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"Exkurs" in die heutige Zeit:  Zusatz zu der Seite Der Langwellensender Europe No 1

 

 

4 b) Antennen-Abbruch Europe No 1 (2012/13)

 

und weitere Antennen-Fotos des Senders

 

>>  zur Hauptseite über Europe No. 1

 


 

Dieses Ereignis aus der neueren Zeit hat eigentlich nichts mit dem Thema der Saar-Nostalgie-Website zu tun. Wir berichten hier nur deshalb darüber, weil es um die Antennenanlage desjenigen Senders geht, dessen Entstehung eng mit dem Saarstaat der 50er Jahre verknüpft war und damals für viel Aufsehen sorgte. (Siehe Seiten Europe No. 1 und Telesaar).

 

Am 8. August 2012 brach das obere Drittel eines der vier Hauptsendemaste des französichsprachigen Langwellensenders Europe 1 in Felsberg-Berus ab. Danach wurde das Programm auf Langwelle für längere Zeit mit stark verminderter Leistung über die Reserveantenne abgestrahlt. Der Rest des Mastes wurde am 19. November 2012 gesprengt. Ein weiterer Mast wurde im Juni 2013 gesprengt, sodass die Haupt-Antenne jetzt nur noch aus zwei Masten besteht.

 


 

Zeitliche Übersicht der Ereignisse:

08.08.2012: Abbruch des obersten Drittels von Mast 2

19.11.2012: Beabsichtigte Sprengung von Mast 2

13.06.2013: Sprengung von Mast 1

 

 

Der private französische Radio-Sender EUROPE 1 entstand in den 50er Jahren auf saarländischem Terrain aufgrund von Verträgen seiner Betreiber mit der saarländischen Regierung. Er sendet sein werbefinanziertes Programm bereits seit 1954 über die weithin sichtbaren Langwellenantennen auf dem Gebiet der Gemeinde Felsberg-Berus und strahlt hauptsächlich nach Frankreich.

 

Eine ausführliche Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Senders finden Sie auf unserer Seite Europe No. 1.

 

Am 8. August 2012 war die Station wegen eines technischen Zwischenfalls in den Schlagzeilen.

 

Was war geschehen?

 

Am Mittwoch, 8. August 2012, meldete ein Hörer dem SR, dass der obere Teil eines der vier Hauptsendemasten von Europa 1 abgebrochen sei. Das schätzungsweise etwa 100 m lange Maststück liege nicht weit von dem Sendegebäude entfernt auf dem Boden. Nach Angaben der Behörden wurde laut SR bei dem Zwischenfall niemand verletzt.

 

Der SR berichtete darüber auch auf seiner Website:

"Die Technische Betreibergesellschaft der Sendeanlage in Berus hat Spezialisten damit beauftragt, den Vorfall zu untersuchen. Vermutungen, dass die Betreiber ihren Instandhal- tungspflichten vielleicht nicht nachgekommen seien, weist der Geschäftsführer zurück. Es gebe zwar Sicherheitsprobleme, aber es seien keine Wartungsarbeiten versäumt worden."

 

Das Programm des Senders wird seitdem (wie bisher auf Langewelle 183 kHz) mit verminderter Leistung (vermutlich 1000 kW) über die Ersatzantenne abgestrahlt. Diese besteht aus zwei kürzeren, jeweils nur 234 m hohen Masten, die in etwa 1000 m Abstand zum Sendegebäude stehen (s. Skizze auf unserer Seite Europe No. 1 und verschiedene Fotos hier weiter unten). Unser Foto rechts zeigt die jetzige Spitze des abgeknickten Masts.

 

Der Grund für das Abknicken des Mastes war zunächst nicht bekannt. Nachdem der SR die oben zitierte Aussage des Geschäftsführers der Betreiberfirma verbreitet hatte, verhängte die "Europäische Rundfunk- und Fernseh-GmbH" offensichtlich eine Informationssperre zu dem Zwischenfall. Auf diesbezügliche Anfragen erhielt man keine Antwort.

 

Nach einger Zeit wurden Einzelheiten über die mögliche Ursache für den Unfall bekannt.

 

Der ARD-Sender "radioeins-RBB" teilte auf seiner Website mit, dass am Rande des Internationa- len Rundfunk-Konvents IBC in Amsterdam Aussagen bekannt wurden, die offenbar von einem tatsächlichen Insider stammten. Er soll die bereits vielfach geäußerte Vermutung bestätigt haben, dass die Ursache für den Unfall im Bruch von mehreren Isolatoren zu sehen sei, die in die Pardunen (Abspannungsseile) der Masten eingefügt sind. [1]

 

Die Isolatoren werden von zwei stabilen Metallrahmen gehalten, die isoliert und um 90 Grad zueinander versetzt angebracht sind (siehe Foto rechts). Bricht ein Isolator (wie im Bild links), wird die Pardune den Mast zwar zunächst noch halten, sie hängt aber etwas durch. Wenn jedoch einer der beiden Rahmen z.B. durch fortgeschrittenen Rostfraß bricht, wird ein Teil des Mastes abknicken oder herunter fallen - so wie es in Berus geschehen ist.

