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Johannes Hoffmann

 

 

(genannt JoHo)

 

 

Er lebte von 1890 bis 1967 und war der erste

  

Ministerpräsident des Saarlandes

 

(vom 21. Dezember 1947 bis zum 23. Oktober 1955)

  


 

Weitere Seiten über Johannes Hoffmann auf Saar-Nostalgie:

 

 

 

 

 

- Attentat auf JoHo (Vereiteltes Briefbomben-Attentat im Februar 1955)

- JoHo in Bous/Wadgassen bei der Einweihung der Saarbrücke 1951 

JoHo zu Besuch in Rohrbach am Johannestag 1948

- Reppersberg-Filmdreh: Dreharbeiten im Oktober 2012 im ehemaligen

                                       Wohnhaus der Hoffmanns, Reppersbergweg 64


 

 Inhalt dieser Seite::

 

 A - Eine umstrittene Persönlichkeit

 B - Die Lebensgeschichte Johannes Hoffmanns vor 1945

 C - Von 1945 bis zur Wahl zum Ministerpräsidenten

 

 

 D - Aus der Amtszeit als 1. Ministerpräsident des Saarlandes

 E - Aus dem Familienleben der Hoffmanns

 F - Nach dem Tode Johannes Hoffmanns

 G - Äußere Zeichen der Erinnerung an JoHo im Saarland

 

 Verfasser der Teile A, B und D bis G: Rainer Freyer; Teil C: Stefan Haas


 

 

 A) Eine umstrittene Persönlichkeit

 


 

Johannes Hoffmann war und ist die wahrscheinlich umstrittenste Figur der saarländischen Geschichte. In diesem Kapitel soll versucht werden, ihn möglichst neutral und objektiv als Mensch und als Politiker darzustellen. Solange er lebte, wurde er von einem Teil seiner Landsleute gehasst, von einem anderen Teil hoch geachtet. Inzwischen, fast fünfzig Jahre nach seinem Tod, scheint auch frühere tiefe Abneigung ihm gegenüber einer gewissen Wertschätzung gewichen zu sein. Immer mehr Menschen gestehen ihm heute zu, dass es ihm damals in den schwierigen ersten Jahren nach dem Krieg darum ging, das Beste für sein Land und dessen Bewohner zu erreichen. Es ist allerdings auch weiterhin unumstritten, dass er dabei manchmal Entscheidungen traf (bzw. unter dem Druck der Besatzungsmacht treffen musste), unter denen Bürger des Landes zu leiden hatten, und dass die Demokratie im Saarstaat in mehrerer Hinsicht "Defekte" aufwies.

 

Um JoHos Einstellung und die Motive für sein Handeln zu verstehen, muss man seine Lebensgeschichte kennen. Er entstammte einer religiösen Familie und arbeitete während der Völkerbundzeit des Saargebiets (1920 - 1935) als Journalist. Zunächst plädierte er vehement für den Wiederanschluss der Saar an Deutschland, aber spätestens nach dem Machtantritt Hitlers begann er, seine Landsleute eindringlich vor den Gefahren des Nationalsozialismus zu warnen. Er kämpfte von da an für den "Status quo", auf Grund dessen die Trennung des Saargebiets von Deutschland vorläufig aufrecht erhalten geblieben wäre. Als sich die Saar-Bevölkerung in der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 trotz dieser eindringlichen Warnungen für den sofortigen Anschluss an Deutschland entschied, musste Hoffmann vor den "Nazis" fliehen. Über Luxemburg und Frankreich gelangte er nach Brasilien und blieb dort bis zum Ende des 2. Weltkriegs im Exil.

 

Als er kurz danach in seine Heimat zurückkehrte, konnte sich Hoffmann nicht vorstellen, dass die Saar künftig im Schoße Deutschlands (bzw. dessen, was nach dem Ende des Hitlerreichs davon übrig geblieben war) gut aufgehoben sein könnte. Deshalb wollte er nun dabei mitwirken, das Land als einen von Deutschland unabhängigen kleinen Staat in Wirtschaftsunion mit Frankreich wieder selbstständig werden zu lassen. Die Franzosen hatten gute Gründe dafür, den Saarländern beim Wiederaufbau ihres Landes unter die Arme zu greifen: Nach dem Krieg war Frankreich im Rahmen der deutschen Reparationsleistungen die Ausbeutung der Kohlevorräte an der Saar zugesprochen worden, die sie in Lothringen dringend zur Verhüttung ihrer "Minette"-Eisenerze benötigten. Deshalb waren sie nun auf die schnell wieder einsetzende Leistungsfähigkeit der saarländischen Kohleindustrie angewiesen.

 

Als 1947 der Saarstaat entstand, wurde JoHo zu dessen erstem Ministerpräsidenten. Viele Saarländer sagen, Johannes Hoffmann habe in diesem Amt viel Positives für ihr Land erreicht. Man hält ihm unter anderem zugute, dass er durch sein politisches Verhalten dazu beigetragen habe, einen vollständigen Anschluss des Saargebiets an Frankreich zu verhindern. Es ist auch unbestritten, dass er und seine Regierung viel dafür getan haben, die schrecklichen Folgen des Krieges möglichst rasch zu lindern: Sie förderten effektiv den Wiederaufbau der zerstörten Häuser und Wohnungen und leisteten auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet wertvolle Aufbauarbeit. (Die Abbildung von Joho mit gefalteten Händen: © Roland Stigulinszky.)

 

Auf der anderen Seite wird Johannes Hoffmann vorgehalten, dass während seiner Regierungszeit Grundrechte - wie die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit - eingeschränkt und manchmal "polizeistaatliche" Methoden angewandt wurden. In den ersten Jahren nach dem Krieg sind zahlreiche Menschen aus politischen Gründen aus dem Saarland ausgewiesen worden, und Parteien, die die Autonomie des Landes in Frage stellten und den Wiederanschluss an Deutschland forderten, waren lange Zeit verboten bzw. wurden nicht zugelassen. Durch solche Maßnahmen wehrte sich die Regierung Hoffmann, oft auch auf Anordnung der Franzosen, gegen diejenigen Kräfte im Saarland, die dessen Loslösung von Deutschland, seine Autonomie und seine wirtschaftliche Verknüpfung mit Frankreich zu bekämpfen suchten.

 

Hoffmann sah sich ständig in dem Zwiespalt, einerseits für die Befriedigung der Bedürfnisse seiner Landsleute zu sorgen, andererseits aber auf die Einhaltung der Forderungen Frankreichs zu achten. Es wird berichtet, dass er häufig harte Auseinandersetzungen mit dem Vertreter Frankreichs an der Saar, Gilbert Grandval, hatte, in deren Verlauf er seine Vorstellungen nur gelegentlich durchsetzen konnte. Stattdessen musste er oft unpopuläre Entscheidungen hinnehmen und an die Bevölkerung weitergeben.

 

Als allmählich offenkundig wurde, dass die von allen Staaten gewünschte europäische Einigung ohne eine Lösung der Saarfrage nicht zustande kommen würde, erblickte Hoffmann die Zukunft seines Landes in der Umsetzung des 1954 zwischen Deutschland und Frankreich ausgehandelten Saarstatuts. Demnach wären die bestehende Autonomie und die Wirtschaftsunion mit Frankreich festgeschrieben worden, und das Saarland hätte zum Kern eines neuen, vereinigten Europas werden können. Dabei konnte Hoffmann mit der Unterstützung der französischen Regierung rechnen und auch mit der Billigung durch Bundeskanzler Adenauer. Aber die Kräfte im eigenen Land, die stattdessen einen baldigen Wiederanschluss an Deutschland forderten, wehrten sich heftig dagegen und riefen „Der Dicke muss weg“. Die Älteren unter uns haben miterlebt, dass sich diese Kräfte bei der Volksbefragung am 23. Oktober 1955 durchsetzten und Hoffmann abtreten musste: Noch am selben Abend gestand er seine Niederlage ein und trat als Ministerpräsident zurück. Gut 14 Monate später wurde das Saarland zu einem deutschen Bundesland. [1]

 

Der tiefe Riss, der damals durch die Bevölkerung ging, trübte jahrzehntelang den Blick auf positive Errungenschaften der Hoffmann-Ära. Noch heute betrachten ihn einige als Landesverräter und Antidemokraten. Aber schon seit längerer Zeit sehen immer mehr Menschen in ihm einen "zugleich visionären und pragmatischen Realpolitiker, der es verstand, das Beste aus der damaligen historischen Situation für die Saarländer herauszuholen" [2]. Der große Europäer Robert Schuman soll über ihm gesagt haben: "Es ist das Verdienst klar sehender Männer, versucht zu haben, ihrer Zeit vorauszueilen, und es ist das Verdienst von Herrn Präsident Hoffmann, sich trotz der Schwierigkeiten, trotz der Unpopularität dieser Aufgabe gewidmet zu haben." [3]

 

Aber 1955 konnte er die Mehrheit der Saarländer nicht von seiner Idee eines weiterhin autonomen Saarlandes als Mittler zwischen Frankreich und Deutschland und als Wegbereiter der europäischen Einigung überzeugen. Sie hatten inzwischen zu viele negative Auswirkungen der frankreichorientierten Autonomie erfahren, sehnten sich nach dem zollfreien Erwerb von Waren aus dem Land des beginnenden Wirtschaftswunders oder wollten einfach nur wieder Deutsche sein.

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[1] Alle Einzelheiten über diese Entwicklung finden Sie in unserem Kapitel Ergebnisse und Folgen der Volksbefragung.

[2] Aus dem Text, mit dem der SR im Mai 2013 auf http://www.sr-online.de die Fernseh-Ausstrahlung des Films über JoHo von Boris Penth ankündigte.

[3] zitiert nach: Lafontaine, Oskar: Über Johannes Hoffmann. In: Steinle, Brigitte: Johannes Hoffmann – ein Leben. o. O., 1990. Seite 11.

 

Ausführliche Literaturangaben zu Johannes Hoffmann finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

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Hinweis: Das Kürzel "JoHo" war nicht etwa ein Schimpfwort, sondern eine Kurzform des Namens Johannes Hoffmann, mit der er schon in frühen Jahren seine Zeitungsartikel signierte. Es wurde auch in der Familie Hoffmann "liebevoll" verwendet: So soll ein Enkelkind einmal gesagt haben: "Mein Opa, das ist der JoHo!", und der Großvater soll darüber geschmunzelt haben [1]. Von seinen Gegnern wurde es allerdings, besonders im Abstimmungskampf 1955, häufig in abfälligem Ton gebraucht (z. B. in Sprüchen wie "JoHo der falsche Berg- mannssohn..." - mehr darüber finden Sie im Kapitel Volksbefragung.) Siehe zu dem Kürzel "JoHo" auch die Rubrik "JoHo ist nicht einmalig", ganz unten auf dieser Seite.

 

[1] Mündlicher Bericht der JoHo-Tochter Regina Welsch, Saarlouis, im Juli 2008  

 

 

(Der ausführliche Lebenslauf beginnt weiter unten.)

