oben
saar-nostalgie.de - POLITIK
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

(eigenes Foto) |
Der
Tag X (6. Juli 1959):
Wirtschaftlicher
Anschluss an Deutschland.
Der
Tag, an dem die D-Mark ins Saarland kam. |

(Foto:
Gerd Schulthess) |
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
Am sogenannten "Tag X"
wurde die Grenze zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz
wieder geöffnet und die D-Mark als Währung eingeführt.
Im Artikel 1 des Vertrags zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Französischen Republik zur
Regelung der Saarfrage vom 27. Oktober 1956 (Luxemburger
Saarvertrag) hatte
sich Frankreich damit einverstanden erklärt, dass
sich der Anwendungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik
Deutschland vom 1.
Januar 1957 an
auf das Saarland erstrecken sollte. So erfolgte an diesem
Tag der "politische
Beitritt",
und das Saarland wurde das elfte Land der Bundesrepublik
Deutschland. (Mehr
zur politischen Angliederung gibt es auf der Seite Ergebnisse und Folgen. Den Wortlaut des Saarvertrages
finden Sie unter http://www.verfassungen.de/de/saar/vertrag56.htm.)
Die Übergangszeit
zwischen
der politischen und der wirtschaftlichen Angliederung
(1957 bis 1959)
In dem genannten Vertrag war
auch die Schaffung einer Übergangszeit
vorgesehen, während
der das Saarland und Frankreich weiterhin ein einheitliches Wirtschafts-,
Währungs- und Zollgebiet bildeten. Diese Übergangszeit sollte
zur Vorbereitung des wirtschaftlichen
Anschlusses der
Saar an Deutschland dienen und spätestens am 31.
Dezember 1959, also höchstens drei Jahre nach der
politischen Angliederung, enden. Das Kuriosum während dieser Zeit war, dass die Menschen im Saarland
jetzt zwar deutsche Staatsbürger waren und bundesdeutsche
Pässe besaßen, die Waren in Geschäften
und Kaufhäusern sowie Rechnungen und Dienstleistungen
aber nach wie vor mit französischen Francs bezahlten.
Es war also tatsächlich so, dass in einem Teil Deutschlands französisches
Geld die gültige Währung darstellte. Außerdem mussten im Saarland
für viele bundesdeutsche Erzeugnisse immer noch
Einfuhrzölle entrichtet werden, obwohl wir ja eigentlich
schon deutsches "Inland" waren, während
französische Produkte weiterhin zollfrei eingeführt
werden konnten. Auch die französischen Wirtschaftsgesetze
behielten weiterhin Gültigkeit an der Saar. Und
es wurde allmählich damit begonnen, den wirtschaftlichen
Austausch zwischen dem Saarland und der restlichen BRD
zu erleichtern.
|
Während dieser
Übergangszeit wurde die Anpassung der
französisch ausgerichteten Saarwirtschaft
an die liberale Marktwirtschaft der Bundesrepublik
vorbereitet, und es mussten dafür notwendige
gesetzliche Maßnahmen eingeleitet
werden. Einige wichtige Saargesetze wurden vom Bundeskabinett
verabschiedet und von Bundestag und Bundesrat
gebilligt, und in Frankreich und im Saarland
wurden ebenfalls rechtliche Vorkehrungen
getroffen. Auch die Lohnkosten und das Sozialgefüge mussten an die bundesdeutschen
Gegebenheiten angepasst werden.
Im Saarvertrag war
festgeschrieben, dass das genaue Datum der Beendigung dieses
Interimszeitraums von den Regierungen der
beiden Staaten im gegenseitigen Einvernehmen
festgelegt und bekanntgegeben werden sollte.
Es wurde allgemein erwartet, dass dieser
Tag auf einen Termin vor dem 31.12.59 festgesetzt werden
würde. Das genaue Datum lag aber vollkommen
im Dunkeln. Aus diesem Grund wurde der mit
Spannung erwartete Tag in der Bevölkerung
als
"Tag
X"
bezeichnet. |
 |
Wann kommen
endlich der lang ersehnte Tag X und damit die DM ins
Saarland?
Je länger die Übergangszeit
dauerte, umso ungeduldiger wurden die Saarländer,
die endlich auch in ihrem Land zollfrei deutsche Waren
mit deutscher Währung kaufen wollten. Sie warteten
sehnsüchtig darauf, die "Früchte"
des deutschen Wirtschaftswunders auch an der Saar genießen
zu können. Deutsche Produkte versprachen gute Qualität,
französische dagegen hielt man für eher minderwertig.
Außerdem verlor der Franc durch die fortschreitende
Inflation immer mehr an Wert, und deshalb wünschte
man sich eine baldige Loslösung aus seinem Wirtschaftsbereich.
Um besser disponieren zu können,
forderte die Saarwirtschaft, dass der "Tag X"
rechtzeitig bekanntgegeben werde. Vieles
deutete aber darauf hin, dass die Franzosen diesem Wunsche
nicht entsprechen würden. Und tatsächlich
erfolgte die Bekanntgabe erst ganz kurz vor dem Termin
selbst, wohl um Spekulanten keine Chance auf einen Vorsprung
zu geben. Allerdings kann man vermuten, dass in manchen
Kreisen das Datum "inoffiziell" doch schon
einige Zeit vorher bekannt war. Mit Kurierpost war am
Donnerstag (2. Juli) in der Saarbrücker Staatskanzlei
ein als geheim gekennzeichnetes Schreiben eingegangen,
in dem Datum und Uhrzeit der Umstellung mitgeteilt wurden.
Sie wurden aber erst zwei Tage später veröffentlicht.
Besonders am Tag vor der Bekanntgabe häuften sich
die Gerüchte um den Termin, auch in den Zeitungen.
|