 

Unsere beiden Fotos zeigen Isolatoren des havarierten Mastes, rechts vor, links nach dem Unfall.

 

[1] http://www.radioeins.de/programm/sendungen/medienmagazin/radio_news/beitraege/2012/felsberg_isolator.html  (Link nicht mehr verfügbar)

 

Die weitere Entwicklung:

 

1) Der nächste Schrittt erfolgte am 19. November 2012, also gut drei Monate nach dem Abbruch. Der havarierte Mast wurde von Spezialisten gesprengt. Eine Vorankündigung erfolgte nicht. Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 20.11.2012, dass der etwa 200 Meter hohe Restsendemast mit einem weithin vernehmbaren Donnern genau dorthin fiel, wo ihn die Fachleute haben wollten, nämlich neben das Gebäude der Senderanlage.

 

2) Ein gutes halbes Jahr später, nämlich am 13. Juni 2013, wurde auch der benachbarte Mast 1 (der am weitesten nordöstlich stand) gesprengt, wiederum ohne Vorankündigung. In der Zeitung war am nächsten Tag zu lesen, die Betreibergesellschaft habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil der Mast nicht mehr benötigt werde. Bis zu einer dauerhaften Lösung soll das Programm weiterhin über die Ersatzantenennen gesendet werden.

 

Letzter Stand der Dinge (2014): Offensichtlich hat man inzwischen die Speisung der beiden verbliebenen beiden Hauptmasten so umgebaut, dass sie nun alleine zur Abstrahlung des Signals verwendet werden können. Die Sendeleistung soll 1 MW betragen (= 1.000 kW).

 

Bilder vom Aussehen der Antennenanlage in den verschiedenen Stadien der Sprengungen sehen Sie weiter unten auf dieser Seite.
 

 

 

Die vier Haupt-Sendemasten in Berus waren (von SW nach NO gesehen) 270, 276, 280 und 282 m hoch. Jeder Mast ist in der Höhe an fünf Stellen in je drei Richtungen mit Stahlseilen ("Pardunen") abgespannt. Der havarierte Mast ist derjenige mit ursprünglich 280 m Höhe; er ist auf dem Bild oben links zu sehen. In der rechten Bildhälfte sieht man die beiden etwas kürzeren Masten. Der höchste der vier Masten steht ganz links, außerhalb des Bildes. Zwei seiner Abspannseile laufen durch das Foto.

 

Wenn es nicht erfunden war, was die "Neue Zeit"*) am 13.01.1955 in einem Artikel mit der Überschrift "Skandal um Europa Nr.1" schrieb, war einer der ersten zwei Antennenmasten (die anderen kamen erst 5 bzw. 10 Jahre später hinzu) schon kurz nach seiner Errichtung "wackelig". Das Blatt berichtete: "Von den beiden 200 (!!) Meter hohen Sendemasten neigt sich einer wie der schiefe Turm von Pisa. Es wird in der Bevölkerung erzählt, daß es der 'schiefe Turm von Berus' sei."

*) Die Neue Zeit war damals das Organ der Kommunistischen Partei, Landesverband Saar.

 

Was aber wirklich geschah: Im Jahr 1959 wurde einer der beiden Masten um über 100 m verschoben, ohne dass man ihn vorher abgebaut hatte. Näheres darüber können Sie demnächst hier lesen.

 

 

 

 

Rechts von dem abgeknickten Mast erkennt man den damals für einen Fernsehsender geplanten (aber nur Anfang 1958 für wenige Tage benutzten) Antennenturm (siehe Seite Telesaar)sowie das Sendegebäude von Europe 1.

Der Mast ist zwischen seiner dritten und vierten Abspannungsbefestigung abgebrochen. Von den ursprünglich 26roten und weißen Farbsegmenten sind nur noch die unteren 16 zu sehen. Dies bedeutet, dass der Restmast um ca. 40 %, also etwa 100 Meter kürzer war als vorher. Er maß in diesem Zustand immer noch etwa 180 m.

 

     

 

Links: Die "neue Mastspitze" in Großaufnahme.- Mitte: Aus diesem Tele-Blickwinkel scheinen die Masten dicht nebeneinander zu stehen. Der Ab- stand zwischen ihnen beträgt aber jeweils 350 Meter. Rechts: In den hier sichtbaren Isolatorkonstruktionen sind die Isolatoren herausgebrochen.

 

 

8. August 2012: Der heruntergefallene Mastteil liegt am Boden. Dahinter verläuft, von kurzen Pfosten gestützt, ein Stück der Antennenzuleitung (besser zu erkennen auf der folgenden Ausschnittsvergrößerung!)

                                                                                                           

 

In der Mitte sieht man eine der Isolatorenkonstruktionen, die in die Pardunen eingebaut sind.