 

 

 

Anmerkung: Mehrere der auf dieser Seite gezeigten Bilder und Dokumente wurden vor einigen Jahren von Nachkommen Johannes Hoffmanns dem ehemaligen Kultur- und Heimatverein seines langjährigen Wohnortes Düppenweiler übereignet. Dessen Museumsbestand ist jetzt im Besitz der "Stiftung Kulturbesitz der Gemeinde Beckingen" (Düppenweiler ist heute ein Teil dieser Gemeinde). Die Belege wurden uns freundlicherweise zur Abbildung auf dieser Webseite leihweise zur Verfügung gestellt.    

 

   

 

Der tabellarische Lebenslauf links wurde vom Heimatverein Düppenweiler erstellt.

 

 

Vorbemerkung zum folgenden Text über Johannes Hoffmann:

Obwohl auf dieser Website in der Hauptsache das Saarland in der Zeit von 1945 bis 1959 dargestellt wird, erscheint es uns wichtig, an einigen Stellen auch über die Vorgänge und Zusammenhänge der vorangehenden und der nachfolgenden Epochen zu berichten. Dadurch kann man die Ereignisse und Entwicklungen der betrachteten Zeitspanne besser verstehen und einordnen. Deshalb beschreiben wir z.B. die Lebenswege von Johannes Hoffmann und Gilbert Grandval auch über die Zeiten des Saarstaats hinaus, also auch in den Jahren davor und danach.

 

Wenn Sie die Lebensgeschichte Johannes Hoffmanns der Jahre vor 1945 überspringen möchten, klicken Sie bitte hier.

 

 


 

 

B) Die Lebensgeschichte Johannes Hoffmanns vor 1945

 

 


 

Johann Viktor Hoffmann wurde am 23. Dezember 1890 in Landsweiler-Reden geboren [Landsweiler gehört seit 1974 zur Gemeinde Schiffweiler]. Er hatte insgesamt sieben Geschwister. Später nannte er sich nur noch Johannes Hoffmann.

 

Da der erste Sohn der Familie bereits mit fünf Jahren gestorben war, sollte Johannes als nunmehr ältester Sohn Priester werden. So besuchte er das bischöfliche Konvikt in Trier zur Vorbereitung auf diesen Beruf. Aber nach einiger Zeit gelangte er zu der Erkenntnis, dass er dazu nicht genügend berufen war. Daher verließ er nach dem Abitur 1912 das Konvikt in dem Glauben, sich für seine Heimat und deren Menschen auf andere Weise besser und effektiver einsetzen zu können. Schon früh schrieb er in der Neunkirchener Zeitung Artikel und Berichte über seine Saarheimat und ihre Menschen. In Freiburg nahm er ein Studium der Philologie und Philosophie auf. Zu Beginn des 1. Weltkriegs meldete er sich wie viele andere Studenten als Kriegsfreiwilliger und diente bis 1918. Für seine Verdienste wurden ihm das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse sowie der Eiserne Halbmond (er kämpfte u.a. auch in der Türkei) verliehen.

 

Bei Kriegsende kam er, gesundheitlich stark angeschlagen, nach Berlin. Dort begann er ein neues Leben, fern der Heimat. Ab 1919 studierte er Volkswirtschaft, und am 1. Juli 1919 heiratete er die vier Jahre jüngere Frieda Krause. Aus ihrer Ehe gingen sechs Kinder hervor (siehe unten "Familienleben...").

 

Beruflich wandte er sich immer mehr dem politischen Journalismus zu. Ab 1918 arbeitete er in Berlin bei "Germania", dem Zentralorgan der Deutschen Zentrumspartei, bei einer Nachrichtenagentur und in weiteren Redaktionen, zeitweise auch in anderen deutschen Städten, u.a. in Saarbrücken. Hier gründete er 1920 die "Saarkorrespondenz" und leitete sie eine Zeitlang. In dieser Zeit näherte er sich der Zentrumspartei an und lernte einige ihrer führenden Politiker kennen.

 

Johannes Hoffmann und Frieda Krause bei ihrer Verlobung 1919.

 

  Fotos: Oben rechts: Landesarchiv Saarbrücken. Links: Privatarchiv Christa und Josef Winkelheide, Köln.

 

Matrikeleintrag der philosophischen Fakultät der Humboldt-Universiät Berlin vom 14.2.1919. Hoffmanns Geburtsort ist als "Landsweiler, Rheinland, Preußen" aufgeführt

 

Im Herbst 1929 verließ er Berlin und kehrte mit seiner Familie in die Heimat zurück. Hier wurde er Chefredakteur der größten katholischen Tageszeitung der Saar, der "Saarbrücker Landeszeitung". Das Territorium des Saargebiets war nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag (28. Juni 1919) vom übrigen Deutschland abgetrennt, wirtschaftlich mit Frankreich verbunden und unter die Verwaltung des Völkerbunds gestellt worden. Fünfzehn Jahre später sollte die Bevölkerung darüber abstimmen, ob sie fortan zu Frankreich oder zu Deutschland gehören wollte, oder ob der bisherige Zustand ("Status quo") beibehalten werden sollte. Hoffmanns unabdingbares Ziel war es zunächst, darauf hinzuwirken, dass sein Heimatland wieder an Deutschland angeschlossen wurde. Noch im November 1930 äußerte er auf einer Kundgebung in Dortmund, dass ihm nichts wichtiger sei als die Heimkehr der Saar ins Deutsche Reich. Foto rechts: Stadtarchiv Saarbrücken.

 

Aber schon kurz nach der Machtübergabe an Hitler kamen Hoffmann Bedenken an der Richtigkeit dieses Ziels. Mit den ersten Parteien- und Presseverboten, der beginnenden Ächtung der Juden und der Errichtung von Konzentrationslagern im Reich zeichnete sich ab, in welche Richtung die Bestrebungen des "Führers" zielten. Nun wurde Hoffmann zum entschiedenen Gegner Hitlers und dessen radikalrechtsgerichteter Einstellung. Als er sich 1934 weigerte, einen Artikel zum einjährigen Bestehen des Hitler-Regimes in der Landeszeitung abzudrucken, wurde er kurzerhand als Chefredakteur entlassen. Daraufhin gründete er die "Neue Saarpost", um seine Landsleute darüber aufzuklären, welche Gefahren eine Rückkehr der Saar ins Reich wegen der immer deutlicher werdenden faschistischen Umtriebe des Hitler-Regimes in sich barg. Er versuchte, sie davon zu überzeugen, dass die Beibehaltung des Status quo die einzige Möglichkeit für die Saar war, den Machenschaften Hitlers zu entgehen. Der Trierer Bischof Bornewasser richtete sich gegen diese Einstellung und trat weiterhin vehement für eine sofortige Rückkehr der Saar nach Deutschland ein. Für Hoffmann und die anderen Status-Quo-Anhänger, unter ihnen z.B. KPD-Leute oder der Saar-SPD-Vorsitzende Max Braun, wurde es immer schwieriger, gegen diese Haltung anzukämpfen, zumal sie nun sogar von der Kirche unterstützt wurde. Das Ergebnis der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 zeigte dann auch, dass nur 8,8 % der Stimmberechtigten für den Status quo gestimmt hatten, 0,4 % für einen Anschluss an Frankreich und eine überwältigende Mehrheit von 90,36 % für die Vereinigung der Saar mit Deutschland.  Foto: Plakat von 1935


Hoffmann war klar, dass er wegen seiner hitlerfeindlichen Haltung bei diesem eindeutigen Wahlergebnis Verfolgung durch die Gestapo und Einweisung in ein Konzentrationslager befürchten musste. So blieb ihm nichts anderes übrig, als in die Emigration zu gehen. Er floh zunächst mit seiner Familie nach Forbach; im Mai 1935 gelangten sie nach Luxemburg. Hoffmann konnte als Asylsuchender dort keine Arbeit erhalten, hatte aber einige Geldmittel von der Saar mitgebracht. So pachtete er 1937 nahe Peppingen bei Bettembourg einen Bauernhof (siehe Bild rechts), um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie in der Landwirtschaft zu sichern. Seit 1936 stand sein Name auf einer Liste 'deutschfeindlicher' Journalisten, und 1939 wurde er von der SS wegen seiner separatistischen Tätigkeit bei der 'Neuen Saarpost' als Hochverräter eingestuft [1]. Gelegentlich arbeitete er nun als freier Mitabeiter für die von den Nazis als deutschfeindlich eingestufte Zeitung "Luxemburger Wort" [2].

 

Im Juni 1939, kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde Johannes Hoffmann und seinen Familienangehörigen die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Im Januar 1940 fuhr Hoffmann alleine nach Paris, um in der deutschsprachigen Emigrantenredaktion von Radio Strasbourg, das von Paris aus sendete, als Sprecher (und wahrscheinlich Redakteur) zu arbeiten und den Umzug der Familie aus Luxemburg vorzubereiten. Als aber die deutschen Truppen im Mai 1940 ihren Westfeldzug begannen und die Beneluxländer angriffen, konnte er nicht mehr zu seiner Familie zurück. Dass er von da an bis zum Kriegsende von seinen Lieben getrennt war, bedeutete für Hoffmann ein großes Unglück. Er musste nun vor den Deutschen aus Paris fliehen und gelangte in einer mehrmonatigen, gefahrvollen Odyssee, meist zu Fuß, über die Bretagne durch das von den Deutschen besetzte Frankreich am 1. Oktober 1940 nach Marseille. Von dort aus wollte er mit etwa vierzig Gefährten über Portugal nach Brasilien auswandern. Nur unter größten Schwierigkeiten konnten ihm Dr. Hermann Mathias Görgen, Pfarrer Franz Weber und einige andere Helfer einen tschechischen Pass und weitere für die Ausreise notwendige Papiere besorgen. Sie wurden zum Zwecke der Tarnung auf "Jan Jacub" bzw. "Jean Jacques" Hoffmann ausgestellt.

 

 

 

 

Oben: Ausschnitt aus einem späteren Plakat zur Volksabstimmung 1955, mit dem die DPS kritisierend auf die Tätigkeit JoHos beim deutschsprachigen Radio Strasbourg in Paris anspielte.

(Das vollständige Plakat können Sie hier sehen.)

 

 

Mit Hilfe eines Paters gelangte Hoffmann schließlich auf einer nervenaufreibenden viertägigen Reise von Südfrankreich durch Spanien nach Lissabon [3]. Wenige Tage später brachte ihn ein Dampfer (siehe Foto unten) in einer 40-köpfigen Gruppe von Emigranten über den Atlantik nach Rio de Janeiro. Sie trafen dort am 11. Mai 1941 ein.

 

Links: Telegramm der Gruppe "Les Intellectuels". Es war einen Tag vor Ablegen des Schiffes postlagernd an Hermann Görgen gerichtet, der schon in Lissabon weilte.

 

 

 

Oben: Auf der "Cabo de Hornos" ("Kap Horn") gelangte Johannes Hoffmann 1941 mit einer Gruppe weiterer Exilanten von Lissabon aus nach Rio de Janeiro in Brasilien.

