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Das liebe Geld der Saarländer

 

 

und was sie sich dafür kaufen konnten


 

Inhalt dieser Seite:

 

A) Fünf verschiedene

Vor dem 2. Weltkrieg:

Nach dem Krieg: 

 

Währungen

Mark und Franken

1) Reichsmark  

3) Französischer Franc

 

 

2) Saar-Mark

4) D-Mark

B) Was man mit dem Geld jeweils kaufen konnte

 

Klicken Sie auf dieser Seite auf die Bilder der Geldscheine

und Münzen für großformatige Abbildungen derselben.

Hier gibt es mehr Details über die Saar-Mark-Scheine und hier über die saarländischen Frankenmünzen

 


 

 

A) Fünf verschiedene Währungen                > Version française de cette page

 

Der häufige Wechsel der Zahlungsmittel spiegelt die bewegte Geschichte unseres Landes wider. Insgesamt fünf Mal änderte sich hier die gültige Währung.

 

 

a) Vor dem Zweiten Weltkrieg

 

 

Bis 1923: Mark (ab Juni 1920 daneben auch Französische Franken)

 

In dem 1871 gegründeten Deutschen Reich, zu dem auch das Land an der Saar gehörte, wurde ab 1873 in Mark bezahlt. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm der Völkerbund im Jahre 1920 gemäß Artikel 45 des Versailler Friedensvertrags die treuhänderische Verwaltung unseres Landes, das als Saargebiet bezeichnet wurde. Gleichzeitig wurde Frankreich das uneingeschränkte Eigentum an den staatlichen Steinkohlengruben im Saarbeckengebiet für die Dauer von 15 Jahren zugestanden. Die Franzosen erhielten auch das Recht, den damit zusammenhängenden Zahlungsverkehr in ihrer eigenen Währung abzuwickeln. Der Französische Franken wurde deshalb im Saargebiet zunächst neben der Mark verwendet.

 

 

Ab 1. Juni 1923: Nur noch Französische Franken

 

An diesem Tag wurde das unter dem Mandat des Völkerbunds stehende Saargebiet im Bereich der Wirtschaft mit Frankreich vereinigt. Daher wurde der Französische Franc als allein gültiges Zahlungsmittel eingeführt.

 

 

Ab 1. März 1935: Reichsmark

 

Nach dem Anschluss an Hitlerdeutschland als Folge der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 galt im Saarland wie im übrigen Deutschen Reich die Reichsmark.Bei der Währungsumstellung 1935 erhielt man für einen Franken 0,1645 RM.

 

 

 

 

In den frühen 20er Jahren waren Buntmetalle Mangelware, es fehlte daher an Franken-Münzen. Die französische Grubenverwaltung "Les Mines Dominiales de la Sarre“ gab deshalb eine Art Notgeld heraus: Geldscheine zu 50 Centimes, ein Franc sowie zwei Francs. Dieses besondere "Grubengeld“ war nur im Saargebiet gültig als Zahlungsmittel und konnte später (bis zum 1. Jan. 1930) gegen reguläres Frankengeld eingelöst werden.

 

 

 

b) Nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Nicht weniger als vier verschiedene Währungen wechselten sich nach dem Krieg in unserem Land als gesetzliches Zahlungsmittel ab:

 

 

 

1) Reichsmark (RM)  bis zum 16. Juni 1947

 

 

Nach dem Kriegsende blieb die Reichsmark (RM) im Saargebiet zunächst als gesetzliches Zahlungsmittel in Kraft, auch während der Besetzung durch die Amerikaner (ab März 1945) und durch die Franzosen (ab Juli 1945).

 

Als eine der ersten Maßnahmen der Franzosen, das Saargebiet gegen das übrige Deutschland abzuschotten, verboten sie generell den Geld- und Kapitalverkehr mit anderen deutschen Besatzungszonen und sogar mit dem Rest der französischen Zone. Dieses Verbot galt auch schon, bevor sie das Saargebiet Ende Juli 1945 aus ihrer Besatzungszone ausgliederten.

