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Fernsehen im Saarland  von 1953 bis 1958:  TELESAAR

 

 


 

Ein faszinierendes Medium entsteht.

 

In Deutschland wurden die ersten öffentlichen Fernsehsendungen schon im Dritten Reich ausgestrahlt, und zwar zwischen 1935 und 1940. Während des Krieges nutzte man Fernsehübertragungen in der Heimat nicht mehr zur Unterhaltung, sondern nur noch zu militärischen Zwecken. Auch die Franzosen hatten etwa 1935 mit dem Fernsehen begonnen. Beim Einmarsch der Deutschen in Paris zerstörten sie noch schnell ihren eigenen Sender auf dem Eiffelturm. Die Nazis reparierten ihn, um vom 29.9.1943 bis zum 16.08.1944 in deutscher Norm ein Unterhaltungsprogramm für die Wehrmacht und ihre Soldaten im Kriegslazarett auszustrahlen. Während die Franzosen schon kurz nach der Befreiung von Paris im August 1944 wieder mit ihren eigenen Fernsehsendungen begannen, musste man in der Bundesrepublik nach dem Krieg bis Mitte 1951 warten, bevor wieder Fernsehversuche und -sendungen auf regionaler Ebene stattfanden. Schließlich startete die am 9. Juni 1950 gegründete ARD Ende 1952 die ersten bundesweiten täglichen Sendungen.

Auch in Saarbrücken wollte man gerne ein Fernsehprogramm ausstrahlen. Das Programm der ARD sollte aus politischen Gründen natürlich nicht übernommen werden. Erste Pläne zur Errichtung eines eigenen saarländischen Fernsehens entstanden 1951/52. Bei der Stockholmer Wellenplankonferenz für UKW und Fernsehen 1952 wurde das Saarland durch die französische Postverwaltung vertreten. Man teilte uns dort den französischen Fernsehkanal 1B zu (später Kan. 2). Doch wie konnte ein saarländisches Eigenprogramm finanziert werden? Man musste nach privaten Geldgebern suchen - und fand sie auch. So kam es, dass der erste private Fernsehsender Europas im Saarland entstand.

 

Bild oben: Das Testbild von Telesaar. Um ein Foto der Ludwigskirche herum sind verschiedene Felder und Kreise platziert, mit deren Hilfe man verschiedene Parameter des Fernsehbildes messen und einstellen konnte (Helligkeit, Kontrast, Auflösung, Geometrie usw.). Das Testbild wurde damals noch nicht mit Hilfe von elektronischen Testbild-Generatoren erzeugt, sondern im Studio von einer Tafel abgefilmt.

(Alle Bildschirm-Fotos: Richard Kirst, Dudweiler)      

Am 16. Juni 1952 wurde die Saarländische Fernseh AG gegründet. Ihr Hauptaktionär war die private Holdinggesellschaft Images et Sons, zu der u.a. Prinz Rainier III von Monaco und der staatenlose Uhrenhändler Charles Michelson gehörten. Die saarländische Regierung erteilte dieser Gesellschaft nun die Genehmigung, den privaten französischen Langwellen-Radiosender "Europa 1" auf dem Sauberg bei Felsberg-Berus zu errichten und zu betreiben. Die Fernseh AG verpflichtete sich dazu, als Gegenleistung einen Fernsehsender für das Saarland aufzubauen. Schon bald begann man mit Versuchssendungen unter dem Namen Telesaar. Somit startete das Fernsehen im Saarland nur wenig später als in der Bundesrepublik. Allerdings mit einer Station, die von französischen Geldgebern privat finanziert wurde, und mit der Auflage, Errichtung und Betrieb des ebenfalls privaten Rundfunksenders Europa 1 auf saarländischem Boden zu erlauben. In Deutschland wäre die Genehmigung eines Privatsenders damals (und noch bis 1984) undenkbar gewesen. Deshalb führte diese Situation nach dem Beitritt des Saaarlandes zur BRD am 1.1.1957 auch zu heftigen Turbulenzen (siehe unten: "Das Ende von Telesaar". Mehr über den Sender Europa I, der ja noch heute von Felsberg aus sendet, finden Sie demnächst auf Saar-Nostalgie).