Das Passfoto rechts zeigt Johannes Hoffmann am 2. Juni 1941. Es wurde kurz nach seiner Ankunft im Exil von den brasilianischen Behörden angefertigt.

(Fotos aus dem Nachlass der Fam. Hoffmann)

 

Während seines Exils in Brasilien lebte Johannes Hoffmann die meiste Zeit über in Rio de Janeiro. Zunächst hatte er mit gesundheitlichen Problemen wegen der Umstellung auf das fremde Klima sowie mit ständigen wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen. Er arbeitete zeitweise in der Bibliothek eines Benediktinerklosters und konnte sich schon nach einem Jahr flüssig in brasilianischem Portugiesisch unterhalten. 1943 wurde er - durch Vermittlung des früheren Präsidenten der Völkerbundkommission in Saarbrücken, Geoffry Knoxx, als eine Art Butler beim kanadischen Botschafter in Rio, Jean Désy, fest eingestellt. Er betreute die beiden Kinder und half mit, den Haushalt zu besorgen [4]. Er war nun zwar finanziell abgesichert, hatte aber weiterhin unter einer instabilen Gesundheit zu leiden. Es quälten ihn auch heftige seelische Depressionen, hervorgerufen durch den Verlust seiner Saarheimat und die Sehnsucht nach seiner Familie. Als er Ende 1943 erfuhr, dass sein zweiter Sohn, Heinz-Joachim, im Juni im Alter von knapp 20 Jahren nahe Smolensk gefallen war [5], brach es ihm schier das Herz [6]. Er musste dann noch bis Mitte 1945 warten, bevor er seine Heimat, seine Frau und die fünf verbliebenen seiner sechs Kinder wiedersah (siehe unten im Teil C).

 

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Anmerkungen zum Teil B):

 

[1] Küppers, Heinich. Johannes Hoffmann (1890-1967). Biographie eines Deutschen. Seite 188.

[2] Ebd., S. 189, Anm. 9.

[3] Hoffmann, Johannes. Am Rande des Hitlerkrieges. S. 126 f.

[4] Steinle, Brigitte. Johannes Hoffmann - ein Leben. S. 46, und Küppers, a.a.O. S. 261 ff.

[5] Steinle, a.a.O., S. 34.

[6] Küppers, a.a.O., S. 198 und S. 276, und Hoffmann, Johannes. Das Ziel war Europa. S. 16.

 

Verwendete und empfohlene Literatur:

 

- Hoffmann, Johannes. Am Rande des Hitlerkrieges. Tagebuchblätter. Vorw. und Hrsg.: Heinrich Küppers. Blieskastel, 2005.

- Steinle, Brigitte. Johannes Hoffmann - ein Leben. Saarbrücken, 1990. (Frau Steinle ist eine Enkelin von JoHo.)

- Küppers, Heinrich. Johannes Hoffmann (1890-1967). Biographie eines Deutschen.  2008.

 

 

Weitere ausführliche Literaturangaben finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

  

 


 

 

C) Johannes Hoffmann nach dem Zweiten Weltkrieg  (Text: Stefan Haas)

 

 


 

'Es galt nun wieder anzufangen. Nach einem totalen Zusammenbruch konnte es nur ein totales Neubeginnen sein.'

(Hoffmann, Das Ziel war Europa, S. 19)  

 

Nach knapp viereinhalb Jahren im Exil in Brasilien reiste Johannes Hoffmann am 26. August 1945 von Rio de Janeiro aus in die Heimat zurück. Europäischen Boden betrat er - nach zwölf Tagen Überfahrt - zum ersten Mal wieder am 6. September 1945 in Frankreich, und zwar im Hafen von Marseille. Er kehrte als einst Ausgebürgerter und somit Staatenloser zurück, der nicht wissen konnte, von wem er wie empfangen wurde, wer noch als Freund zu gelten hatte und wer nicht. [1]

 

Hoffmann wurde nicht "von den Franzosen aus dem Exil geholt".

 

Weil Hoffmann relativ früh aus dem brasilianischen Exil zurückkehrte, wurde von seinen politischen Gegnern später kolportiert, die Franzosen hätten den Emigranten aus dem Exil geholt, um einen zuverlässigen Gehilfen für ihre Saar-Politik zu gewinnen. Dies wird von Heinrich Küppers in seiner Hoffmann-Biografie eindeutig widerlegt: "Ausschlaggebend für Hoffmanns frühe Rückkehr war nicht irgendein Angebot aus Frankreich, sondern allein ein kaum zu bändigender Wille, die Heimat und die Familie wiederzusehen." [2] Hoffmann habe trotz aller Enttäuschungen seit 1933 nicht resigniert und wollte in die Pflicht genommen werden. Vor allem habe er aber den innigen Wunsch gehabt, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Darüber hinaus weist Küppers nach, dass Hoffmann in Rio durch seine Anstellung in der kanadischen Botschaft die Schiffsreise nach Europa selbst finanzieren konnte - und somit nicht auf fremde finanzielle Hilfe angewiesen war. Frankreichs Unterstützung bei der Rückkehr bestand allein in der Erteilung eines Einreisevisums für den Staatenlosen. [3] Wie die Vertreter der Grande Nation auf ihn als möglichen Unterstützer für ihre Pläne mit der Saar aufmerksam wurden, zeigte sich erst ein gutes Jahr später.

 

Die Wiedervereinigung der Familie Hoffmann

 

Von Marseille aus wandte sich Hoffmann direkt nach Paris (Ankunft am 8. September), um seinen ältesten Sohn zu treffen. Hans-Jakob war dort katholischer Ordensgeistlicher bei den Oblaten geworden. Die Zentrale der Oblaten in Frankreich in der Rue de l'Assomption galt seit 1941, als sich Vater und Sohn auf der Flucht zum letzten Mal gesehen hatten, als ausgemachter Treffpunkt nach Kriegsende. Doch dort angekommen, musste er noch eine Woche warten, bis sein Sohn von einer Reise zurückkam und er ihn nach Jahren der Trennung endlich wieder sehen konnte. Die beiden fuhren nun gemeinsam nach Luxemburg, und die Familie wurde wieder vereint. Jetzt bereitete man die Rückkehr ins Saarland vor.

 

Zurück an der Saar

 

Mitte September 1945 fuhr Hoffmann für zwei Tage nach Forbach, um einen alten Freund und Kollegen, Franz Singer, zu treffen [4]. Beide kannten sich aus gemeinsamen Zeiten bei der „Saarbrücker Landeszeitung“, aber 1934 hatten sich ihre Wege getrennt. (Singer sollte später u.a. Wirtschaftsminister, Kultusminister und Saarbrücker Bürgermeister werden.) Die Begegnung mit Singer war wichtig für Hoffmann, denn was für ihn "zunächst zählte und was er suchte, das war ein Stamm von Freunden gleicher politischer Gesinnung und festen Willens, um nach einem totalen Zusammenbruch eine freiheitliche und gerechtere Welt zu bauen.“ [5] Sie tauschten Erinnerungen und Gedanken über die Vergangenheit aus und versuchten, sich ein Bild von Gegenwart und Zukunft zu machen. [6] Am Morgen nach ihrer Zusammenkunft fuhren beide gemeinsam mit der Eisenbahn nach Saarbrücken.

 

„Als der Zug sich der großen Eisenbahnbrücke am Eingang nach Saarbrücken näherte, verlangsamte er sein Tempo. Die Brücke war nur notdürftig wieder hergestellt. So konnte ich schon vom Zuge aus langsam das Bild der zerstörten Stadt in mich aufnehmen. Es war ein schauriges Bild, das mir die Heimat bot, in die ich, als Ausgestoßener zu den Ausgestoßenen, heimkehrte.“ Sein erster Gang führte ihn in Begleitung zweier seiner Kinder "im Gänsemarsch (zum) Rathaus, das ich unter all den Trümmern, die um uns herum zum Himmel starrten, allein wohl kaum gefunden hätte.“ [7]

 

Trotz aller widrigen Umstände fand er bald eine Wohnung für sich und seine Familie. Am 27. September 1945 zogen sie von Luxemburg nach Saarbrücken um und wohnten zunächst in einem ziemlich stark zerstörten Haus in der Haldystraße am Rotenbühl. Kurze Zeit später bezogen sie das Eckhaus Am Staden 21, Ecke Lessingstraße. [8]

 

Foto: So sah das Saarbrücken aus, in welches Hoffmann nach dem Krieg zurückkehrte (hier: Trümmer der Kablé-Schule am Theaterplatz, 1945; im Hintergrund der Turm der Alten Evangelischen Kirche). (Foto: Landesarchiv Saarbrücken

 

In Saarbrücken suchte und fand Hoffmann alte Freunde und Bekannte wieder. So begann er, ein Netzwerk für die Zukunft zu knüpfen. Er gehörte nicht zum Kreis jener Auserwählten, die als Männer der ersten Stunde Führungspositionen in den Behörden bekleideten. Küppers berichtet, dass er auch gar nicht dazugehören wollte - seine Aufmerksamkeit habe er zu diesem Zeitpunkt eher seinem eigenen Umfeld gewidmet. Aber später habe es niemanden auf saarländischer Seite gegeben, der sich so konzentriert dem Aufbau neuer politischer Strukturen zuwandte. Und keiner sei dabei so erfolgreich gewesen wie er. [9]

 

Über die Zeitung an die Macht

 

Doch zunächst galt es für Hoffmann, sich beruflich zu etablieren. Also trat er in die Redaktion der Neuen Saarbrücker Zeitung ein. Sie war damals die einzige von der Besatzungsbehörde an der Saar zugelassene Zeitung. [10] So verfügte er über ein Medium, mit dem er die Bevölkerung erreichen konnte. Dadurch hoffte er, sein Hauptziel zu verwirklichen: Er wollte zusammen mit einer Anzahl von Gesinnungsgenossen eine christlich orientierte politische Partei aufbauen, mit der er an das deutsche Zentrum anknüpfen konnte. Er hoffte, auf diese Weise bei den anstehenden Kommunalwahlen im September 1946 antreten zu können. Die Chancen dafür standen gut, weil er und seine Freunde sich von 1933/34 an gegen den Nationalsozialismus gestellt hatten. Sie galten deshalb nun als politisch unbelastet, und dies war nach dem Krieg unabdingbare Voraussetzung für eine politische Betätigung.