 

Durch ein Dekret vom 4. Juni 1947 beschloss die französische Regierung, mit Wirkung vom 16. Juni 1947 die Reichsmark im Saagebiet außer Kraft zu setzen. An diesem Tag verloren hier sämtliche Reichsbanknoten und Rentenmarkscheine sowie die von der alliierten Militärverwaltung ausgegebenen Banknoten ihre Gültigkeit als gesetzliches Zahlungsmittel und wurden eingezogen. Auch die silbernen 2- und 5-Reichsmark-Stücke mussten abgeliefert werden, ihr Besitz war danach sogar verboten. Allerdings behielten die im Land vorhandenen deutschen Scheidemünzen zu 1, 5, 10 und 50 RPf weiterhin ihre Gültigkeit. In den drei anderen westlichen Besatzungszonen in Deutschland wurde übrigens die Reichs- bzw. Rentenmark erst ein Jahr später abgelöst, nämlich am 20. Juni 1948, als dort die D-Mark als neue Währung eingeführt wurde (etwa ein Jahr vor der Gründung der Bundesrepublik, die am 23. Mai 1949 erfolgte).

 

Spezialgeld für die Besatzungsmacht: Im französischen Besetzungsgebiet Deutschlands und Oesterreichs (und damit auch an der Saar) wurden vom Januar 1947 an sogenannte Besatzungsfranken (Francs d'occupation) in Umlauf gebracht. Dies waren neue, auf Franken lautende Zahlungsmittel, die aber für den ausschließlichen Gebrauch durch französisches oder alliiertes Personal und deren Dienststellen bestimmt war. Damit sollten die Geldumläufe des Franken und der Mark vollständig voneinander getrennt werden, um zu verhindern, dass Markbeträge unerlaubter Herkunft gegen Franken umgetauscht wurden. Die französischen Behörden kontrollierten das Umwechseln von Mark- und Franken-Beträgen untereinander wie wirkliche Wechselgeschäfte. Es wurde dagegen kein Unterschied mehr gemacht zwischen Besatzungsmark, Reichsmark und Rentenmark; diese waren nun untereinander austauschbar. Deutschen Personen war es unter Strafe verboten, Besatzungsfranken zu besitzen. Ausgenommen waren unter bestimmten Bedingungen deutsche Krankenhäuser, die französische Patienten untergebracht hatten. Die Besatzungsfranken wurden mit Einführung der Saarmark als Währung am 16 Juni 1947 (siehe unten, Abschnitt 2) außer Kraft gesetzt. - Abbildungen der Scheine in Kürze hier (falls Genehmigung erlangt wird). Quellen zu diesem Absatz: Anweisungen Nr. 11 vom 6. Januar 1947 und Nr. 12 vom 15. März 1947. Nachzulesen unter diesem Link (Journal Officiel du Commandement en Chef Français in der Deutschen National Bibliothek DNB).

 

 

 

2) Saar-Mark (SM)  vom 16. Juni bis 20. November 1947                     > Abbildungen aller Saar-Mark-Scheine 

 

Nachdem die französische Regierung mit Wirkung vom 16. Juni 1947 die Reichsmark im Saargebiet außer Kraft gesetzt hatte, führte sie für eine kurze Zeit eine Übergangswährung ein. Die "Mission Economique Française en Sarre" gab von diesem Tag an neue Geldscheine aus, die offiziell auf Mark lauteten (im täglichen Gebrauch wurden sie schnell als Saar-Mark [SM] bezeichnet). Damit sollte die Abtrennung des Saarlandes vom übrigen Deutschland eingeleitet und sein wirtschaftlicher Anschluss an Frankreich vorbereitet werden.

 

Außerdem wollte man sich auf diese Weise kurz vor der geplanten Einführung des französischen Franken einen Überblick darüber verschaffen, wie viele Reichsmark die Saarländer noch besaßen. Es durften nur im Saarland Ansässige ihre Reichsmark in Saarmark umtauschen. Das waren diejenigen "physischen Personen, die in diesem Zeitpunkt Inhaber einer von einer saarländischen Verwaltungsbehörde ordnungsgemäß ausgestellten Lebensmittelkarte" waren, sowie juristische Personen, die innerhalb des Saarlandes Niederlassungen hatten. [1] Mit dieser Beschränkung sollte verhindert werden, dass gebietsfremde Spekulanten am Währungswechsel Geld verdienten, indem sie Reichsmarkbestände aus den übrigen Besatzungszonen ins Saarland brachten, um sie hier in (Saar-)Mark und später in Franken umzutauschen.