 

Das Erkennungsbild des Fernsehsenders (Abb. oben links) beinhaltete eine Grubenlampe und die typisch saarländischen Symbole Hammer und Schlägel. Die Mitwirkenden waren überwiegend Rundfunkmitarbeiter, die man schon vom Reichssender bzw. von Radio Saarbrücken her kannte. Die erste reguläre Sendung von Telesaar fand am 23. Dezember 1953 statt. Es war der 63. Geburtstag von Johannes Hoffmann, und der Generaldirektor von Radio Saarbrücken, Fréderic Billmann, gratulierte dem Ministerpräsidenten vor laufender Kamera.

 

In dieser Auftaktsendung waren außerdem zu sehen: Christa Adomeit als Ansagerin, Fritz und Gerdi Weissenbach (damals noch Gerdi Palmer), Viktor Lenz und Sohn, das Schlager-Terzett "Die drei Raben" und der Sänger Luitpold Ganther. Man sendete auch einen Märchenfilm, einen Kurzfilm über Johannes Hoffmann und einen Kulturfilm von Ernst Bingen über das Saarland. (Es gibt leider keine elektronischen Bildaufzeichnungen von den Fernsehsendungen dieser Anfangszeit, weil diese damals technisch noch nicht möglich waren.)

 

Danach folgten einige weitere Versuchsausstrahlungen, und ab 6. Juni 1954 gab es tägliche Fernseh-Sendungen mit einem Vollprogramm. Abends um 20 Uhr sendete man eine "Tagesschau", die größtenteils aus Paris übernommen und mit deutschen Kommentaren versehen wurde; sie wurde vor Sendeschluss gegen 21:45 Uhr wiederholt. Dazwischen lief ab 20:15 Uhr ein Spielfilm oder eine Unterhaltungssendung. Man brachte aber auch eigene Fernsehspiele und Sportsendungen, z.B. Fußball- ("Und wieder rollt das Leder") oder "Catch as catch can"- Übertragungen. Letztere kamen meist direkt aus Frankreich, wo diese Sportart damals sehr beliebt war, aber es wurden auch Kämpfe aus dem Saarland selbst übertragen. Volkstümliche Konzerte wurden von Josef Reichert präsentiert und die "Kinderstunde" u. a. von Tante Christa und von Werner Wiedemann. Es gab auch Sendungen für Mütter und Hausfrauen, für Gartenfreunde und Schulkinder. Besonders beliebt waren Unterhaltungssendungen mit Namen wie "Telecocktail" oder "Televariété" (siehe unten!). Für Veranstaltungen von Telesaar, die live übertragen wurden, warb man mit Plakaten im ganzen Land. Auch eine eigene saarländische Programmzeitschrift wurde gedruckt: Tele Bild mit Radio (Näheres dazu auf der Seite Radio Saarbrücken).

 

Da man Spielfilme in der Anfangszeit des Fernsehens noch nicht elektronisch abtasten konnte, musste man sie im Studio auf eine kleine Leinwand projizieren und mit einer Kamera abfilmen. Diese Bilder gingen dann als Live-Übertragung über den Sender.

 

 

Ausstrahlung und Empfang des Programms

 

Telesaar wurde über einen 100-Watt-Sender vom   Eschberger Hof in Saarbrücken aus im VHF-Kanal F 7 (Bild auf 177,15, Ton auf 188,3 MHz) abgestrahlt. Das Mini-Studio war nur 58 m² groß und befand sich im Hause der Saarländischen Volksfürsorge Ecke Dudweiler- und Richard-Wagner-Straße (Foto links) [1] .

 

Am 18. Juni 1952 wurde das Rundfunkgesetz für das Saarland verabschiedet. Darin wurde die Übernahme aller technischen Normen des französischen Fernsehsystems vorgeschrieben. Man legte daher die Anzahl der Bildzeilen wie in Frankreich auf 819 fest, Bild und Ton wurden in AM ausgestrahlt. Mit Fernsehern, die nur für diese Norm ausgelegt waren, konnte man deshalb im Saarland zwar Telesaar und das französische Fernsehen empfangen, nicht aber das deutsche, das ja mit 625 Zeilen ausgestrahlt wurde. Umgekehrt war Telesaar in der angrenzenden BRD mit normalen Geräten nicht zu sehen. Nur mit sehr teuren Mehrnormen-Geräten (wie z. B. dem rechts abgebildeten) konnte man beide Systeme empfangen.