|
Am
Samstag, 4. Juli 1959, um 10:30 Uhr war
es dann soweit: Im Radio wurde eine kurze Ansprache
des Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard
gesendet, und danach verkündete der
damalige Ministerpräsident Dr. Röder
in einer live übertragenen Pressekonferenz
offiziell den Termin: Die Umstellung
sollte am Montag, den 6. Juli 1959, um 0:00
Uhr stattfinden. Damit erfolgte die Bekanntgabe
erst knapp zwei Tage vor dem eigentlichen
Termin. Dies war so kurzfristig - und außerdem
an einem Samstag - dass die meisten Zeitungen
vor Montag nicht darüber berichten
konnten. Nur in eilig gedruckten und am
Samstag Nachmittag kostenlos verteilten
Sonderblättern der Zeitungen konnte
man die wichtige Neuigkeit lesen. Allerdings
hatte die in Homburg erscheinende "Westpfälzische
Rundschau" schon in ihrer normalen
Samstagsausgabe vom 4. Juli getitelt: "Bonn: Am Sonntag
um 24 Uhr.
- Einzeheiten der Saar-Rückgliederung
werden heute amtlich über den Rundfunk
bekanntgegeben." Die Saarbrücker
Zeitung schrieb in ihrer Ausgabe vom Samstag,
es sei "mit einer an Sicherheit grenzenden
Wahrscheinlichkeit" anzunehmen, dass
der Termin noch im Laufe dieses Tages bekanntgegeben
werde.
Die ursprünglich
auf maximal drei Jahre angesetzte Übergangszeit
war also wie erwartet abgekürzt worden, und zwar
ziemlich genau um ein halbes Jahr auf 30
Monate (oder 916 Tage). |
|
aus: Allgemeine
Zeitung vom 6. Juni 1959 |
Wenn auch das exakte Datum vorher
nicht publik gemacht worden war, so hatten sich doch
alle am Umtausch beteiligten Stellen gut darauf vorbereitet,
so dass die notwendigen Vorkehrungen kurzfristig getroffen
werden konnen. Und nun überstürzten sich die
Ereignisse. Am frühen Sonntag Morgen (5. Juli 1959)
wurde in etwa 100 Fahrzeugen des Bundesgrenzschutzes deutsches Geld in Höhe von 580 Millionen DM ins Saarland gebracht. Am Montag,
6. Juli, konnte man in der Zeitung lesen:
|

Als gestern morgen
die Saarländer an den Zufahrtsstraßen
von der Bundesrepublik her sich den Schlaf
aus den Augen rieben, gewahrten sie, wenn
sie Glück hatten, ein "militärisches"
Schauspiel: Gegen halb 7 über 20 Fahrzeuge
des Bundesgrenzschutzes, beladen
mit Säcken voll DM über die Saargrenze
bei Homburg gerollt. Schwer bewaffnete Grenzschutzbeamte,
mit Maschinenpistolen ausgerüstete
Motorradfahrer, Funkstreifenwagen und Kommandofahrzeuge
sicherten die von saarländischen Polizisten
durch das Land gelotsten Transporte zu den
über 500 Umtauschstellen.Auch über
die anderen Übergänge kamen etwa
um die gleiche Zeit vom Grenzschutz gesicherte
Geldtransporte, die rund 580 Millionen DM
in das Saarland brachten. Aus Karlsruhe,
Landau, Neustadt und Pirmasens kamen die
Transporte, die bei Einöd über
die Grenze gingen. Alle Straßen waren
polizeilich gesichert, sogar in der Luft
schwebten 3 Hubschrauber, deren Piloten
die Konvois ständig im Auge behielten.
|
|
Die gesamte Aktion der Währungsumstellung
wurde von einem international besetzten "Paritätischen
Währungsausschuss" beaufsichtigt. Die Deutsche
Bundesbank war für die Belieferung der 659 Umtauschstellen im Land mit dem neuen Geld verantwortlich.
Der Großtransport der D-Mark lief unter dem Tarnwort "Mairegen" und wurde vom Bundesgrenzschutz bewacht. Dieser hatte auf dem Saarbrücker
Messegelände mit 500 Mann Quartier bezogen.
|

|


|
|
Über 20 Fahrzeuge
des Bundesgrenzschutzes bringen am 5. Juli
1959 die D-Mark ins Saarland. Bewaffnete
Polizei- und Grenzschutzbeamte überwachen
das Abladen der Geldsäcke, hier vor
der Zweigstelle St. Ingbert der Rediskontbank.
(Fotos:
Gerd Schulthess, St. Ingbert.) |
Auch bei der Zweigstelle Dudweiler
der Kreissparkasse Saarbrücken und bei der
Volksbank Dudweiler werden die D-Mark-Säcke abgeladen.
Rechts neben der Bank ist
das Kino NHT (Nassauer-Hof-Theater) zu sehen. Man spielt
gerade den Film "Eiserner Gustav". (Fotos:
Bildarchiv der Bezirksverwaltung Dudweiler)
|
Die meisten Beschäftigten
der Banken und Sparkassen hätten diesen
Sonntag sicher viel lieber im Freibad verbracht,
denn es war ein wirklich "heißer"
Sonntag mit Temperaturen über 30 Grad.
Aber sie mussten zur Arbeit gehen, Geldsendungen
in Empfang nehmen und Vorbereitungen zum
Geldumtausch treffen.
Auch in den Geschäften
und Kaufhäusern musste an diesem Sonntag
gearbeitet werden, denn sämtliche Preise
an den Waren in Regalen und Schaufenstern
mussten auf die neue Währung umgestellt
werden.
Bild rechts: Auf
den Banken wird der Empfang der erhaltenen
Geldsäcke quittiert. (Foto: Landesarchiv
Saarbrücken, Oettinger.)
Sonntag, 5. Juli
1959, 24 Uhr: Es ist so weit!
|

