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  Das Lycée Maréchal Ney

 

Collège Maréchal Ney - Marschall-Ney-Schule, heute:

 

Deutsch-Französisches Gymnasium (DFG) / Lycée Franco-Allemand (LFA)

 

 

Südfassade und Schulhof der Schule.

Südfassade und Schulhof der Schule. (Foto aus: 5 Jahre Bauen an der Saar, Mai 1952, S. 40. [23])

 

Diese Seite wird noch durch weitere Fotos und Texte ergänzt werden.

 

Liebe "Maréchal-Ney-Ehemalige": Wenn Sie Korrekturen oder Ergänzungen zu dieser Abhandlung haben, schreiben Sie uns bitte (>Kontakt), wir sind für Richtigstellungen und Zusatzinfos dankbar!

Bitte lesen Sie auch die (zweisprachige) Seite mit den Erinnerungen von sechs Ehemaligen des Lycée.

 

Les titres des paragraphes de ce chapitre sont aussi en français, et quelques passages du texte de même (ils sont marqués par le symbole   ). Une traduction (ou un résumé) en langue française d'autres passages va possiblement suivre. Cette page sera prochainement complétée par de nouvelles textes et photos.

 

Chers anciens élèves du Lycée: Si vous trouvez que quelque chose dans ce chapitre ne correspond pas à

vos expériences de l'époque, ou si vous avez encore des infos complémentaires, écrivez-nous s.v.p. >Kontakt.

 

Une liste de toutes les pages de ce site en langue française se trouve sur la page Français.

Trouvez ici des souvenirs et faits marquants rapportés par un groupe d'anciens amis, élèves du Lycée.

 

 

Saar-Nostalgie gratuliert dem Deutsch-Französischen Gymnasium in Saarbrücken zu seinem

50-jährigen Jubiläum! In diesem Jahr 2011 feiert das DFG/LFA den 50. Jahrestag seiner Gründung. Es wurde 1961 in der Saarbrücker Halbergstraße eröffnet (siehe unten im Teil 3b !)


 

DANKE - MERCI !  Ich danke ganz herzlich allen, die mich bei der Vorbereitung und Erstellung dieses Kapitels unterstützt haben, indem sie mir wertvolle Informationen, Fotos, Broschüren usw. zur Verfügung gestellt oder auf andere Weise geholfen haben. - Un grand merci à tous ceux qui m'ont aidé à rédiger cette page avec leurs informations, des photos etc.

 

Von allen, die dazu beigetragen haben, möchte ich nur einige namentlich erwähnen: Annemarie Brienne, François Touret, Jean-Gérard Robichez, Anne E. Fagherazzi, Michael Holzhauser, Dieter Siekmann und andere Teilnehmer des Forums "Potes des écoles françaises de Sarrebruck" (Näheres darüber am Ende von Abschnitt 2f), Rolf Wittenbrock, sowie Jean Kind, Hans Bächle (DFG-LFA Saarbrücken)...

 

 

 

Inhalt:     

Contenu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1a)  Nach dem Krieg wurden im Saarland französische Schulen eingerichtet

       Après la guerre, on ouvrait des écoles françaises en Sarre

  b)  Auch saarländische Schüler durften die französischen Schulen besuchen

       Des élèves sarrois étaient aussi admis dans les écoles françaises

 

2a)  Tabellarischer Überblick über die Entwicklung des Collège/Lycée Maréchal Ney in Saarbrücken

       Bref aperçu de l'évolution du Collège/Lycée Maréchal Ney de Sarrebruck

  b)  Gedanken zur Namensgebung des "Collège/Lycée Maréchal Ney"

       Les raisons de la dénomination du Collège/Lycée Maréchal Ney

  c)  Entwicklung der Schülerzahlen am Lycée von 1945 bis 1954

       Progression du nombre d'élèves du lycée de 1945 à 1954

  d)  Die Geschichte des Collège/Lycée Maréchal Ney von 1945 bis 1956

       L'histoire du lycée de 1945 à 1956

  e)  Die Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes Halbergstraße 112 am 7. November 1949

       La cérémonie d'inauguration des nouveaux bâtiments Halbergstrasse 112 le 7 novembre 1949

   f)  Der Unterricht am Lycée Maréchal Ney für Franzosen und Saarländer

       Les cours au Lycée pour les élèves français et sarrois

  g)  Warum viele saarländische Eltern ihre Kinder auf das französische "Lycée" schickten

       Pourquoi bon nombre de parents sarrois ont inscrit leurs enfants au lycée français

  h)  Anmerkungen zur Architektur der Schulgebäude in der Halbergstraße

       Quelques remarques sur l'architecture des bâtiments dans la Halbergstrasse

   i)  Verschiedenes aus dem Schulalltag - Points divers de la vie scolaire

       A) Die Schulleitung 1950, La direction du lycée en 1950    -  B) Die Krankenstation - L'infirmerie

       C) Künstlerische Bildung - La vie artistique    -  D) Der Sport - Le sport  -  E)  Klassenfoto 1956 - Photo de

       classe de 1956  -  F)  Schulball "Saint Charlemagne"  -  Bal de la Saint Charlemagne

 

3a)  1957 bis 1961: Schwierige Jahre für das "Lycée" nach dem Nein zum Saarstatut

       1957 à 1961: Les années d'incertitudes du lycée après le refus du statut de la Sarre par les Sarrois

  b)  1961 bis heute: Deutsch-Französisches Gymnasium (DFG) Saarbrücken / Lycée Franco-Allemand (LFA)

       De 1961 à aujourd'hui: Lycée Franco-Allemand (LFA) Sarrebruck / Deutsch-Französisches Gymnasium (DFG)

Anhang (in Deutsch und Französisch) - Annexe ( en langues allemande et française ):  

   Organisation des Studiums in der Marschall-Ney-Schule/Organisation des Etudes au Lycée Maréchal Ney

 

 

     

 

Hinweis: Die Fußnoten zu den Texten finden Sie ganz unten, am Ende dieser Seite.

 

 

1a)  Nach dem Krieg wurden im Saarland französische Schulen eingerichtet

 

Après la guerre, on ouvrait des écoles françaises en Sarre

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten die Amerikaner für eine kurze Zeit das linksrheinische Reichsgebiet einschließlich des Saarlandes (siehe Geschichte). Nach kurzer Zeit übernahm aber Frankreich diese Besatzungszone von den USA. Ab 10. Juli 1945 zogen daher französische Besatzungstruppen im Saargebiet ein. Später übernahmen französische Beamte und Angestellte zahlreiche Posten bei der Militärregierung, der französischen Verwaltung der Saargruben sowie in Industrie und Handel. So kamen nach und nach immer mehr französische Familien in unser Land.

 

Deren schulpflichtige Kinder mussten nun an ihrem Wohnort unterrichtet werden. Sie konnten die deutschen Schulen nicht besuchen, weil sie die Sprache nicht beherrschten. Der Aufbau eines französischen Schulsystems war daher dringend erforderlich. Die erste französische Volksschule (école primaire) wurde schon im Oktober 1945 in Saarbrücken eingerichtet, nur fünf Monate nach dem Einzug der französischen Truppen ins Saarland. Am 1. Dezember 1945 erhielt sie den Namen Collège (du) Maréchal Ney. (Eine ausführliche Beschreibung dieser Schule und ihrer Entwicklung erfolgt im Abschnitt 2d.)

 

Den meisten Schulen waren auch Kindergärten (écoles maternelles) angegliedert. (Fotos aus [11].

 

Im übrigen Saarland wurden zahlreiche weitere französische Volksschulen gegründet. Sie waren ein- bis fünfzügig und umfassten - wie die Primarschulen in Frankreich - die erste bis fünfte Klasse (11e à 7e) und eine Volksschul-Abschlussklasse. Die Anzahl der Schulen und Schüler stieg im Laufe der Jahre stetig an. Ende 1946 gab es 14 französische Primarschulen im Land, die von insgesamt 652 Schülern besucht wurden [1]. 1948 gab es im Saarland bereits 19 Schulen [2] und 1955 waren es 21 Schulen mit zusammen 2.800 Schülern [3].

 

In dieser ersten Zeit kurz nach dem Krieg sahen sich Lehrer wie Schüler äußerst schwierigen Anfangsbedingungen gegenüber. Es fehlte an Brennstoff zum Heizen, aber auch an Lehrbüchern und Schreibmaterialien. Die Schülerzahlen wuchsen rasch an, weil immer mehr Franzosen ins Saarland kamen und damit eine immer größere Zahl von Kindern an die französischen Schulen drängte.

 

Liste der französischen Schulen im Saarland, Stand 1954/55 (mit Adressen [3a], falls bekannt):

 

Die Schulen in den oben unterstrichenen Orten hatten durchschnittlich jeweils etwa 100 Kinder in 4 bis 5 Klassen. Nur in diesen Schulen durften ab Oktober 1947 auch saarländische Schüler aufgenommen werden (siehe unten!). Die anderen Schulen hatten meist nur eine Klasse (St. Arnual und Merzig hatten zwei) mit je 10 bis 20 Schülern [4].

 

Dillingen (Neuschloss), Dudweiler (Neuhauser Weg 2), Homburg (Untere Allee 71), Merzig (Parkstr. 40), Mettlach, Neunkirchen (Gerichtsstraße 4), Saarbrücken (am Collège Maréchal Ney und in St. Arnual, Saargemünder Straße 95), Saarlouis (Rue du Maréchal Ney 8), St. Ingbert (Kaiserstraße 1), St. Wendel (Balduinstraße 59), Sulzbach (Beethovenstraße 17) und Völklingen (Püttlinger Straße und/oder? Stadionstraße) sowie, hauptsächlich für die Kinder der französischen Zöllner, in den Grenzorten Einöd (Alter Bahnhof), Freisen, Jägersburg (Schulstraße), Nennig, Nohfelden (Schulstraße), Nonnweiler (Hauptstraße), Saarhölzbach, Wadern und Weiskirchen.

 

Eine weitere französische Grundschule befand sich in Saarbrücken in der Feldmannstraße 72: L'École du Cdt. R. Paynel. Ein Zeitzeuge erinnert sich daran, dass das Gebäude einen Schulhof mit einer sehr hohen Überdachung hatte, in dem die Schüler in den Pausen erbittert mit Klickern (Murmeln) spielten. Ein Lehrer hatte nur einen Arm (wahrscheinlich Kriegsverletzung). Er trug meist einen schwarzen Ledermantel. Seinen schwarzen Peugeot 203 steuerte er meisterhaft mit einem Arm.