 

Schon bald wollte Hoffmann eine eigene Zeitung gründen, mit der er den katholischen Leser ansprechen konnte. Anfang Dezember 1945 trug er der französischen Militärregierung seine Bitte um Genehmigung eines Blattes nach seiner Vorstellung vor. Bei diesem Anlass traf er zum ersten Mal mit Gilbert Grandval zusammen. Hoffmanns bisherige journalistische Tätigkeiten und der Wille der Franzosen zu einem politischen Neubeginn im Sinne einer Autonomie der Saar kamen ihm bei seinen Bestrebungen zugute. Im Juni 1946 war es so weit: Mit Unterstützung der französischen Militärbesatzung erhielt er die Lizenz zur Herausgabe einer neuen Tageszeitung. Die Saarländische Volkszeitung (SVZ) wurde gedruckt von der neu gegründeten "Saarländischen Verlagsanstalt und Druckerei". Küppers wertet dies folgendermaßen: "Für ihn [Hoffmann] gab es mit der 'Saarländischen Volkszeitung' ein weiteres Sprachrohr der einheimischen Politik, ein Instrument, das zur Wahrung saarländischer Interessen notfalls auch gegen die französische Militärregierung und gegen allzu weit reichende Forderungen Frankreichs eingesetzt werden konnte. (...) [Damit] hatte Hoffmann persönlich ein beachtliches Machtpotential gewonnen." [11] Und erst durch diese journalistischen Aktivitäten fiel der französischen Besatzungsmacht auf, dass hier ein ganz eifriger und wohl auch erfolgversprechender Befürworter und Baumeister der von ihr gewollten saarländischen Autonomie am Werke war.

 

Die Erstauflage der neuen Zeitung in Hoffmanns Sinn betrug bei ihrem Start am 22. Juni 1946 90.000 Exemplare [12]; die weiterhin erscheinende überparteiliche "Neue Saarbrücker Zeitung" hatte eine Auflage von 170.000. Hoffmann wurde Chefredakteur der SVZ und blieb es, bis er im Dezember 1947 zum Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt wurde.

 

Hoffmann und "seine" Partei  (Mehr über die CVP lesen Sie auf unserer Seite über die Politischen Parteien)

 

Hoffmann war noch kein halbes Jahr zurück in der Heimat, als die Gründung der Christlichen Volkspartei (CVP) auf seine maßgebliche Initiative hin erfolgte. General Koenig hatte als Oberbefehlshaber der französischen Zone am 13. Dezember 1945 die Bildung politischer Parteien erlaubt [13]. Im Saarland stellten sich vier Parteien neu auf und wurden von den Franzosen zugelassen. Hoffmanns CVP war die Partei des christlichen Lagers. Sie wurde am 10. Januar 1946 durch eine konstituierende Versammlung im Langwiedstift zu Saarbrücken offiziell ins Leben gerufen. Dazu hatte Hoffmann 94 Teilnehmer eingeladen, die fast alle aus Kreisen des saarländischen Katholizismus kamen. Bei dieser Gründungsveranstaltung war Hoffmann die zentrale Figur; alle Personalentscheidungen waren schon vorher von ihm getroffen worden. Er wollte das neue autonome und katholische Saarland denken und vor allem selbst lenken.

 

Offiziell nannte er die Ausrichtung der neuen Partei "christlich", was man als "interkonfessionell" verstehen konnte. Er verwendete diesen Ausdruck aber eher aus taktischen Gründen, denn er hatte nicht vor, den traditionellen Katholizismus seines Landes in Frage zu stellen. [14] Mit nur ganz wenigen Gegenstimmen wurde er zum Vorsitzenden der CVP gewählt. Die anderen damals neu gegründeten Parteien waren SPS und DPS sowie die KPS.

 

In den folgenden Wochen und Monaten sah sich der neue Parteivorsitzende Hoffmann in der Rolle eines Wahlkämpfers bei den anstehenden ersten Kommunalwahlen im Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie waren auf den 15. September 1946 ausgeschrieben. Hoffmann war unermüdlich im Land unterwegs, um Werbung für seine Partei und seine Visionen zu machen. Durch einen für ihn günstigen Ausgang der Wahl wollte er sowohl seinen politischen Gegnern als auch der französischen Seite zeigen, dass es an der Saar eine breite Zustimmung für den Autonomiegedanken gab. Darüber hinaus wollte er die Franzosen wissen lassen, wer ihr erster Ansprechpartner im Saarland war, nämlich er selbst.

 

Natürlich gab es mit dem Anwachsen der Partei immer mehr Mitglieder, die sich ebenfalls im Sinne der Autonomie engagierten. Aber Hoffmann dachte und lenkte von Anfang an, er war das Zugpferd der CVP, in „seiner“ Partei die dominante Person schlechthin. Er nutzte den Wahlkampf, um sich weiter zu profilieren. Dank seiner Tatkraft und Energie wurde ihm ein hohes Maß an Anerkennung zuteil. Jetzt kam es ihm auch in besonderem Maße zugute, Chefredakteur einer Zeitung zu sein, über die er die Mehrheit der Saarländer erreichen konnte. Der nun an der Saar populär gewordene Hoffmann hielt sich auch nicht mit Kritik an der französischen Besatzungsmacht zurück,und die Saarländer maßen ihm das Format und das Stehvermögen zu, das sie aus dieser Notzeit herausführen könnte. Mit 52,4 Prozent der Stimmen erreichte die CVP bei diesen ersten Gemeinderatswahlen nach dem Krieg die absolute Mehrheit.

 

Vorsitzender der Verfassungskommission und erster saarländischer Ministerpräsident

 

Die Monate nach den Kommunalwahlen standen für Hoffmann und das ganze Saarland im Zeichen der beginnenden Autonomie des Landes. JoHos Credo lautete: "Selbstbestimmung so viel wie möglich und Hinnahme der Ansprüche Frankreichs so wenig wie nötig" [15].

 

Fast zwei Jahre lang hatte Hoffmann nach seiner Rückkehr aus dem Exil als engagierter Parteipolitiker und als Journalist in gehobener Position gearbeitet. Am 23. Mai 1947 übertrugen die Franzosen ihm offiziell den Auftrag, eine Kommission einzusetzen, welche die Verfassung für den künftigen autonomen Staat erarbeiten sollte. Zehn der 20 Sitze dieser Verfassungskommission hatte die CVP inne. Hoffmann wurde zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Nach 22 Sitzungen konnte am 25. September 1947 der Verfassungsentwurf veröffentlicht werden. Zehn Tage danach, am 5. Oktober 1947, fand im Saarland die Wahl zur Verfassunggebenden (oder Gesetzgebenden) Versammlung statt. Diese sollte danach die neue Verfassung verabschieden, was am 8. November 1947 geschah. Anschließend wurde diese Versammlung zum ersten saarländischen Landtag umfunktioniert.

 

Der Gründungsakt des Saarstaates erfolgte durch Inkrafttreten der Verfassung am 15. Dezember 1947. Am 21. Dezember wurde Johannes Hoffmann mit 47 Stimmen bei zwei Enthaltungen zum ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt. Er bildete sein erstes Kabinett zusammen mit den Ministern Braun, Grommes, Straus, Kirn und Singer.

 

Nähere Angaben über dieses und die drei folgenden Kabinette Hoffmanns finden Sie am Ende unserer ausführlichen Zeittafel.

 



Anmerkungen zum Teil C):


[1] Vgl. Hoffmanns rückblickende Gedankengänge in seinem Werk: Das Ziel war Europa. S. 16 f.

[2] Küppers, Heinrich. Johannes Hoffmann (1890-1967). Biographie eines Deutschen. Droste-Verlag 2008. S. 279.

[3] Ebd.

[4] Küppers: Hoffmann. S. 307.

[5] Ebd. S. 308.

[6] Hoffmann. Ziel, S. 19.

[7] Hoffmann. Ziel. S. 21.

[8] Nähere Angaben und Fotos über die Wohnsitze der Familie finden Sie unten im Abschnitt E unter Die Wohnungen der Hoffmanns.

[9] Küppers. Hoffmann. S. 310.

[10] Hoffmann. Ziel. S. 23.

[11] Küppers. Hoffmann. S. 320.

[12] Wie alle saarländischen Zeitungen erschien die Saarländische Volkszeitung zunächst nur einmal in der Woche, vom November 1947        an zweimal und vom Februar 1948 an dreimal. Vgl. Küppers: Hoffmann. S. 321.

[13] Schmidt: Saarpolitik, Band 1. S. 169.

[14] Küppers: Hoffmann. S. 328.

[15] Küppers: Hoffmann. S.395.

 

Weitere ausführliche Literaturangaben finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

 


 

 

 D) Aus JoHos Amtszeit als erster Ministerpräsident des Saarlandes

 

 


 

 

  Dieser Abschnitt wird nach und nach ergänzt.  In unserer ausführlichen Übersicht "Geschichtliche Entwicklung" sind Einzelheiten

  über die politische Tätigkeit JoHos während seiner Regierungszeit aufgelistet. Berichte davon finden Sie auch im Kapitel Saarstatut.

 

 

 

 1) Glückwunsch zur Wahl des Ministerpräsidenten

 

 

  Der Bürgermeister von Saarbrücken, Dr. Franz Maria Singer, beglückwünschte den "frischgebackenen"

  Ministerpräsidenten am 15. Dezember 1947 mit dieser künstlerisch gestalteten Karte.

 

 

                                

 

 

2) Villa Rexroth - genannt  "Weißes Haus": JoHos Amtssitz  (Ministerpräsidium bzw. Staatskanzlei)

 

 

Die herrschaftliche Villa Rexroth stand in der Schiller- straße (die seit 1956 wieder - wie vor 1945 - Bismarck-straße heißt), etwa gegenüber der Bismarckschule (diese heißt seit 1956 Schillerschule). Im Volksmund wurde das Gebäude damals "Weißes Haus" genannt.

 

Es hatte die Adresse Schillerstraße 13 und war etwa an der Stelle, wo sich heute die Moderne Galerie des Saar-

landmuseums befindet (siehe den Stadtplanausschnitt hier unten und Foto Nr. 6 auf unserer Seite Luftbilder!)

 

Erbaut hatte es der berühmte österreichische Architekt Georg Joseph Ritter von Hauberisser, geboren am 19. Mai 1841 in Graz. Er hat auch die Rathäuser in München, Kaufbeuren und Wiesbaden sowie das neue Rathaus in Saarbrücken gebaut.

 

 

 

 

Die Villa Rexroth war kurz nach dem Krieg Sitz des Regierungspräsidiums Saar, danach der Verwaltungskommission und schließlich ab 1947 Amtssitz des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann und Sitz der Staatskanzlei (oder Präsidialkanzlei); deren Leiter war Ministerialdirigent Franz Schlehofer. Auch das Amt für europäische und auswärtige Angelegenheiten war hier untergebracht. Nach Hoffmanns Rücktritt im Oktober 1955 zog das Wirtschaftsministerium des Saarlandes dort ein.

 

Der Hausmeister des "Weißen Hauses" wohnte in dem Gebäude nebenan (Nr.11). Dort befanden sich auch das Informationsamt (Leiter: Karl Hoppe) und ein Polizeiposten.

Etwa 1965 musste man die Villa abreißen, weil sie über dem alten Saarbett errichtet war und im Laufe der Jahre abzusacken drohte. Eine Rettung des Gebäudes wäre aus finanziellen Gründen nicht tragbar gewesen.

 

 

Weitere Bilder von der Villa finden Sie im unteren Teil unserer Seite Saarbataillon.