 

  Ein für das Saarland zur damaligen Zeit ty-   typischer Fernseher, Marke Telemaster. Es   war ein Mehr normengerät (oder "Mehrzeiler"   und kostete etwa 125.000 frs.Foto: M.John, Holz

Es gab im Saarland damals allerdings nur wenige Fernsehgeräte: anfangs etwa 400, 1954 ca. 700 und 1958 rund 4000. Die meisten von ihnen standen in Gaststätten. Das günstigste Gerät auf dem Markt war ein 819-Zeilen Gerät (Solara?) mit 36 cm Bilddiagonale. Es kostete etwa 60.000 Francs. In der Regel konnte man damals nur ein Programm empfangen, entsprechend galt ein Kanalwähler bei diesem Gerät als unnötiger Luxus. Zur Kanalwahl wurden einfach einige austauschbare Spulen mitgeliefert. - Der Empfang des Deutschen Fernsehens war im Saarland seit etwa 1953 möglich. Dies funktioniert aber nur, wenn man ein Gerät hatte, das 625 Zeilen empfangen konnte.

Telesaar konnte u.a. auch im Raum Neunkirchen empfangen werden. Radio Zeiler in der Bahnhofstraße verkaufte z.B. Fernsehgeräte. Jürgen Dippe aus Haus Furpach erinnert sich, dass man auch bei der Firma Maeckel an der Ecke Hüttenberg/Oberer Markt Geräte und Antennen kaufen konnte. Im Restaurant Burgkeller stand ein Gerät, auf dem J. Dippe damals öfter den saarländischen TV-Sender schaute, und auch in der Gaststätte "Beim Hör" in Haus Furpach war ein Fernsehempfänger aufgestellt.
_______________________

 

[1] Auf dem Foto oben links sieht man rechts neben dem Volksfürsorge-Gebäude das Haus Richard-Wagner-Str. 58. In diesem befindet sich noch heute der Sitz der Europäischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft (Europa 1). Sie ist auch Hauptgesellschafterin von Radio Salü, und die Studios dieser privaten Radiostation sind ebenfalls in dem Gebäude untergebracht.

 

 

In den 50er Jahren konnte man im Saarland mit entsprechenden Empfangs- und Antennenanlagen - je nach Standort - die folgenden Fernsehsender empfangen:

 

Programm

Sprache

Zeit

KW

Standort

Kanal

Norm

Bild (MHz)

Ton (MHz)

TELESAAR

 

deutsch

 

23.12.53 - 15.7.58

15. - 25.1.1958

 0,5

    5

Saarbrücken - Eschberg

Felsberg

F 7

F 2 vert.

F - 819

F - 819

177,15 pos.

 52,40  pos.

188,30 AM

 41,20 AM

Deutsches Fernsehen

 

 

 

 

 

deutsch

 

 

 

 

 

16.7.58 - Nov 58

1.1.57 bis Okt.59

ab 15.10.1959

ab 1954

ab 29.05.1953

ab Ende Mai 1953

 0,5

 0,1

100

  80

  10

  30

Saarbrücken - Eschberg

Saarbr. - Schwarzenbg.[1]

Göttelborner Höhe

Baden-Baden-Hornisgrinde

Gr. Feldberg imTaunus

Weinbiet (bei Neustadt)

F 7

E 2 (v ?)

E 2 vert.

E 9

E 8

E 6

F - 819

D - 625

D - 625

D - 625

D - 625

D - 625

177,15 pos.

  48,25 neg.

  48,25 neg.

203,25 neg

196,25 neg

182,25 neg

188,30 AM

  53,75 FM

  53,75 FM

208,75 FM

201,75 FM

187,75 FM

Radiodiffusion-Télé- vision Française (RTF)

 

französisch

 

 

ab 1955

ab 1953

ab 1964

  10

    3

   50

Metz (Luttange)

Straßburg (Lauth)  [2]

Straßburg (Nordheim)

F 6

F 5

F 5

F - 819

F - 819

F - 819

173,40 pos.

164,00 pos.

      "

162,25 AM

175,15 AM

      "

Télé Luxembourg

französisch

ab 23.01.1955

100

Dudelange

E 7

F - 819

189,25 pos.

195,75 AM

[1]  Am 1.9. 58 wurde die Leistung des Senders von 100 W auf 2kW erhöht. Mehr zum Sender Schwarzenberg: siehe unten "Wie es nach der Rückgliederung weiterging".

[2]  Der Sender Straßburg-Lauth konnte an der Saar wohl nicht empfangen werden, da er zu schwach war.

Tabelle: Rainer Freyer. Einige Daten und Fakten hat unser Leser Karl Presser eruiert.

