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Gilbert Grandval - Seite 2
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> Version française de cette page.
Die Abschnitte A, B und C finden Sie auf der Seite Grandval 1.
D) Grandvals Weihnachts- und Neujahrskarten
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Gilbert Grandval hat ab 1948 in jedem Jahr seiner "Dienstzeit im Saarland" eine Glückwunschkarte zu Weihnachten und Neujahr drucken lassen und an Freunde und andere Ansprechpartner versandt. Für die künstlerische Gestaltung aller Karten war Jean Chièze (1898 - 1975) zuständig, ein moderner französischer Meister
des Holzschnitts. Sein Namenszug ist auf allen Karten jeweils in der Zeichnung versteckt.
Die wichtigsten Themen der Karten sind neben der Weihnacht die Industrie unseres Landes und vor allem der Gedanke, dass das Saarland als Bindeglied zwischen Deutschland und Frankreich und schließlich als Wiege eines zu gründenden vereinten Europas dienen sollte.
Dank eifrigen Suchens und der Mithilfe einiger Saar-Nostalgie-Freunde können wir nun alle sieben Karten von 1948 bis 1954 hier zeigen.
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Die erste Karte wurde Ende 1947 versandt und enthielt die Wünsche für das Jahr 1948. Sie zeigt im Vordergrund einen Stahlarbeiter mit Hammer und Zange und einen Bergmann mit Grubenlampe. Sie stehen vor der Silhouette von Hütten- und Grubenanlagen. Unten links schlagen
Flammen empor. Ganz oben strahlen - wohl als Symbol für Weihnachten - ein großer und einige kleine Sterne, und unten umrahmen die französische Trikolore und die
Saarlandflagge die Jahreszahl 1948.
Zwei Daten aus dem Jahr 1947 sind in der Bildmitte links und rechts eingeblendet: Der 5. Oktober 1947, das Datum der Wahl einer Verfassunggebenden Versammlung für den zu gründenden Saarstaat, und der 8. November, der Tag, an dem die saarländische Verfassung verabschiedet wurde (siehe Geschichtlicher Überblick!). Im
Inneren der Faltkarte steht der Text, mit dem der französische Hochkommissar an der Saar seine Wünsche übermittelte:
"Mögen die Weihnacht 1947 und der Neujahrstag 1948 für all diejenigen, die im Saarland leben und schaffen, Symbol sein der Genugtuung über das bereits vollbrachte Werk und des Stolzes über die noch zu erfüllende Aufgabe zum Wohle aller und zum Glück eines jeden Einzelnen ...".
Auf der Karte für 1949 (rechts oben) leuchtet über einer stilisierten Landkarte Europas eine Grubenlampe mit der Aufschrift "Sarre" (die es wohl auf keiner echten Lampe gab?). In ihrem Zentrum ist wie in einer Krippe das Jesuskind auf Stroh gebettet. Um das Kind herum stehen
die
Worte Prospérité und Paix Sociale (Wohlstand und sozialer Friede). Damit fasst Grandval die Wünsche zusammen, die er in seinem Glückwunschtext auf einem Einlegeblatt ausspricht (Text siehe rechts!).
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Für 1950 hatte sich Grandval ein Schiff ausgedacht, das den Namen EUROPE trägt und die Flaggen aller Länder zeigt, die damals Mitglieder im Europarat waren; dazu gehörte auch die Türkei (seit 9.8.1949). Ganz vorne weht die Saar-Fahne (das Saarland war assoziiertes Mitglied seit 1950), und am Heck flattert die Europaflagge.

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Die dargestellten Länder, v.l.n.r. und jeweils von oben nach unten: Saarland, teilweise verdeckt Niederlande. Luxemburg, Schweden, Belgien, Frankreich. Teilweise verdeckt: Dänemark, Griechenland, Norwegen. Irland, Türkei, Italien, Vereinigtes Königreich. Deutsche Bundesrepublik.
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Der Text des oben abgebildeten Glückwunschteils lautet:
Möge jeder Saarländer stolz sein auf das gemeinsam vollbrachte Werk, dessen hohen menschlichen Inhalt begreifen, und in Treue, Standhaftigkeit und Vertrauen in diesem Sinne weiterwirken und weiterschaffen, dann wird das Saarland blühen und gedeihen, und Europa mit ihm und auch der Friede. Erhalten Sie hiermit, anlässlich des Weihnachts- und Neujahrsfestes, meine aufrichtigsten Glück- wünsche für Sie und Ihre Familie.
Dies war der französische Wortlaut:
Que chaque Sarrois ait la fierté de l'œuvre accomplie en commun, que chacun comprenne la haute valeur humaine de cette œuvre, que chacun poursuive son effort avec ténacité, avec loyauté, avec confiance, alors la Sarre prospèrera et avec elle l'Europe et avec elles la Paix. Mes vœux de Noël et de Nouvel An les meilleurs pour votre foyer.
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Auf einer anderen Karte (siehe oben) wünschte Grandval,
"que cette nouvelle année voie l'aboutissement de nos efforts communs!
que la Sarre soit le ciment de l'Europe!
que 1950 soit pour vous-même et pour tous les vôtres une année heureuse et propice."
Auf Deutsch übersetzt:
"dass dieses neue Jahr den Erfolg unserer gemeinsamen Anstrengungen sehen möge!
dass die Saar der Zement Europas sein möge!
dass das Jahr 1950 für Sie selbst und alle Ihrigen ein glückliches und günstiges Jahr werden möge!"

