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3) Polizeifahrzeuge im "Saar-Staat"    

  

In den ersten Jahren nach dem Krieg mussten die Angehörigen des Polizei-Einzeldienstes bei der Kontrolle ihres Reviers zu Fuß gehen oder ihr Fahrrad benutzen.An den Dienstfahrrädern wurde ein Blechschild mit der Aufschrift "Polizei" angebracht (siehe Abbildung). Motorisierte Fahrzeuge hatten nur vereinzelt den Krieg in noch gebrauchsfähigem Zustand überstanden. Darunter waren mehrere VW Kübelwagen und einige schwarze oder wehrmachtsgraue Limousinen der Marken Adler, Horch, Mercedes-Benz und Wanderer. Ein ehemaliger Polizist, der damals schon im Saarland Dienst tat, berichtete, dass die meisten Ortspolizisten ihre vom Krieg übrig gebliebenen privaten Motorräder oder Pkw benutzten. Ein Dorfgendarm soll z.B. einen Simca Aronde gefahren haben, der Polizeiposten Marpingen verfügte über einen Opel Super 6 (Abb. siehe hier!) und die Gendarmerie in Tholey über einen schwarzen Ford Eifel mit weißen Stoßstangen. Diese Fahrzeuge hatten als "hoheitliches Utensil" oftmals nur einen Handsuchscheinwerfer mit blauer Vorstecklinse. Es sei immer "eine Schau" gewesen, wenn mal ein "richtiges" Polizeiauto zum Orts-Gendarmen kam. 

 

Bald begann man, den Umstieg vom Polizei-Fahrrad auf motorisierte Zweiräder zu organisieren. Der Bestand an Motorrollern und Motorrädern übertraf so anfangs den an Pkw beträchtlich. Einzelheiten über die damals verwendeten Motorrad-Fabrikate finden Sie ganz unten auf dieser Seite im Abschnitt Polizei-Motorräder.

 

Nach der Herstellung der Wirtschaftsunion mit Frankreich und der Einführung des französischen Franken am 20.11.1947 wurden die ersten Kraftfahrzeuge für die saarländische Polizei angeschafft. Sie waren alle französischer Herkunft, weil diese um bis zu 30 Prozent preisgünstiger waren als entsprechende deutsche Modelle. Bei deutschen Fahrzeugen wären dazu auch noch hohe Importzölle nach den französischen Bestimmungen angefallen, denn Deutschland galt damals ja für die Saar als Ausland.

 

Die ersten neu beschafften Pkw waren Fahrzeuge der Typen Renault Juvaquatre und 4 CV sowie einige wenige Peugeot 203. In späteren Jahren wurden auch eine Renault Frégate und sieben Citroën Traction Avant gekauft, darunter vier 11 B und drei 15-CV-Six. Schließlich war mit der Beschaffung einer größeren Anzahl weiterer Peugeot 203 als Limousine und Kombi das über viele Jahre hinweg bevorzugte Fabrikat für die Polizeifahrzeuge gefunden worden.

 

Das Foto zeigt einen Beamten der Landespolizei in den ersten Nachkriegsjahren mit einem Renault Juvaquatre; es wurde spätestens im Juni 1949 aufgenommen (SA-Kennzeichen!). (Wer erkennt die Straße, in der das Foto gemacht wurde? Trierer Straße in Blickrichtung zur Hauptpost?)

(Foto aus dem Polizeimuseum Saarbrücken; ein vergrößerter Ausschnitt aus dem Bild ist auf der Seite Kfz-Kennzeichen im Abschnitt 2 zusehen.)

 

Da damals noch keine offizielle Farbgebung festgelegt war, wurden die saarländischen Streifenwagen anfangs alle in GRAU oder in SCHWARZ lackiert. Erst etwa 1955 wurde die Farbe TANNENGRÜN eingeführt; die Pkw hatten meist weiße Kotflügel. Die Farbe der Kennleuchten saarländischer Polizeifahrzeuge war immer Blau, genauso wie in Deutschland (siehe auch hier auf unserer Feuerwehr-Seite!). Häufig war an den Fahrzeugen vorne und/oder hinten ein Blechschild in der Form des Saarwappens mit der Aufschrift "POLIZEI" angebracht (siehe Bilder links und oben!). (Die Schilder wurden fotografiert im Polizeimuseum Saarbrücken von R. Freyer, 2008.)