 

Die Schule in Dillingen ist neben dem unten im Abschnitt 3 beschriebenen DFG Saarbrücken - mit dem sie verbunden ist - die einzige heute noch in Betrieb befindliche französische Schule im Saarland.)

 

 

1b)  Auch saarländische Schüler durften die französischen Schulen besuchen

 

Des élèves sarrois étaient aussi admis dans les écoles françaises

 

Schon am 5.2.1946 verfügte das Regierungspräsidium in einem Erlass, dass auch deutsche Schüler berechtigt waren, eine französische Schule im Saargebiet zu besuchen [5]. In einem weiteren Erlass (vom 10. April 1946) wurde festgelegt, dass die Eltern saarländischer Schüler, die eine französische Schule besuchen wollten, schriftlich einen Antrag an die in Frage kommende Schule zu richten hatten. Diese sollte daraufhin das Gesuch an die Abteilung Unterricht der Militärregierung zur Genehmigung weiterleiten. Sobald letztere erteilt war, konnte "der saarländische Schüler die saarländische Schule verlassen und zur französischen Schule übergehen". Die Eltern mussten dann nur noch die saarländische Schule über die Genehmigung zum Übertritt unterrichten [6].

 

(Interessanterweise wird in diesem zweiten Erlass von "saarländischen Schülern" gesprochen, während in der ersten Verordnung von "Kindern deutscher Staats-angehörigkeit" die Rede war.)

 

Auf welche Art die saarländischen Schüler am Unterricht des Lycée Maréchal Ney teilnehmen konnten und welche Reaktionen die Möglichkeit dieses Schulbesuchs außerhalb des "normalen Bildungswegs" im Land hervorrief, können Sie detailliert in den Abschnitten 2f & g nachlesen.

 

 

2)  Das Collège Maréchal Ney wurde als einzige französische Schule zu einem Gymnasium ausgebaut

Le collège Maréchal Ney fut la seule école française en Sarre complétée d'un lycée

 

 

 

2a)  Tabellarischer Überblick über die Entwicklung des Collège/Lycée Maréchal Ney in Saarbrücken

 

Bref aperçu de l'évolution du Collège/Lycée Maréchal Ney de Sarrebruck

 

(Eine ausführliche Beschreibung der Schule und ihrer Entwicklung erfolgt im Abschnitt 2d.)

 

 

Am 5. Dezember 1945 gründete die französische Militärregierung in Saarbrücken das Collège Maréchal Ney in der Mainzerstraße, Ecke Am Kieselhumes.

 

Am 1. August 1947 wurde die Schule in Lycée Maréchal Ney (Marschall-Ney-Gymnasium) umbenannt.

 

Am 1. Oktober 1947 wurde die Schule offiziell zu einem Lycée français à l'étranger (französisches Gymnasium im Ausland).

 

Von 1949 bis 1954 erfolgte der Bau der neuen Schulgebäude in der Halbergstraße nach den Plänen des Architekten Lefèvre (siehe Abschnitt 2h).

 

Bereits am 7. November 1949 wurde der schon fertiggestellte Teil der Gebäude durch Johannes Hoffmann und Gilbert Grandval eingeweiht (siehe Abschnitt 2e).

 

1953/1954 wurde der vierstöckige Quertrakt errichtet, der ebenfalls von Lefèvre entworfen worden war. Außerdem entstanden auf dem Schulgelände eine große Turnhalle, das neue Knabeninternat sowie ein Wohnhaus für das Verwaltungspersonal.

 

Nach der Ablehnung des Saarstatuts bei der Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 war das "Lycée" von der Schließung bedroht.

 

Nach der Angliederung der Saar an die BRD begannen im Sommer 1959 Verhandlungen zwischen Frankreich und dem Saarland über die Bildung einer binationalen Schule.

 

Als Ergebnis der Verhandlungen wurde am 5. September 1961 das Deutsch-Französische Gymnasium Saarbrücken in den Gebäuden des Lycée Maréchal Ney gegründet und am 25. September 1961 offiziell eingeweiht. (Siehe Abschnitt 3.)

 

 

 

2b)  Gedanken zur Namensgebung des "Collège/Lycée Maréchal Ney"

      

        Les raisons de la dénomination du "Collège/Lycée Maréchal Ney"

        (Text von Rolf Wittenbrock)

 

Über die Motive für die Namenswahl fehlen genaue Informationen, aber offensichtlich wollte die französische Militärregierung mit dieser Namensgebung an die Epochen guten saarländisch-französischen Einvernehmens erinnern, hatte sich doch der spätere Marschall Ney aus Saarlouis seit 1792 als Offizier in französischen Diensten als getreuer Mitstreiter Napoleons erwiesen und von ihm den Ehrentitel "Brave des braves" erhalten. Dass diese Schulbezeichnung durchaus als programmatischer Ausdruck für die Gestaltung der kulturellen und politischen Beziehungen der Besatzungsmacht zu den Saarländern interpretiert werden kann, wird auch deutlich durch einen weiteren spektakulären Akt, mit dem die Vertreter der französischen Regierung das Gedenken an den als französischen Patrioten hingerichteten Saarländer wiederzubeleben versuchten: auf der Vaubaninsel in Saarlouis wurde dem Marschall ein Denkmal errichtet, das am 19. Mai 1946 vom Oberkommandierenden der französischen Truppen in Deutschland, General Koenig, eingeweiht wurde. Die von der Militärregierung geförderte, kulturpolitisch geschickte Erinnerung an das gute Verhältnis zwischen Saarländern und Franzosen, die sich in der Berufung auf den Marschall Ney besonders wirkungsvoll und überzeugend personalisieren ließ, fand schließlich auch einen Ausdruck in einer ab 1947 gedruckten Briefmarkenserie, auf der u.a. das Marschall-Ney-Denkmal abgebildet wurde. [7]

Michel Ney wurde 1769 in Saarlouis geboren. Sein Geburtshaus in der Altstadt ist leicht zu finden: Es steht in der Bierstraße 13 und beherbergt heute eine

 "Auberge und Restaurant". Eine Inschrift besagt:  "Hier wurde Marschall Ney geboren." - Das Schild  rechts zeigt einige Daten aus seinem Leben.

Fotos: Denkmal: aus einer Broschüre der 50er Jahre. Farbfotos: Rainer Freyer 2010.

 

 

 

2c)  Entwicklung der Schülerzahlen am Collège/Lycée Maréchal Ney von 1945 bis 1954:

 

Progression du nombre d'élèves du Lycée de 1945 à 1954

 

Schuljahr

Schüler

gesamt

davon

Saarländer

1945

194

(9)

1946/47

382

17

1947/48

602

92

1948/49

736

251

1949/50

985

446

1950/51

1279

645

1951/52

1412

728

     (Foto aus "L'enfant et nous" [8])

 

     Im Schuljahr 1952/53 teilte sich die Gesamtschülerzahl von 1620 wie folgt auf:

 

    • 760 Franzosen und 860 Saarländer

    • 780 Mädchen und 840 Jungen

    • 1060 Vor-/Grundschüler ("primaires") und 560 Sekundarschüler ("secondaires")

    • 250 Interne, 270 Schüler mit Verpflegung in der Schulkantine, 1100 Externe 

 

1952/53

1620

860

1953/54

?

700

Die Zahlenangaben weichen in verschiedenen Publikationen zum Teil leicht voneinander ab.

 

2d)  Die Geschichte des Collège/Lycée von 1945 bis 1956

 

L'histoire du collège / lycée de 1945 à 1956

 

Diese Darstellung der Geschichte des "Lycée" basiert zum Teil auf der Arbeit von Rolf Wittenbrock, die er 1986 in der Broschüre über das 25-jährige Bestehen des Deutsch-Französischen Gymnasiums veröffentlicht hat [9]. Leider hat man im Saarland bisher keine Dokumente aus der Verwaltung der Schule und auch keine Schulchronik aufgefunden. Diese lagern möglicherweise verstreut in französischen Archiven. So musste man auf die wenigen vorhandenen Akten des Landesarchivs, auf vereinzelte Zeitungsausschnitte und auf das Werk von Heinrich Küppers über die saarländische Bildungspolitik zurückgreifen [10]. Zusätzliche Informationen haben wir einer Broschüre der französischen diplomatischen Mission im Saarland von 1953 über das "Lycée" entnommen [11], sowie einem erst kürzlich entdeckten französischen Zeitschriftenartikel des damaligen Schulleiters M. Bourgeois aus dem Jahr 1953 [12]. Dankenswerterweise konnten auch Erlebnisberichte und einige sorgsam aufbewahrte Dokumente ehemaliger Schüler der Schule zu Rate gezogen werden.

Im Abschnitt 2a) haben wir dargelegt, warum es 1945 notwendig war, französische Schulen an der Saar einzurichten. Die erste wurde im Oktober 1945 in Saarbrücken zunächst als Volksschule (école primaire) eröffnet. Hierzu benutzte man anfangs Räume der damals noch so genannten Bismarckschule (seit 1956 heißt sie Schillerschule), Schillerstraße 16, zwischen den Einmündungen Rosenstraße und Karlstraße. Gegenüber befand sich damals die Villa Rexrodt (Schillerstraße 13), in welcher das Regierungspräsidium, die Verwaltungskommission und ab 1947 die Saar-Regierung ihren Sitz hatten. (Siehe Stadtplanausschnitt am Ende von 2d.)

Die Kantine der französischen Schule befand sich im Erdgeschoss der Villa Rexrodt, wo diejenigen Schüler. die nicht zum Essen nach Hause gingen (sogenannte demi-pensionnaires), bis 1947 ihr Mittagessen einnahmen. Die Schulranzen blieben solange in der Schule liegen. [13] - Für einige Klassen wurden auch Räume in dem hinter der Schule gelegenen Gebäude benutzt [14] (Karlstraße 1, heute Saarländisches Künstlerhaus).  (Foto: Jean Kind.)