 

Beide Fotos von der Villa: © Landesbildstelle Saarland im LPM

Stadtplan-Skizze: Jean Kind

 

 

3) Dienstwagen des Ministerpräsidenten und der Landesregierung

 

Der Landesregierung standen mehrere Dienstwagen verschiedener Marken und Typen zur Verfügung:

 

einige Citroën 15 CV-six, mehrere Citroën 11 CV und mindestens ein Mercedes 300. Folgende Kennzeichen der Dienstwagen sind uns bisher bekannt und auf unseren verschiedenen Fotos zu sehen:

2489 - OE5  /  9906 - OE5  /   9972 - OE5  /  9975 - OE5  /  9990 - OE5 und 2145 - OE9.

 

Ein Citroën 15 CV-six, mit dem Fahrer Peter Birk; aufgenommen 1952. © Landesbildstelle Saarland im LPM , Gerd Kügelgen. 

Dienstwagen-Standarte des Ministerpräsidenten  (fotografiert 2008 v.

R. Freyer im Polizeimuseum im Dienstgebäude auf dem Wackenberg, Saarbrücken)

 

Bild unten rechts: Ministerpräsident Hoffmann wird in einem Mercedes 300 zu einer Veranstaltung auf dem Saarlouiser Großen Markt gefahren. Man erkennt vorne auf der Fahrerseite die (auf dem Foto darüber abgebildete) Standarte des Regierungschefs.

 

Fotoausschnitt rechts: Landesarchiv Saarbrücken (Actuelle -118)

 

 

< Originalschild für JoHos Dienstfahrzeuge (fotografiert im Polizeimuseum Saarbr.)

 

Der Ministerpräsident ließ sich meistens in Dienstwagen des Typs Citroën Traction Avant 11 CV oder 15 CV fahren. Bei besonderen Gele- genheiten benutzte er aber auch einen Mercedes 300 als Dienstwagen (Foto oben). Dieser Typ wird gemeinhin "Typ Adenauer" genannt, weil Konrad Adenauer ebenfalls ein solches Fahrzeug benutzte; es steht heute im Haus der Geschichte in Bonn. [1]

 

Die elementaren Daten: Mercedes-Benz W186 II, Typ 300, gebaut zwischen Dezember 1951 und März 1954 (daher noch ohne Stoßstangenhörner und Ausstellfenster vorne). 3-Liter-Sechszylinder-Motor mit 115 PS, 4-Gang Getriebe und Lenkradschaltung, Höchstgeschwindigkeit 160 km/h (damals äußerst beachtlich). Preis in Deutschland: DM 19 900; im Saarland war er, über Paris importiert, sicher exorbitant teurer. [2]

 

Es wird kolportiert, dass JoHo auf die Frage, warum er dieses Auto fahre, geantwortet haben soll: "Na ja! es ist deutsche Wertarbeit!" [3]

 

 

Der "offizielle" Fahrer Johannes Hoffmanns war seit Ende der 40er Jahre Karl Ristau (man sieht ihn auf dem Foto links unten am Steuer sitzen). Manchmal, besonders nach JoHos Rücktritt 1955, wurde er von Peter Birk gefahren (auch im Foto links oben zu sehen). Dessen Tochter erzählte 2007 der Saarbrücker Zeitung, ...

 

             ... dass ihr Vater das Auto rund um die Uhr bereitzuhalten hatte, falls der Ministerpräsident gefahren werden musste. "Da durfte er das Auto auch privat nutzen, und ich durfte oft mitfahren", erinnert sie sich. Es war ein "11-er Citroen", das sei das normale Dienstfahrzeug gewesen. Daneben habe Hoffmann auch noch einen größeren, einen 15-er Citroën gehabt, den er benutzte, wenn es zu repräsentativen Terminen oder langen Fahrten ging. Unser Bild zeigt Ruth Müller-Birk als Kind auf der Kühlerhaube des Dienstfahrzeuges, ihren Vater rechts neben ihr. Links steht Alois Weyand, ein Bekannter ihres Vaters. "Es war sehr schön, wenn ich mitfahren durfte", erinnert sich Ruth Müller-Birk. [4]

 

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[1]  Hier finden Sie ein Foto von Adenauers Wagen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Haus_der_Geschichte_2009f.jpg?uselang=de

[2] Quelle: Oswald, Deutsche Autos seit1945, Band 2 Seite 510 ( Motorbuch Verlag 1998).

[3] Nach Adolf Blind. Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957. Band 1, S. 147.

[4] Kursiv gedruckter Text und Foto: SZ vom 13.6.2007

 

Recherchen und Text zum JoHo-Mercedes: Karl Presser. Foto rechts: Der Citroën 11 CV (Kennzeichen 2145 - OE 9, JoHos Dienstfahrzeug)

 

 

Weitere Dienstwagen der Saar-Regierung zur JoHo-Zeit:

 

  

 

  

Oben: Am Steuer des Citroën 15-Six im linken Bild sitzt JoHos "offizieller" Chauffeur Karl Ristau.

Beide Fotos: Landesarchiv (Actuelle-367)

 

Die Kennzeichen 8000-OE 5  bis  9999-OE 5  waren für die Landesregierung reserviert  (siehe Seite OE-Kennzeichen im Abschnitt 3)

 

 

Foto links: © Walter Barbian (http:///www.saarlandarchiv-walter-barbian.eu)

 

 

Johannes Hoffmanns Privatwagen (?): ein Buick

 

Man spricht davon, dass Johannes Hoffmann als Privatwagen einen Buick gefahren haben soll. Unser Mitarbeiter Ferdinand Kleineick erinnert sich daran, während seiner Ausbildung in der Werkstatt der Firma Karosseriebau Schreiner (siehe Seite LKW 1) einmal an einem amerikanischen Wagen mitgearbeitet zu haben, der JoHo gehört haben sollte. Dieses Fahrzeug habe schon über elektrische Fensterheber (!) verfügt. 2012 zeigten uns frühere gute Bekannte von JoHo ein Foto, das den Privat-Buick JoHos zeigen sollte (siehe rechts). Es wurde in der Nähe von Fréjus (Südfrankreich) aufgenommen, wo Hoffmann - genauso wie der saarländische Polizeipräsident Guy Lachmann - ein privates Ferienhaus besessen haben soll. Wer die Damen auf dem Foto sind, ist uns nicht bekannt.

 

Der Wagen auf dem Bild ist wohl ein Buick Super 50 Estate Wagon von 1952. Technische Daten: 4,3 Liter, 129 PS, 140 km/h Spitze.

 

Foto: Sammlung Steffen, Saarbrücken

 


           

 

4) Verschiedenes aus dem Arbeitsbereich des Ministerpräsidenten

 

 

15. Dezember 1948

 

Vor dem Ehrenmal für die Opfer des National- sozialismus an der Neuen Bremm.

 

V. l. n . r.:

Ministerpräsident Johannes Hoffmann, Frankreichs Erziehungsminister Yvon Delbos und

Außenminister Robert Schuman. Dritter von rechts: Gilbert Grandval, Hochkommissar im Saarland

 

Foto: Landesarchiv Saarbrücken (B 539 C).

 

Empfang des französischen Außenministers Georges Bidault am 20. Dezember 1952 auf Schloss Halberg. Neben Johannes Hoffmann sitzt General Joseph Andlauer (er war bereits 1918-1919 Saarbefehlshaber; jetzt stand er General de Gaulle politisch sehr nahe [1]).

 

Die Dame vorne rechts im Abendkleid dürfte Madame Grandval sein. In der zweiten Reihe erkennt man links (mit dunkler Brille) Minister Emil Straus.

 

Foto: Landesarchiv Saarbrücken (B 540_2 C).

 

[1] Sepp Frisch. Die Saar blieb deutsch. Leoni 1956. S. 143.

 

 

Johannes Hoffmann und Gilbert Grandval

 

nehmen in Saarlouis die Parade zum 14. Juli (dem französischen Nationalfeiertag) ab.

 

 

Im Hintergrund wehen die französische Flagge und die Saarfahne.

 

Foto: Landesarchiv Saarbrücken (B 547 C).

 

Joho und Gilbert Grandval bei einer Parade vor dem Saarbrücker Rathaus, etwa 1946. Anlass war ein Besuch des Oberkommandanten der französischen Zone General Marie Pierre König (er steht auf den Fotos jeweils links). Fotos: Landesarchiv Saarbrücken (B 545_2a D)

 

 

Johannes Hoffmann spricht zu verschiedenen Persönlichkeiten in seinem Arbeitszimmer in der Villa Rexroth. Rechts außen: Gilbert Grandval.

 

Auffällig ist die unterschiedliche Bekleidung der Herren. Der rechts von JoHo stehende tritt wie Grandval in einem Cutaway auf, auch kurz Cut genannt; dies war der festliche Tagesanzug der damaligen Zeit. JoHo selbst trägt dagegen übliche Straßenbekleidung, eine Kombination von Hose und Sakko; es könnte aber auch ein Stresemann-Anzug sein, den man damals ebenfalls noch gerne trug (gestreifte Hose, hellgraue - bei Beisetzungen schwarze - Weste und anthrazitfarbenes oder schwarzes Sakko). Hinweise zur Kleidung: Karl Presser und Hans Günter Pfeifer. Foto: Sammlung Gerd Schulthess

 

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Demnächst werden wir weitere Aufnahmen aus dem politischen Leben des Ministerpräsidenten abbilden.

 


 

 

Offizielle Fotos von JoHo und anderen Regierungsmitgliedern waren gefragt - aber sehr rar!

 

Das Informationsamt teilte in einem Rundschreiben vom 20. Mai 1954 mit:

 

"Auf die verschiedenen Anfragen nach Fotos der Mitglieder des Kabinetts und weiterer führender Persönlichkeiten der Regierung muss immer wieder eine Absage erteilt werden, bzw. müssen die Antragsteller an die verschiedenen Ministerien oder an die Sekretariate der politischen Parteien verwiesen werden. Folgende Fotos, wie in der Anlage beigefügt, sind vorhanden: ..." Dann werden vier Fotos aufgeführt, zwei von JoHo und je eines von den Ministern Erwin Müller und Dr. Heinz Braun.

 

"Aufnahmen einer Kabinettssitzung bzw. einer anderen Gruppen- oder Teilaufnahme des Kabinetts, sowie sonstige Einzel- und Gruppenauf- nahmen von leitenden Regierungsmitgliedern. die auch sehr oft angefordert werden, sind im Archiv des Informationsamtes nicht vorhanden. Ich wollte dies nur mitgeteilt haben, da die dauernden Absagen und Verneinungen oft Unbehagen, ja sogar Unwillen hervorrufen." 

Quelle: Landesarchiv Saarbrücken, Inf. A., 210  

 

 

 

                                                                          

          

Im Jahr 1950 wird Johannes Hoffmann das Ehrenbürgerrecht der Stadt Saarlouis verliehen.

