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2) Das Saarbataillon (ab 1956 Bereitschaftspolizeiabteilung)

 

 

Eine Spezialabteilung der Polizei war das Saarbataillon (Bataillon Sarrois). Es wurde 1946 auf dem Wackenberg in Saarbrücken aufgebaut und der Gendarmerie unterstellt. Schon im Dezember zählt es etwa neunzig Mann. Die Franzosen wollen die neue Einheit militärisch ausrichten, die saarländischen Verantwortlichen wollen jedoch keine militärische Einheit. Die Männer werden "in straffer Zucht zu Männern herangezogen. Geistige und körperliche Ertüchtigung ist das Ziel ihrer Ausbildung." Die ersten Uniformen, die sie ab 1947 erhielten, waren khakifarben, nach 1952 trugen sie - wie alle anderen Polizisten - dunkelblaue Uniformen (siehe Fotos und Tabelle hier).

 

Das Saarbataillon war der Vorläufer der Bereitschaftspolizei und erfüllte zunächst Sicherungs- und Bewachungsaufgaben. Es bildete unter anderem das Wachkommando für die Residenzen von Gilbert Grandval (im Schloss Halberg) und Johannes Hoffmann (in der Villa Rexroth (siehe Fotos weiter unten). Auch die Bewachung der Dienstwohnung Hoffmanns (auf der Lerchesflur in der Reppersbergstraße 64, siehe hier) gehörte zu ihren Aufgaben.

 

Mitglieder des Saarbataillons verrichteten unter anderem (ab 1950) auch Dienst im Internierungslager Theley [1]. Sie wurden auch bei Demonstrationen eingesetzt, z.B. bei der Gewerkschaftsdemo am 1. Mai 1950. Es kam dort zu massiven Polizei-Einsätzen, weil Kommunisten die schwarz-rot-goldene Fahne und FDJler das Sonnenbanner zeigten. Berittene Polizei und Angehörige des Saar-Bataillons attackierten die Demonstranten und schlugen angeblich "wild drauf los".

 

Auch während des Abstimmungskampfes von Juli bis August 1955 kam es bei den Kundgebungen von CVP- und SPS-Politikern wiederholt zu Einsätzen von Polizei und Saarbataillon, um sie, vor allem Johannes Hoffmann, bei ihren Auftritten vor Störungen durch Demonstranten zu schützen. Auch hier kam es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen (siehe hierzu auch Kapitel Volksbefragung auf der Seite "Zeitungsartikel").

 

 

 

Die Mitglieder des Saarbataillons waren bei den Saarländern wegen ihrer manchmal "unsanften" Einsätze bei Demonstrationen und Kundgebungen nicht sehr beliebt. Einige Leute bezeichneten sie sogar als "Heimatverräter", besonders im Volksbefragungskamof 1955.

 

 

Bei solchen Einsätzen trugen sie diese eiförmigen Helme mit Alu-Streifen, die wie Hahnen- kämme aussahen (siehe Bild rechts). Man sagte, schon dieser Anblick habe zur Abneigung mancher Menschen ihnen gegenüber beigetragen, weil auch die Franzosen solche Helme hatten.

 

Verschiedene noch lebende ehemalige Angehörige des Saarbataillons sind jedoch davon überzeugt, dass an einem Eintritt ins Saarbataillon damals absolut nichts Ehrenrühriges war.

 

Unmittelbar nach der Volksabstimmung wurde das Saarbataillon am 27. Oktober 1955 in "Polizei-Ausbildungs-Inspektion" und am 15. September 1956 in "Bereitschaftspolizei-Abteilung" umgewandelt.

 

[1] Informationen über das Lager Theley finden Sie auf der Website memotransfront: http://www.memotransfront.uni-saarland.de/theley.shtml

 

 

Links:

Blaue Mütze mit dem Saarbrücker Stadtwappen. Nach Angaben im Polizei- museum wurde sie bis 1951 beim Saarbataillon verwendet.

 

 

Rechts:

Khakifarbene Uniformjacke für das Saarbataillon.

 

 

Links:

Dienstmütze für das Saarbataillon ab 1951.

 

 

Farbfotos: Rainer Freyer 2008 im Saarbrücker Polizeimuseum..

 

Weil ein Besucher Zweifel an der blauen Saarbataillon-Mütze mit dem Saarbrücker Stadtwappen geäußert hat, sehen sie hier links diese Mütze vorübergehend ein zweites Mal, aber so, dass man das erläuternde Schild des Polizeimuseums sieht, auf dem vermerkt ist, wann und von wem diese Mütze verwendet wurde ("Saarbataillon bis 1951 mit Wappen der Stadt Saarbrücken").

 

Diese Mützen müssen vor 1949 gefertigt worden sein. Seit 1946 galt das Saarbrücker Wappen (aber ohne Schildrand) als vorläufiges Saarlandwappen. Das neue Landeswappen ist erst im Dezember 1948 entstanden (siehe hier). Vielleicht hat man als "Notlösung" das Saarbrücker Wappen genommen?

 

Wenn Sie über diese blaue Mütze etwas wissen sollten (in welchem Jahr wurde sie kreiiert?), bitte ich um Mitteilung (> Kontakt). Die Fotos habe ich mit freundlicher Genehmigung am 22. Januar 2008 im Polizeimuseum aufgenommen, als es am Wackenberg noch besichtigt werden konnte.