Quellen: Chronik der ARD (http://web.ard.de/ard-chronik/). - Wikipedia, Stichworte: Namen einzelner Sendeanlagen. - Zeitschrift Le HAUT-PARLEUR vom 30. Oktober 1962. - Verschiedene Artikel aus SVZ und anderen Zeitungen der 50er Jahre. -

 

Im Anhang weiter unten können Sie in dem Bericht "Farbfernsehen" interessante Details über die im Vorfeld geführten Diskussionen bezüglich der im Saarland einzuführenden Zeilennorm lesen.

 

 

Schon ab Mitte Mai 1954 wurde auch Fernsehwerbung gesendet, denn die Einnahmen daraus wurden benötigt, um zur Finanzierung des privaten Unternehmens beizutragen oder sogar Gewinne abzuwerfen. Die Vermarktung oblag der Radio-Reklame GmbH, die auch für die Rundfunkwerbung bei Radio Saarbrücken zuständig war (siehe Seite Radio Saarbrücken unter 8). Mehr über das Thema demnächst hier.

 

 

 

Der Telesaar-Übertragungswagen

 

 

 

 

 

   

Als Fernsehübertragungswagen

diente ein umgebauter Omnibus.

 

 

Abb. rechts: Blick auf eine typische Programmwoche von Telesaar.

 

Nähere Einzelheiten zum Programm des Fernsehsenders demnächst!

 

In der Programmvorschau wird für Samstag die Sendung "Tante Christa und die Fernsehsternchen" angekündigt. Auf dem Foto sehen wir die "Sternchen" mit dem Märchenonkel von Radio Saarbrücken (Bildmitte).

Mehr über Tante Christa und über den Märchenonkel demnächst.

 

 

 

Wöchentliche Programmvorschau mit Roland Stigulinszky

"Sie werden sehen"  (Foto: Roland Stigulinszky)

 

Der bekannte saarländische Zeichner und Karikaturist war von 1954 bis 1958 für die Programmvorschau von Telesaar zuständig. Immer freitags um 19:40 stellte er das Fernsehprogramm der folgenden sieben Tage vor. Dabei saß er vor einer Staffelei, auf der er live zu den wichtigsten Sendungen lustige Zeichnungen anfertigte. Er berichtete uns im Jahr 2011, dass er zwar schon vorher wusste, welche Programme er anzukündigen hatte, aber immer erst vor laufender Kamera spontan entschied, was er zeichnerisch darstellte.

 

Im Bild rechts ging es wohl zum Beispiel um eine Kochsendung, die am Samstag um 19:15 Uhr laufen sollte. Wenn ein Blatt voll war, zog er es von der Staffelei ab und legte es zur Seite, um mit einer neuen Zeichnung zu beginnen. Die fertigen Blätter müssen dann seine Fernseh-Kollegen entsorgt oder mit nach Hause genommen haben, denn es findet sich heute keines mehr davon in seiner Sammlung. (Telefonbericht R. Stigulinszky am 30.4.11)

 

 

"TELEVARIETE"

 

war eine beliebte Samstagabendsendung aus der Saarbrücker Wartburg. Das Programm bestand in der Hauptsache aus Tanzvorführungen und Darbietungen von Musikern und Artisten. Die dabei dargebotene Erotik beschränkte sich etwa auf das, was man auf dem Foto links sieht. Aber für die damalige Zeit waren Damen in Dessous doch wohl schon eine recht "gewagte" Sache...

 

Im "Telecocktail" begannen manche Stars ihre Karriere – wie zum Beispiel Heinz Schenk, der später im Ersten Deutschen Fernsehen beim "Blauen Bock" den Mainzer Otto Höpfner ablöste und Karriere machte.

 

Weitere Infos und Bilder zum Programm von Telesaar folgen in Kürze!

 


 

 

Das Ende von TELESAAR

 

 

Auch nach dem politischen Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik am 1. Januar 1957 ging der Betrieb der beiden privat finanzierten Sender Europa 1 und Telesaar weiter, obwohl inzwischen die Deutsche Bundespost die Funkhoheit im Saarland übernommen hatte. Da aber die Verträge zwischen der Saar-Regierung und der Saarländischen Fernseh AG (siehe oben im 2. Abschnitt) weiter bestanden, mussten sie weiter erfüllt werden.