 

Am 1. Oktober 1956 wurde in einem Erlass des Innenministers die Neuordnung des kraftfahr- und verkehrstechnischen Dienstes festgelegt. Die damals vorhandenen 19 größeren Polizeidienststellen sollten über Funkstreifenwagen und die acht kleineren über Krafträder verfügen. Der Einsatz der Fahrzeuge wurde zentral von der jeweiligen Inspektion aus gesteuert. 1956 wurde auch eine Verkehrsinspektion gebildet, die in allen kraftfahrtechnischen und verkehrspolizeilichen Fragen federführend war. Mehrere Verkehrsunfall- und Überfallkommandos waren für die Aufnahme schwerer Verkehrsunfälle zuständig.

 

Auch 1959 wurden bei der saarländischen Polizei fast nur Wagen französischer Produktion gefahren. Man verfügte lediglich über sechzehn deutsche Fahrzeuge, nämlich drei VW-Spezialfahrzeuge für die Motorisierte Verkehrsbereitschaft (VW-Transporter, in der BRD "Bulli" genannt, im Saarland mit Seitenfenstern und Sitzbänken unter dem Namen VW-Kombi oder VW-Bus bekannt, siehe weiter unten), zehn VW-Transporter als Unfallkraftwagen und drei VW Cabriolets in der Polizeiausführung der Firma Hebmüller, Wülfrath. Letztere müssen, verzollt, ein kleines Vermögen gekostet haben. Die Polizei-Lkw waren fast alle von Renault und die Pkw meist von Peugeot. - Im Kraftfahrdienst der Saar-Polizei waren 64 Beamte und acht Arbeiter beschäftigt.

 

Das Polizei-Funksprechnetz  

 

Die ersten Polizeifahrzeuge hatten alle noch keine Sprechfunkanlagen an Bord. Die Notwendigkeit dieser Einrichtungen wurde aber bald deutlich, und so begann man Anfang der 50er Jahre mit dem Aufbau eines UKW-Funknetzes für die Polizei. Da das Saarland wegen seiner unterschiedlichen Höhenlagen funkgeographisch als ziemlich ungünstig anzusehen ist, erwies es sich als notwendig, drei Feststationen im Land aufzubauen. Die erste entstand 1950 auf dem Saarbrücker Schwarzenbergturm. Dort richtete man eine Funkanlage des Typs SEF 60 - 80 ein. Gleichzeitig beschaffte man acht Fahrzeugstationen. Sie hatten noch einen hohen Platzbedarf beim Einbau in die ersten Funkstreifenwagen des Saarlandes; später konnte man auf raumsparendere Modelle zurückgreifen.

 

Die zweite Feststation wurde 1954 auf dem Tholeyer Schaumbergturm errichtet und die dritte 1958 in Saarbrücken auf dem Gebäude der Bereitschaftspolizei; beide waren vom Typ WG 100. Die Sendeleistung der Feststationen betrug 80 bis 100 Watt. Die Anzahl der mobilen Stationen wurde ständig erhöht; um 1960 waren es bereits 44.

 

Die Leitvermittlungsstelle (Rufname Steiger) war in Saarbrücken, hinzu kamen vier ortsfeste Revierstationen mit den Rufnamen Kohle 2, 3, 4 und 5 und fünf bewegliche Funkvermittlungen. Zusätzlich zu den mit Funkgeräten ausgestatteten Fahrzeugen standen noch eine Anzahl von tragbaren und für Kräder geeigneten Anlagen zur Verfügung.

 

Das Bild links zeigt einen Funkstreifenwagen der saarländischen Kriminalpolizei im Jahr 1956, einen Peugeot 203. Foto: Walter Barbian - http://www.saarlandarchiv-walter-barbian.eu

 


 

 

Die wichtigsten bei der Polizei verwendeten Fahrzeugtypen (zur Saarstaatzeit und kurz danach)

 

 

 

Peugeot 203

 

Dieser Fahrzeugtyp von Peugeot fand bei der saarländischen Polizei zunächst nur in kleineren Stückzahlen Verwendung. Später wurden größere Mengen davon als Limousine und als Kombi angeschafft.

 

Das Bild zeigt einen Peugeot 203 ND3, Baujahr 1949. Motor: 4 Zyl., 1290 ccm, 42 PS und 118 km/h Höchstgeschwindigkeit.