  

 

 

Anton Merziger (1887-1956), seit 1949 Bürgermeister von Saarlouis, lud ihn 14 Tage vorher zu der Verleihung ein:

 

 

Mit dankbarer Freude und berechtigtem Stolz bringe ich Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, den Beschluss des Stadtrates Saarlouis zur Kenntnis, der Ihnen das

 

 

                 E H R E N B Ü R G E R R E C H T

 

 

der Stadt Saarlouis verliehen hat. Der Stadtrat betrachtet

es als seine Pflicht, Ihre besonderen Dienste um den Wiederaufbau unserer stark geprüften Heimatstadt Saarlouis in dieser Weise gebührend zu würdigen.

 

 

Die feierliche Überreichung der Ehrenurkunde soll am 1. Oktober 1950 um 10.15 Uhr im Gobelinsaal erfolgen

 

 

  und symbolhaft mit der Feier der Grundsteinlegung   desWestblocks des Geschäftshäuserneubaus   verbunden werden.

 

An diesem Tag verlieh Bürgermeister Anton Merziger (im Foto ganz links) die Ehrenbürgerschaft der Stadt Saarlouis an folgende Personen (v.l.n.r.):

Dr. Kurt Neugebauer, Johannes Hoffmann, Gilbert Grandval und Dr. Jacob Hector (im Bild ganz rechts). Letzterer war Mitglied der Regierungskommission von 1920 und - wie Johannes Hoffmann - 1935 Verfechter des Status quo; er starb 1954. Im Bild spitzt links von ihm sein Sohn Edgar Hector heraus; der ein halbes Jahr später (am 14. April 1951) Innenminister des Saarlandes wurde und es bis zur Volksabstimmung 1955 blieb (Näheres dazu auf unserer Seite Saar-Polizei am Ende des Abschnitts a).

 

Foto: Platte                                    

    Die Abbildung zeigt die Innenseite des

    Ehrenbürgerbriefes für JoHo

 

 

 

 

 

    Urkunde und Brief sind heute im Bestand des     Heimatvereins Düppenweiler.

 

 

  

 

1954: Johannes Hoffmann schenkt der Stadt Saarlouis einen wertvollen Teppich

 

 

Bei der Einweihung des neuen Rathauses der Stadt Saarlouis am 14. Februar 1954 war auch Johannes Hoffmann unter den geladenen Gästen. Als Ehrenbürger der Stadt (siehe weiter oben!) versprach der Ministerpräsident dem damaligen Bürgermeister Anton Merziger, ihm einen Teppich für den Gobelinsaal im neuen Rathaus zu schenken. Die Kosten durften bis zu einer Million Franken betragen und sollten aus "Mitteln des Staatshaushalts" bestritten werden.

 

Merzigers Dankschreiben (der Briefkopf ist unten links abgebildet) endete mit fogendem Mammutsatz: "Ich habe die feste Hoffnung, dass in dieser Kostenhöhe unbedingt ein sehr schöner und passender Teppich angeschafft werden kann, der geeignet ist, unseren bereits würdigen Gobelinsaal noch repräsentativer zu gestalten, sodass die Stadt für alle Zukunft stolz auf ihren Gobelinsaal sein kann, der tatsächlich mit seinen Einrichtungen die letzten wertvollen Stücke aus der Zeit der Stadtgründung darstellt, die über die schweren Kriegszeiten hinweg gerettet werden konnten." [1]

 

(Anmerkung: Warum wird der Saal Gobelinsaal genannt? Ludwig XIV hatte 1687 angeordnet, dass das damals im Rathaus Saarlouis eingerichtete Präsidialgericht mit Gobelins auszuschmücken sei.)

 

Zur Aufnahme der wertvollen historischen Wandteppiche und einiger Barocksessel, die sich ebenfalls im Besitz der Stadt befanden, wurde bei der Planung des neuen Rathauses eigens ein Gobelinsaal vorgesehen. Darin brachte man auch einige Antiquitäten unter, die die Stadt zur Rathauseinweihung 1954 als Geschenke erhalten hatte; u.a. einen Tisch und eine Uhr (siehe Foto).

 

Jetzt fehlte in dem Saal nur noch ein repräsentativer Teppich - und den schenkte schließlich Johannes Hoffmann der Stadt. Er wurde bei der Firma OTEFA in Saarbrücken, Sulzbachstraße, bestellt und im Dezember geliefert. Er stammte aus der Manufaktur Ziegler-Mahal in Zentralpersien und hatte die Maße 620 x 515 cm, Knotenzahl 800 pro qdm. Kette und Schuss waren aus Baumwolle, der Flor aus bester Wolle. Er wies Merkmale auf, die darauf schließen ließen, dass er in älterer Zeit geknüpft worden war. (Aus einer Expertise der Fa. OTEFA.)

 

Der Teppichpreis blieb um fast ein Viertel unter der ursprünglich zugesagten Obergrenze von einer Million. Er kostete zusammen mit einer passenden Filzunterlage 778.500 Franken [2]. Gleich bei

 

Lieferung des Teppichs überwies die Landeshauptkasse 200.000 ffrs. an die Stadt, im März 1955 folgten die restlichen 578.500 ffrs.

 

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[1] Brief von Theo Merziger an den Ministerpräsidenten vom 21. Juli 1954.

[2] Nach damaligem Kurs ca. 9.300 DM. Für diesen Betrag konnte man 1954 zum Beispiel einen guten Mittelklassewagen kaufen. Dem- nach war der Teppich - dem heutigen Geldwert entsprechend - zwischen 15 und 20.000 € wert.

 

(Farbfoto vom Gobelinsaal: Rainer Feyer, 2010. OTEFA-Rechnung, Expertise und Briefe: Landesarchiv Saarbrücken)

 


 

 

Ehrenmitgliedschaft im Kirchenchor Landsweiler/Reden

 

       

  

1953: Der katholische Kirchenchor seines Geburtsorts Landsweiler-Reden (heute Teil der Gemeinde Schiffweiler) ernannte Johannes Hoffmann am 16. August anlässlich der Feier seines 50-jährigen Bestehens zu seinem Ehrenmitglied. Dabei wurde ihm diese Urkunde überreicht. >      

 

          

  

Ein Foto vom Geburtshaus Johannes Hoffmanns in Landsweiler finden Sie oben auf dieser Seite unter B).

 

(Foto der kath. Kirche in Landsweiler: Rainer Freyer, 2008. Die Urkunde rechts ist heute im Bestand des Heimatvereins Düppenweiler.)

 

 


 

 

E) Aus dem Familienleben der Hoffmanns

 

 


 

Johannes Hoffmann heiratete am 1. Juli 1919 in Berlin-Lichterfelde die vier Jahre jüngere Frieda Krause aus Reppist, einem kleinen Ort in der Nähe von Senftenberg im niederschlesischen Teil der Oberlausitz. Das Paar hatte sechs Kinder (drei Söhne und drei Töchter):

 

Hans-Jakob (Jean-Jacques), *17.5.1920, er war Oblatenpater und starb 1975);

Heinz-Joachim (*15.6.1923, er fiel 1943 während des Russlandfeldzugs in der Nähe von Smolensk);

Theophila (*24.8.1924, verheiratete Linsenmeier, sechs Kinder; † 2015);

Regina (*9.6.1927, verwitwete Welsch, vier Kinder; wohnt in Saarlouis);

Franz Heribert (*1.2.1929, vier Söhne, † 1976)

Christa (*16.3.1936, verheiratete Winkelheide, zwei Kinder; wohnt in Köln).

 

Hoffmann  und seine Frau hatten demnach insgesamt 16 Enkel. JoHo verstarb 1967 (siehe weiter unten unter F), seine Ehefrau Frieda 1973.

 

Die Wohnsitze der Familie Hoffmann

 

  

Nach ihrem Umzug von Luxemburg nach Saarbrücken im September 1945 wohnten Johannes Hoffmann und seine Familie zunächst in der Haldystraße am Rotenbühl in einem Haus, welches damals natürlich ziemlich stark zerstört war.

 

 

Kurze Zeit später zogen sie um in das Anwesen

Am Staden 21, Ecke Lessingstraße.

 

Das Bild rechts zeigt dieses Gebäude im Jahr 2013. >

 

(Foto: Rainer Freyer)

 

Im April 1949 bezogen sie eine Dienstwohnung in dem riesigen Anwesen Reppersbergstraße 64 (das Foto links ist aus den 50er Jahren.)

 

Angehörige des Saarbataillons bewachten ständig das Wohnhaus der Hoffmanns. Einer dieser Beamten berichtete, Hoffmann sei "sehr umgänglich" und nett zu ihnen gewesen. Er habe öfter mal die Beamten im Keller besucht und ihnen manchmal auch einen halben Kuchen mitgebracht, um ihnen eine kleine Freude zu machen.

(Bericht eines Sohnes von einem dieser Polizeibeamten)

 

In diesem Gebäude in der Reppersbergstraße 64 befand sich von 1949 bis 1956 JoHos Dienstwohnung.

(Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Staatl. Bildstelle B 515_1 C).  

 

Das Foto rechts zeigt dasselbe Gebäude im Oktober 2012. Es ist äußerlich fast unverändert, auch die haushohe Fahnenstange steht noch an derselben Stelle. Als die Familie Hoffmann 1956 aus der Villa auszog, verblieb diese im Besitz des Saarlandes und beherbergte viele Jahre lang das saarländische Finanzgericht. Mitte der 90er Jahre kaufte sie ein Rechtsanwalt, und 2012 erhielt sie wiederum einen neuen privaten Besitzer, der sie anschließend umfassend renovieren ließ.

 

 

Weitere Infos über das Gebäude finden Sie auf der Seite Reppersberg-Filmdreh. Hier erfahren Sie auch, warum im Oktober 2012 die Fahne des Saarstaats dort wieder flatterte (siehe Bild rechts).

 

(Farbfotos rechts und unten: R. Freyer)

 

 

Kurze Zeit nach seinem Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten (1955) verlegte JoHo den Wohnsitz seiner Familie im April 1956 in die Graf-Philipp-Straße 13. (Das Bild links ist von 2013; die Lampe über der Haustür ist wohl noch dieselbe wie 1956?)

 

S/W-Foto rechts, nach

1955: © Walter Barbian (http:///www.saarland-archiv-walter-barbian.eu

In demselben Haus wohnten zu jener Zeit auch JoHos Sohn Hansjakob (Priester) und der Pressefotograf Karl-Heinrich Markert. Es beherbergte auch den Nachrichten- und Artikeldienst "Saar-Korrespondenz". Das Anwesen gehörte der Wwe. Louis Arend (sie selbst wohnte aber in der Verdistraße). (Angaben aus dem Adressbuch der Stadt Saarbrücken von 1956, eingesehen in der Saarbrücker Stadtbibliothek 2014)

 

Provisorische "Vistenkarte" des ehemaligen Ministerpräsidenten: JoHo notierte auf einem Bierdeckel seine Anschrift und Telefonnummer für weitere Kontakte. Es geschah 1958 im Gasthaus Hirsch in Saarbrücken, bei einem Gespräch mit Gerd Schulthess aus St. Ingbert.