 

Die Beamten der Bereitschaftspolizei-Abteilung bildeten nach der Eingliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik Ehrenformationen bei Staatsbesuchen hoher Politiker wie Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Heinrich Lübke. Bilder davon sehen Sie auf der Seite Ehrenhundertschaften. Am 1. Januar 1957 trugen die Polizisten zur Feier des Tages keine Mützen oder Helme, sondern Tschakos*), die nur für diesen Tag aus Berlin ausgeliehen worden waren. So kam es, dass Polizisten in Saarbrücken mit dem Berliner Bären am Tschako (siehe Bild rechts) vor dem Bundespräsidenten salutierten. Nach den Feierlichkeiten gingen die Kopfbedeckungen zurück nach Berlin. Mindestens eine von ihnen blieb aber - wohl als Andenken oder Geschenk der Berliner - in Saarbrücken und landete schließlich im Polizeimuseum. Sie sehen ihn hier auf den beiden Bildern.

 

*) Ein Tschako ist eine militärische Kopfbedeckung von zylindrischer oder konischer Form mit Augenschirm.

 

Die folgenden Fotos zeigen die Mannschaftswagen und einige Angehörige der Bereitschaftspolizei auf dem Hof der Polizeikaserne in der Mainzer Straße 134 Ende 1956.  

 

 

Die Fahrzeuge waren Renault- 2,5-Tonner.

 

 

(Nähere Erläuterungen zu den Fahrzeugen finden Sie auf der Seite Polizei- Fahrzeuge)

 

        

        BMW R 51/3: "Wenn die doch mir gehören würde!"         Ein Kollege prüft den Sitz des Tschakos.       Zwei "Saarbataillener" vor einem der Renaults.

Mehr über Motorräder der Polizei auf der Seite Polizeifahrzeuge, im unteren Teil.

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     Beamte des Saar-Bataillons halten Wache am Eingang der Villa Rexroth, dem Amtssitz der Saar-Regierung (siehe auch bei Johannes Hoffmann), und

     eskortieren Regierungsfahrzeuge. (Linkes Foto aus: Schleiden, Saarbrücken, so wie es war 2. Droste-Verlag 1980. Foto rechts aus einer zeitgenössischen Zeitschrift.)

 

     

     Das Saar-Bataillon hielt auch Wache an wichtigen Gebäuden, z.B. am Schloss Halberg, in dem Gilbert Grandval residierte. (Die Fotos links und Mitte sind aus

       dem Polizeimuseum Saarbrücken)  Rechts: In Saarlouis bei einem Auftritt von Joho und Grandval (im Hintergrund zu sehen).(Landesarchiv Saarbrücken, Photo Actuelle)

 

  

 

Links: Der "Saarbatalliener" (so nannten sie sich scherzhaft selbst) Werner Resch am Schloss Halberg mit zwei Kindern, die dort wohnten. Unten: Beamte des Saarbataillons beim Präsentiergriff. (Fotos: Werner Resch, SLS)

 

 

 

Links und unten: Junge Polizeianwärter im Saar-Bataillon 1950/55

  

      

 

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Die Urkunde rechts trägt die Unterschrift des Innenministers Edgar Hector.

 

 

Anm.: In dem Einstellungsschreiben links ist unter der Unterschrift in Maschinenschrift der Name "Lackmann" angegeben. Der Unterzeich- ner war Guy Lachmann, ab 11. März 1948 Landespolizeipräsident des Saarlandes. Da man den Namen im Französischen wie "Lackmann" ausspricht, wurde er von Deutschsprachigen häufig auch so geschrieben.

 


 

Fotos vom Saarbataillon (bzw. der Bereitschaftspolizei) ohne eigene Quellenangabe: Polizeimuseum Saarbrücken. Auch POM i.R. Gerhard Becker, Riegelsberg, hat zahlreiche private Fotos zur Verfügung gestellt.

 

 

Verwendete Literatur:

 

- Jungert. Die Bereitschaftspolizeiabteilung im Saarland. In: Der Deutsche Polizeibeamte. Verbands- und Fachzeitschrift des Bundes    Deutscher Polizeibeamten e.V. im Deutschen Beamtenbund. 16. Jahrgang - Mai 1966 - Heft 5. S. 144 ff.

- Karl Deutscher. Bereitschaftspoizei Saarland. In: Die Polizei im Saarland. Delegiertentag 1960 der Gewerkschaft der Polizei. Verlag    Deutsche Polizei GmbH. Hamburg. S. 61ff.

- H. Boussonville. Die Entwicklung der Bereitschaftspolizei im Saarland. In: Bereitschaftspolizei - heute. Sonderheft zum Jubiläum 20 Jahre    Bereitschaftspolizei Saarland. Vom Saarbataillon zur Bereitschaftspolizei. Saarbrücken und Dortmund. 1977.

- Kunz, Ulrike: Geschichte der saarländischen Polizei 1945-1959. Gollenstein Verlag. Saarbrücken 2010.

- Artikel "Fakten über das Saarbataillon". Der pensionierte Polizei-Beamte Ludwig Haben berichtet. Saarbrücker Zeitung vom 24.09.84.

 

 

Weitere Literaturangaben unten auf der Seite Die Polizei im Saarstaat.

 


 

Mehr Polizei-Fahrzeuge: auf der Seite Polizeifahrzeuge.    

 

Zivile Fahrzeuge aller Art (Pkw, Lkw, Motorräder, Sonderfahrzeuge) finden Sie im Kapitel VERKEHR.

 


     Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 21.01.2013

 

 

 

 

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