 

Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken.

 

 

 

 

203 Kombi (Familiale)

 

Mit dem links abgebildeten Fahrzeug fuhr die Motorisierte Verkehrsbereitschaft der Saar-Polizei Streife.

 

Adolf Heck aus Homburg, Jahrgang 1926 (im Bild rechts), posiert zusammen mit seinen beiden Kollegen Marzlin und Neis vor den Garagen des Kraftfahrt- und Verkehrsüberwachungsdienstes am Kieselhumes in Saarbrücken. Das Foto ist 1952 entstanden.

 

Wie bei zahlreichen Polizeifahrzeugen beginnt das OE5-Kennzeichen mit einer Zahl über 9700.

 

Foto: Adolf Heck, Homburg.

 

Auf diesem Foto ist ein Peugeot 203 Familiale im Einsatz zu sehen. Man erkennt auf der vorderen Stoßstange das Polizeischild (siehe Farbfoto ganz oben auf dieser Seite) und einen großen Lautsprecher auf dem Wagendach.

 

Rechts im Bild steht eine BMW-Maschine mit Beiwagen.

 

Die Beamten tragen die eiförmigen Helme des Saar-Bataillons. Es muss sich um einen größeren Polizeieinsatz gehandelt haben.

 

Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken.

 

Peugeot 403

 

 

Ab 1955 wurde bei Peugeot in Sochaux der Typ 403 produziert, und die saarländische Polizei orderte von da an eine größere Menge dieser Fahrzeuge. Sie verfügten bereits über eine wesentlich kleinere, im Armaturenbrett eingebaute Funksprechausrüstung. Er wurde in der von 1955 an für Polizeifahrzeuge einheitlichen Lackierung Tannengrün mit weißen Kotflügeln ausgeliefert. Der 403 wurde von den Polizeibeamten als "außerordentlich gutes und strapazierfähiges Kraftfahrzeug" geschätzt.

 

Der hier abgebildete Peugeot 403 (mit 1457 ccm Hubraum und 58 PS, Höchstgeschwindigkeit 135 km/h) trägt schon ein SB-Kennzei- chen. Er wurde im Bereich der Gendarmerie/Schutzpolizei Saarbrü- cken verwendet.

 

 

Fotos: Polizeiarchiv Saarbrücken.

 

 

 

Nach 1959 ergänzten auch Fahrzeuge des Typs Peugeot 404 die Flotte der saarländischen Polizei.

 

 

Im Mai1960 stellte Peugeot sein neues Modell 404 vor. Es stammte, wie bereits der 403, aus dem Designstudio Pininfarina. Der Entwurf folgte der aktuellen Trapezlinie. Der 404 war nicht nur kürzer, sondern auch schmaler und niedriger, als das weiter produzierte Modell 403. Mit seinem 1,6 Liter Motor und, nach Art des Hauses Peugeot schmeichelhaften 72 PS (SAE), entsprechend 65 PS (DIN), erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 142 km/h. Zum Einsatz bei der Polizei kamen, wie schon beim Vorgänger 403, alle Karosserievarianten, das Cabrio ausgenommen. Es gab mindestens eine Limousine mit unauffälliger Lackierung und normalem SB-Kennzeichen, die mit einer Traffipax Mess-und Fotoausrüstung zur Geschwindigkeitsüberwachung ausgerüstet war. (Text: Karl Presser)

 

Renault Colorale Prairie

 

Beim Verkehrs-Unfallkommando Saarlouis tat in den 50er Jahren ein Renault Prairie Dienst. Sein Kfz-Kennzeichen war 2985-OE5.

 

Der Renault-Typ Prairie wurde von 1950 bis 1957 produziert und gehörte zur Reihe Colorale. Er hatte einen 2-Liter-Motor mit etwa 50 PS. Nur etwa 43.000 Exemplare wurden davon gebaut.

 

 

Foto: Werner Resch, Saarlouis (Dritter von links)

 

Die Landespolizei benutzte zum Transport größerer Gruppen ihrer Männer auch "Kleinbusse" der Marke Renault. Sie waren auf der Basis des Renault 1000 kg ("Goélette") aufgebaut. Die Saar-Polizei verfügte nur über die drei Exemplare dieses Typs, die auf dem Bild zu sehen sind.

 

In jedem von ihnen sollen jeweils bis zu 14 Mann Platz gefunden haben.