|
|
|
Am Grenzübergang
Eichelscheid hatten sich in dieser
Nacht Tausende von Menschen eingefunden.
Radio Saarbrücken berichtete live.
Um Punkt 24 Uhr kletterte der Minister-
präsident Dr. Franz-Josef
Röder
auf einen Pfosten des Schlagbaums und hielt
eine kurze Ansprache:
"Meine
lieben Landsleute! In diesem Augenblick
fällt die letzte Schranke, die uns
noch von dem übrigen Bundesgebiet getrennt
hat. Damit ist auch das Saarland uneingeschränkt
ein deutsches Bundesland geworden."
Als
Antwort erschallte ein vielstimmiges "Bravo!" aus der Menge.
Anhören: kurz (nur
F.J.Röder, 500 kB) > /
lang (mit
Reporter 1,6 MB) > 
In dieser Nacht
wurde nach 12½ Jahren die Abtrennung
des Saarlands vom deutschen Wirtschaftsraum
beendet -
zum zweiten Mal nach 1935. |
|

|
Foto rechts: Ein brüderlicher Handschlag
zwischen saarländischen Grenzpolizisten und französischen
Zollbeamten beim Öffnen des Schlagbaums in der
Nacht vom 5 auf den 6.7.1959. (Fotos:
Landesarchiv Saarbrücken, Julius C. Schmidt bzw. Presse Foto Actuelle. Die Tondokumente
sind aus der Tonband-Sammlung von Gerd Schulthess, St.
Ingbert.)
"Made in
Germany" und deutsches Wirtschaftswunder warten
auf den Einbruch ins Saarland.
|
|
Im Laufe des Sonntags
begannen zahlreiche Händler und Vertreter
aus der Bundesrepublik damit, eine regelrechte
Invasion
des Saarlands vorzubereiten. Sie fuhren mit
vollgeladenen Liefer- und Lastwagen zu den
Grenzübergängen und bildeten dort
vor den Schlagbäumen endlos lange Kolonnen,
die sich z.B. von Eichelscheid bis in den
Ort Bruchmühlbach hinein stauten. Alle
warteten ungeduldig auf den Glockenschlag
um 24 Uhr, der die Straßen zum "Aufbruch"
ins Saarland freigeben würde. Geladen
hatten sie all das, was sie endlich zollfrei
den Saarländern anbieten wollten, all
die begehrten Waren, auf die diese bisher
verzichten mussten, weil sie wegen der Einfuhrzölle
zu teuer waren: Radios und Fernsehgeräte,
Kühlschränke (damals nannte man
sie noch "Eisschränke"),
Fahrräder, Motorräder und Zubehörteile,
Möbel u.v.m. Auch auf saarländischer
Seite bildeten sich LKW-Schlangen mit Produkten
der Eisen- und Stahlindustrie für
Empfänger in Deutschland. |
|
Der Rheinische Merkur schrieb am folgenden Tag, etwa 2000 LKW hätten in jener Nacht an den verschiedenen Grenzübergängen gewartet. Die SZ berichtete am 7. Juli, dass am Montag von Mitternacht an fast ununterbrochen LKW und Lieferwagen aus der BRD an die Saar gerollt seien. Bis Montagmittag hätten nach Angaben des Innenministeriums bereits mehr als 2500 LKW die sechs größten ehemaligen Grenzübergänge zwischen der Saar und Rheinland-Pfalz passiert. In Saarbrücken und einigen anderen Gemeinden sei schon vor 7 Uhr morgens mit dem Entladen der Wagen begonnen worden.
Foto: Hans Dechent (links) und Udo Voigt steuern kurz nach Mitternacht am Tag X den ersten Opel Rekord über die jetzt offene Grenze ins Saarland. Foto: Autohaus Dechent.
|

|
|
Hagen Rupp aus
Limbach bei Kirkel berichtet:
"Dieses Bild
wurde am Tag X, genau um Mitternacht, am
damaligen Grenzübergang Zweibrücken-Einöd aufgenom-
men. Es zeigt
das erste Fahrzeug, das nach Entfernung
des Schlagbaums die "Grenze" überquerte.
Am Steuer Oskar Grub, Gründer des Möbelhauses
Grub in Limbach bei Homburg. Auf dem Trittbrett
Herbert Paulus, mein inzwischen 80-jähriger
Onkel, der damals beim Möbeltransport
geholfen hat. Die Möbel waren in der
Pfalz bereitgelegt und wurden dann zur Grenze
gebracht, wo man vor dem Schlagbaum wartete,
bis dieser um Mitternacht aufging und die
Möbel erstmals ohne Formalitäten
ins Saarland verbracht werden konnten."
(Foto: Hagen Rupp)
Informationen
über den Fahrzeugtyp (Tempo Matador) gibt es auf
der Seite Nutzfahrzeuge (ganz unten). |