 

Auf dem Sauberg bei Felsberg-Berus waren inzwischen die Arbeiten zum Bau einer riesigen Sendehalle in futuristischem Baustil im Gange. Sie sollte den zukünftigen Langwellen-Großsender Europa 1 beherbergen, dessen Antennenmasten ebenfalls schon im Bau waren. Außerdem wollte man darin die Anlagen (und Studios?) eines geplanten mehrsprachigen europäischen Fernsehsenders "Europe No. 1 - Télévision" unterbringen. Dieser ging aber wegen der politischen Entwicklung im Saarland nach der Volksabstimmung nie auf Sendung. Als Antennenträger sollte für ihn ein 35 m hoher Turm dienen, der aus drei Betonpfeilern bestand und von einem Stahlgerüst gekrönt wurde.

 

Die Halle mit dem Radiosender Europa 1 und der Turm (ohne Funktion) stehen heute noch. Die gesamte Anlage steht inzwischen unter Denkmalschutz. Das Foto zeigt einen Teil des heutigen Sendekomplexes von Europe 1 in Felsberg-Berus. Links ist einer der sechs Langwellen-Sendemasten zu sehen, vor der Halle steht der Fernseh-Sendeturm. Foto: R. Freyer, 2010.

 

Im Januar 1958 wurde der bereits fertiggestellte neue Fernsehsender in Betrieb genommen, allerdings nur für wenige Tage und nicht für den geplanten "TELE EUROPE 1". Er sollte zusätzlich zum bisherigen 100-Watt-Sender auf dem Saarbrücker Eschberg das Programm von Telesaar ausstrahlen. Man wollte die Reichweite von Telesaar vergrößern, damit man es im gesamten Saarland flächendeckend und bis in die angrenzenden Gebiete von Rheinland-Pfalz hinein empfangen konnte. Der Zusatz-Sender nahm am 15. Januar 1958 seinen Betrieb auf, aber er sendete im VHF-Band I auf Kanal F 2. Diese Frequenz war ihm jedoch offiziell nicht zugeteilt worden.

 

Der Minister für das Post- und Fernmeldewesen, Richard Stücklen, informierte das Bundeskabinett in Bonn in der Sitzung vom 22. Januar 1958 über diese Tatsache. Er habe die Saarländische Fernseh-AG per Fernschreiben auf die Unzulässigkeit ihres Verhaltens hingewiesen und ihr mitgeteilt, dass er im Einvernehmen mit der Saarländischen Staatskanzlei und dem Intendanten des Saarländischen Rundfunks die Stillegung des Senders und einer dazu gehörenden Richtfunkstrecke durch das saarländische Innenministerium unverzüglich veranlassen werde. Der Bundespotminister machte seine Androhung wahr und ließ durch das saarländische Innenministerium den Sender am 25. Januar 1958 schließen (siehe Spiegel-Bericht im folgenden Abssatz). Die Saarländische Fernseh-AG legte Rechtsmittel ein. [1]

 

Der Spiegel berichtete am 5.2.1958, wie die Fernseh-Sendeanlage in Felsberg stillgelegt wurde: In den Morgenstunden des 25. Januar 1958 habe sich ein Trupp saarländischer Postbeamten unter dem Geleitschutz von Polizisten zum Sauberg bei Berus aufgemacht, um das Antennenkabel des Fernsehsenders zu durchtrennen. Der Polizeichef habe den Fernseh-Generaldirektor Fréderic Billmann telefonisch davon unterrichtet, worauf dieser unverzüglich seine Techniker in dem "abgelegenen, pompösen Sendepalast" alarmierte. Es habe dann allerdings noch eine Zeit gedauert, bis die Truppe eintraf, weil das Polizeiauto im Schnee stecken geblieben war und man zu Fuß weitermarschieren musste. Nach dem Durchschneiden des Antennenkabels versiegelten die Beamten noch den Schaltraum des Senders. [2]

 

Der Weiterbetrieb von Telesaar und die Ausstrahlung über den Sender Saarbrücken-Eschberg waren davon aber vorläufig nicht betroffen. Am 18. Februar 1958 kündigte das Bundespostministerium der Saarländischen Fernseh-AG in einem Brief an, dass es den "Fernsehsender Tele-Saar wegen unzulässiger Nutzung von Frequenzen" schließen werde. [3] Telesaar sendete dessen ungeachtet weiter.

 

Schließlich kam am 16. Juli 1958 das endgültige Aus: Die Station Telesaar wurde auf Verfügung des Bundespostministers geschlossen, da der Privatsender im Widerspruch zu den internationalen Bestimmungen auf einer willkürlich gewählten Frequenz Werbesendungen ausstrahlte. Dies war mit dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der BRD unvereinbar.