 

Abbildung links:. Auf dem Stadtplanausschnitt ist die Bismarckschule in Grün eingezeichnet. Von Ende 1945 bis Ende 46 waren die unteren Klassen der Schule (9ème, 8ème) in zwei hölzernen Bungalows untergebracht. Diese Baracken waren auf der Wiese der Villa Rexrodt aufgebaut (hier ebenfalls in Grün eingezeichnet). (Zeichnung: Jean Kind)

 

Anmerkungen zu Gebäude- und Straßennamen: Es gab bemerkenswerte "Über- kreuz-Umbenennungen" in den 50-er Jahren. Die damalige Schillerstraße heißt seit etwa 1956 Bismarckstraße. Das Schulgebäude trug bis zum Beginn der 50-er Jahre den alten Namen Bismarckschule [15]. Dann wurde es in Schillerschule umbenannt [16]. Siehe dazu auch hier. - Die Schillerschule beherbergt heute eine Instrumentensammlung der schräg gegenüber liegenden Hochschule für Musik (HfM); bis etwa 2007 war die Alte Sammlung des Saarland-Mueums darin zu finden.

 

Am 5. Dezember 1945 wurde die Schule in Collège du Maréchal Ney umbenannt (später meist ohne "du"). Bald musste man sich nach weiteren Klassenräumen umsehen, und man wurde fündig auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Ulanenkasernen zwischen der Mainzer Straße, der Straße Am Kieselhumes und der Halbergstraße. Zunächst wurde dort ein instandgesetzter Teil der Kaserne an der Ecke Mainzer Straße/Am Kieselhumes benutzt. Die Anschrift lautete Mainzer Straße 136.

 

Foto: So sieht das Gebäude heute aus. Es wird, wie der größte Teil des Ulanen-Geländes, für Diensträume der Polizei verwendet. (Foto: R. Freyer, 2010).

 

Die Bismarckschule hatte aber als Schulraum für die französische Schule noch nicht ausgedient; sie wurde noch einige Jahre länger benutzt.

 

Zu Beginn wurden in den beiden Schulhäusern des Collège nur die Klassenstufen 1 und 2 (classes de 11e et de 10e) angeboten; die von wenigen 5- und 6-Jährigen besucht wurden. Man sagt, zu Anfang seien dort nur sieben Schüler unterrichtet worden [17]. Aber schon vom 4. Januar 1946 an besuchten 124 Schüler die Einrichtung. Sie verteilten sich nun auf alle Alters- und Klassenstufen, von der 11e (Klasse 1) bis zur Première (Klasse 10) [18]. Saarländische Schüler waren noch nicht zugelassen. In den beiden folgenden Trimestern wurden unter oft schwierigen Bedingungen die notwendigen Aufbauarbeiten in Angriff genommen. Im Oktober 1946 gliederte man dem Collège ein Internat an, das zunächst für kurze Zeit bei den französischen Sodaten in den Kasernen in der Hellwigsstraße und danach in der zweiten Ulanen-Kaserne in der Mainzerstraße eingerichtet wurde.

 

Im Oktober 1947 wurde die Schule offiziell in ein Lycée français à l'étranger (französisches Gymnasium im Ausland) umgewandelt [19]. Nun wurden erstmals auch 92 saarländische Schüler zum Besuch der Schule zugelassen (siehe Abschnitt 1b und 2f!). Die Gesamtzahl der Schüler stieg so stark an, dass man im Jahr 1947 Klassen mit bis zu 43 Schülern bilden musste. Im Laufe der Zeit wurde der Raum immer knapper, und die Schule bemühte sich zunächst um die Anmietung geeigneter Räume in der Nähe des Standorts der Schule an der Mainzer Straße [20]. Schulleiter war in diesen frühen Jahren Pierre Sorand [21].

 

 

Das Bild zeigt den Gesamtkomplex, wie ihn sich der Archi- tekt Lefèvre bei seiner Planung vorstellte. Die meisten Schüler des DFG müssten es kennen, denn es hängt seit vielen Jahren im Flur neben dem Rektorzimmer.

(Repro und Bearbeitung; R. Freyer. 2010.)

 

 

Als im französisch-saarländischen Kulturabkommen vom 15. Dezember 1948 eine Garantie für den Bestand und die Entwicklung der französischen Schulen im Saarland festgeschrieben wurde (Artikel 20), eröffneten sich damit auch dem "Lycée" die sicheren Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Erweiterung der Schule.

 

Infolgedessen begann man nun, nach den Plänen des Architekten Lefèvre (siehe Abschnitt 2h) an der gegenüber-liegenden Seite des ehemaligen Ulanengeländes, also ent- lang der Halbergstraße, mehrere neue, große und moder- ne Gebäude zu errichten, und zwar in drei Tranchen:

 

Zuerst wurde auf einer Länge von 110 Metern ein großes neues Gebäude gebaut, das moderne harmonische Linien aufwies (siehe Abschnitt 2h). Das gesamte Gelände umfasste einschließlich des Schulhofs und eines großen Sportgeländes eine Fläche von fast drei Hektar. Man errichtete auch einen Kindergarten für drei- und vierjährige französische und saarländische Kinder. Im Oktober 1949 zogen alle Volksschulklassen sowie alle Mädchen der Mittelschulklassen und das Mädcheninternat (externat et internat filles) in das neue Hauptgebäude ein.

(Foto aus [11] )

 

Am 7. November 1949 wurde das neue Gebäude in der Halbergstraße feierlich eingeweiht (siehe Abschnitt 2e). Die Jungen der "classes secondaires" blieben zunächst (zum Teil noch bis 1954) in dem Gebäude Ecke Mainzer Straße, und das Internat für die Buben war weiterhin in der Bismarckschule untergebracht.

 

Links: In einer zweiten Tranche errichtete man auf dem Gelände ein großes und komfortables Knabeninternat (Bild links). Es bot 160 Schülern Platz und wurde am 1. Januar 1953 in Betrieb genommen [22]. (Foto aus [11] )

 

Tranche Nr. 3 umfasste den Bau des vierstöckigen Quertrakts, der im rechten Winkel zum ersten Gebäude an dessen Ostseite angebaut wurde (im Foto rechts). Er war zur Aufnahme des Externats für die Sekundarstufe vorgesehen und wurde 1954 vollendet. (Externat bedeutet Schule für Externe, das heißt: Schüler, die nicht im Internat wohnten.)

 

Auch er war - wie alle anderen Gebäude - von dem Architekten Pierre Lefèvre entworfen worden.

(Foto aus [11] )

 

Damit hatte die Schule eine Gesamtkapazität von 2000 Schülern, darunter 300 Internatsbewohner und 300 Halbinterne, also Schüler, die in der Schulkantine verpflegt wurden, aber zu Hause wohnten.(Bourgeois S. 2). Die gesamte Einrichtung umfasste nun einen Kindergarten sowie eine vollständige Primar- und Sekundarstufe. So war sie zu einem "voll ausgebauten französischen Oberrealgymnasium mit Internat und angegliedertem Volksschulsystem" geworden [23].

 

Die Internate hatten Foyers mit Spielen, Schall- platten und Radio. Einmal in der Woche konnten die Schüler gemeinsam an einem Theater-, Konzert- oder Kinobesuch teilnehmen oder die Werkstatt für Brandmalerei benutzen. Jeden Monat unternahmen sie einen Ausflug mit Besichtigungen verschiedener Einrichtungen des Landes. [24]. Frühere Bewohner der Internate berichteten, dass sie dort sehr wenig Freiheiten hatten und - wie an allen französischen Schulen üblich - einer äußerst strengen Disziplin unterlagen. (Fotos aus [11].)

Die Internattarife von 1958. 33.000 frs. entsprachen

damals etwa 280 DM - nicht billig für diese Zeit! >>

 

 

                Im Foyer der Mädchen                         Raum mit Waschbecken für die Buben.         Aufenthaltsraum der Jungen  (Fotos aus [11].

 

 

 

2e)  Die Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes Halbergstraße 112 am 7. November 1949

 

La cérémonie d'inauguration des nouveaux bâtiments Halbergstrasse 112 le 7 novembre 1949

 

 

Das neue Gebäude des Marschall-Ney-Gymna-

siums in der Halberg-

straße zu Saarbrücken wurde am Montag, dem 7. November 1949, seiner Bestimmung übergeben. Bei der Feier waren zugegen:

Gilbert Grandval,

Hoher Kommissar, Johannes Hoffmann, Ministerpräsident, >

Peter Zimmer, Landtagspräsident und Bürgermeister, Michael Schulien, Päpstlicher Apostolischer Visitator für das Saarland, sowie der Schulleiter des Lycée, M. Bourgeois. Kultusminis-

ter Emil Straus war mit einer saarländischen Delegation auf einer Dienstreise in Paris; er wurde durch Oberschulrat Burghardt vertreten.

Die Gäste treffen ein. Am Schulgebäude weht (oben rechts) die Saarflagge. Auch das

Saarwappen ist an der Außenwand angebracht. (Alle Fotos der Einweihungsfeier: François Touret.)

 

   

  (vermutlich) Michael Schulien, der    Grandval und Schulleiter Bourgeois           Grandval richtet das Wort an die Gäste. An der Wand

 Apostolische Visitator im Saarland                                                                  hinter ihm die Trikolore (Mitte) und zwei Saar-Fahnen.

 

Die hohe Zahl von Ehrengästen und der Inhalt der Festreden zeigten deutlich die Ziele der französischen Kulturpolitik im Saarland auf und belegten, wie wichtig der politische Bildungsauftrag der Schule war. Grandval führte aus, dass man es als Endziel der engen französisch-saarländischen Zusammenarbeit im Kultur- und Erziehungsbereich betrachte, damit im Laufe der Zeit eine bildungspolitische Kooperation der gesamten europäischen Jugend und später der Jugend der ganzen Welt zu erreichen [25].

 

  

Zweiter von links: Gilbert Grandval, in d. Mitte (im Pelzmantel) Mme Grandval.    Grandval spricht vor einer Schulkasse. Zwei Schülerinnen

                              Weiter rechts Johannes Hoffmann.                                     scheinen sich mehr für den Fotografen zu interessieren.