|
|

|
Eine
Grenze wird abgebaut,
eine
andere wird eingerichtet.
In der Nacht vom
Sonntag (5. Juli) auf Montag (6. Juli) wurde
nicht nur die Grenze zwischen dem Saarland
und Rheinland-Pfalz für den ungehinderten
Personen- und Warenverkehr wieder geöffnet,
sondern es wurde auch die alte Grenze zwischen
dem Saarland und Frankreich wieder eingerichtet.
Die Grenz-
stationen wurden
praktisch nur von der einen zur anderen
Grenze verschoben.
Dabei wurden die
Zollbeamten nicht etwa arbeitslos, sie verlegten
nur ihre Arbeitsstätte um einige km
zur anderen Seite des Saarlandes. Schon
im Laufe des Sonntags fuhren die ersten
Möbelwagen umziehender Zolldienststellen
durch das Land, z.B. deutsche von Zweibrücken
nach Großrosseln und französische
von Einöd nach Forbach.
|
Die Grenzkontrollen an der Grenze
nach Frankreich wurden auf deutscher Seite vom Bundesgrenzschutz
übernommen. Es wurden zunächst nur provisorische
Abfertigungstellen eingerichtet; von den neuen festen
Zollhäusern standen anfangs meist nur die Fundamente.
Bis zu ihrer Fertigstellung verrichteten die Zöllner
ihren Dienst häufig in Omnibussen, die zu Bürowagen
umgebaut worden waren.
Beginn des Geldumtausches:
am Tag X um 10 Uhr.
|

|

|
|
Schlangen von
Umtauschwilligen in einem Saarbrücker
Kreditinstitut.
(Foto: Landesarchiv
Saarbrücken, Bildersammlung) |
Hinweistafeln
standen schon am Sonntag auf den Bürgersteigen.
(Foto:
Gerd Schulthess, St. Ingbert.) |
|
Das lange erwartete
deutsche Geld konnten die Saarländer
(und nur diese waren dazu berechtigt) vom
darauffolgenden Tag an (Montag, 6.7.59)
ab 10 Uhr vormittags bei den Banken und
Wechselstuben gegen ihre französischen
(und saarländischen) Franken eintauschen,
und zwar zum offiziellen Kurs von 100 :
0,8507. Das bedeutete:
Für
100 Francs erhielt man 0,8507 DM, oder umgekehrt:
1 DM kostete etwa 117 Francs.
An zahlreichen Orten
wurden Sonderschalter ein-
gerichtet und Gaststätten
in provisorische Bank-
schalter umgewandelt.
Vor den Wechselstellen und Banken bildeten
sich am frühen Montagmorgen lange Schlangen,
die aber in den Nachmittagstunden meist
wieder schrumpften. Mancherorts gingen die
D-Mark- Vorräte bereits im Laufe des
ersten Tages zur Neige, sodass man auf Nachschub
warten musste. |

|
|

|

|
|

|
|
In den ersten Tagen
wurden nur Geldscheine und 100-Franken-Stücke
zum Umtausch angenommen, erst danach auch
die kleineren Münzen. Der Bar-Umtausch war zunächst
auf 50.000 frs. pro Person beschränkt;
wer mehr umtauschen wollte, bekam den darüber
hinausgehenden Betrag auf ein Namenskonto
gutgeschrieben, über das aber sofort
verfügt werden konnte. Da die meisten
Saarländer damals noch kein eigenes
Bankkonto besaßen, mussten zahlreiche
Sonderkonten eingerichtet werden, was für
die Angestellten der Kreditinstitute viel
zusätzliche Arbeit bedeutete.
Die Umstellung der
Guthaben, die sich auf Konten der Banken und Sparkassen befanden,
erfolgte zum Währungsstichtag ebenfalls
in voller Höhe und auf der Basis des
offiziellen Wechselkurses. Dies galt im
Normalfall auch für die Sparguthaben der Saarländer,
allerdings mit einer kleinen lukrativen
Variante: Die saarländischen Banken
hatten im Laufe der Übergangszeit einen
massiven Abfluss von Spareinlagen festgestellt.
Wegen des fortschreitenden Wertverlusts
des französischen Franken gegenüber
den anderen internationalen Währungen
hatten sich viele Saarländer um die
Erhaltung der Kaufkraft ihrer Ersparnisse
gesorgt und diese deshalb schon vor dem
erwarteten Tag X in grenznahen deutschen
Städten in "harte" D-Mark
umgetauscht und auf neu eröffneten
Sparkonten bei den dortigen Sparkassen angelegt.
Der bundesdeutsche Wirtschaftsminister Ludwig
Erhard hatte sich einen wirksamen Trick
|
|
ausgedacht, um diesem
unerwünschten Trend entgegenzuwirken:
Er versprach den saarländischen Sparern,
dass sie bei der Umrechnung ihrer Sparguthaben
am Tag X einen besseren Umrechnungskurs
erhalten würden, nämlich 1 DM
für 100 Frs, aber nur unter der Bedingung,
dass sie ihre Sparguthaben vor dem 19.12.1958
bei einem saarländischen Kreditinsitut
angelegt und bis zum Tag X dort belassen
hatten. Mit diesem "Geschenk"
sollten die ängstlichen saarländischen
Sparer beruhigt werden.
Auch Geschäftsguthaben wurden zu einem
günstigeren Kurs umgetauscht, nämlich
100 Frs. = 0,95 DM, in einigen Banken sogar
1 DM. Der gesamte Geldumtausch war 10 Tage
nach dem Tag X abgeschlossen und verlief
ohne organisatorische Probleme.
Umrechnungstabellen
für den offiziellen Kurs wurden in
den Zeitungen veröffentlicht und in
kleinen Broschüren für wenige
Pfennige z.B. an Zeitschriftenkiosken verkauft. |
|

