 

 

Meine eigene Amateurfunk-Geschichte

 

Ich bin seit 1960 lizenzierter Funkamateur, mein Rufzeichen ist DL8 EJ. Weil ich vorher zu jung war (also noch nicht 18), konnte ich leider die Lizenz nicht früher erwerben und so noch in den "Genuss" eines saarländischen 9S4-Rufzeichens kommen (9S4 war der offizielle weltweit gültige Landeskenner für das teil-autonome Saarland). Ich hatte zwar schon früh angefangen, mich für Amateurfunk zu interessieren und hätte von meinen bis dahin erworbenen Kenntnissen her spätestens mit 16 oder 17 Jahren meine Lizenz machen können, aber die Bestimmungen wurden leider sehr streng gehandhabt, und so musste ich warten, bis ich 18 war.

 

Und so war bei mir das Interessse am "Funken" geweckt worden: Als ich 1953 - als Elfjähriger - mehrere Wochen wegen einer schweren Gelenkentzündung' in der Kinderklinik auf dem Kohlhof (bei Neunkirchen) zubringen musste, brachte mir meine Mutti manchmal ein Heft der Jugendzeitschrift "RASSELBANDE" mit. In einem dieser Hefte entdeckte ich plötzlich einen Bericht, der mich elektrisierte. Er handelte von Funkamateuren und beschrieb ausführlich deren wunderschönes Hobby. Von da an ließ mich dieses Thema nicht mehr los. Einige Jahre lang träumte ich davon, selbst einmal auf Kurzwelle mit Freunden in aller Welt "funken" zu können. Ich kannte aber niemanden, der mir sagen konnte, was man bei uns im Saarland tun musste, um Funkamateur zu werden.

 

Mit etwa 14 Jahren drehte ich gelegentlich aus Neugier über die Skala unseres Familienradios (siehe Bild!) und entdeckte einmal dabei auf Kurzwelle im 40-m-Band Funkamateure, die sich miteinander unterhielten, und zwar nicht im direkten Zwiegespräch, sondern abwechselnd, also mit "Mikrofonübergabe". Von da an drehte ich häufig an unserem Radio, um mitzulauschen.

 

Eines Tages hörte ich dort plötzlich einen OM (= Old Man: so nennen sich die Funkamateure nach amerikanischem Muster untereinander, auch wenn sie noch jung sind...), der als sein Rufzeichen 9S4 CH und als Namen 'Herbert' angab. Als seinen Wohnort nannte er St. Wendel - das war ja nicht weit von Neunkirchen!  Wie elektrisiert schrieb ich ihm voller Hoffnung einen Brief, ohne seine genaue Adresse zu kennen ("an die Amateurfunkstation 9S4 CH, Herbert in St. Wendel"). Die Saar-Postler waren findig, und mein Schreiben kam tatsächlich bei ihm an: Einige Tage später bekam ich einen Brief und hielt seine QSL-Karte in Händen (siehe Abbildung ganz oben!) - es war die allererste in meinem Leben.

 

In einem netten Begleitschreiben beantwortete er meine wichtigsten Fragen zum Amateurfunk und teilte mir die Adresse eines Funkfreundes in meinem Wohnort Neunkirchen mit. Es war  9S4 DB, Willi Ruth, genannt Bill.

 

Mit viel Herzklopfen wagte ich eines Tages, an dessen Haustür in der Wellesweilerstraße zu klingeln, und ich war überrascht über den überaus freundlichen Empfang. Bill zeigte mir alles, was mich interessierte: seine Funkgeräte, seine Antenne und seine Morsetaste. Da er als Tastfunker bei der Polizei arbeitete (auf dem Bild links ist er an der Polizei-Funkstation DHL 27 in Bischmisheim zu sehen), zog er diese Betriebsart auch im Hobby vor. Aber er hatte zu Hause natürlich auch irgendwo ein Mikrofon stehen.

 

Seitdem verbrachte ich einige Jahre lang an vielen Tagen nach Schule und Hausaufgaben mehrere Stunden als Gast und Zuhörer bei ihm und seiner Familie (mit drei kleinen Kindern) in ihrer Wohnung.