 

Am folgenden Tag war in einem Zeitungsbericht der "Saar-Volksstimme" unter anderem zu lesen:

 

"In den Ansprachen wurde darauf hingewiesen, dass diese französisch-saarländische Schule dazu dienen solle, Saarländer und Franzosen zusammenzuführen. Sie haben ihre Toren auch den saarländischen Kindern geöffnet. Die Jungen und Mädel des Saarlandes, die dort zusammen mit französischen Schulkindern lernen und arbeiten, haben Gelegenheit, sich gegenseitig näherzukommen und sich einander [sic!] zu verstehen.Von den rund 1000 Schülern sind nahezu die Hälfte Saarländer. In dem Mittelpunkt der Feier in dem neuen Gebäude, die durch Liedvorträge der Schüler umrahmt war, stand eine Ansprache des Hohen Kommissars. Darin heißt es u.a.: Die Klassen des französisch-saarländischen Lyzeums füllen französische und saarländische Kinder, die geeint sind durch eine im Schoße der gleichen Gemeinschaft herangewachsene spontane Kameradschaft." [26]

 

   

      Maxime Bourgeois, proviseur (Schulleiter)    Le Haut Commissaire Grandval en uniforme   Dies war vermutlich Oberschulrat Burghard

 

  

  Große Zuhörerschaft in der Aula. In der 1. Reihe hat die Prominenz Platz genommen, dahinter lauschen andächtig Lehrer, Eltern, Schüler. Die Aula war mit französischen und saarländischen Fahnen geschmückt.

 

  

Der gemischte Schülerchor trägt ein Lied vor. - Bild rechts: JoHo und Grandval besuchen die Mathematiklehrerin Françoise Neyret beim Unterricht in ihrer Klasse. Ehemalige Schüler erinnern sich heute noch gerne an sie, weil sie eine gute Lehrerin war. Sie verstarb im Januar 2012 in Grenoble im Alter von etwa 88 Jahren. (Mitteilung von Jean Kind.)

 


 

 

2f)  Der Unterricht am Lycée Maréchal Ney für Franzosen und Saarländer

 

Les cours au lycée pour les élèves français et sarrois

 

 

Wie in allen anderen Schulen Frankreichs bestand das Personal des "Lycée" aus Franzosen. Der Unterricht wurde nach dem französischen System der Ganztags- schule erteilt: Er endete täglich um 16:15 Uhr, der Donnerstag war unterrichtsfrei bzw. nachmittags für schulinterne Sportveranstaltungen reserviert. Der Unterricht erfolgte in französischer Sprache und folgte den französischen Lehrplänen [27].

 

Die Aufnahmeprüfung für die Sixième (Sexta, Eingangsklasse der Sekundarstufe), die Prüfungen für das Certificat d'Études primaires (Volksschulabschluss) und das B.E.P.C. (etwa: Zeugnis der Mittleren Reife) konnte man in Saarbrücken ablegen. Für den schriftlichen Teil der Abiturprüfung (Baccalauréat) musste man aber zum Lycée Pange nach Saargemünd und für das "Mündliche" nach Strasbourg reisen. Auch die Korrekturen erfolgten, wie in Frankreich üblich, nicht an der eigenen Schule.

 

Wie im Abschnitt 1b bereits erwähnt, wurden zum Besuch des "Lycée" auch saarländische Schüler zugelassen. (Warum die Eltern ihre Kinder dort anmeldeten, lesen Sie im Abschnitt 2g.) Dabei war es unerheblich, ob diese vorher schon Französisch gelernt hatten oder nicht. Saarländer mit keinen oder geringen Französischkenntnissen wurden in Parallelklassen zu den rein französischen Klassen aufgenommen ("6e, 5e et 4e sarroises" - Sexta, Quinta und Quarta für saarländische Schüler). Auch in diesen sogenannten Spezialklassen fand der Unterricht vom ersten Schultag an in französischer Sprache statt, allerdings mit Lehrern, die gute deutsche Sprachkenntnisse hatten. Nur der Deutsch- und Heimatkundeunterricht wurde in Deutsch gegeben. Um ihre Lücken in Französisch auffüllen zu können, erhielten die Saarländer zusätzlich 10 bis 12 Stunden Französischunterricht pro Woche. Dabei wurde von Anfang nach der méthode directe gearbeitet, das heißt, ausschließlich in der Fremdsprache gesprochen. Die Wochenstundenzahl in Geschichte, Erdkunde und Naturwissenschaft wurde dafür entsprechend reduziert [28]. Sobald die Französischkenntnisse der Saarländer es zuließen, wechselten sie in eine ihrem Alter entsprechende rein französische Klasse über. Das konnte schon nach einem Jahr geschehen, den meisten gelang es erst nach zwei, manchen erst nach drei Jahren. Die wenigen, die den Anschluss in Französisch überhaupt nicht schafften, mussten die Schule verlassen.

 

Dass die meisten Schüler aus dem Saarland den Schulabschluss trotz der hohen Anstrengungen erreichten, die sie dafür erbringen mussten, istihnen hoch anzurechnen. Mit eisernem Willen, vielleicht auch unter dem Druck ihrer Eltern und aufgrund der von der Schule geforderten strengen Disziplin gelang es vielen von ihnen, die Schule mit Erfolg abzuschließen. Sie mussten möglicherweise härter kämpfen als ihre Kameraden, die saarländische Schulen besuchten. Aber auch die Lehrer leisteten ihren Beitrag dazu, sie arbeiteten meistens ohne Bücher und mussten das Unterrichtsmaterial selbstständig gestalten. Den erfolgreichen Schülern kamen im späteren Leben ihre umfassende Bildung und ihre zumeist vollkommene Zweisprachigkeit zugute.

 

Dasselbe gilt natürlich auch für die französischen Schüler des "Lycée", mit einer kleinen Einschränkung: Sie erhielten ja nicht, wie ihre saarländischen Mitschüler, Intensivkurse in der anderen Sprache, sondern nur vier Wochenstunden Deutschunterricht, der etwa demjenigen entsprach, den auch ihre Kameraden in Frankreich erhielten. Aus diesem Grund erreichten sie eine perfekte Zweisprachigkeit nicht so häufig wie die saarländischen Schüler. Dass dies vielen von ihnen trotzdem gelang, war der Tatsache zu verdanken, dass entweder ihre Eltern den beiden Nationalitäten angehörten, oder dass sie häufig auf der Straße mit deutschen Kindern spielten.

 

Das "Lycée" war aber nicht, wie das spätere (und heutige) DFG, eine echte "Begegnungsschule der deutsch-französischen Verständigung" mit Unterricht sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache (siehe Abschnitt 3). Es war vielmehr eine rein französischeSchule, in die auch saarländische Schüler aufgenommen und mit Hilfe von Französisch-Förderkursen integriert wurden. Bei der Einweihungsfeier 1949 wurde zwar erstmals die Bezeichnung "Lycée français-sarrois Maréchal Ney"erwähnt. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen und wurde danach nie wieder offiziell verwendet. Dies kann man als Beleg dafür betrachten, dass sowohl die Schulleitung als auch die Lehrerschaft damals noch nicht ausreichend hinter der Idee einer Umgestaltung der französischen Schule zu einer echten bikulturellen Begegnungsschule standen [29].

 

Dessen ungeachtet entwickelten sich zwischen den französischen Schülern und ihren saarländischen Klassenkameraden häufig sehr enge Freundschaften, die bis lange nach der Schulzeit andauerten und zum Teil heute noch gepflegt werden. Einige von ihnen beteiligen sich zum Beispiel regelmäßig an einem Internetforum, das Annemarie Brienne gegründet hat: "Potes des écoles françaises de Sarrebruck" [pote = Kumpel, Kamerad] (http://potesdesarrebruck.xooit.fr). Zahlreiche Ehemalige tauschen dort Erinnerungen an ihre frühere Schulzeit aus. Das Forum ist aber nur für angemeldete Teilnehmer zugänglich; Voraussetzung ist, dass man zwischen 1944 und 1955 geboren ist und Schüler einer französischen Schule an der Saar war. Es besteht auch eine "Vereinigung der ehemaligen Schüler und Lehrer des Deutsch-Französischen Gymnasiums e.V.", deren Vorstand François Touret, Eva-Maria Dorscheid und Anne E. Fagherazzi bilden.

 

Die Bilder in diesem Abschnitt: aus den Gebäuden Halbergstraße: Ein Arbeitsraum für praktische Arbeiten. - Die Küche. - Ein Speiseraum.

(Fotos aus der Broschüre [11])

 


 

 

2g)  Warum viele saarländische Eltern ihre Kinder auf das französische "Lycée" schickten

 

Pourquoi bon nombre de parents sarrois ont inscrit leurs enfants au lycée français

 

 

Hierzu kann man nur Vermutungen anstellen. Das "Lycée" bot einige Vorzüge, die die saarländischen Schulen nicht aufweisen konnten:

 

- Ganztägigen Unterrichtsbetrieb mit Nachmittagsbetreuung

- Verbleib der Kinder an derselben Schule vom Kindergarten bis zum Abitur ohne Wechsel der Anstalt

- Intensives gleichzeitiges Erlernen zweier Sprachen und Unterricht in französischer Sprache spätestens ab der Tertia in allen Fächern,

  wodurch eine solide Zweisprachigkeit erreicht wurde

- Ein Abitur, das ohne Zusatzqualifikationen zum Studium an der saarländischen Universität und an französischen sowie deutschen Uni-

  versitäten berechtigte

 

Aber folgende Tatsache dürfte ziemlich sicher einigen Eltern als Motiv für die Auswahl des "Lycée" als Schule für ihre Kinder gedient haben: 

 

Während das Bildungswesen im autonomen Saarstaat von Anfang an stark konfessionell geprägt war, war das französische System, traditionell laizistisch ausgerichtet. Diesem Systen war auch das "Lycée" im Saarland unterworfen. Das heißt, Religionsunterricht wurde nicht so konsequent erteilt wie an den anderen Schulen, und eine kirchliche Prägung des Lehrprogramms und des Schullebens war nicht gegeben. Während der saarländische Kultusminister Straus (CVP) in den staatlichen Schulen aufkommenden Säkularisierungsbestrebungen entgegentreten musste, konnte er nicht umhin, ihnen im "Lycée" statt- zugeben. Das heißt, er musste die laizistische Ausrichtung der Bildung dort zulassen. Saarländische Eltern, die ihre Kinder - aus welchen Gründen auch immer - der religiös geprägten Unterrichtsgestaltung einer Bekenntnisschule entziehen wollten, fanden daher in der Anmeldung zur französischenSchule einen legalen Ausweg.

