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"Die" saarländische Mundart gibt es nicht. Es gibt deren mehrere. Viele Orte im Saarland haben ihren eigenen Dialekt, der von dem ihrer Nachbarorte mehr oder weniger stark abweichen kann. In manchen Städten gibt es sogar Unterschiede innerhalb einzelner Stadtteile. So spricht man z.B. in der Neunkircher Unterstadt (Zentrum) bestimmte Laute anders aus als in der
Oberstadt
(Scheib und Steinwald).
Die an der Saar gesprochenen Mundarten gehören zu zwei großen Dialektgruppen, nämlich zum Moselfränkischen einerseits und zum Rheinfränkischen andererseits. Die beiden Gruppen werden durch die so genannte "dat-/das-Linie"
voneinander abgetrennt (siehe Abbildung rechts und die Karten unten mit der Nr. 1 und Nr. 3). Sie verläuft schräg
durch das Saarland, überquert zunächst die Saar bei Völklingen, läuft dann nördlich von Saarbrücken an der alten Grafschaftsgrenze entlang und das Köllertal hinauf in die Tholeyer Gegend bis zur mittleren Nahe. Nordöstlich dieser Linie liegen im Saarland Städte und Orte wie Perl, Nennig, Mettlach, Merzig, Wadern, Losheim, Nunkirchen, Schmelz, Lebach, Dillingen und Saarlouis. Dies ist der moselfränkische
Mundartbereich
des Saarlandes. Südwestlich der Linie liegen z.B. Völklingen, Püttlingen, Saarbrücken, Dudweiler, Sulzbach, St. Ingbert, Neunkirchen, Ottweiler, Bexbach und Homburg. Hier werden Mundarten gesprochen, die dem Rheinfränkischen zuzuordnen sind. Da die meisten Einwohner des Saarlandes in diesem Gebiet leben, wird im übrigen Deutschland diese Mundart-Variante gemeinhin als "der saarländische Dialekt" angesehen. Schließlich spricht sie ja - neben anderen bekannten
Saarländern - auch die aus Bexbach stammende
Kunstfigur Heinz Becker (dargestellt von Gerd Dudenhöffer).
Da sich diese Website mit einer bestimten Epoche unseres Landes befasst (nämlich den späten 40er und den 50er Jahren), wäre es sicher nicht angebracht, hier eine ausführliche allgemeine Abhandlung über die saarländischen Mundarten aufzunehmen. Darüber findet man in der Literatur und im Internet zahlreiche Veröffentlichungen (siehe die diesbezüglichen
Hinweise am Ende dieser Seite).
Nur eine Entwicklung soll erwähnt werden, weil sie wohl schon in den 50er Jahren begonnen hat. Die Trennung unserer Mundarten durch "Wortlinien" (wie die
dat-/das-Linie) war früher viel schärfer ausgeprägt als heute. Damals konnte man ihren Verlauf ziemlich genau zwischen verschiedenen Ortschaften und in manchen Orten sogar innerhalb einzelner Straßenzüge verfolgen. Inzwischen sind diese Grenzen eher verwischt und unscharf geworden. Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass die Menschen seitdem mobiler geworden sind und sich damit auch die Mundarten zunehmend vermischen konnten. [1]
Im Folgenden geben wir eine kurze Übersicht über die saarländische "Volkssprache" wieder, die 1953 in einer Zeitschrift erschien, die für Schüler gemacht wurde. Der Artikel gibt den Kenntnisstand der 50er Jahre wieder. Inzwischen hat sich die Forschung natürlich weiter in die Sprachtiefen vorgearbeitet. Dazu haben Max Mangold, Edith Braun, Ulrike Demske
und andere beigetragen. Für eine umfassende Darstellung des Themas nach dem heutigen Stand empfehlen wir die weiter unten angegebene Literatur. Auch der Artikel "Dialekte im Saarland" bei wikipedia gibt interessante Einblicke in das Thema..
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[1] Vgl. hierzu auch die Ausführungen in http://www.mundart-saarland.de/geschichte.htm
Die Bilddatei oben ist ein modifizierter Ausschnitt aus der Datei Das-dat-linie.png, derivative Arbeit von Roßbacher. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert, siehe http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de
Die saarländischen Mundarten in der Sicht der fünfziger Jahre
Den saarländischen Schulkindern wurde damals die "Volkssprache" ihres Landes in einem Beitrag der Schulpost Nr. 10 vom Juni 1953 erläutert. Diese Monatszeitschrift war für Schüler der "oberen Volksschulklassen" bestimmt. Ihre Eltern konnten sie zum Einzelpreis von 35 Franken je Ausgabe beziehen.

Der besseren Lesbarkeit wegen geben wir den Artikel hier in einer übersichtlicheren Form wieder. Wer ihn verfasst hat, lässt sich nicht sicher feststellen. Nach einer im Heft abgedruckten Liste von Mitarbeitern könnte es der damalige Mittelschullehrer H. Diehl aus Güdingen gewesen sein. - Die "Arbeitsaufträge" im Text waren zwar für die damaligen
Schüler
bestimmt, aber Sie dürfen sich gerne davon angesprochen fühlen!
Im Textteil a) und auf der ersten Karte geht es nicht um die oben erwähnte dat-/das-Linie oder eine andere Wortlinie, sondern um die Sprachgrenze zwischen den Gebieten der deutschen und der französischen Muttersprache. Es wird erläutert, dass diese Grenze nicht entlang der Staatsgrenze verläuft, sondern in einiger Entfernung von ihr auf französischem Gebiet.
Denn die lothringische und die elsässische Mundart gehören zum deutschen Sprachbereich. Im Teil b) werden dann anhand der weiteren Kärtchen die Wortlinien beschrieben, die die einzelnen Mundart-Variationen voneinander abgrenzen. Für das Gebiet des Saarlandes sind nur die dat-/das-Linie und die Haus-/Huss-Linie von Belang, die Appel-/Apfel-Linie und die fescht-/fest-Linie berühren unser Land nicht.
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