 

 

  Willi Ruth einige Jahre später an der Clubstation DL Ø NK  

Schon bald begann Willi Ruth damit, einigen anderen jungen interessierten Funkfreunden und mir in Kursen all das beizubringen, was man über den Amateurfunk wissen musste, und wir lernten bei ihm außerdem "Technik" und "CW" (das ist die Abkürzung für Tastfunk mit Morsezeichen). Um die offizielle Amateurfunklizenz von der  Saar-Post zu erhalten (die damals dafür zuständig war; ab 1957 war es auch im Saarland die Deutsche Bundespost), musste man mindestens 60 Morse-Zeichen pro Minute fehlerfrei hören und mit der Taste geben können und außerdem fundierte Kenntnisse in Elektro- und Funktechnik sowie in den einschlägigen Gesetzen und Vorschriften nachweisen.

 

Um mit ausländischen OMs (Funkamateuren) zu sprechen, muss man Englisch können. Bill beherrschte diese Sprache zu seinem Leidwesen wenig, und deshalb war er fast nur mit der Morsetaste (also "in CW") aktiv. Dazu benötigt man nicht unbedingt Fremdsprachen, weil es für fast alles internationale CW-Abkürzungen gibt. Aber ab und zu durften mein etwa gleichaltriger Freund Werner Weber (später DL8 EM) und ich ihm beim "QSO fahren" (also Funken) an seiner Station helfen (wir lernten ja beide Englisch auf dem Gymnasium).

 

Das waren für uns die Höhepunkte unserer damaligen Jugendzeit! So lernten wir also von ihm alles, was wir für die Vorbereitung auf die Prüfung wissen mussten, durch die wir nach Erreichen der Altersgrenze (damals noch 18 Jahre) eine Lizenz erwerben konnten, zunächst bei ihm zu Hause im Wohnzimmer seiner Familie, etwas später dann aber im Neunkirchener OV (Ortsverband) des KWACS:

Der KWACS (Kurzwellen-Amateur-Club Saar) bestand von 1951 bis '59 und war das saarländische Pendant zum bundesdeutschen DARC (Deutscher Amateur Radio Club).

 

Bill war der Vorsitzende des OV Neunkirchen, dessen Clubheim sich zunächst am Unteren Markt befand (dort wo heute die Filiale der Volksbank ist) und später in der Bahnhofstraße: siehe Farbfoto rechts: Links der Blies das Eisenwerk; rechts ein Stück der Blies- brücke und der Anfang der Bahnhofstraße. Das Clublokal befand sich in dem braunen Gebäude in der Bildmitte (es wurde inzwischen abgerissen), und zwar in dem Raum ganz links über der Blies.

(Copyright: Landesbildstelle Saarland im LPM 0000895803)   

Der Ortsverband (OV) Saarbrücken hatte damals sein Clublokal im dortigen Echelmeyerpark an der Schumannstraße.

Im "Club" lernten wir natürlich auch weitere OMs kennen, z.B. 9S4 BY (Hans Sperling), 9S4 DQ (Hermann Benz) und einige andere.

 

1960 habe ich, endlich alt genug, meine Afu-Prüfung bei der Bundespost abgelegt (welche ja 1957 unsere Saar-Post abgelöst hatte), und pünktlich am 22. Mai erhielt ich zu meinem 18. Geburtstag die lang ersehnte Lizenzurkunde. Vorher hatte ich wegen meines jugendlichen Alters leider noch keine Genehmigung bekommen können; dabei hätte ich doch gerne noch ein saarländisches 9S4-Call (Call = engl. für Rufzeichen) gehabt, aber dafür war ich leider (?) zu jung! So erhielt ich nun das Rufzeichen DL8 EJ zugeteilt. Ich besitze die Lizenz heute noch, bin aber derzeit nicht mehr qrv (das bedeutet funkbereit): Meine Antennen sind abgebaut, und meine ganze Freizeit gehört nun dieser Saar-Nostalgie-Website.