 

Zum Kurs 1:1 konnten Bewohner des Saarlandes ihre Reichsmark nun gegen die neu geschaffenen (Saar-)Mark-Scheine umtauschen; auch Rentenmark und Mark der Allierten Militärbehörden wurden angenommen. Anfangs konnte man allerdings nur Beträge bis zu einer Höchstsumme von 300 SM pro Haushaltsvorstand umtauschen; dazu kamen 100 SM für jedes weitere Mitglied des Haushalts (Ehefrau und noch nicht volljährige Kinder). Wenn man darüber hinaus noch weitere RM-Bestände hatte, wurden auf den Namen des Inhabers lautende Quittungen ausgestellt, die bis spätestens 1. Juli 1947 auf einem eigens dafür eröffneten Bankkonto gutgeschrieben wurden. Die Konten wurden so lange gesperrt, bis festgestellt war, dass die Inhaber ihren Wohnsitz im Saarland hatten und rechtmäßige Eigentümer des Geldes waren.

 

(Auszug aus dem Handbuch der Saarwirtschaft 1947)

Es wurde ein Gesamtbetrag von einer knappen Milliarde Mark als Umtauschmasse ermittelt (einige Quellen sprechen von zwei Milliarden Mark).

 

Während der Gültigkeit der Saar-Mark wurden keine neuen Münzen verausgabt. Stattdessen behielten die deutschen Reichspfennige (1 bis 50 RPf) Gültigkeit bis zum 20.11.1947. Neu waren nur die Geldscheine. Sie wiesen u. a. die Besonderheit auf, dass sie zweisprachig bedruckt waren. (Mehr Einzelheiten über die Banknoten finden Sie hier.)

 

Die Saar-Mark war nur gut fünf Monate lang offizielles Zah- lungsmittel im Land, nämlich bis zum 20. November 1947. Danach wurde sie vom Französischen Franken abgelöst. Restbestände konnten aber noch bis Mitte Januar 1948 für Zahlungen verwendet und bis zum 30. Juni 1948 bei der Saarländischen Rediskontbank gegen Franken eingetauscht werden.

 

> Großformatige Abbildungen aller Saar-Mark-Scheine mit Erläuterungen.

 

 

 

Hinweise:

1) Die Saarmark war im Laufe der Geschichte die einzige "eigene Währung" unseres Landes. Alle anderen hier gültigen Währungen gehörten entweder zu Deutschland oder zu Frankreich.

2) Die Bezeichnungen Saarmark (Saar-Mark, SM) waren umgangssprachliche Namen für die neue Währung. Offiziell lautete sie auf Mark. Manchmal wurde aber sogar in amtlichen Schreiben der Begriff "Saarmark" verwendet. In einem Einberufungsbescheid zur Gendarmerie vom 30. Juni 1947 heißt es z.B.:     

 

[1] Verordnung vom 7. Juni 1947 des Général Commandant en Chef Français en Allemagne in Baden-Baden zur Regelung des Geldverkehrs im Saarland.

 

 

 

3) Französischer Franken (Fr.) vom 20. Nov. 1947 bis 5. Juli 1959

 

 

Am 20.11.1947 wird der Französische Franc für knapp zwölf Jahre zur Währung im Saarland.

 

Bitte beachten: Es gab keine saarländische Währung, die auf "Saarländische Franken" gelautet hätte, wie manchmal behauptet wird. (Erläuterungen dazu weiter unten in diesem Abschnitt unter "Die saarländischen Frankenmünzen").

 

Nur fünf Monate nach ihrer Einführung wurde die Saar-Mark schon wieder abgelöst. Das französische Parlament beschloss am 15. November 1947 mit knapper Dreiviertel-Mehrheit die Gesetzesvorlage zur endgültigen Währungsumstellung auf den Französischen Franken im Saarland: "Die französische Regierung ist ermächtigt, im Saarland den Französischen Franken als Währung einzuführen (siehe rechts und [1] ). Gemäß einer Verfügung der Minister Bidault, Moch und Schuman vom 19.11.1947 wurde der 20. November 1947 als der Tag festgesetzt, mit dem "der französische Franc im Saarland gesetzlichen Umlauf und Zahlungskraft" erhielt [2]. Damit wurde er zum zweiten Mal in der Geschichte zum allein gültigen Zahlungsmittel im Land. (Er war es ja schon von 1923 bis 1935 gewesen, als das damalige Saargebiet unter Völkerbundverwaltung stand - siehe ganz oben auf dieser Seite!) Frankreich wollte damit demonstrieren, dass das Saarland nun endgültig von Deutschland wirtschaftlich unabhängig war. Die vollständige Wirtschafts- und Zollunion mit Frankreich wurde am 30. März 1948 offiziell vollzogen.