 

Dies rief heftigen Protest weiter Kreise hervor, vor allem im kirchlichen Umfeld. Denn es widersprach eindeutig dem in der saarländischen Verfassung festgeschriebenen Prinzip der Konfessionsschule.Ein großer Teil der katholischen Lehrerschaft im Saarland lehnte daher das "Lycée" kategorisch ab. Die Behörden gerieten in eine Art Zwickmühle: Einerseits war das konfessionelle Prinzip der Schulen in der Verfassung festgeschrieben, andererseits sollte auch nach außen die enge Verknüpfung des Saarlands mit Frankreich demonstriert werden. Dafür erschien der gemeinsame Besuch der französischen Schulen ein geeignetes Mittel zu sein. [30] Der Anteil der Schüler, die auf diese Weise außerhalb der Bekenntnisschulen erzogen wurden, war übrigens recht gering. Denn nur etwa 1 % aller saarländischen Schüler waren an einer französischen Schule angemeldet [31].

 


 

 

2h)  Anmerkungen zur Architektur der Schulgebäude in der Halbergstraße

 

Quelques remarques sur l'architecture des bâtiments dans la Halbergstrasse

 

 

In memotransfront berichtet Rolf Wittenbrock, dass eine Architektengruppe um Georges-Henri Pingusson (1894 - 1978) bereits 1945 von der Abteilung Städtebau und Wiederaufbau der Militärregierung (Section Urbanisme et Reconstruction) den Auftrag erhalten hatte, den Wiederaufbau der zerstörten Städte im Saarland zu planen. Zusammen mit einigen anderen Architekten bildete er die "Equipe des Urbanistes de la Sarre" ("Urbanisten-Team"). So entstanden u.a. die Pläne für die Wohnblöcke des Bruchwiesenviertels (Entwurf Marcel Roux). Pingusson, ein Schüler des berühmten Architekten Le Corbusier, entwarf später auch das große Botschaftsgebäude am Saarufer, heute Kultusministerium. Es war das einzige seiner eigenen Saarbrücker Projekte, das verwirklicht wurde. [32] (Heute ist es wegen massiver statischer und energetischer Probleme sanierbedürftig - siehe Saarbrücker Zeitung vom 15.10.2010, Seite B1 und v. 23./24.10.2010, S. B2).

 

Eine weitere Aufgabe für die Urbanistengruppe war die Planung des neuen Gebäudes für das Lycée Maréchal Ney. Es wurde auf dem Gelände der ehemaligen Uhlanen-Kaserne zwischen Halbergstraße und Mainzerstraße erbaut. Die Pläne hatte der aus Marseille stammende Pierre Lefèvre [33] erschaffen. Auch für den 1953/54 errichteten vierstöckigen Quertrakt des "Lycée", welcher rechts auf dem Foto (vom Landesarchiv Saarbrücken) zu sehen ist, hatte Lefèvre die Pläne entworfen. Außerdem entstanden 1954 auf dem Schulgelände eine große Turnhalle, ein Internat sowie ein Wohnaus für das Verwaltungspersonal.

 

Im Kunstlexikon Saar führt die Autorin Oranna Dimmig aus:

 

"Ganz in der Nähe des Bruchwiesen-Viertels wurde ein weiteres Projekt des Urbanisten-Teams verwirklicht. In der Halbergstraße steht der von Pierre Lefèvre entworfene Neubau des "Lycée Maréchal-Ney". (...) Wie die Wohnblöcke von Marcel Roux ist auch dieses Gebäude nach Süden orientiert, d. h. die Eingangsseite und die mit kleineren Fenster versehenen Neben- und Funktionsräume liegen an der Nordseite, die großzügig durchfensterten Haupträume an der Südseite. Gemeinsames Merkmal sind zudem die deutlich vorspringenden horizontalen und vertikalen Bänder, die den ansonsten funktional-nüchternen Fassaden ein gliederndes Relief geben." [34]

 

Rolf Wittenbrock beschreibt die neuen Gebäude wie folgt:

 

"Zwischen den beiden unterschiedlich hohen, rhythmisch gegliederten Gebäudetrakten entlang der Halbergstraße liegt im Eingangsbereich der Schule ein Mitteltrakt für die Verwaltung. Der später entstandene östliche Querbau mit vier Stockwerken bildet in seinem Bauvolumen einen Kontrapunkt zu den älteren Bauteilen, die nur zwei- bzw. dreistöckig sind. Allerdings sind alle Bauteile durch eine homogene Fassadengestaltung und die Flachdachkonstruktion zu einer Einheit verschmolzen. Charakteristisch für das Gestaltungskonzept sind die großen Fensterflächen der nach Süden, Osten und Westen exponierten Klassensäle, die – in zur Entstehungszeit bahnbrechender Weise – den Zutritt von Licht und Luft ermöglichten und damit den Maximen der architektonischen Moderne Rechnung trugen. Dementsprechend sind die übrigen Bauteile der Fassaden, die Rippen, Riegel und Stützen, sehr schlank ausgebildet. Die einerseits strenge geometrische Symmetrie, die andererseits Klarheit und Leichtigkeit ausstrahlende Fassadenausbildung wurde dadurch ermöglicht, daß die gesamte Fassade 1949 vor Ort gegossen wurde. In den Jahren 1988–1989 wurden die Gebäude grundlegend saniert. Mehr als die Hälfte des gesamten Schulareals wurde dem benachbarten Innenministerium übereignet. Mehrere Teilgebäude wurden abgerissen, darunter zwei schuleigene Hallen und Räume für den Sportunterricht. Die Bauschäden an den Fassaden wurden beseitigt, und die Innenräume erhielten einen veränderten Zuschnitt. (...) "

 

"Das Deutsch-Französische Gymnasium war nicht nur der erste saarländische Neubau einer Schule nach dem Krieg, sondern auch einer der ersten Stahlbetonbauten im Land. Aus der Sicht des Denkmalschutzes gilt das Gebäude als "Inkunabel französischer Baukunst aus den 40er Jahren“ und Paradebeispiel funktionalistischer Sachlichkeit auf saarländischem Boden. Schon seit einigen Jahren gehört es zu den Kulturdenkmälern unseres Landes." [35]

 

 



2i)  Verschiedenes aus dem Schulalltag -
Points divers de la vie scolaire

 

A) Die Schulleitung 1950

 

La direction du lycée en 1950  

 

 

Stehend v.l.n.r. (debout, de gauche à droite): M Chavanne (Verwalter - économe), M Chossat (Leiter der Grundschule - directeur école primaire), M Carnaud (stellvertretender Schulleiter Jungen - surveillant général garçons).

 

Sitzend, v.l.n.r. (assis, de gauche à droite): Mlle Souillac (censeur de filles), M Pellier (Verwaltungsdirektor - intendant), M Bourgeois (Schulleiter - proviseur), M Simonin (censeur garçons), Mme Simonin - (stellvertretende Schulleiterin Mädchen - surveillante générale filles).

[M. und Mme le censeur waren die Stellvertre-tenden Direktoren der Schule.]

(Foto: Evelyne Lachmann)

 

B) Die Krankenstation - L'infirmerie

Im Lycee gab es auch eine Infirmerie (Krankenstation), die ständig besetzt war und den Schülern eine Wundversorgung bot, wenn sie auf dem Pausenhof oder beim Sport ausgerutscht oder gestürzt waren und sich ein offenes Knie zugezogen hatten. Dies geschah recht häufig, denn die rote Brasche war sehr rutschig und scharfkantig. Außerdem wurden alle Schüler zweimal im Jahr durchleuchtet (siehe Bild oben!) und körperlich untersucht. Mit Hilfe der dabei durchgeführten Blut- und Urinuntersuchungen konnte so manche Krankheit der Nachkriegskinder im Frühstadium erkannt werden, was für jene Zeit sicher sehr wichtig war. [Mitteilung von Erhard Curette]]

Foto: Röntgenuntersuchung (aus der Broschüre [11])


C) K
ünstlerische Bildung am "Lycée" - La vie artistique au Lycée Maréchal Ney  

Si les lycéens bénéficient d'un très bon enseignement général, l'aspect artistique de leur formation n'est pas négligé. Deux professeurs defrançais, Monsieur Rodier et Monsieur Tocanne ont créé un "Cercle Symphonique". Périodiquement ils nous présentent un compositeur classique, nous parlent de sa vie et de son œuvre. Puis une œuvre est choisie et expliquée. Enfin nous l'écoutons. C'est ainsi que j'ai appris à aimer la musique classique. D'autre part des musiciens renommés sont venus au lycée : Lily Laskine (harpiste célébre), l'orchestre de chambre de la Sarre. Nous sommes allés au Rathaus (hôtel de ville) pour écouter Samson François, grand spécialiste de Chopin. Quand le "Centre dramatique de l'est" présente une pièce de théâtre au "Stadttheater" nous allons la voir. Nous pouvons aussi écouter des œuvres interprétées par la chorale du lycée ou des piéces de théâtre jouées par des élèves de l'établissement. Ainsi la culture artistique n'est pas oubliée.                                                                                              Pierre ANDRE. Ancien élève du Lycée au cours des années 50

Die Schüler des Lycée genossen eine sehr gute Allgemeinbildung, aber auch der künstlerische Aspekt ihrer Bildung wurde nicht vernachlässigt. Zwei Französischlehrer, M. Rodier und M. Tocanne hatten einen "Symphonischen Zirkel" gegründet. Sie stellten uns in regelmäßigen Abständen einen klassischen Komponisten vor und sprachen über sein Leben und sein Werk. Dann wählten sie eines seiner Werke aus und erklärten es uns. Schließlich hörten wir es uns an. So habe ich gelernt, die klassische Musik zu lieben. Es sind aber auch bekannte Künstler zu uns in die Schule gekommen: Lily Laskine (berühmte Harfenspielerin), das saarländische Kammerorchester. Wir sind auch zum Rathaus gegangen, um Samson François zu hören, einen großen Chopin-Interpreten. Wenn das "Centre dramatique de l'est" im Stadttheater spielte, haben wir es uns dort angesehen. Wir konnten auch Aufführungen des Schulchores besuchen oder Theaterstücke, die von Schülern der Schule aufgeführt wurden. Auf diese Weise wurden auch die musischen Künste nicht vernachlässigt.