 

Von 1960 an war ich für viele Jahrzehnte eifrigst auf fast allen Amateurfunkbändern aktiv, am liebsten auf Kurzwelle, wo ich nach fernen und seltenen Ländern ("DX") in allen Erdteilen Ausschau hielt, gerne auch auf den 'niedrigen' Bändern (40, 80, 160 Meter). Viel Mühe, aber auch viel Spaß hat mir natürlich der Selbstbau meiner ersten Geräte gemacht und vor allem das Aufbauen und Ausprobieren von Antennen verschiedener Art für alle Frequenz-Bänder.

Hier arbeite ich in den 60er-Jahren an einer Fieldday-Station.

 

Bild rechts: Mit einer solchen Urkunde wurde 1952 vom Vorstand des KWACS einem damals 22-jährigen Kurzwellenhörer (oder "SWL" = Short-Wave-Listener) die Empfangs-Stations--Nummer 9S4-029 verliehen.

 

(Herzlichen Dank an Nina Stüber für diesen Scan >)

 

Kurzwellenhörer (die [noch] keine Sendelizenz haben) verfolgen auf ihren Empfangsgeräten den Funkverkehr von Amateurfunkstationen und schicken diesen dann per Post oder über die QSL-Vermittlung eine SWL-Karte ("Hörerkarte") mit den Daten der gehörten Sendungen, um von diesen daraufhin eine QSL-Karte zur Bestätigung zu erhalten. Eigenen Funkverkehr darf man aber erst ausüben, wenn man nach einer Prüfung durch die Post eine Amateurfunklizenz erworben hat.

 

Über die Bemühungen um den Neuanfang des Amateurfunks im Saarland nach dem 2. Weltkrieg berichtet ein interessanter Artikel aus der Zeitschrift "Rundfunk- und Elektrotechnik" von 1949, den Sie weiter unten (unterhalb der QSL-Karten) lesen können.

 

Das Foto links zeigt Walter Fuhrmann (9S4CS)

an seiner selbstgebauten Amateurfunkstation zu Hause in Dudweiler.

 

 

Rechtes Bild: Hans Sperling (links) und ich "in Aktion"

 

Ich habe noch mehr authentisches Material über den Amateurfunk im 9S4-Saarland, das ich hier zeigen möchte, aber es wird noch ein wenig dauern, bis ich es bearbeitet und Zug um Zug ins Netz gestellt habe.

 

Auf dem Bild sehen wir 9S4AD an seiner Station, die auf einer Ausstellung aufgebaut war (wahrscheinlich in Bexbach). Oben kann man lesen: "KW-Sender 9S4 AD, Bernd Dittmar, Friedrichsthal, Leistung 100 W, Telefonie (das bedeutet: Sprechfunk), Reichweite 20 000 km" (also weltweit).

 

Ich möchte versuchen, demnächst möglichst viele der 62 ausgegebenen 9S4-Rufzeichen (von 9S4AB bis DW) mit den dazugehörigen QSL-Karten hier zu dokumentieren.

 

Nachfolgend zunächst einige Karten, die ich im Internet gefunden habe. Vor einiger Zeit hat mir Eugen (DK8VR) für ein paar Tage die 9S4-Karten aus der QSL-Sammlung Saar ausgeliehen, und ich habe sie gescannt, sodass ich sie demnächst hier zeigen kann. Auch eine offizielle Rufzeichenliste der 9S4-Calls (von 1956) habe ich in meinen Unterlagen wiedergefunden; sie soll ebenfalls bald hier zu sehen sein.

 

 

Eine kleine Auswahl von QSL-Karten von 9S4-Amateurfunkstationen aus den 50er-Jahren

 

 

    

 

 

  

 

     

 

    

 

    

 

Einige dieser QSLs sind auch zu sehen auf:  http://lesnouvellesdx.fr/galerie/galerie2.php?page=deletqsl&pfx=9S4&indic=0

 


 

Nachfolgend ein Ausschnitt aus der Zeitschrift "Rundfunk- und Elektrotechnik", der die Problematik der Zulassung des Amateurfunks im Saarstaat behandelt (2. Jahrgang vom 5. Juni 1949, Seite 69. (Danke an Michael John aus Holz für die Überlassung des Dokuments)            

 

 

 

 

FORTSETZUNG FOLGT!

 


Diese Seite wurde begonnen 2008 und zuletzt bearbeitet am 19.3.2019

 

 

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