 

Am 20. November 1947 verloren auch die alten Reichspfennig-Münzen, die bis dahin neben den Saarmarkscheinen noch verwendet wurden, ihre Gültigkeit im Saarland. Dafür wurden alle französischen Münzen und sämtliche in Frankreich gültigen Banknoten uneingeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel an der Saar. Insgesamt wurden etwa 18 Milliarden Francs in Umlauf gebracht. Der Umtauschkurs wurde aber enttäuschend niedrig angesetzt: Man erhielt nur 20 Franken für eine Saar-Mark. Dies entsprach nicht der damaligen Marktlage und wurde von vielen als ungerecht empfunden. Die Kaufkraft der Saar-Mark war in Wirklichkeit mindestens doppelt so hoch und betrug etwa 40 bis 50 Franken je Mark. Der Kurs wurde deshalb so niedrig angesetzt, weil man sonst mit Protesten der Lothringer und Elsässer rechnete, die bei ihrem Wiederanschluss an Frankreich 1944 ebenfalls einen im Vergleich zum Marktwert schlechteren Umtauschkurs in Kauf nehmen mussten. Die Verluste, die nun die Saarländer bei ihrer Währungsumstellung erlitten, waren jedoch erheblich geringer als diejenigen, die die Bewohner der drei deutschen Westzonen im Juni 1948 bei der Währungsreform (Einführung der D-Mark) hinnehmen mussten. Der um sieben Monate früher gelegene Termin der Währungsumstellung bedeutete für die Menschen im Saarland einen großen Vorteil gegenüber den Bewohnern der anderen Zonen.

Bild oben: Aus der Saarbrücker Illustrierten "Zeit im Bild" vom 16.11.1947.

 

Für die zum Tausch bei den Wechselstellen eingelieferten Saar-Mark-Noten erhielt man sofort französisches Bargeld, während die Einlagen auf Bankkonten zunächst wie zuvor beim Umtausch Reichsmark in Saar-Mark einer Teilblockierung unterlagen. Jetzt sollte mit Hilfe dieser Maßnahme die Nachfrage gedrosselt werden, weil das Warenangebot noch sehr gering war.

 

Im täglichen Gebrauch wurden mehrere verschiedene Abkürzungen für die Frankenwährung verwendet, alle entweder mit oder ohne Punkt: F oder f, Fr oder fr, Frs oder frs für Franken bzw. franc(s), und Ffrs oder ffrs für francs français. In der mündlichen Umgangssprache wurde im Saarland die Währung mit "Franken", "Frang" oder "Frang-ge" (regional auch "Frong" bzw. "Frong-ge") bezeichnet. Nur wenige Saarländer verwendeten die französische Aussprache "Franc" (mit langem, nasaliertem a und ohne k-Laut am Ende).

 

(Für eine größere Ansicht von Vorder- und Rückseiten dieser Münzen bitte auf das Bild klicken!).

 

Neun Jahre später wurde im Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956 festgelegt, dass der Französische Franken auch für die Dauer der Übergangszeit zwischen dem politischen Anschluss (am 1. Januar 1957) und dem wirtschaftlichen Anschluss der Saar an die Bundesrepublik Deutschland die im Saarland gültige Währung blieb: "Der Französische Franken ist das gesetzliche Zahlungsmittel im Saarland." [3]. Die Übergangszeit sollte spätestens am 31.12.1959 enden, dieser Termin wurde aber schließlich auf den 6. Juli 1959 vorgezogen. An diesem so genannten "TAG X" wurde das Saarland aus dem französischen wieder in das deutsche Wirtschaftsgebiet übergeführt (siehe unten, Abschnitt 4 und auf der Seite "Der TAG X").

 

 

Die saarländischen Frankenmünzen (ab 1954 bzw. 1955)           (Alle Münzen sind hier einzeln abgebildet und beschrieben.)