|
Was
geschah mit den umgetauschten
Franken
aus dem Saarland?
Insgesamt wurden
von den Umtauschstellen 30.498.000.000 (fast
30,5 Milliarden) Francs in knapp 260 Millionen
DM umgetauscht (in anderen Berichten wird
von 578 Millionen umgetauschten DM gesprochen).
Die eingesammelten französischen Francs
und Saar-Franken wurden zunächst in
der Zweigstelle St. Ingbert der Landeszentralbank
gesammelt.
Später wurde
dieses Geld gemäß den Vereinbarungen
im Luxemburger Saarvertrag an die Banque de France in Paris abgeführt.
Dieser Betrag stellte einen Teil der Zahlungen
der BRD an Frankreich aus Anlass der Rückgliederung
der Saar dar.
Foto: In saarländischen
Polizeifahrzeugen wurden die Francs zur
französischen Grenze gebracht und von
dort mit dem Zug nach Paris. (Landesarchiv
Sbr., Julius C. Schmidt) |
|
Nach
der Vorfreude auf die D-Mark kam die Ernüchterung:
a) Zahlreiche
Preiserhöhungen nach dem Tag X
Wie die folgenden
Bilder zeigen, wurde in vielen Schaufenstern
der Geschäfte versichert, dass man
die Preise der Waren fair und nach dem offiziellen Wechselkurs umrechnen würde,
und meistens wurde auch tatsächlich
der korrekte Umrechnungskurs angewandt.
Aber das war leider
nicht überall so: Viele Kaufleute, Kaufhäuser
und Gaststätten nutzten die Gunst der Stunde
und rechneten ihre Preise nicht zum offiziellen Kurs (100:0,85) um, sondern
einfach zum Kurs
100:1.
Das heißt, was vorher 100 Franken
gekostet hatte, kostete jetzt 1 DM (statt
"ehrlicher" 85 Pfennig), und dies
kam einer heimlichen Preiserhöhung von fast
18 Prozent gleich. Der schlechtere Kurs wurde
sogar für staatliche Dienstleistungen
angewandt, beispielsweise bei den Fahrpreisen
der Eisenbahn (die Tarife der Bundesbahn
für den Berufsverkehr waren höher
als die im Saarland) und der öffentlichen
Nahverkehrsbetriebe, sowie bei den Posttarifen.
Hinzu kam, dass die
Mehrzahl der Grundnahrungsmittel vorher im Saarstaat
genauso wie im übrigen französischen
Wirtschaftsraum subventioniert und zusätzlich
geringer besteuert worden waren. Nach der
Rückgliederung fielen diese Vergünstigungen
weg, und die Preise für Brot, Mehl,
Zucker, Kaffee, Tabakwaren, Bier usw. wurden
an die (höheren) deutschen Preise angepasst.
Die Leute stellten
schnell fest, dass die Preiserhöhungen
ihre Lebenshaltungskosten erheblich verteuerten
und begannen bald, mit Demonstrationen und Protestschreiben
dagegen zu protestieren. Unter anderem wurde
in verschiedenen Orten zum "Bierstreik"
aufgerufen, und viele Raucher drehten demonstrativ
ihre Zigaretten selbst. |

|
|
(Mehr zu den Protesten
weiter unten im Abschnitt "Proteste,
Streiks und Demos".)
|
|
|
Das Kaufhaus Gebr.Sinn textete in seinen
Schaufenstern: "Und wieder können
wirs beweisen, noch preiswerter zu DM-Preisen.
/ Einfach toll, unsere Leistungen zu DM-Preisen.
Unsere Lastwagen rollen laufend mit deutscher
Ware an. / Hier der Beweis - noch günstiger
der DM-Preis"(Fotos: Gerd Schulthess) |
|