 

Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken.

 

 

Renault 2,5 to Mannschaftswagen MLKW 17

 

(Weitere Fotos dieses Fahrzeugstyps sind auf der Seite Saar-Bataillon.)

 

 

Die Mannschaftstransportkraftwagen für Saar-Bataillon und Bereitschafts- polizei in den 50er Jahren trugen die polizei-interne Bezeichnung MLKW 17. Sie konnten neben dem Fahrer noch 17 weitere Personen transportieren; 16 von ihnen belegten die beiden seitlich angebrachten Klappbänke hinten auf der Ladepritsche, und der siebzehnte saß neben dem Fahrer.

 

 

Die Typenbezeichnung der MLKW 17 war Renault Camion Léger 2,5 tonnes (erst später, ab 1959, findet man in Renault-Prospekten den Beinamen "Galion" für diesen Typ). Der Radstand der Fahrzeuge betrug 2,44 m, ihre Räder waren mit Trilex-(Stern-)Felgen ausgestattet und auf der Hinterachse doppelt bereift. Dadurch konnte man sie gut von den ähnlich aussehenden Renault 1000 kg R2086 "Goélette" (siehe Bild oben) unterscheiden.

 

                        Fotos: Polizeiarchiv Saarbrücken.

 

 

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Bild rechts: Blick auf einen MLKW 17: Einstieg und Sitzbänke des Mannschafts- Transporters.

Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken

 

Links: Ein MLKW 17 und eine BMW-Maschine am Saarufer (im Hintergrund die Alte Brücke) während des Großeinsatzes der Polizei anlässlich des Metallarbeiter- streiks 1955 im Februar.

 

Ausschnitt aus einem Foto des Landesarchivs Saarbrücken; ebenso das Bild unten.

 

 

 

Citroën 1200 kg HY

 

Dieses Bild wurde ebenfalls beim Metallarbeiterstreik aufgenommen. Es zeigt, dass auch der "Wellblech-Kleinbus" Typ HY von Citroën bei der saarländischen Polizei verwendet wurde. Vorne links ist auf der Stoßstange neben dem Kennzeichen 2477-OE 5 das Polizei- Schild zu sehen. Der Citroën HY hatte auf der Beifahrerseite eine Schiebetür. Wegen seines Aufbaus aus Wellblech wurde er scherzhaft auch als "JU 52" bezeichnet.

 

Auf der Webseite "Mobile.de" war in einer Beschreibung über diese Lieferwagen-Reihe vor einigen Jahren Folgendes zu lesen:

"Die 'Wellblechlieferwagen' der H-Modelle von Citroën waren die am weitesten verbreiteten Lieferwagen in Frankreich. Da sie von 1947 bis 1981 gebaut wurden, gehörten sie über Jahrzehnte zum französischen Straßenbild. Wo immer sie heute auftauchen, ent- fachen sie eine Welle von Sympathie, die kaum zu überbieten ist."

 

Citroën Traction Avant 11 BL

 

Das Fahrzeug ist mit Starktonhörnern ausgestattet. Es steht hier im Jahr 1949 am Ostausgang des Saarbrücker Hauptbahnhofs, wo ein französischer Staatsgast von Grandval und saarländischen Ministern empfangen wird. Die Polizei ist ebenfalls dabei. (Das vollständige Bild ist hier auf der Seite Grandval.)

 

Die saarländische Polizei verfügte in den 50er Jahren über sieben Citroën Traction Avant, darunter vier 11 B und drei 15-CV-Six. Das Kennzeichen des hier abgebildeten Fahrzeugs lautet 2486-OE 5. Ein Dienstwagen der Saar-Regierung hat die Nummer 2489-OE5 (siehe hier). Daraus kann man schließen, dass die Fahrzeuge für die Polizei und die Regierung gleichzeitig "en bloc" bestellt wurden.

Ausschnitt aus einem Foto des Landesarchivs Saarbrücken.

 

Hanomag L 28 G

Gruppenkraftwagen Baujahr 1952

 

Zum Transport von kom- pletten Hundertschaften, Gruppen oder Zügen wur- den solche Gruppenkraft- wagen eingesetzt.

 

Dieses Hanomag-Modell war offen und wurde von den Beamten wegen sei- ner Form gerne als "Bade- wanne" bezeichnet.

 

Es wurde auch im Bereich der Bereitschaftspolizei Saarbrücken verwendet; das Foto ist aus dem Jahr 1959.

Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken

 

 

 

Tempo Matador 1400 kg, Baujahr 1956,

Aufbau von der Firma Kannenberg, Bückeburg

 

Dieser "leichte Instandsetzungstruppen-Kraftwagen" wurde als Werkstattfahrzeug verwendet, um bei Pannen anderer Polizeifahrzeuge außerhalb des Polizeigeländes Hilfe zu leisten. Zu diesem Zweck führte er Werkzeuge und Ersatzteile mit sich.

 

Er wurde im Bereich der Bereitschaftspolizei Saarbrücken eingesetzt, wahrscheinlich erst nach der Rückgliederung.

 

 

(Ein ähnliches Fahrzeug aus dem zivilen Bereich wird hier auf der Seite Nutzfahrzeuge näher beschrieben). Foto: Polizeiarchiv Saarbrücken.
 

           

VW-Bus in Sonderausführung. In der BRD hießen alle Versionen im Volksmund "Bulli", im Saarland mit hinteren Seitenfenstern VW-Kombi oder VW-Bus. Die Bilder entstanden im Abstimmungs- kampf 1955. (siehe Seiten Volksbefragung und Tumulte!).

(Fotos: Landesarchiv Saarbrücken, Presse Photo Actuelle bzw. Neue Illustrierte.)

 

  

 

 

 

Polizei-Motorräder 

 

 

Ab Juni 1948 wurden im Saarland aus Kostengründen zwar noch keine PKW, aber vermehrt Motorräder angeschafft, die zumeist gebraucht aus Frankreich eingeführt wurden. Es handelte sich dabei um leichtere Maschinen von Kraftrad-Herstellern wie Ratier, Magnat Debon, Peugeot, Terrot und Trophée de France. Bei den kleineren ländlichen Gendarmerieposten wurde auch längere Zeit die Hensler Typ Saarperle HAR gefahren. Nach 1952 schaffte die saarländische Polizei schließlich schwerere Krafträder von BMW und DKW an. Auch Maschinen von NSU, Triumph, Standard, Zündapp mit Beiwagen und BSA waren vertreten. (Zu den verschiedenen Typen siehe auch unsere Seite Motorräder.)

 

Adolf Heck, Homburg, war in den 50er Jahren Polizist bei der Motorisierten Verkehrsbereitschaft im Saarland Er und zwei seiner Kollegen erhielten 1954 den Auftrag, die drei nagelneuen Beiwagen-BMW R 67/2 einzufah- ren. (Früher musste man ja neue Autos und Motorräder erst "einfahren", d.h. man durfte ihre Motoren nicht über eine bestimmte Drehzahl laufen lassen, bis man sie nach dem Erreichen einer vorgeschriebenen Lauflei- stung - meist einige Tausend Kilometer - auch voll ausfahren durfte.) Und so fuhren sie die drei neuen Maschinen fast durch das ganze Saarland. Die beiden Fotos, auf denen die Kraftäder nach ihren Nummern- schildern in aufsteigender Reihenfolge aufgestellt hatten, müssen hier in der Nähe von Perl oder Nennig aufgenommen worden sein. Technische Daten BMW R 67: 590 ccm, 28 DIN-PS, 110 km/h.

 

Die Aufnahmen oben und unten rechts zeigen Adolf Heck jeweils auf einer BMW R 51/3, etwa 1955.

 

 

 

Fotos: Sammlung Adolf Heck, Homburg

 

   

Das Bild links zeigt zwei Saar-Polizisten auf einer Beiwagen-BMW R 67/3. (Foto: Monika Ziegler in: Elfriede Schild "Das Saarland in den 50er Jahren", Wartberg Verlag 2000.) Die Typenbezeichnungen der Maschinen wurden von Jürgen Konrad, Wadgassen (Saarländisches Zweiradmuseum) identifiziert.

 

 

Internationale Polizeisternfahrt  

 

Seit 1930 richtet die International Police Motor Corporation (IPMC) jährliche "Internationale Polizeisternfahrten" aus, die jeweils zu einer anderen europäischen Stadt führen. Teilnahmberechtigt sind Polizeibeamte aus Deutschland und anderen Ländern Europas mit ihren Motorrädern oder Pkw.