 

 

Im Rahmen der Saar-Konvention vom 20. Mai 1953 wurde dem Saarland u.a. das Münzrecht zugestanden. Demnach durfte die Regierung nunmehr auch eigene Scheidemünzen in Umlauf bringen. So erhielt sie eine weitere gute Gelegenheit, der eigenen Bevölkerung und der Welt die Festigung der Souveränität ihres Landes zu demonstrieren. Also beschloss der Landtag am 7. Juli 1954 ein Gesetz über die Ausgabe von Scheidemünzen (Münzgesetz). In der Folge wurden vier saarländische Münzen mit deutscher Aufschrift und dem Saarlandwappen ausgegeben. Sie wurden in Paris geprägt und wiesen die Wertstufen 10, 20 und 50 Fr. (Prägejahr 1954) und 100 Fr. (1955) auf. (Sie stellten aber keine eigene Saar-Währung dar - siehe weiter  unten!)  

 

Die für jeden Nennwert ausgegebene Menge an saarländischen Münzen musste der in Umlauf befindlichen Menge französischer Münzen im Verhältnis der Bevölkerungszahlen der beiden Länder entsprechen. Wenn in Frankreich weitere Münzwerte herausgegeben worden wären (es ist aber nicht dazu gekommen), hätte es auch im Saarland entsprechende Neuprägungen gegeben. [4]

 

Die Saarmünzen mussten in Legierung, Durchmesser und Gewicht genau den französischen Münzen mit gleichem Nennwert entsprechen: Hiermit sollte wahrscheinlich unter anderem erreicht werden, dass beide Münzenarten ohne Probleme nebeneinander in Automaten verwendet werden konnten.

 

Detaillierte numismatische Beschreibungen der Münzen, Angaben über die Künstler, die sie entworfen und erstellt haben sowie über Sonderprägungen finden Sie auf der Seite Saar-Franken-Münzen.

 

Bis zur Prägung dieser Münzen im Jahre 1954 zirkulierte im Saarland ausschließlich französisches Bargeld. Auch nachdem 1954/55 die saarländischen Frankenmünzen geprägt worden waren, gab es die kleineren Werte (zu 1, 2 und 5 Frs.) weiterhin nur in der französischen Ausführung. Für die höheren Werte (10 bis 100 Frs.) waren im Saarland sowohl die französischen als auch die saarländischen Münzen gültig. Letztere waren in Frankreich dagegen kein gültiges Zahlungsmittel. Trotzdem wurden sie dort in größeren Ortschaften kurz hinter der Grenze (Forbach, Saargemünd) im Rahmen des "kleinen Grenzverkehrs" in vielen Geschäften (inoffiziell) akzeptiert (die Händler konnten sie ja im nicht weit entfernten Saarland wieder in französische Münzen zurücktauschen). In kleineren oder weiter entfernten Orten wurden sie aber in den Läden meist nicht angenommen.

Es gab keine saarländischen Geldscheine in Franken und mit deutschem Aufdruck, sondern nur die französischen Noten mit der Bezeichnung "Francs". (Abb. rechts: 50 Frs. von 1947, 100 Frs. von 1952.)

 

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Anmerkungen:

 

[1] "Die französische Regierung ist ermächtigt, im Saarland den Französischen Franken als Währung einzuführen. Ein Erlaß wird die Bedingungen festlegen, unter denen der Umtausch der Zahlungsmittel und die Konvertierung der Schulden und Spareinlagen zu erfolgen hat." (Artikel 1 des Gesetzes Nr. 47-2158 vom 15. Nov. 1947, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes Nr. 62 - 1947, S. 904.)

Den vollständigen Wortlaut des Gesetzes können Sie nachlesen unter: http://www.amtsblatt.uni-saarland.de/hefte/1947/1947-062.pdf  oder: http://archiv.jura.uni-saarland.de/Gesetze/saar-gesetze/3501.htm

 

[2] Erlass Nr. 47-2170 über den Währungsumtausch im Saarland. Vom 15. 11.1947. http://archiv.jura.uni-saarland.de/Gesetze/saar-gesetze/3502.htm

 

[3] Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französi- schen Republik zur Regelung der Saarfrage vom 27. Oktober 1956 - Luxemburger Saarvertrag -, Artikel 4, Absatz 1.

Den vollständigen Wortlaut des Saarvertrages finden Sie unter

http://www.verfassungen.de/de/saar/vertrag56.htm).