|
|

Auch beim ASKO (Allgemeiner Saar-Konsum)
wurden die Preise korrekt umgerechnet. Bei
manchen Waren erfolgte sogar eine Reduzierung
der Preise, wie man anhand der mit den alten
und neuen Preisen versehenen Werbezettel
leicht nachrechnen kann.
Die farbigen Zettel
stammen aus der Sammlung von Gerd Schulthess,
St.Ingbert. |
Das Foto links
stammt aus einem Film, der beim Landesfest
2007 in der Innenstadt von Saarbrücken
gezeigt wurde. Foto rechts: Landesarchiv
Saarbr., Julius C. Schmidt.
In diesem Obst-
und Gemüseladen (links) sowie auf dem
Markt (rechts) wurde ziemlich genau umgerechnet.
Die Zeichen auf
der linken Tafel im Bild rechts sind wie
folgt zu lesen: ein Pfund 300 Francs oder
250 Pfennige (2,50 DM). |
 |
|
b) Viele Saarländer verfielen
in einen ungebremsten Kaufrausch und
gerieten in die Schuldenfalle.
Der saarländische Markt
wurde nun mit allen möglichen Produkten bundesdeutscher
Firmen überschwemmt, pausenlos wurden große
Mengen von deutschen Waren mit LKWs ins Saarland gebracht.
Die Saarländer griffen gerne zu und kauften, was
das Zeug hielt: Radios, Fernseher, Waschmaschinen, Staubsauger,
Küchenmaschinen, Kühlschränke, Kleidung,
Schuhe und Autos. Sie freuten sich darüber, dass
sie jetzt endlich die guten deutschen Qualitätsmarken
nicht mehr wie bisher jenseits der (nunmehr gefallenen)
Grenze kaufen und entweder verzollen oder schmuggeln
mussten, sondern sie gleich daheim im Kaufladen um die
Ecke kaufen konnten. Verwandte, Freunde und vor allem
Versandhäuser wie Quelle oder Neckermann schickten
Unmengen von Paketen mit deutscher Ware - die Post hatte
in der ersten Zeit nach dem Tag X zwanzigmal mehr Pakete
auszuliefern als vorher.
Von Mitternacht am Tag X an fielen
neben seriösen Kaufleuten auch Unmassen von mit
allen Wassern gewaschenen Händlern und skrupellosen
Vertretern ins Saarland ein, um dessen Bewohner mit
ihren "exklusiven" Angeboten zu überfallen.
Mit Werbegeschenken und unlauteren Methoden aller Art
versuchten sie nach Manier von Bauernfängern ihre
Waren - manchmal waren es die letzten Ladenhüter
- zu angeblichen Sonderpreisen an den Mann zu bringen.
Man musste den Eindruck bekommen, dass sie die Saarländer
regelrecht "melken" wollten.
Viele Menschen im Saarland konnten
den Versuchungen nicht widerstehen und kauften mehr,
als sie mit ihrem Geld bezahlen konnten. Ratenkäufe
waren plötzlich an der Tagesordnung. Man sagt,
dass mehr als ein Viertel der Kunden auf Kredit einkaufte.
Und so gerieten zahlreiche saarländische Familien
schnell in die Schuldenfalle.
c) Soziale Vergünstigungen
aus der Frankenzeit wurden gekürzt, und Abgaben
wurden erhöht.
Ab 1947 war im Saarland die Organisation
des Tarif- und Lohnrechts sowie der Sozialversicherung
dem französischen
System sehr eng
angeglichen worden. Auf Grund dessen hatten hier zwölf
Jahre lang bessere Bedingungen für die arbeitende
Bevölkerung geherrscht als in der Bundesrepublik.
Nach der wirtschaftlichen Angliederung am Tag X wurden
aber im Saarland die bundesdeutschen
Sozialgesetze
angewandt, und die Lohnabzüge und Lohnzulagen wurden
- fast ausschließlich zum Nachteil der Arbeitnehmer
- dementsprechend angepasst.
Die Heimatbundparteien hatten unter der Führung des DPS-Vorsitzenden
Dr. Heinrich Schneider zwar während des Wahlkampfs
zur Volksabstimmung in Aussicht gestellt, dass nach
dem wirtschaftlichen Anschluss an die BRD alle im Saarland
bestehenden Sozialleistungen beibehalten würden.
Auch in den Rückgliederungsverhandlungen hatten
sie dies unter dem Stichwort "Wahrung des sozialen Besitzstandes"
vehement eingefordert.
Aber sie konnten ihr Wort nicht halten: Die Bundesregierung
lehnte alle diesbezüglichen Zugeständnisse
ab, unter anderem weil sie befürchtete, dass sich
dadurch die Integrierung des neuen Bundeslandes in die
Ländergemeinschaft verzögern würde.
Dadurch fielen nach der wirtschaftlichen
Rückgliederung viele großzügige Vergünstigungen
des bisherigen Saarstaats entweder ganz weg oder wurden
mehr oder weniger stark gekürzt.
Im Einzelnen gab es folgende
einschneidende
Veränderungen:
Das bisherige Familienzulagesystem
wurde abgeschafft. Dieses hatte den verheirateten
Arbeitnehmern folgende monatliche Zulagen gewährt:
Frauenzulage (2000 frs.), Kindergeld schon für das
erste (2.300 frs.) und zweite Kind (3.700
Frs). Diese Familienzulagen erhielten auch
die Rentenempfänger und Arbeitslosen,
und an Weihnachten wurden sie sogar verdoppelt
bzw. verdreifacht. Aber nach dem Tag X fielen
sie vollständig weg.
Folgende Lohnabzüge
wurden angehoben: Der Arbeitnehmeranteil am Krankenversicherungsbeitrag
stieg
für Arbeiter von 3,5 auf 4,5%; für
Angestellte von 2,5 auf 3,1%. Die Beiträge
zur Rentenversicherung kletterten von 5,5 auf 7%, und
die Arbeitslosenversicherung stieg um 1% an.
Die Kirchensteuer
stieg
von 8 auf 10%.
Diese Informationen
und die Tabelle stammen aus einem Flugblatt der DFU, herausgegeben
Ende 1960 von Richard Kirn , der früher
Arbeitsminister unter JoHo war). Die Richtigkeit
der Angaben konnte ich nicht überprüfen. |