 

 

 

Ab etwa 1959 wohnten die Hoffmanns bis zu JoHos Lebensende in Düppenweiler (heute Ortsteil der Gemeinde Beckingen), und zwar oben auf dem Litermont. Er hatte in den 50er Jahren dort ein kleines Haus gebaut, das er zunächst an Wochenenden als Jagdhütte nutzte. Eigens dafür legte die Gemeinde eine Wasserleitung. In den 60ern ließ JoHo es zum Wohnaus ausbauen. Nach seinem Tod wohnte seine Witwe Frieda Hoffmann bis zu ihrem Tode im Jahre 1973 darin, und danach sein Enkel Johannes Welsch mit Familie. Das Haus ist (schon jeher) so von Bäumen und Gestrüpp umwachsen, dass man es von der Straße aus kaum sehen kann.

(Quelle für die Wohnungsangaben: Christa Winkelheide, Tochter Johannes Hoffmanns, 5.9.2008 und Dez. 2014. Farbfotos oben und unten rechts: R. Freyer)  

 

 

Links: Eine Postkarte des Hauses aus den 60ern. Unten: Der Name "Johannesruh" steht noch heute an der Einfahrt zu dem Grundstück.

 

  

   

Zu Hause bei den Hoffmanns (wahrscheinlich in der Wohnung Reppersbergstraße)

 

An der gemütlichen Kaffeetafel sitzen

Opa JoHo mit Ehefrau Frieda, seine drei Töchter und zwei seiner Enkelkinder.

 

 

 


 

Familienfeiern im Hause Hoffmann

 

 

Hochzeit der jüngsten Tochter Christa in der katholischen Pfarrkirche "St. Leodegar" in Düppenweiler

 

  

        (Familienfotos: Nachlass Familie Hoffmann)                                Bei der Feier zur Erstkommunion einer Enkelin                   

 

 


 

 

F) Nach dem Tode Johannes Hoffmanns

 

 


 

  

 

"Heimat - für Dich!"

 

(Wahlspruch Johannes Hoffmanns - siehe in seinem Buch "Am Rande des Hitlerkrieges", S. 141)

 

Ministerpräsident Johannes Hoffmann starb am 21. September 1967

 

im Alter von 76 Jahren in Völklingen.

 

 

 ................

 

 

Johannes Hoffmann starb wenige Tage nach einem zweiten Schlaganfall im Völklinger Krankenhaus St. Michael. Vier Tage später fand ein Sterbeamt in der Pfarrkirche St. Ludwig am Großen Markt in Saarlouis statt, das sein Sohn, Oblatenpater Hansjakob Hoffmann, zelebrierte. Die Trauerrede hielt Joseph Görgen, Dechant von Saarlouis; die Einsegnung erfolgte durch Bernhard Stein, den damaligen Bischof von Trier. Ein weiteres Sterbeamt fand am darauffolgenden Tag in seinem letzten Wohnort Düppenweiler statt.

 

Am 25. September 1967 wurde Johannes Hoffmann beerdigt, und zwar nach seinem eigenen Wunsch auf dem Friedhof "Neue Welt" in der Stadt Saarlouis, deren Ehrenbürger er seit 1950 war (die Ehrenbürgerurkunde ist weiter oben abgebildet).

 

So findet man den Friedhof Neue Welt: Wenn man die Autobahn 620 bei der Abfahrt 3 (Saarlouis Mitte) verlässt, stößt man auf die Metzer Straße. Auf ihr fährt man in Richtung Metz (nicht Richtung Saarlouis Zentrum). Dann biegt man bei dem im Foto gezeigten Wegweiser in die zweite Straße rechts ab (Hauptstraße) und findet gleich links den Friedhof. Wenn man dort zunächst 30 Schritte geradeaus nach oben geht und dann (vor den vier Stufen) nach rechts abbiegt, sieht man das Grab nach ca. 50 Metern auf der linken Seite.

 

 

 

Die Grabstätte von

 

Johannes Hoffmann und

 

seiner Frau Frieda

 

(gestorben 1973)

    

auf dem Friedhof

 

"Neue Welt" in Saarlouis

 

In unmittelbarer Nähe von JoHos Grab befindet sich die Grabstätte von Dr. Hubert Ney, der als CDU-Vorsitzender einer der größten politischen Gegner Hoffmanns und später sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten war.

    

Die Grabinschrift lautet: Dr. jur. Hubert Ney, 12.10.1892 - 3.2.1984, Ministerpäsident

1956 - 1957.

 

 

 

Bild unten: Nur wenige Meter voneinander entfernt liegen die Grabstätten der beiden früheren Kontrahenten.

 

 

Elisabeth Ney, die Witwe des verstorbenen Ministerpräsidenten Dr. Hubert Ney, soll vor dessen Beerdigung gefragt worden sein, ob es sie störe, wenn ihr Mann ganz in der Nähe der Ruhestätte seines einstigen "Widersachers" beerdigt werden würde. Wie man sieht, hatte sie nichts dagegen.   (Fotos 2008: Rainer Freyer)

 


 

 

 

 

(Zeitungsanzeige im Dezember 1990. Regina Welsch ist die zweitälteste Tochter

Johannes Hoffmanns; sie lebt heute in Saarlouis.)

 

 

Elisabeth Ney, die Witwe des verstorbenen Ministerpräsidenten Dr. Hubert Ney, soll vor dessen Beerdigung gefragt worden sein, ob es sie störe, wenn ihr Mann ganz in der Nähe der Ruhestätte seines einstigen "Widersachers" beerdigt werden würde. Wie man sieht, hatte sie nichts dagegen.  (Fotos 2008: Rainer Freyer)

 


 

 

 

Zeitungsanzeige im Dezember 1990. Regina Welsch ist die zweitälteste Tochter

Johannes Hoffmanns; sie lebt heute in Saarlouis.

 

 


 

 

G) Äußere Zeichen der Erinnerung an JoHo im Saarland

 

 


 

 

Außer seiner Grabstätte in Saarlouis (siehe oben) erinnern zahlreiche Fotos und Texte in vielen Büchern und sonstigen Publikationen an den ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes.

 

Aber es gibt noch weitere Andenken an JoHo:

 

1) In Saarbrücken wurde der "Galerie der Ministerpräsidenten"

in der Staatskanzlei erst 1984 (unter Oskar Lafontaine) auch ein Porträt Hoffmanns hinzugefügt, das bisher dort gefehlt hatte.

 

Das Bild rechts zeigt den Johannes-Hoffmann-Platz in Saarbrücken, von der Congresshalle aus gesehen.

(Foto: Stefan Haas, 2012; Fotos unten und rechts unten: R. Freyer, 2010)

 

Am 26. Mai 2002 erhielt dieser Platz den Namen des ersten saarländischen Ministerpräsidenten. Mehrere Straßenschilder (s.o.) an dem Platz verraten auf einem kleinen Zusatzschild Namen, Lebensdaten und Titel Hoffmanns.

 

An der Vorderseite der Congresshalle selbst wurde links vom Haupteingang eine Bronze-Gedenktafel in der Größe 59 x 42 cm mit einem Relief seines Kopfes angebracht, hergestellt von der Glockengießerei Mabilon & Co., Saarburg (Bild rechts).

 

Über die Benennung des Platzes nach JoHo wurde in der Öffentlichkeit, z.B. in Leserbriefen der Saarbrücker Zeitung, eine Zeitlang kontrovers diskutiert. Die von einigen Bürgern angegriffene Stadtverwaltung teilte damals mit: Für die Namensgebung von öffentlichen Straßen und Plätzen ist nicht die Stadtverwaltung, sondern der jeweilige Bezirksrat zuständig. Vorschläge kann im Prinzip jeder machen, die Entscheidung treffen aber die Bezirksräte. Im Falle der Benennung des Congresshallen-Vorplatzes war jedoch auch der Bezirksrat nicht zuständig, weil dieser Platz - rein rechtlich gesehen - kein öffentlicher, sondern ein privater Platz ist. Deshalb lag die Zuständigkeit für seine Benennung ausschließlich bei der Congress-Centrum Saar GmbH. Diese hatte den Namen aus mehreren von der Bevölkerung eingereichten Vorschlägen ausgewählt und in einer Feier am 26. Mai 2002 verliehen.

 

 

2) In Düppenweiler, dem Ort, in dem Johannes Hoffmann die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, gibt es oben in der Litermont-Siedlung einen "Johannes-Hoffmann-Weg" (s. Bild rechts). Diese Benennung soll aber nicht auf einen Gemeinderatsbeschluss zurückgehen, sondern auf eine private Initiative. Der Weg ist nicht weit vom früheren Jagdhaus und späteren Wohnhaus der Hoffmanns entfernt.

 

 

           Fotos: oben: Stefan Haas. Aus Saarlouis und Landsweiler-Reden: R. Freyer

 

3) Im Jahr 2005 wurde zum ersten Mal eine Straße offiziell nach dem ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes benannt. Diese kleine Sack-gasse in Saarlouis heißt seitdem "Johannes-Hoffmann-Viertel":

 

Sie ist eine Nebenstraße der Neue-Welt-Straße und liegt unweit des Friedhofs "Neue Welt", auf dem JoHo begraben ist (siehe weiter oben).

 

 

 

4) In Landsweiler-Reden steht das Geburtshaus Johannes Hoffmanns, in der Nähe der katholischen Kirche. Es ist seit vielen Jahren schon nicht mehr in dem Zustand, in dem es damals war (jetzt zweistöckig und mit Treppenhaus). An seiner Vorderseite ist rechts neben der Haustür eine kleine (ca. 30 cm breite) Gedenktafel angebracht. (Ein Foto des Hauses aus früheren Zeiten sehen Sie oben am Anfang von Abschnitt B.)

 

 

5) Im Dillinger Saardom

 

ist ein in Stein gehauenes Konterfei Johannes Hoffmanns angebracht. Wie kam es dazu?

 

Im Zweiten Weltkrieg explodierte 1944 durch einen Luftangriff ein Munitionszug auf dem Dillinger Bahnhof und verursachte schwere Schäden an der nicht weit davon entfernten katholischen Pfarrkirche Heilig Sakrament (erbaut 1910-13). Sie wird allgemein "Saardom" genannt, weil sie die größte katholische Kirche im Saarland ist. Eine Fensterrose wurde zerstört, und verschiedene Gewölbe stürzten ein.

 

Schon 1946 begann die Gemeinde mit den Arbeiten zur Wiederherstellung ihrer Kirche; sie dauerten bis Ostern 1953. Natürlich waren die Geldmittel knapp, und deshalb beantragte man einen Regierungszuschuss zum Wiederaufbau. Ministerpräsident Johannes Hoffmann sagte seine Hilfe zu.

 

Möglicherweise als vorweggenommene Dankbezeugung hämmerte ein am Dom beschäftigter Steinmetz das Konterfei Hoffmanns in einen Stein. Als dann 1952 der erwartete Zuschuss eintraf, betrug er nur 900.000 Franken, man hätte aber 13,4 Millionen frs. benötigt [1]. JoHo hatte also (nach dem damaligen Wechselkurs) lediglich etwa 7.800 DM gegenüber erhofften 115.000 DM locker gemacht!