Auf der Karte für 1951 (siehe rechts) stand folgender Text auf der Rückseite: "Le Haut Commaissaire de France en Sarre ...

Auf der Karte selbst sehen wir die Dame Europa (sie ziert auch die Vorderseite der modernen 2-Euro-Münze Griechenlands). Sie schneidet mit einer Drahtschere das Stacheldrahtgeflecht durch, das die ge- samte Erdkugel umhüllt. Und sie beginnt
damit - in Europa!
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Die nächste Karte war für das Jahr 1952. Man erkennt im Hintergrund eine umrisshafte Saarlandkarte mit Flüssen und Städten. Nach oben gehen radial unzählige Strahlen von dem kleinen Land aus; ganz oben prangt die Jahreszahl 1952. Im Vordergrund sieht man drei Zahnräder, die jeweils einem der drei Länder zugeordnet sind. Das Saarland wird durch
das Rad in der
Mitte symbolisiert.
Es kann sowohl von Frankreich als auch von Deutschland aus bewegt werden. Umgekehrt gesehen kann das Saarland an den Rädern der beiden anderen Länder drehen. Damit wird auf die Brückenfunktion des kleinen Landes angespielt.
Im oberen Teil des Bildes schwebt eine Friedenstaube. Sie trägt einen Zettel im Schnabel, auf dem in Rot das Wort "PAX" (Friede) steht. - Der Name des Künstlers Jean Chièze ist unten im Bild zu sehen.
In Innenteil der Karte ist der folgende Text eingedruckt:

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Text: "Gilbert Grandval, Haut Commissaire de France en Sarre, vous présente, pour vous et tous les vôtres, ses vœux les plus sincères à l'occasion de Noël et de la nouvelle année. (Gilbert Grandval, Hoher Kommissar Frankreichs an der Saar, entbietet Ihnen und all Ihren Angehörigen seine herzlichsten Wünsche zu Weihnachten und für das neue Jahr.)
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Für 1953 wählte Grandval eine Faltkarte mit der grün-weißen Europafahne und neun Flaggen in Form von Schilden oder Wappen. Direkt am inneren Oval steht oben die Fahne des Saarlandes, dann folgen im Uhrzeigersinn die sechs Unterzeichnerstaaten der EGKS ("Montanunion", siehe Geschichte, 18.4.1951): BRD,
Luxemburg *), die Niederlande, Italien, Belgien und Frankreich. Rechts und links außen erkennt man die Flaggen von Großbritannien und Schweden.
In der Mitte befinden sich in einem Oval als Symbole für die saarländische Industrie ein Amboss und eine Grubenlampe, neben der das Datum der Landtagswahlen im Saarland vermerkt ist: 30. November 1952. Ganz unten steht die Zahl des neuen Jahres 1953.

Grandval war seit dem 25.01.1952 Botschafter seines Landes im Saarland. Deshalb lautet sein Titel auf dieser Karte "Ambassadeur de France". Der weitere Text: "...vous souhaite, ainsi qu'à tous les vôtres, un heureux Noël et vous adresse ses vœux les plus sincères pour 1953." (Gilbert Grandval, Botschafter von
Frankreich, wünscht Ihnen und all Ihren Angehörigen ein glückliches Weihnachtsfest und entbietet Ihnen seine besten Wünsche für 1953.)
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*) Bei der Flagge Luxemburgs stehen die Farben in umgekehrter Reihenfolge zu der heutigen. Welchen Grund der Künstler dafür hatte, ist unklar. Vielleicht wollte er eine Verwechslung mit der niederländischen Flagge vermeiden, denn die (heutige) Reihenfolge der Farben ist rot-weiß-blau für die Niederlande und (hell)rot-weiß-(hell)blau für Luxemburg. Da
das Luxemburger Parlament die Form und Farben erst 1990 festgeschrieben
hat, waren andere Versionen (blau statt hellblau und Abfolge der Farben)
früher wohl möglich und erlaubt. Somit ist dem Künstler nichts
vorzuwerfen. Auf der Karte für 1954 hat er die Farben ebenfalls vertauscht, auf der für 1950 sind sie allerdings richtig.
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Für 1954 versandte Grandval eine Grußkarte mit drei Schiffen, die die Flüsse Saar, Mosel und Rhein symbolisieren sollten. Auf den Schiffen wehen die Fahnen der Anliegerstaaten dieser drei Flüsse. Im Hintergrund sieht man etwas schemenhaft einige Industrieanlagen mit rauchenden Schornsteinen. Die Worte im äußeren Rand bedeuten: "Der Rhein,
die Mosel,
die Saar, Symbole für die Einheit der westlichen Welt".