|
Insgesamt bedeutete die Anpassung
der Lohnzulagen und der Lohnabzüge an die bundesdeutschen
Lohnbelastungen eine durchschnittliche Verschlechterung
für die Arbeitnehmer an der Saar von 10 bis 15
Prozent.
Nach den Infos des erwähnten
Flugblatts gab es noch weitere Nachteile: Die Dauer
der Lohnfortzahlung
im Krankheitsfall
wurde stark gekürzt. Die Invaliden- und Angestelltenrenten sanken um ca. 30% und konnten
nun nicht mehr schon im Alter von 60 Jahren gewährt
werden. Die Schlechtwetterregelung der Bauwirtschaft (60% des Lohns
plus Familienzulagen) wurde ersatzlos gestrichen.
Proteste, Streiks
und Demonstrationen
So führten also die zahlreichen
Preiserhöhungen in Verbindung mit der durch Kreditaufnahmen
entstandenen Schuldenbelastung und der Kürzung
der sozialen Leistungen dazu, dass es den Saarländern nach dem Tag X finanziell
wesentlich schlechter ging als vorher. Nach der Euphorie über
den endlich vollzogenen vollständigen Anschluss
an die Bundesrepublik folgte für viele eine gewisse
Ernüchterung.

|
Für viele Familien
war es jedenfalls plötzlich sehr "eng"
geworden. Zur Veranschaulichung der finanziellen
Schlechterstellung vieler Saarländer
nach dem Tag X wird gerne folgendes Bild
gebraucht: Vor der Rückgliederung kühlten
sie französische Butter auf der Fensterbank,
aber im neu angeschafften deutschen Kühlschrank
hatten sie nur noch Margarine.
Aus diesem Grund
protestierten die Saarländer vielerorts gegen
die unerwarteten Verschlechterungen. Schon
zwei Tage nach dem Tag X hielt z.B. die
DPS eine Protestkundgebung mit ihrem Vorsitzenden
Dr. Heinrich Schneider in der Wartburg ab
(s.
Foto links v. Gerd Schulthess).
Am 9. Juli 1959 gab
es einen landesweiten einstündigen
Proteststreik
gegen
die Erhöhung der Preise. Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB betonte in einer scharfen Stellungnahme,
dass sich die empörten Klagen über
die Versuche von Dienstleistungsunternehmen
und Geschäften häuften, die Frankenpreise
einfach mit dem ungerechtfertigten Kurs
von 1 : 100 umzustellen, statt die nach
der wirtschaftlichen Eingliederung in Kraft
getretenen Vergünstigungen an die Verbraucher
weiterzugeben. |
Auch das Präsidium des Landesverbandes
des saarländischen Einzelhandels richtete einen
Appell zur Preisdisziplin an die Einzelhändler. Die
Eisenbahngewerkschaft schaltete sich ebenfalls ein
und protestierte gegen die geplante Einführung
des bundesdeutschen Sozialrechts im Saarland.
Die Studenten
demonstrierten in einem Protestmarsch gegen die hohen Fahrpreise. Ministerpräsident Röder
bezeichnete diese Aktion als "Staffage ostzonaler
Agitatoren" (Deutsche
Saar vom 10. Juli 1959, zitiert nach "Von der Stunde
0...", S. 250). Die folgenden Bilder geben einen Eindruck
von der Entrüstung der Demonstranten. Im Bild unten
links ist Ministerpräsident Röder zu sehen. (Fotos: Gerd
Schulthess, St. Ingbert.)
Ludwig
Erhards Blitzbesuch
Auch der Besuch des Wirtschaftsministers
Ludwig Erhard im Saarland am 13. Juli 1959
brachte keine Änderung. Bundeskanzler
Adenauer hatte ihn etwa eine Woche nach
dem Tag X zu einem Blitzbesuch in das neue
Bundesland geschickt. Er sollte sich ein
Bild von den Problemen der Saarländer
machen und versuchen, die Gemüter zu
beruhigen. Auf einem Gang durch die Straßen
von Saarbrücken schaute er sich Marktstände,
Läden und ihre Auslagen an. Am Ende
seines Besuches ließ er verlauten,
dass ihm an den Preisen nichts Besonderes
aufgefallen sei. Kein Wunder, entsprachen
sie doch etwa denen in der übrigen
BRD. Dass sie teilweise viel höher
waren als zur Frankenzeit, konnte er nicht
erkennen.
----------------------------------------------------------------
Diese drei Fotos
von Walter Barbian zeigen den Bundeswirtschaftsminister
Ludwig Erhard bei seinem Besuch im Saarland
am 13. Juli 1959; im Bild unten am Saarbrücker
Hbf.
---------------------------------------------------------------- |