 

Wohl aus Enttäuschung darüber baute man den behauenen Stein nun nicht an einer exponierten, gut sichtbaren Stelle ein. Er wurde zwar an der Frontseite der Kirche platziert, aber im Inneren des Gebäudes, ganz oben im Dachstuhl. Wenn man ihn sehen möchte, muss man vom Eingangsportal aus über eine (nicht öffentlich zugängliche) Wendeltreppe etwa 20 Meter nach oben steigen. Dort gelangt man durch eine Tür ins Innere des Dachstuhls, und über dieser Tür befindet sich JoHos überlebensgroßes Relief -- als "Rache des Steinmetzen"?

 

[1] Angaben aus Unterlagen d. Landesarchivs Saarbrücken. Fotos: R.Freyer 2008

 

6) Ehrungen in letzter Zeit

 

 

     

 

a) Stele

 

In Saarbrücken wurde am 25. November 2013 eine Johannes-Hoffmann-Stele eingeweiht. Sie steht links neben der Einfahrt zum Parkplatz des Saarland-Museums (Bismarckstraße 19, gegenüber der Einmündung Rosenstraße). Der Ort für den Aufbau der Stele ist gut gewählt, liegt er doch ganz in der Nähe der Stelle, an der damals das Gebäude der Staatskanzlei stand, die "Villa Rexroth" (siehe weiter oben im Abschnitt D unter "JoHos Amtssitz").

 

Kultusminister Commerçon (rechts im Bild ) hielt eine kurze Ansprache. Das Fernsehen war auch dabei und brachte am selben Abend eine kurze Reportage im Aktuellen Bericht.

 

Im Vortragssaal des Museums erfolgte eine Würdigung Hoffmanns durch Dr. Kurt Bohr, den Vorsitzenden der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik e.V. (links auf dem Foto). Dann zeigte die Produzentin Barbara Wackernagel-Jacobs die Filmdokumentation des Regisseurs Boris Penth über "Europas Neubeginn - Johannes Hoffmann und das Saarland". Nach dem Film wurde in einer kleinen Publikums-Aussprache wieder einmal deutlich, dass die kontroverse Diskussion um JoHo auch heute noch anhält.

 

Bild unten links: Ein ausführlicher dreisprachiger Text schildert Leben und Werk des ersten saarländischen Ministerpräsidenten.

 

b) Stolperstein 2015

 

Zur Erinnerung an Menschen, die während der Nazi-Herrschaft verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden, verlegt der Künstler Günter Demnig in vielen deutschen Gemeinden seit 1993 Stolpersteine in den Gehwegen vor deren zuletzt frei gewähltem Wohnsitz. Die Steine sind aus Beton gegossen und tragen an der Oberseite eine 10 mal 10 Zentimeter große Messingtafel, in die die Namen und Lebensdaten der damit Geehrten eingeschlagen sind.

 

Am 20. April 2015 verlegte er mehrere Stolpersteine in verschiedenen saarlän- dischen Gemeinden, darunter auch vor dem Haus Ensheimer Straße 33 in St. Ingbert, in dem Johannes Hoffmann vor der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 für einige Zeit mit seiner Familie gewohnt hatte. Als erklärter Nazi-Gegner musste er unmittelbar nach der Verkündung des Abstimmungsergebnisses fluchtartig das Saarland verlassen. Seine Tochter Regina berichtete, ihre Mutter habe sie und ihre Geschwister am Abend schon in Trainingsanzügen ins Bett gelegt und bald wieder geweckt. Hals über Kopf sei die Familie nach Forbach geflüchtet. Später zog sie nach Luxemburg um, und 1941 floh JoHo schließlich ohne Frau und Kinder ins Exil nach Brasilien (mehr darüber: siehe oben auf dieser Seite, im Abschnitt B).

 

Bei der Verlegung des Steines für Johannes Hoffmann in der Ensheimer Straße waren u.a. anwesend seine Tochter Regina Welsch, Enkelin Brigitte Steinle, der Verfasser seiner Biografie von 2008 Dr. Heinrich Küppers, Prof. Dr. Markus Gestier u.v.a.. Es wurde angeregt, demnächst auch einen Stolperstein für Ehefrau Frieda Hoffmann zu verlegen. - Auch das SR-Fernsehen berichtete am Abend in einen ausführlichen Beitrag über das Ereignis.

 

 

 

     

   

Bekannte Namensvettern Johannes Hoffmanns:

 

Zwei andere prominente Politiker trugen denselben Namen und lebten in etwa derselben Zeitspanne wie der Saar-JoHo; allerdings außerhalb des Saarlandes.

 

Johannes Hoffmann (1867 bis 1930), bayerischer Sozialdemokrat, der 1918/19 Kultusminister und 1919/20 Ministerpräsident des Freistaats Bayern war. In Wollmesheim bei Landau in der Pfalz gibt es eine Johannes-Hoffmann-Straße, die nach diesem Politiker benannt ist.

 

Johannes Hoffmann (1889 - 1960), deutscher Politiker der Zentrumspartei. Er war vor 1933 und nach 1945 Mitglied des Kreistages Bonn-Land und 1949/50 Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen. Von 1951 bis 1953 war er Mitglied des Deutschen Bundestags.

 

 

Auch "JoHo" ist nicht einmalig!  ;-)

 

Wie schon oben im Vorwort erwähnt, war das Kürzel "JoHo" für Johannes Hoffmann kein Schimpfwort. In der heutigen Zeit gibt es einige völlig andere Verwendungen dieses Kürzels:

 

In Dortmund gibt es ein "Johannes-Hospital", das im Volksmund "das Joho" genannt wird. - Das Wiesbadener "St.Josefs-Hospital" hat sich die Internet-Adresse "www.joho.de" zugelegt. - In Wien existiert eine Kooperative Mittelschule am Johann Hoffmann Platz 19 (Johann Hoffmann war ein Nürnberger Kupferstecher und Kartenverleger des 17. Jahrhunderts; er hat u.a. eine Karte von Wien herausgegeben). Die Schule verwendet ebenfalls das Kürzel "JoHo", wie man auf ihrer Internetseite sehen kann ("JoHo-Startseite"). - In Freising (Bayern) führt das Josef-Hofmiller-Gymnasium "JOHO" als Schul-Emblem.

 

In Japan wird eine Zeitschrift herausgegeben, die den Namen "Nihon Toshokan Joho Gakkai-shiu - Journal of Japan Society of Library and Information Science" trägt.

  


 

Literaturangaben

 

1) Eigene Veröffentlichungen Johannes Hofmanns

 

- Hoffmann, Johannes. Am Rande des Hitlerkrieges. Tagebuchblätter. Vorw. und Hrsg.: Heinrich Küppers. (Mit Anmerkungen zu den

  Tagebuchblättern). Gollenstein, Blieskastel 2005. Reihe: Malstatter Beiträge aus Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur.

- Hoffmann, Johannes. Das Ziel war Europa. Der Weg der Saar 1945-55. München, Wien 1963. - Neuauflage Saarbrücken, 2013.

- Grandval, Gilbert/Hoffmann, Johannes . La Sarre - bilan d'une année de reconstruction [Die Saar - Bilanz eines Jahres

  Wiederaufbau]. Paris, 1949.

 

  Reden Johannes Hoffmanns:

 

  a) Veröffentlicht in der Reihe "Wille und Weg des Saarlandes“. Saarländische Verlags-Anstalt & Druckerei. Saarbrücken 1951:

  - Rede des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann und des Landtagspräsidenten Peter Zimmer in der 100. Sitzung des

    Saarländischen Landtages am 6. April 1951.

  - "Wir rufen zur christlichen Solidarität“. Rede auf dem 6. Landesparteitag der CVP vom 7. bis 9. Dezember 1951 in Saarbrücken

 

  b) andere Veröffentlichungen von Reden Hoffmanns:

  - Rede des Ministerpräsidenten am Mittwoch, dem 29. Oktober 1952 vor dem Landtag des Saarlandes. Saarbrücken 1952.

  - Delegiertentag der CVP, 22.11.1952. Rede des Herrn Ministerpräsidenten. Saarbrücken 1952.

 

2) Biografie:

 

- Küppers, Heinrich. Johannes Hoffmann (1890-1967). Biographie eines Deutschen. Düsseldorf. Droste-Verlag, 2008.

 

3) Weitere Literaturangaben und Links

 

- Gestier, Markus (Hrsg.) Johannes Hoffmann - Eine erste Bilanz. Malstatter Beiträge der Union Stiftung. Blieskastel, 2004.

- Gestier, Markus. Die christlichen Parteien an der Saar und ihr Verhältnis zum deutschen Nationalstaat in den Abstimmungskämpfen        1935 und 1955. St. Ingbert 1990.

- Gestier, Markus. "Christuskreuz oder Hakenkreuz?" - die katholische Opposition gegen Hitler im Saarabstimmungskampf 1935. In:

       Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 40 (1992)

- Görgen, Hermann. Ein Leben gegen Hitler. Geschichte und Rettung der "Gruppe Görgen"; Autobiographische Skizzen. Münster 1997.

- Reichert, Werner. Der Dicke muss weg. Ein Saar-Roman. Dillingen/Saar 1980.

- Schleiden, Karl August. Johannes Hoffmann zum 100. Geburtstag. In: Saarheimat. Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum.        Offizielles Organ des Saarländischen Kulturkreises. Nr. 7-8/1990. Seite 116 ff.

- Schmidt, Robert H. Saarpolitik 1945 - 1957. Band 1 bis 3. Berlin 1959 - 1962.

- Steinle, Brigitte. Johannes Hoffmann - ein Leben. Saarbrücken.Verlag Die Mitte, 1990. (Frau Steinle ist eine Enkelin von JoHo.)

 

3) Filmdokumentationen über Johannes Hoffmann

 

- Gulden, Alfred. JoHo. Ein Portrait. 1985.

- Penth, Boris. Europas Neubeginn. Johannes Hoffmann und das Saarland. 2013. (Siehe dazu: Reppersberg-Filmdreh).

 

Weitere (themenbezogene) Literaturangaben finden Sie auf der Seite Attentat auf JoHo.

Ein ausführliches Literaturverzeichnis zu dieser Website befindet sich auf der Seite Danke, Links und Literatur unter Punkt 3).

 


 

Weitere Saar-Nostalgie-Seiten über Johannes Hoffmann:   

                                         -- Attentat auf JoHo (Versuchtes Briefbomben-Attentat im Februar 1955)

                                         -- JoHo zu Besuch in Rohrbach am Johannestag1948

                                         -- JoHo in Bous/Wadgassen bei der Einweihung der neuen Saarbrücke 1951

                                         -- Reppersberg-Filmdreh: Im Oktober 2012 wurden im ehemaligen Wohnhaus der Hoffmanns am Reppersberg                                             einige Filmszenen für Boris Penths Dokumentation über JoHo ("Europas Neubeginn") gedreht.

 


  Diese Seite wurde begonnen am 12.02.2008 und zuletzt bearbeitet am 15.3.2017

                

 

 

 

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