Der Text im Innenteil der Karte ist derselbe wie in der Karte zum Jahr 1952 (s. oben).
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Weihnachtsgeschenke des Botschafters
Grandval hat bestimmten "wichtigen" saarländischen Persönlichkeiten manchmal ein Weihnachtsgeschenk geschickt. Der abgebildete Brief war an einen damals bekannten saarländischen Röntgenfacharzt gerichtet. Er begleitete kurz vor Weihnachten 1952 ein Paket mit der Komplettausgabe sämtlicher Dramen des klassischen Tragödiendichters Jean Racine
("Théâtre complet de Racine", Paris, Edition Garnier Frères, aus der Collection Minerve, 1950). Der Sohn des (inzwischen verstorbenen) Arztes vermutet, Grandval habe dies im Sinne der pénétration culturelle
(kulturelle Durchdringung des Saarlandes durch die Franzosen) getan.
Nach den üblichen Weihnachts- und Neujahrsgrüßen führte Grandval aus:
"Es ist mir ein Vergnügen, Ihnen zusammen mit meinen Wünschen einige Werke zu überreichen, die von der Denkweise und der Kunst der Franzosen zeugen. Am Ende dieses Jahres, in dem Ihr Land die schwierigsten Entscheidungen zu treffen hatte und seinem Wunsch nach Europa eindeutigen Ausdruck zu verleihen wusste, erscheint es mir mehr denn je nützlich,
über
die Grenzen hinweg über die Ansichten der Meister unserer Zeit nachzusinnen, sie einander gegenüberzustellen und daraus neue Hoffnung für die Aufgaben zu schöpfen, die uns erwarten. Möge das kommende Jahr das Saarland endgültig in der Gemeinschaft eines vereinten Europas den erstklassigen Platz finden lassen, den es auf Grund seines Weitblicks und seiner Courage verdient."
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(Übersetzungen: R. Freyer)
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Als Grandval noch Gouverneur war, fügte er seinen
Weihnachtsgeschenken diese Karte bei:
Als Gouverneur des Saarlandes freue ich mich, Ihnen aus Anlass des Weihnachtsfestes dieses bescheidene Geschenk zu überreichen. Es möge das Symbol einer Aktivität sein, deren einziges Ziel der Wiederaufbau Frankreichs (!!!) und der Friede ist!
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E) Ein Wandteller zum Abschied Grandvals
Als Grandval sich im Juni 1955 vom Saarland verabschiedete, bedankte sich eine große Gruppe von Menschen mit diesem Wandteller bei ihm. Er war beim Keramikunternehmen Villeroy und Boch in Mettlach hergestellt worden und wahrscheinlich eine Einzelanfertigung.
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Der Text auf der Rückseite hat folgenden Wortlaut:
À Monsieur Gilbert Grandval / ambassadeur de France en Sarre / en témoignage de leur admiration et de leur profonde reconnaissance /
de la part des / anciens déportés / médaillés militaires / officiers de réserve / sous-officiers de réserve / anciens légionnaires / en Sarre / et des / anciens des forces françaises libres / anciens prisonniers de guerre / mutuelle des sous-officiers / anciens volontaires sarrois / en Sarre
Übersetzung:
Für Herrn Gilbert Grandval, Botschafter Frankreichs im Saarland, zum Ausdruck ihrer Bewunderung und ihrer tiefen Anerkennung seitens der ehemaligen Deportierten, militärischen Ordensträger, Reserveoffiziere, Reserveunteroffiziere, ehemaligen Legionäre im Saarland und Ehemaligen der freien französischen
Streitkräfte, ehemaligen Kriegsgefangenen, des Gegenseitigkeitsvereins der Unteroffiziere, der ehemaligen saarländischen Freiwilligenim Saarland / 1945 - 1955.- In der Mitte: Villeroy & Boch Mettlach, ausgeführt von Pitt Heinz
(Eigentümer des Tellers und Fotos: Dietrich Arbenz, München)
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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 12.02.2011
Die Teile A bis C) des Kapitels Grandval finden Sie auf dieser Seite.
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