|

|

|
|
Am 4. November 1959 veranstaltete die
Gewerkschaft ÖTV eine Protestkundgebung, in der sie einen
Lohnausgleich für die durch die Währungsreform
bei der wirtschaftlichen Rückgliederung
entstandenen Einkommensverluste forderte.
Auf einem der dabei durch die Stadt getragenen
Transparente war zu lesen:
Im
Saarland herrscht soziale Not,
die
Bonner nehmen uns das Brot.
|
o o o o o o
Aber alle Proteste
konnten nichts an der Situation ändern,
und viele Saarländer trauerten nun der Frankenzeit
nach,
weil es den meisten nach der Währungsumstellung
wirtschaftlich ein gutes Stück schlechter
ging als vorher. |
Folgen der Rückgliederung
für die Saarwirtschaft
Als Konsequenz der wirtschaftlichen
Schwierigkeiten und des härter gewordenen Wettbewerbs
mussten viele kleinere und mittelständische Firmen
im Saarland ihren Betrieb
einstellen und
Konkurs anmelden. Die großen etablierten bundesdeutschen
Firmen hatten den saarländischen Markt dermaßen
überschwemmt, dass die Nachfrage nach saarländischen
Produkten erheblich nachließ und viele einheimische
Betriebe sich nicht gegen die riesige Konkurrenz behaupten konnten.
Es gab allerdings auch Übergangshilfen und zinsgünstige
Kredite, die
einigen Unternehmen dabei halfen, auf dem bundesdeutschen
Markt Fuß zu fassen. Andere Firmen hatten schon
rechtzeitig vor dem Tag X vorgesorgt und den Schwerpunkt
ihrer Geschäftsbeziehungen nach Frankreich verlegt. Zum Beispiel hatte die Firma
MEISTERFUNK, die in Saarbrücken Rundfunkgeräte
hergestellt und erfolgreich im Saarland (und auch nach
Frankreich) verkauft hatte, ihre gesamte Produktionsstätte
frühzeitig ins Elsass verlegt und auf Telefonanlagenbau
umgestellt. Dies berichtete mir der Gründer und
Inhaber G. Eisvogel, der heute noch in Saarbrücken
lebt (siehe auch
Seite Radiogeräte).
In den ersten Jahren nach dem
Tag X blieb der Warenaustausch
zwischen dem
Saarland und Frankreich aufgrund der Festlegungen im
Saarvertrag (siehe
1. Abschnitt auf dieser Seite) auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Zudem
erfuhr die Bauindustrie eine unerwartete Hochkonjunktur, die auch dem saarländischen
Handwerk zugute
kam.
Als Fazit über die Folgen der wirtschaftlichen
Rückgliederung
soll hier die Aussage eines Saarländers zitiert
werden, welche die Saarbrücker Allgemeine Zeitung
am 6. Juli 1960 abdruckte, also ein Jahr nach dem Tag
X:
"So gut, wie man es
uns in Bonn prophezeit hatte, geht es uns nicht - aber
auch nicht so schlecht, wie einige Miesmacher behaupten."
Die Tatsache, dass die Saarfrage
zwischen Deutschland und Frankreich zwar in harten Verhandlungen,
aber doch insgesamt in gutem Einvernehmen und gegenseitigen
Verständnis geklärt werden konnte, erlaubte
es dem Saarland tatsächlich, in der Folge die Funktion
einer Brücke zwischen den beiden Ländern
zu übernehmen. So kam es dann doch noch zur Erfüllung
der Aufgabe, die die alte Saar-Regierung der Brücke
im gerade ungültig gewordenen Saar-Wappen (siehe Name,
Wappen,...) zugedacht
hatte... wenn auch auf eine andere Art und Weise.
|
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte
von Gerhard Bungert*) über die neue Einstellung der Saarländer
zum Einkaufen nach dem Tag X:
|
*) Über Gerhard Bungert
Gerhard Bungert publizierte Bücher und
Texte, die überwiegend die saarländische Geschichte
und das Lebensgefühl der saarländischen Bevölkerung
beschreiben. Insgesamt publizierte er 41 Monografien
mit einer Gesamtauflage von annähernd 500.000 Exemplaren.
Als freier Autor und Moderator arbeitete er für
den Saarländischen Rundfunk, für den er zahlreiche
Glossen und Sketche, Reportagen und Features, aber auch
mehrere Dutzend Hörspiele schrieb. Auch für
den hessischen und den Südwestrundfunk schrieb
er Stücke. Weiterhin veröffentlichte er neun
Theaterstücke und schrieb Texte für saarländische
Liedermacher. Bungert hat sich auch als Herausgeber
von Anthologien einen Namen gemacht.
(aus Wikipedia)
Der Abdruck der Geschichte
erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Demnächst
wird es weitere Texte von ihm auf dieser Webseite geben.
|
 |
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Diese Seite wird in Kürze mit weiteren
Infos und Fotos erweitert werden.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Fotonachweis: Die Fotos auf dieser
Seite ohne eigene Quellenangabe sind aus dem Stadtarchiv
Homburg.
Quellen für die Texte:
Zeitzeugenberichte
125 Jahre Währungsgeschichte
an der Saar 1859 - 1984, Landeszentralbank im Saarland, 1984
100 Jahre Saar-Bank 1896 -
1996, Chronik. Saarbrücken
1996.
60 Jahre St. Wendeler Volksbank,
Jubiläumsjahr 1988.
Von
der `Stunde 0´ zum `Tag X´. Das Saarland
1945-1959. Saarbrücken 1990.
Das Saarland, Politische,
wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, Landeszentrale für politische
Bildung, 2. Aufl. 1991.
Saarbrücker Zeitung vom 5.7.59 und vom 7.7.59, Westpfälzische Rundschau v. 4.7.59 sowie andere Tageszeitungen
aus dieser Zeit.
http://www.stadtarchiv-homburg.de/default.asp?FALL=13&AUSW=LArchiv/LAusstellung/I50JSaarland/1
http://www.verfassungen.de/de/saar/vertrag56.htm (Wortlaut des Luxemburger Vertrages
zur Regelung der Saarfrage vom 27. Oktober 1956)
http://www.peter-imandt.de/ichsechzige4.html
|
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am
16.11.2009
nach oben

|
zurück <---------> weiter 
Home > saar-nostalgie.de
|