 

Die Sternfahrten führten anfangs zu verschiedenen Städten innerhalb Deutschlands; der erste Zielort war Hamburg. Nach 1935 setzte man sie aber aus, weil die Spannungen mit dem Ausland immer größer wurden und die völkerverbindende Kraft eines solchen internationalen motorsportlichen Ereignisses mit den Vorstellungen der neuen Machthaber unvereinbar war.

 

Als man sie 1952, also 14 Jahre später, wieder aufnahm, wählte man als ersten Zielort Salzburg.

 

Im folgenden Jahr, 1953, steuerte man auf der VIII. Sternfahrt Basel an. Dieses Mal nahmen erstmals, neben Polizeikameraden aus Italien, Österreich, Deutschland und Holland, auch Polizisten aus dem Saarland teil. War deshalb auf der Sternfahrt-Plakette von 1953 sogar ein Wimpel mit der Saarflagge abgebildet? (Siehe Bild links. Da die Wimpel auf der Plakette aber einfarbig waren, könnte auch eine Flagge aus einem skandinavischen Land gemeint sein.)

 

1954 waren bei der IX. Sternfahrt, deren Ziel München war, wieder Teilnehmer der Saar- Polizei dabei (auf dem Foto oben sehen wir drei von ihnen).

 

Unter ihrem Mannschaftsführer Rosar starteten sie mit fünf Maschinen und zwei Beifahrern. Damit stellten sie die kleinste teilnehmende Einheit dieser Sternfahrt dar. Trotzdem erreichten sie (hinter der Bayerischen Bereitschaftspolizei) den zweiten Platz. Auf der Plakette zu dieser Sternfahrt (Bild oben rechts) sind die Fahnen von acht Ländern zu sehen. Die Fahne des Saarlandes ist nicht dabei.

 

1955 und 56 ging es nach Hamburg bzw. Paris, und für 1957 plante man, die Polizeisternfahrt mit Zielort Saarbrücken durchzuführen. Wegen der politischen Entwicklung an der Saar nach der Volksabstimmung im Oktober 1955 wurde diese Fahrt aber vollständig abgesagt, und so fiel die XII. Sternfahrt leider aus. Obwohl die Veranstaltungen bis heute jährlich stattfinden, ist Saarbrücken nie wieder berücksichtigt worden.

 

Quellen: Website der International Police Motor Corporation (IPMC). Foto und weitere Infos aus der Zeitschrift Auto Technik und Sport, 1954

 

 

14. Dezember 1959:

Motorisierte Polizeibeamte auf BMW bildeten die Eskorte beim Besuch des Bundesverkehrsministers Dr. Seebohm anlässlich der Eröffnung des Autobahnanschlusses St. Ingbert-West auf dem neuen Teilstück St. Ingbert - Landstuhl. (Siehe Seite Allgemeines zum Verkehr, unter Nr. 4).

Foto: Landesarchiv Saarbrücken


 

 Quellen:

- Polizeimuseum Saarbrücken, 2008 und 2009.

 

- Literatur:

 

- Gustav Günther. Die kraftfahrtechnische Entwicklung und Kraftfahrzeug-Ausrüstung der saarländischen Polizei. In: Die Polizei im Saarland.   Delegiertentag 1960 der Gewerkschaft der Polizei. Verlag Deutsche Polizei GmbH. Hamburg.

- Ernst Beyermann. Die Einsatzfahrzeuge der saarländischen Polizei 1945-2003.

- Kunz, Ulrike: Geschichte der saarländischen Polizei 1945-1959. Gollenstein Verlag. Saarbrücken 2010.

- Zeitschrift Auto Technik und Sport, August 1954

- Der Deutsche Polizeibeamte. Verbands- und Fachzeitschrift des Bundes Deutscher Polizeibeamten e.V. im Deutschen Beamtenbund.

  16. Jahrgang - Mai 1966 - Heft 5. S. 119 ff.

 

Technische Unterstützung bei der Beschreibung einiger Fahrzeugtypen: Karl Presser, Viernheim.

 


 

 

Weitere Polizei-Fahrzeuge: auf der Seite Saarbataillon.    

"Zivile" Fahrzeuge aller Art (Pkw, Lkw, Motorräder,            

                 Sonderfahrzeuge usw.) finden Sie in unserem Kapitel VERKEHR.

 

 


  Diese Seite wurde begonnen im Januar 2008 und zuletzt bearbeitet am 17.04.2013

 

 

 

 

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