Der herabgefallene Abspannungsdraht hängt zum Teil über der beschädigten Speiseleitung.

                                                                                                                                                                      

 

Auf dieser Luftaufnahme vom 8. September 2012 (aus einem Sportflugzeug) sind aus Blickrichtung Südosten alle sechs Masten zu sehen. Der beschädigte Mast ist der zweite von rechts, direkt neben der Sendehalle und dem Fernsehturm. Hinter dem vierten Hauptmast (links) erkennt man schwach die etwa einen Kilometer entfernt stehenden beiden Masten der Reserveantenne. Sie sind jeweils 234 m hoch. (Foto: R. Freyer)

 

 

In dieser zweirten Luftaufnahme vom 8. Dezember 2012 sieht man den abgebrochenen Mastteil rechts von dem beschädigten Mast auf dem Boden liegen. Durch den ungewöhnlichen Aufnahmewinkel von schräg oben ergeben sich Verzerrungen in der Darstellung der Dachfläche des Sendehallen-Gebäudes, die ja immer als "muschelförmig" bezeichnet wird (siehe die anderen Bilder von dem Gebäude; z.B. weiter unten).

 

Im Folgenden sehen Sie Fotos vom Zustand der Anlage vor und nach der Sprengung von Mast 2.

 

Nach dem "Unfall": die vier Hauptmasten; der zweite von links ist abgebrochen. Aufnahme vom 16. Sept. 2012.

Nach der Sprengung am 19. November 2012 stehen nur noch drei Masten; der abgebrochene ist verschwunden.

 

Die folgende Bilderreihe zeigt die Entwicklung der Europe-1-Antennen ab 2012

 

 

Juli 2012: Als die (Antennen-)Welt in Felsberg-Berus "noch in Ordnung" war... Die beiden kürzeren Maste der Reserve-Antenne stehen auf diesem Bild außerhalb des Blickfeldes (von Saarlouis aus gesehen).

 

Die nächsten drei Fotos bieten einen Blick auf die gesamte Antennenanlage zu verschiedenen Zeiten aus etwa 20 km Entfernung (vom Schoksberg zwischen Köllerbach und Riegelsberg aus). Wir numme- rieren die vier großen Maste der Hauptantennenanlage jeweils von rechts nach links.

 

Zwischen den Masten 3 und 2 sieht man auf jedem Bild das Dach der Sendehalle und den kleinen Fernsehturm. Ganz rechts stehen die beiden 234 Meter hohen Maste der Reserve-Antenne; sie befinden sich einen knappen Kilometer vom Sendegebäude entfernt und wirken deshalb noch kleiner (siehe Zeichnung auf der Seite Europe 1 und Luftaufnahme hier weiter oben). Die Blickwinkel, aus dem die Fotos aufgenommen wurden, sind leicht verschieden, wie man an der Stellung der Reservemaste und der Windräder zu den Hauptmasten erkennen kann. Die beiden Windräder stehen (nach Mitteilung von Markus Ehl, Altforweiler) nahe der deutsch-französischen Grenze in der Gemarkung der lothringischen Gemeinde Berviller en Moselle und gehören zu einer Gruppe von insgesamt fünf Rädern.

 

August 2012: Mast 2 ist der havarierte Mast, der jetzt oben um ein gutes Drittel seiner Länge abgebrochen ist. Die beiden kleineren Maste rechts im Bild sind in etwa 1000 m Entfernung von der Hauptantenne aufgebaut und stellen die Reserveantenne dar.

 

November 2012: Der havarierte Mast 2 (bisher hier in der Bildmitte) ist weggesprengt worden.

 

 

Juni 2013: Mast 1 ist jetzt ebenfalls gesprengt worden. Rechts im Bild sind nur noch die beiden

Masten der Reserveantenne zu sehen. Dies ist der derzeitige Zustand der Antennanlage (2016).

 

 

Nach dem 19. November 2012 lagen die Überreste des gesprengten Mastes 2 am Boden.

 

 

 

 

Nach dem 13. Juni 2013 lagen die Reste von Mast 1 auf der Wiese (links im Bild):

 

 


 

Alle Fotos dieser Seite: Ingrid Tschurl und Rainer Freyer

 

Eine ausführliche Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Senders seit 1954 finden Sie auf der Seite Europe No. 1.

 

Demnächst bringen wir weitere Fotos von der Sendeanlage in Felsberg-Berus.

 

 

>> Zur Haupt-Seite Europe No. 1.

 


 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der saarländische Heimatsender

     b)  Der Mittelwellensender Heusweiler und Bilder der Sendeanlage

     c)  Die Wartburg - das Funkhaus von Radio Saarbrücken

     d)  Die Familie Weissenbach (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille (beliebte Sonntagssendung mit Zick, Zack & Marieche)

      f )  Reporter und Übertragungswagen

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde am 09.08.2012 begonnen und zuletzt bearbeitet am 11.2.2016

 

 

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