 

  

D) Auch der Sport kam am "Lycée" nicht zu kurz  -  Le sport joue aussi un rôle important au lycée

 

Es wurden Fußball, Basketball, Volleyball, Leichtathletik, Tennis und Schwimmen angeboten. Die Schule nahm auch manchmal an Sport- wettbewerben teil. Anfang der 50-er Jahre hielt sie den Frankreichrekord für Jugendliche im 50-Meter-Rückenschwimmen der Kategorie "minimes"(etwa B-Jugend) inne [30].

 

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 

Die Bilder oben rechts zeigen

 

a) Mädchen, die auf dem Hof Volleyball spielen,

 

b) Jungen beim Basketballspiel: Welche Mannschaft hat wohl gerade einen Punkt bekommen?

Die beiden Fotos sind aus [11]

 

Die beiden Bilder auf der linken Seite zeigen die Basketball- Jungenmannschaft aus der "seconde". Sie spielte 1954 gegen das Lycée Nice (Gymnasium von Nizza). Sportlehrer war M. Vergé.


Fotos: Jean-Pierre Caylus

 

Après le match perdu (0:5) de l'équipe de foot contre le Lycée de Forbach au Kieselhumes en Novembre 1954.

Im November 1954 spielte die Fußballmannschaft des Lycée Maréchal Ney gegen das Gymnasium Forbach auf dem kleinen Spielfeld des Kieselhumes. Leider verloren die Saarbrücker mit 0:5.

Debout, de gauche à droite (stehend, v.l.n.r.): Le capitaine de l'équipe de Forbach (Kapitän der Forbacher) - Jacky Chavanne - Raymond Müller - Roger Jaquet - Roger Kahn (gardien de but - Tormann) - Gottfried Hilgert - Jürgen Muhlke.

 

Accroupi (hockend): Jacques Marx - Gérard Menu - Roger Dornier - Norbert Cottong -Roger Cahn [Namensähnlichkeit mit dem Tormann!]

 

 

 

               E)  Ein Klassenfoto aus dem Jahr 1956 - Une photo de classe de 1956

 

Die Klasse "Mathématiques élémentaires" von 1956, erst im Vorjahr in das Gebäude Halbergstraße umgezogen. Klassenlehrer Albert Neyret sitzt vorne in der Mitte. Jean Kind (2. Reihe, links außen) porträ-tierte am letzten Schultag seinen Lehrer, der nahm ihm das Blatt aber ab, steckte es ein und bewahrte es auf. Nach 53 Jah- ren, beim Klassentreffen 2009, zeigte er es voller Stolz seinen Ex-Schülern. Jean Kind hat es jetzt reproduziert (siehe links)

 



F)  Impressionen vom Schulball "Saint Charlemagne" -
 Quelques images du bal de la Saint Charlemagne

November 1955, im Festsaal des Lycée Halbergstraße (Novembre 1955, dans la Salle des Fêtes du « Nouveau Ney »)  

Chaque année, à la Saint Charles (le dernier vendredi de Janvier), en l'honneur de Charlemagne (Carolus Magnus, Karl der Große) adopté en France comme patron des élèves méritants, le lycée organisait une soirée festive avec un bal rassemblant enseignants, parents, personnel administratif et élèves à partir de la seconde. Les élèves y jouaient parfois des petites comédies caricaturant leurs professeurs, et le tout se terminait dans une fête bon enfant autour de tables où on sablait le champagne. (Jean Kind)

Karl der Große (frz. Charlemagne, 748 - 814) ist in Frankreich der Schutzpatron der "Schüler mit guten Leistungen". An seinem Todestag, dem 28. Januar, wurde deshalb seit dem 15. Jahrhundert an der Pariser Sorbonne "la Saint Charlemagne" gefeiert. Das Lycée Maréchal Ney veranstaltete ab 1955 zu seinen Ehren einen Schulball, den "Bal de la Saint Charlemagne". Der Festsaal war damals dort, wo heute die Ecole Maternelle ist, also gleich beim Eingang der Schule.

Auf den Fotos vom November 1955 sind folgende Lehrer zu sehen (vgl. auch die französischen Bildunterschriften): Mme Neyret (Mathematik, siehe auch letztes Bild in Abschnitt 2e), M. Grossmann (Geschichte, Erdkunde), M. Vergé (Sport), M. Neyret (verdeckt; Mathematik), M. Biwer (Deutsch), M. Vautard (Mathematik), M. Piquemal (Französisch). Schüler(innen): Georges Roussy, Agnès Vedillon. (Fotos: Jean Kind.)

Georges Roussy écoute ce que M. Vautard (maths)
dit à M. Piquemal (français).

M. Vautard (maths) danse avec une de ses bonnes élèves:
Agnès Verdillon

M. Grossmann (hist-géo), M. Vergé (éd. physique - Sport),
M. Neyret (maths, caché), M. Biwer (allem., de dos)

Georges Roussy danse avec Mme Neyret.


 

 

 

3a)  1957 bis 1961: Schwierige Jahre für das "Lycée" nach dem Nein zum Saarstatut

 

1957 à 1961: Les années d'incertitudes du lycée après le refus du statut de la Sarre par les Sarrois

  

 

Nachdem die Saarländer in der Volksbefragung vom 23. Oktober 1955 das Saarstatut abgelehnt hatten, zeichnete sich sehr bald ab, dass die Saar wieder an Deutschland angegliedert wurde. Dies hatte zur Folge, dass viele Franzosen, die bisher im Saarland z.B. in der Verwaltung, bei der Regierung oder beim Zoll tätig waren, das Land verließen.

 

Was das für das Lycée Maréchal Ney bedeutete, wird in Kürze in diesem Abschnitt, der noch in Vorbereitung ist, näher erläutert werden.

 


 

 

3b) 1961 bis heute: Deutsch-Französisches Gymnasium (DFG) / Lycée Franco-Allemand (LFA) Saarbrücken

 

De 1961 à aujourd'hui: Lycée Franco-Allemand (LFA) Sarrebruck/Deutsch-Französisches Gymnasium (DFG)

 

 

 

1961 wurde in den Gebäuden des Maréchal-Ney-Gymnasiums und als deren Nachfolger am 5. September 1961 das Deutsch-Französische Gymnasium (DFG) gegründet. Am 25. 09 wurde es offiziell eingeweiht. Sein besonderer kulturpolitischer Auftrag besteht darin, als Begegnungsschule der deutsch-französischen Verständigung zu dienen. Seine Schüler werden im Gebrauch der jeweiligen Partnersprache so intensiv gefördert, dass sie eine angemessene Zweisprachigkeit erreichen. Darüber hinaus erhalten sie eine umfassende Kenntnis der beiden Nationalsprachen. Die Schule wird heute von über 1000 Schülern besucht.

 

 

Hinweis: Vorläufig finden Sie hier einen Auszug von der Webseite des DFG dfg-lfa.org. Später soll dieser Teil noch ausgebaut werden.

 

Das Deutsch-Französische Gymnasium Saarbrücken ist eine binationale Begegnungsschule mit mehr als 1000 Schülern und einer pädagogischen Mannschaft von mehr als 90 Erwachsenen, in der

  • Schüler und Lehrer beider Muttersprachen miteinander lernen und arbeiten,
  • sich zwei Schulsysteme und Konzeptionen von Unterricht begegnen, sich gegenseitig bereichern und zu einem dritten Weg entwickeln.  

 

 

Was ist unser Ziel?

Schülerinnen und Schüler aus der Region Saar-Lor-Lux sollen fit gemacht werden für Europa, indem sie

  • täglich in binationalen Gruppen lernen und arbeiten,
  • zur Mehrsprachigkeit erzogen werden,
  • Interkulturelle Kompetenz erwerben,
  • vorbereitet werden auf den zweisprachigen Arbeitsmarkt unserer Region.

Dies geschieht durch

  • verstärkten Unterricht in den Partnersprachen im ersten Jahr und deutsch-französischen Lehrertandems im zweiten und dritten Jahr,
  • bilingualen Sachfachunterricht in der Partnersprache mit muttersprachlichen Lehrkräften,
  • früh einsetzenden Englischunterricht im zweiten Jahr,
  • Vermittlung weiterer europäischer Sprachen: Spanisch und Italienisch,
  • integrierte binationale Lerngruppen von Anfang an bis hin zu komplett integrierten deutsch-französischen Klassen ab dem vierten Jahr,
  • passgenaue Angebote für Kinder ohne Kenntnisse in der Partnersprache, für bikulturelle Schüler (Kinder aus deutsch-französischen Familien) und für Kinder mit bereits guter mündlicher Kompetenz in der jeweiligen Partnersprache (z.B. Kinder aus bilingualen Grundschulen),
  • Kooperation mit den Arbeitsagenturen des Saarlandes und Lothringens,
  • Präsentation binationaler Studiengänge im Rahmen der Berufsorientierung,
  • Austauschmaßnahmen und COMENIUS-Projekte,
  • einen binationalen Abschluss, der zur uneingeschränkten Studienberechtigung in beiden Ländern führt: das Deutsch-Französische Abitur. Der komplett integrierte Unterricht in der Sekundarstufe II führt dazu, dass unsere Abiturienten sprachlich in der Lage sind, jedes Fach in der Partnersprache zu studieren.

Fotos im Abschnitt 3b): R. Freyer, 2010


 

 

     Zum Bild unten: Statuette des Maréchal Ney, die Gilbert Grandval dem Leiter des Lycée anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes

     (siehe oben, Abschnitt 2e) als Geschenk überreichte . Foto: Jean Kind.

 

Anmerkungen zum Text:

 

[1] Küppers, Heinrich. Bildungspolitik im Saarland 1945 - 1955. Veröffent-      lichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und      Volksforschung XIV. Saarbrücken 1984. S. 113, Anm. 271.

[2] Küppers, ibd. S. 166, Text und Anm. 160a.

[3] Wirtschaftliches und kulturelles Handbuch d.Saarlandes. 1955. S. 27.

[3a] Adressen aus: Unterricht Erziehung, Band Saarland. Paulus Rehm

       Verlag München, o. D., etwa 1954/55.

[4] Küppers, ibd. S. 166. Anm. 163.