 

[4] Luxemburger Saarvertrag, Artikel 5, Absatz (2) bis (4).

 

 

 

 

 

Klarstellung aufgrund eines verbeiteten Irrtums:  Die saarländischen Frankenmünzen stellten keine eigene Währung dar!

 

Wie weiter oben ausgeführt, war die Währung des Saarlandes vom 20. November 1947 an der Französische Franken. Dies wurde damals gesetzlich festgelegt [siehe oben Anm. 1]. Auch für die Zeit nach dem 1.1.1957 bestimmte der Luxemburger Saarvertrag vom 27.10.1956: "Der Französische Franken ist das gesetzliche Zahlungsmittel im Saarland." [siehe oben Anm. 3].

 

Über die saarländischen Frankenmünzen wurde in demselben Vertrag bestimmt: "Sie haben im Saarland ebenso wie die französischen Münzen und unter denselbenBedingungen gesetzlichen Kurs und sind gültiges Zahlungsmittel." [Luxemburger Saarvertrag, Artikel 5, Absatz (1)]. Ihre deutsche Aufschrift "Franken" bezog sich also auf den Französischen Franc. Diese Münzen waren zwar (offiziell) nur im Saarland gültig, stellten damit aber nicht etwa eine eigene saarländische Währung dar, sondern ergänzten bei uns lediglich die französischen Münzen. Durch kein Gesetz und keine Verordnung war jemals eine Währung unter der Bezeichnung "Saarländischer Franken" oder "Saar-Franken" eingeführt worden. Die einzige "wirklich" saarländische Währung war die nur ein halbes Jahr lang gültige Saarmark (siehe oben im Abschnitt 2).

 

 

4) Deutsche Mark (DM) vom "TAG X" an (6. Juli 1959) bis zur Einführung des Euro am 1. Januar 2002

 

An dem von der Bevölkerung lange erwarteten "Tag X" wurden im Saarland die Französischen Franken in Deutsche Mark umgetauscht. Damit wurde die ursprünglich im Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956 vorgesehene dreijährige Übergangszeit für die Umstellung des saarländischen Wirtschaftssystems (die am 1. Januar 1957 begann) um etwa ein halbes Jahr verkürzt, u. a. um der fortschreitenden Abwertung des Französischen Franken auszuweichen. Die Bezeichnung "Tag X" rührte daher, dass das genaue Datum nicht im Voraus, sondern ganz kurzfristig (lediglich zwei Tage vorher) bekanntgegeben wurde, um Spekulationen vorzubeugen. Nachdem 1947 etwa 18 Milliarden Franken ins Saarland eingebracht worden waren (s. oben unter 3a), belief sich jetzt der Gesamtbetrag der in DM umgetauschten Franken auf über 30 Milliarden.

 

Der Umrechnungskurs war: 100 Frs. = 0,8507 DM. (1 DM "kostete" also 117,50 Franken.)

  

Über die Begleitumstände und Folgen der Einführung der D-Mark im Saarland berichten wir ausführlich auf der Seite Der Tag X.

 

 


 

 

   

B) Was man mit dem jeweiligen Geld kaufen konnte

 

 

 

1) Zur Zeit der Reichsmark und der Saarmark (bis 1947)

 

Um die wenigen kurz nach dem Krieg zur Verfügung stehenden Lebensmittel auf die Bevölkerung zu verteilen, musste man das im Krieg eingeführte Rationierungssystem der Lebensmittelkarten weiterführen. (Mehr darüber siehe Seite Bezugsscheine, Abschnitt 3.) Aber die Zuteilung von Brot und Fett reichte nicht aus, und so ernährte man sich hauptsächlich von Kartoffeln. Um wenigstens das Notwendigste zu bekommen, das man zum Überleben brauchte, musste man mit dem Rucksack auf Hamsterfahrt gehen. Viele saarländische Frauen wanderten in die Bauerndörfer in der Pfalz oder fuhren mit dem Zug dorthin. So entstand ein reger Tauschhandel "Ware gegen Ware". Man tauschte alles, was man an wertvollen Gegenständen über den Krieg gerettet hatte, Schmuck, Bilder oder Edelmetalle. Dafür erhielt man Brot, Kartoffeln, Gemüse usw. Die schlimmste Hungerzeit begann für die Saarländer, als Ende des Jahres 1946 die Militärregierung im Vorgriff auf künftige Regelungen die saarländische Grenze zum übrigen Deutschland "dicht" machte, so dass auch keine Hamsterfahrten dorthin mehr möglich waren. Im Schwarzmarkthandel musste man für ein Pfund Kaffee etwa 700 Reichsmark zahlen, eine einzige Zigarette wurde mit 6 bis 10 Reichsmark gehandelt.

 

 

2) Mit dem Französischen Franken (ab 20. November 1947)

 

Nach der Einführung der Frankenwährung und der damit verbundenen wirtschaftlichen Anbindung an Frankreich konnte im Saarland plötzlich wieder vieles gekauft werden, wovon man bis dahin nur hatte träumen können. Wenn Freunde oder Verwandte "aus dem Reich" (so bezeich- neten die Saarländer noch lange Zeit das übrige Deutschland - manche Ältere sagen es heute noch scherzhaft) zu Besuch ins Saarland kamen, wunderten diese sich oft über die hier nun viel bessere Versorgungslage der Saarländer gegenüber der im Bundesgebiet. Aussagen wie "Ihr lebt ja hier wie im Schlaraffenland!" waren häufig zu hören. Der Grund dafür lag einfach darin, dass wir durch unsere Wirtschaftsunion mit Frankreich an zahlreichen Vorzügen dieses Landes, das ja zu den Siegermächten des Weltkrieges gehörte, teilhaben konnten.

 

"Mit der Einführung des Französischen Franken kamen große Warenmengen aus Frankreich in das leere und warenhungrige Saarland. Innerhalb weniger Tage konnte alles gekauft werden. Lang entbehrte Köstlichkeiten wie Datteln, Feigen, Apfelsinen, Obst und Gemüse wurden in ausreichenden Mengen von Markthändlern und Gemüsegeschäften angeboten. Vieles gab es nun ohne Lebensmittelmarken, so Eier und Käse, Marmelade und Honig, verschiedene Konserven und Kaffee-Ersatz. Die Preise gingen jedoch dramatisch in die Höhe. Kostete zum Beispiel ein Pfund Brot im Oktober 1947 noch 0,55 Saar-Mark, so erhöhte sich der Preis nach Einführung der französischen Währung auf 40,55 Franken, was 2,03 Saar-Mark entsprach, also fast dem Vierfachen. Schuhe und Bekleidung, Haushaltwaren und Möbel konnten schon bald frei gekauft werden. Die ersten aus Frankreich kommenden Waren wurden zu überhöhten Preisen angeboten.

 

Die neue saarländische Regierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann rief die Saarländer zu besonnenem Kaufverhalten auf, um nicht auf die überhöhten Preise hereinzufallen. Grundnahrungsmittel wie Butter, Fett und Brot gab es weiterhin nur gegen Marken. Mit Beginn des freien Brot- und Butterverkaufs im April 1949 waren die ärgsten kriegsbedingten Einschränkungen im Ernährungssektor überwunden. Bis Ende 1948 blieben die Preise noch hoch, erst Anfang 1949 gingen sie zurück." (Egon Gross auf der Juni-Seite des Lebacher Historischen Kalenders 2006).

 

Nach der Währungsreform in den westdeutschen Besatzungszonen am 20. Juni 1948 stieg auch dort das Warenangebot an, und auch dort kletterten die Preise in die Höhe.

 

Diese beiden Werbe-Kärtchen (in Visitenkartengröße) zeigen, wie überschwänglich das Warenangebot nach Einführung des Franken zum Beispiel in Obst- und Gemüseläden plötzlich war. Als mein Vater noch in Kriegsgefangenschaft war, (siehe "Vati kommt heim") arbeitete meine Mutter zeitweise in der Fruchthalle Eugen Müller in der Stummstraße in Neunkirchen als Aushilfe. Ich ging noch nicht zur Schule, und unsere "Tante" Gerda (Edinger), die im selben Haus wohnte wie wir (Hüttenberg 4), passte auf meinen Bruder Klaus und mich auf. Manchmal brachte meine Mutter einige der uns Kindern bis dato unbekannten Südfrüchte (z.B. Datteln und Feigen) mit nach Hause. Sie hatte sie von ihrem Chef geschenkt bekommen - bei den hohen Preisen und ihrem geringen Lohn hätte sie sie uns nicht kaufen können. (R. Freyer)