[5] Amtsblatt des Regierungspäsidiums Saar, Nr. 2/1946 vom 28.02.1946

[6] Amtsblatt des Regierungspäsidiums Saar, Nr. 9/1946 vom 28.04.1946

[7] Wittenbrock, Rolf. Vom Collège Maréchal Ney zum Deutsch-Franzö-

     sischen Gymnasium. In: Deutsch-Französisches Gymnasium (Hg.)

     Deutsch-Französisches Gymnasium 1961–1986. Saarbrücken 1986.

     S. 17

{8] L'enfant et nous. Revue française et internationale d'information

    culturelle et sociale. No.10. Paris, o.J. [ca.1953]. Ohne Seitenzahlen.

[9] Wittenbrock, ibd. S. 17-29.

[10] Küppers, Heinrich. Bildungspolitik. (Siehe Anm. 1.)

[11] Mission Diplomatique Française en Sarre (Hg.). Lycée Maréchal

      Ney Sarrebruck. Saarbrücken, o.J. [1953].

[12] M. Bourgeois. Le lycée français de Sarrebruck. In: L'enfant et nous.

      [Siehe Anm. 8.] [S. 27f.]
[13]
Info: Jean Kind.
[14] Info: Jean Kind.
[15] Saarbrücker Adressbuch von 1936.

[16]
Saarbrücker Adressbuch ab 1952/53.
[17] Wittenbrock, ibd. S.17.
[18] M. Bourgeois, ibd. S. 27.
[19] M. Bourgeois, ibd. S. 27.
[20] Wittenbrock, ibd. S. 18.
[21]
Info: Jean Kind.
[22]
M. Bourgeois, ibd. S. 27.
[23] Fünf Jahre Bauen an der Saar. Sonderausgabe des "Bau-Anzeiger für das Saarland". Saarbrücken 1952. S. 40.
[24] M. Bourgeois, ibd. S. 27.
[25] Wittenbrock, ibd., S. 19.
[26] "Eine Kulturstätte europäischen Formats. Das neue Gebäude der Maréchal-Ney-Schule seiner Bestimmung übergeben." In: "Saar-        Volksstimme" vom 8. November 1949.
[27] M. Bourgeois, ibd. [S. 28].
[28] Mission Diplomatique Française en Sarre. Ibd. S. 6 und 7
[29] Wittenbrock, ibd. S. 20.
[30] K
üppers, ibd. S. 51; Von der Stunde 0 zum Tag X, S. 265. L'enfant et nous. Revue française, ibd. [S. 28].
[31] Küppers, ibd. S. 166, Anm. 163.
[32] Wittenbrock, Rolf. Deutsch-Französisches Gymnasium Saarbrücken. In: Memotransfont:
      http://www.memotransfront.uni-saarland.de/dtfrz_gymnasium.shtml
[33] Die Nennung des Vornamens "Michel" in "memotransfront " beruht (wie der Autor bestätigt) auf einem Irrtum.
[34] Oranna Dimmig. Die französischen Urbanisten an der Saar 1945 bis 1947. In:
Kunstlexikon Saar: Architektur.
       http://www.kunstlexikon-saar.de/architektur/artikel/-/aspekte-die-franzoesischen-urbanisten-an-der-saar-1945-bis-1947/100/  

[35] wie Anm. [32]


 

  Quellen und Literaturangaben

 

- Küppers, Heinrich. Bildungspolitik im Saarland 1945 - 1955. Veröffentlichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte
  und Volksforschung XIV. Saarbrücken 1984. S. 113, Anm. 271.

- Wittenbrock, Rolf. Vom Collège Maréchal Ney zum Deutsch-Französischen Gymnasium. In: Deutsch-Französisches Gymnasium (Hg.),
  Deutsch-Französisches Gymnasium 1961–1986, Saarbrücken 1986. S. 17-29.

- Wittenbrock, Rolf. Deutsch-Französisches Gymnasium Saarbrücken. In: Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild
  Krebs und Johannes Großmann (Hg.): Stätten grenzüberschreitender Erinnerung - Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19.   und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière - Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles,
  Saarbrücken 2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet unter
   www.memotransfront.uni-saarland.de. URL des zitierten Artikels: http://www.memotransfront.uni-saarland.de/dtfrz_gymnasium.shtml

- Kunstlexikon Saar. Ein Forschungsprojekt des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste Saar.   Architektur. http://www.kunstlexikon-saar.de/architektur/artikel/-/aspekte-die-franzoesischen-urbanisten-an-der-saar-1945-bis-1947/100/

- Mission Diplomatique Française en Sarre (Hg.). Lycée Maréchal Ney Sarrebruck. Saarbrücken, o.J. (1953).

- L'enfant et nous. Revue française et internationale d'information culturelle et sociale. No.10. Paris, o.J. (ca.1953). [Ohne Seitenzahlen].



ANHANG (ANNEXE)
 


Organisation des Studiums in der Marschall-Ney-Schule zwischen 1946 und 1959

Deutsche Übersetzung des weiter unten abgedruckten französischen Textes von Jean Kind, Sélestat, ehemaliger Schüler des Lycée. Er erzählt auch seine Erinnerungen und Abenteuer aus dieser Zeit zusammen mit fünf weiteren Schulfreunden.

 Vous pouvez lire ce texte en français en-dessous de cette traduction.

Der Studienablauf an der Marschall-Ney-Schule von den Anfangsklassen der Grundschule über das Collège bis zum Abitur am Gymnasium war relativ einfach und überschaubar in den Jahren 1946 – 1956 und wahrscheinlich auch bis zu dem Zeitpunkt, an dem aus dieser Einrichtung das Deutsch-Französische Gymnasium wurde.

Vorbemerkung: In Frankreich werden die Klassen in umgekehrter Reihenfolge bezeichnet. Klasse 12 ist also für die jüngsten Schüler, Klasse 1 für die ältesten.

Der französische Schulzweig der Marschall-Ney-Schule war in drei Abschnitte eingeteilt:

A) Die Grundschule umfasste sechs Jahre und ging von der 12. bis zur 7. Klasse. Die 12. und 11. Klasse (heute CP1 und CP2 - Vorschule) wurden als „maternelles“ bezeichnet. Dies war ein Kinderhort, in dem die Kleinen mit ihrer Umwelt vertraut gemacht wurden.

10. und 9. Klasse  (heute CE1 und CE2 - Grundkurs): Die Kinder begannen spielend lesen, schreiben und zeichnen zu lernen.

8. und 7. Klasse (heute CM1 und CM2 – mittlerer Kurs): Die Schüler lernten korrektes Lesen und Schreiben in ihrer Muttersprache sowie Rechnen. Sie entdeckten die Sachfächer Geschichte, Erdkunde und Biologie, und sie wurden in Moral, Disziplin, Gehorsam und Respekt dem Lehrer gegenüber eingewiesen.

Dieser Schulabschnitt wurde mit dem „Certificat d’études“ (Grundschulabschlusszeugnis) abgeschlossen. Es bescheinigte eine Grundausbildung, die es den Schülern erlaubte, einen Beruf zu ergreifen, wenn sie die Schule verlassen wollten. Wer den Schulbesuch fortsetzen wollte, konnte ins „Collège“ eintreten, wenn am Ende der 7. Klasse die Zugangsprüfung zur Klasse 6 erfolgreich abgelegt wurde.

B) Das „Collège“ (vierjährige Sekundarschule) von der 6. Klasse bis zur 3. Klasse:

Mädchen und Jungen waren getrennt.

Es gab 2 Abteilungen:

„Classique“ (C) (altsprachlich)

„Moderne“ (M) (neusprachlich).

In den C-Klassen wurden Latein und Griechisch unterrichtet.

In den M-Klassen lernte man zuerst eine, dann zwei moderne Sprachen (Deutsch und Englisch), eine davon in der 6. und 5. Klasse, eine zweite in den Klassen 4 und 3.

Der Unterricht umfasste auch die Fächer Mathematik, Französisch, Geschichte, Geografie, Biologie, Kunstgeschichte und Sport.

In der 6. bis 4. Klassenstufe gab es noch eine 3. Abteilung, die aus den so genannten „Saarländischen Klassen“ bestand. Sie sollte den saarländischen Schülern dieFranzösisch-Kenntnisse vermitteln, die für ihre Zusammenlegung mit den französischen Schülern in der 3. Klasse notwendig waren. Wer schon früher genügend gut Französich sprach, konnte bereits in der 5. oder 4. Klasse in die französische Sektion überwechseln.

Am Ende dieses Schulabschnitts legte man zu Ende der 3. Klasse ein Examen ab und erhielt das BEPC (Brevet d’ Etudes du premier Cycle – entspricht der mittleren Reife). Danach konnten die Schüler die Schule verlassen, um entweder ins Berufsleben (als Lehrling bei einem Unternehmer) oder in die Ecole Normale (entspricht unserer Pädagogischen Hochschule zur Ausbildung von Grundschullehrern) einzutreten. Sie konnten mit dem BEPC auch ans Gymnasium überwechseln.

C) Das Gymnasium: 2. und 1. Klasse sowie Abschlussklasse (3 Jahre). Danach konnte man auf dem Lycée Maréchal Ney noch zwei Vorbereitungsklassen für die „Grandes Écoles“ (entspricht etwa den Eliteuniversitäten) absolvieren:

Math - Sup (angewandte Mathematik)

Math - Spé (spezielle Mathematik).

Diese wurden aber Ende 1955 wegen zu geringer Nachfrage eingestellt. Die Bewerber mussten dann nach Straßburg oder Nancy gehen.

Für die 2. und 1. Klasse gab es zwei Abteilungen:

Eine Abteilung „Classique A, B“ für die eher literarischen Studien und eine Abteilung „Moderne C, M“ für die eher naturwissenschaftlichen Studien. Natürlich waren Übergänge möglich, also von „Classique“ zu „Moderne“ bei entsprechenden naturwissenschaftlichen Fähigkeiten, oder von „Moderne“ zu „Classique“ bei Schwächen auf naturwissenschaftlichem Gebiet. Dies war ziemlich flexibel gehandhabt, und es gab eine geringe Durchfallquote. Aber nur eine kleine Anzahl von Schülern hat von dieser Möglichkeit des Wechsels Gebrauch gemacht.

Die Prüfung zum „1. Teil des Abiturs“ schloss den Studienblock der 2. und der 1. Klasse ab. Wer sie erfolgreich ablegte durfte die Abschlussklasse besuchen.

Diese Klasse bot drei Möglichkeiten:

Elementare Mathematik (Math-Elem), Experimentale Wissenschaft (Sc-Ex) und Philosophie (Philo). Die erste Möglichkeit beinhaltete eine Grundausbildung in exakten Wissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie). Sie öffnete den Weg zu Hochschulstudien (sciences fondamentales, Math Sup, Math Spé, anschließend Zugang zu den Eliteuniversitäten).

Die zweite Möglichkeit ermöglichte den Zugang zu Hochschulstudien in angewandten Wissenschaften (Physik, Chemie, Biologie, Botanik, Geologie, Pharmazie, Medizin…).

Die dritte Möglichkeit, die Philosophieklasse, führte zu humanistischen Studien (Jura, Wirtschaft, Soziales, Rechnungswesen, Verwaltung, Sekretariat…).

Am Ende der Abiturklasse stand der „2. Teil des Abiturs“, der den Absolventen das Recht zur Aufnahme von Hochschulstudien gab (Universität, Vorbereitungsklassen für die Elitehochschulen und Eintritt in bedeutende Hochschulen, wie HEC (Hautes Études Commerciales – Wirtschaftsstudien), Polytechnique (Hochschule zur Ausbildung von Ingenieuren), Ecole Centrale (Ausbildung zur Leitung eines privaten oder staatlichen Unternehmens), Normale Sup (Studien zur Lehrer- und Professorenausbildung), ENI (Ecole Nationale d’Ingénieurs - Ingenieursausbildung), Ecole des Mines (Bergakademie)…etc.

Nach dem Abitur gingen viele Schüler an die Universität, einige in die Vorbereitungsklassen, andere wandten sich der Lehrerausbildung zu und wieder andere strebten eine Laufbahn beim Militär an. Sehr viele Mädchen besuchten die Universität, nur wenige gingen zu Eliteschulen wegen der Dauer, Schwierigkeit und Strenge der Studien. Da sie im Heiratsalter waren, wollten viele von ihnen nun eine Familie gründen. Trotzdem ergriffen zahlreiche junge Frauen einen Beruf im öffentlichen oder privaten Bereich, nachdem sie noch zwei oder drei Studienjahren auf einer Universität absoviert hatten oder auf einer für Frauenberufe geeigneten Fachschule (Sekretärinnen, Kindergärtnerinnen, Laborantinnen, Krankenschwestern, Lehrerinnen…).

KOMMENTAR:

Der schulische Studiengang der 40er, 50er und 60er Jahre (bis 1968, dem Jahr der angeblichen Kulturrevolution in Frankreich, als sich aber eher das Chaos installierte) war relativ einfach und verständlich. Diese Studien waren sehr gut dazu geeignet, die Menschen an das Berufsleben heranzuführen. Sie verfolgten nicht den Zweck, sie in einem Beruf auszubilden, sondern ihnen ein Grundwissen, eine Allgemeinbildung beizubringen, die ihnen dann erlaubte, einen Beruf oder ein Hochschulstudium für leitende Angestellte zu ergreifen. Sie waren nicht dazu bestimmt, die Menschen direkt für einen speziellen Beruf auszubilden, sondern sie befähigten intelligente Menschen zu unterschiedlichen Berufen und brachten keine Roboter hervor, die außerhalb ihrer vorgegebenen Fähigkeiten verloren sind. Das war aus gesellschaftlicher Sicht eine bedeutend bessere Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit.

Übersetzung: Rita Bruchier, Karlsruhe, und Rainer Freyer

Originaltext in Französisch:

Organisation des Etudes au Lycée Maréchal Ney entre 1946 et 1959  

par Jean Kind, Sélestat, ancien élève du Lycée. Lisez aussi ses souvenirs de cette époque.

Le cycle d'études à l'école, au collège et au lycée Maréchal Ney dansles années 1946-1956, et probablement jusqu'au moment où l'établissement est devenu le DFG (Deutsch-Französisches Gymnasium), depuis les petites classes du primaire jusqu'au baccalauréat en terminale, était relativement simple et clair.

La scolarité francophone comportait trois cycles :

A) L'école primaire où les classes allaient de la 12ème jusqu'à la 7ème (6 années).
12ème et 11ème, aujourd'hui CP1 et CP2 (cours préparatoire) appelées "maternelles"; c'était une garderie où on éveillait les petits à leur entourage.
10ème et 9ème, aujourd'hui CE1 et CE2 (cours élémentaire) ; on commence en jouant à apprendre à lire, écrire et à dessiner.
8ème et 7ème, aujourd'hui CM1 et CM2 (cours moyen) ; on apprend à lire et écrire correctement sa langue maternelle, à savoir calculer. On découvre l'histoire, la géographie ; on découvre les leçons de choses, les sciences naturelles, la morale, la discipline, l'obéissance et le respect de l'instituteur.

Ce cycle était sanctionné par le "certificat d'études" qui prouvait une culture de base permettant aux enfants qui le voulaient de quitter l'école pour aller apprendre un métier.
En fin de classe de 7ème c'était aussi le moment de passer "l'examen d'entrée en 6ème" pour ceux qui voulaient entrer au collège et continuer leur scolarité.


B) Le collège où les classes allaient de la 6ème à la 3ème (4 années)
- Les filles étaient séparées des garçons
- Il y avait deux sections : "Classique (C)" et "Moderne (M)". En classes C on apprenait le Latin et le Grec. En classes M on apprenait une, puis deux langues vivantes, une première en 6ème et 5ème, avec la seconde en 4ème et 3ème. Les deux langues vivantes étaient l'allemand et l'anglais.
- L'enseignement comportait aussi les mathématiques, le français, l'histoire, la géographie, les sciences naturelles, l'histoire de l'art, l'éducation physique.
- Une troisième section était appelée "classes sarroises" de la 6ème à la 4ème incluse ; elle était destinée aux élèves sarrois afin de leur permettre une meilleure assimilation du français nécessaire à leur regroupement avec les élèves français en classe de 3ème ; les plus avancés rejoignaient les classes françaises déjà en 5ème ou en 4ème. 

Ce cycle conduisait en fin de 3ème à un examen qui délivrait le BEPC (Brevet d'Etudes du Premier Cycle du second degré). En fin de cycle certains élèves quittaient l'établissement pour soit entrer dans la vie active (apprentis chez un patron), soit entrer à l'Ecole Normale (pour devenir instituteur). Les autres entraient au lycée,
le BEPC faisant foi de leur aptitude.


C) Le lycée dont les classes vont de la 2ème à la "terminale". (3 années).
- Il y avait en plus au lycée Maréchal Ney, après cette dernière classe, deux classes préparatoires aux grandes écoles (Math-Sup. et Math-Spé.) qui ont cessé d'exister en fin 55 par manque de candidats ; les prétendants sont alors allés à Strasbourg ou à Nancy.
- Deux sections existaient pour les classes de 2ème et 1ère ; Une section "Classique A, B" pour les études plutôt littéraires, et une section "Moderne C,M" pour des études plutôt scientifiques. Bien entendu les "Classique" du premier cycle bons en sciences pouvaient virer vers le "Moderne " du second cycle, et inversement les "Moderne" faibles en sciences au premier cycle pouvaient entrer dans le "Classique" du second cycle. C'était assez souple et il y avait peu d'echecs scolaires ; Cependant la proportion d'élèves qui faisaient ce virement était faible.
- Un "Baccalauréat 1ère partie" sanctionnait le "tronc commun" des classes de 2ème et 1ère et ouvrait le droit à ceux qui l'avaient réussi à entrer en terminale.
- La terminale comportait trois possibilités : Mathématiques élémentaires (Math-Elem), Sciences Expérimentales (Sc-Ex), Philosophie (Philo).
* La première donnait une formation élémentaire aux sciences exactes (Maths, Physique, Chimie). Elle ouvrait la voie aux études supérieures (sciences fondamentales, Math Sup, Math Spé, puis entrée aux grandes écoles).
*  La seconde délivrait une formation orientée vers les études supérieures universitaires en sciences appliquées (Physique, Chimie, Botanique, Biologie, Géologie,  Pharmacie, Médecine...).
* Quant à la classe de Philosopie elle conduisait aux études supérieures humanistes (Droit, Commerce, Social, Comptabilité, Gestion, Secrétariat.....).
- En fin de terminale l'examen était le "Baccalauréat 2ème partie" qui ouvrait aux lauréats le droit d'accès aux études supérieures (Universités, classes préparatoires et entrée aux grandes écoles telles Hautes Etudes Commerciales -HEC- , l'X -Polytechnique-, Ecole Centrale -Direction d'entreprises publiques ou privées-, Normale Sup - Enseignement, Professeurs-, ENI -Ecoles Nationales d'Ingénieurs-, Ecole des Mines..... etc ).

Après leur baccalauréat beaucoup d'élèves passaient à l'université, quelques-uns entraient en classes préparatoires, certains se dirigeaient vers l'enseignement et d'autres embrassaient une carrière militaire. Il y avait une majorité de filles qui entraient à l'université, peu d'entre-elles entraient en grande école à cause de la longueur, difficulté et sévérité des études, mais bon nombre étaient en âge de se marier pour fonder une famille. Elles étaient quand même nombreuses à embrasser une profession après deux ou trois ans d'études supérieures universitaires ou écoles ouvertes aux métiers féminins (secrétaires, comptables,  laborantines, puéricultrices, infirmières, institutrices ....) dans le privé ou dans le public
.


COMMENTAIRES :
Le cursus scolaire des années 40, 50 et 60 (jusqu'en 68, année de la soi-disant révolution culturelle en France où c'est plutôt le chaos qui s'est installé) était relativement simple et clair. Il était très efficace pour amener les gens à la vie active. Sa finalité n'était pas d'apprendre aux individus un métier mais de dispenser un savoir fondamental, une culture générale qui permettait d'accéder à une profession ou d'aborder des études supérieures pour devenir cadre. Il n'était pas destiné à former directement les gens à une spécialité ; Il formait des êtres intelligents adaptables à toutes sortes de métiers et non pas des robots perdus hors de leur spécialité. C'était quand même du point de vue social une bien meilleure ouverture vers l'emploi.    
 

 

                                                                                                   Diese Seite wurde begonnen am 14.10.2010. Zuletzt bearbeitet am 05.06.2011                  

 

 

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