        

Als weiterer Beleg dafür, dass es den Menschen an der Saar nach Einführung des Franken wirtschaftlich besser ging als den Deutschen in der Bundesrepublik, hier ein Bericht des Fußball-Nationalspielers Max Morlock vom 1.FC Nürnberg:

 

"Pfingsten 1948 fuhr der Club ins Saarland, um ein sogenanntes "Kompensationsspiel" auszutragen. Der Grund war, dass man endlich das Vereinsgelände einzäunen wollte, aber nirgends Maschendrahtzaun bekam. Morlock war von der Reise beeindruckt: "Die Augen gingen uns fast über, als wir ins Saarland fuhren. Da flossen Milch und Honig markenfrei*). Bei uns daheim legten die Hühner immer noch keine Eier und die Fetttöpfe waren bei den meisten hohl und leer, wenn auch der Zapf Gebhardt alles mögliche tat. Ich kam mit Edi Schaffer zu einem Metzgermeister ins Quartier. Der Tisch bog sich wahrhaftig unter der nahrhaften Last. Unser Gastgeber feuerte uns immer wieder an. 'Das wäre gelacht', sagte er, 'wenn ich es nicht fertigbrächte, dass wir Neunkirchner morgen das Spiel gewinnen.' Immer wieder ließ er neue Platten auftragen. Als der Edi sich das achte Kotelett einverleibt hatte, da war unser prächtiger Metzgermeister des Sieges seiner Mannschaft vollends sicher. Am anderen Tag traten wir also zum Spiel an, nicht ohne der Großmut unseres Gastgebers noch einmal alle Ehre erwiesen zu haben. Es waren noch keine 10 Minuten gespielt, da stolperte Schorsch Kennemann an mir vorbei und stöhnte, nach Luft schnappend wie ein Karpfen: 'Maxl, kriegst - du - a - Luft?' Und was mich anging, ich hatte den hinterlistigen Gedanken, jetzt läßt du dich bei einem Zusammenstoß auf den Erdboden fallen, stößt einen Schrei aus und lässt dich auf der Tragbahre hinaustragen. Aber natürlich schlug ich den inneren Schweinehund doch tot und machte weiter. Schließlich haben wir auch noch gewonnen."  (Quelle: http://www.glubberer.de/m/morlock__max/morlock__max.html)

*) Mit "markenfrei" war gemeint "ohne Lebensmittelmarken".        

 

 

3) Mit der D-Mark (ab 6. Juli 1959):

 

Ausführliche Einzelheiten hierzu finden Sie auf der Seite  Der Tag X.

 


 

 

Quellen:

- Helmut Grein, Dr. Alois Prediger, Wolfgang Bonaventura. Die Kreissparkasse Saarlouis - Tradition, die bewegt! Eine Region

  im Brennpunkt der Geschichte 1816 - 1857 - 2007. 150 Jahre KSK Saarlouis. Saarlouis, 2007.

- 125 Jahre Währungsgeschichte an der Saar. Herausgegeben von der Landeszentralbank im Saarland. Saarbrücken, 1984.

- Günter Scharwath. Vom Saarbrücker Groschen zur Deutschen Mark. Geldgeschichte der Sarregion. Saarbrücken 2005.

- Holger Rosenberg. Bearb.: Hanns-Ludwig Grabowski. Die deutschen Banknoten ab 1871. 15. Auflage 2005. Regenstauf 2005.

- Michael H. Schöne. Das Papiergeld im besetzten Deutschland 1945 - 1949. Regenstauf 1994.

- Lebacher Historischer Kalender 2006, Juni-Seite.

 

Quellen der Abbildungen auf dieser Seite:

- Alle Münzen: (wenn nicht anders vermerkt) R. Freyer (Münzen aus eigener Sammlung; nach dem Fotografieren "digital gereinigt" ;-)

- Geldscheine: siehe Seite Saar-Mark-Noten.

- Werbekärtchen Neunkircher Fruchthalle: Sammlung R. Freyer. 

 


 

 

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Mehr Details über:  Saar-Mark-Scheine  /  Saar-Franken-Münzen  /  Bezugsscheine (Lebensmittelkarten, Primes de régularité)

 

 


Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 15.3.2014

 

 

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