 

Die beliebten Akteure von Telesaar bedauerten das Ende ihres Senders natürlich sehr.  Für die letzte Sendung des Kinderprogramms hatte ein mitwirkendes junges Mädchen ein Abschieds-Gedicht mitgebracht, das ihre Mutter extra für dieses Ereignis geschrieben hatte. Sie durfte es dann aber vor der Kamera doch nicht vortragen. Es endete mit den Worten:

 

Unn all, die uns net hawwe wolle, die soll doch der Deiwel holle!  [4]

 

 

Am 15. Juli 1958 fand unter dem Titel 'Der Rest ist Schweigen' die Abschiedssendung von Telesaar statt, in der sich die Mitwirkenden vom Publikum verabschiedeten.

 

Roland Stiguliszky kommentierte die Schließung des Senders mit der Zeichnung eines "bissigen Mai-Fischs". (Dr. Franz Mai war der neue Intendant des SR).

 

 

Foto: Roland Stigulinszky

 

 

Wie es nach der Rückgliederung weiterging

 

Der Saarländische Rundfunk wurde 1957 in die ARD aufgenommen. Gleich nach der politischen Rückgliederung der Saar am 1. Januar 1957 wollte man auch im jüngsten Bundesland das Deutsche Fernsehen mit 625 Zeilen aussenden. Hierfür lieh man sich vom SWF einen 100-W-Sender einschließlich Antenne aus, der mit einer Sondergenehmigung des französischen Außenministeriums auf einem LKW ins Land gebracht wurde. Man installierte ihn auf dem Saarbrücker Schwarzenbergturm und sendete auf Kanal E 2 (wahrscheinlich vertikal polarisiert). Er konnte wegen seiner geringen Sendeleistung nur in Saarbrücken und der näheren Umgebung empfangen werden. Das Signal wurde vom SWF-Sender Hornisgrinde übernommen, der aber ausgerechnet während der Übertragung des Festaktes im Stadttheater ausfiel, so dass auch der Sender auf dem Schwarzenberg solange tot war. [5]

 

Nach der Schließung von Telesaar am 16.7.1958 übertrug man das Programm des Deutschen Fernsehens auch über den bisherigen Telesaar- Fernsehsender auf dem Eschberg. Da es von der ARD mit 625 Zeilen gesendet wurde, filmte man es in Saarbrücken einfach vom Bildschirm ab und strahlte es zeitgleich auf der alten Telesaar-Frequenz im Kanal F 7 mit 819 Zeilen aus, bis der Sender Göttelborn am 15. Oktober 1959 seinen Betrieb aufnahm.

 

In der Übergangszeit übernahm man für das Regionalfenster (mit Werbefunk) von 18 bis 20 Uhr zunächst die Sendungen des Südwestfunks. Aber im Laufe der Zeit wurde ein immer größer werdender Teil dieser Sendezeit vom neuen Regionalfernsehen des SR selbst gestaltet. Vom 9.11.1959 an strahlte der SR ein eigenes Werbefernsehen aus.

 

____________________________

 

Fußnoten:

 

[1] Kabinettsprotokoll der Bundesregierung, Sitzung vom 22. Januar 1958, Tagesordnungspunkt A. Nachzulesen unter:

     http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/0000/k/k1958k/kap1_2/kap2_3/para3_5.html

[2] Privat-Sender. Freibeuter an der Saar. Der Spiegel 6/1958, Seite 47f. Im Netz: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41760626.html

[3] Kabinettsprotokoll der Bundesregierung, Sitzung vom 19. Februar 1958, TOP 4. Nachzulesen unter:

     http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/0000/k/k1958k/kap1_2/kap2_7/para3_4.html

[4] Mitteilung von Anne Fagherazzi, Januar 2012.

[5] Vgl. Fritz Raff, Axel Buchholz, Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk.Freiburg,      Basel, Wien 2007. Seite 67.)

 

 


 

 

ANHANG

 

"Neueste Erkenntnis" aus dem Jahr 1951:

 

Farbfernsehen ist nur mit 819 Zeilen möglich!!!!

 

 

Wie am Anfang dieser Seite berichtet, sollte die Aktionärsgruppe, die den privaten Radiosender Europe 1 auf saarländischem Boden errichten und betreiben wollte, im Gegenzug dazu einen eigenen Fernsehsender für das Saarland aufbauen.

 

Im Jahr 1951 waren die Planungen dafür schon in vollem Gange. Unter anderem stellte sich die Frage, in welcher Norm dieser Sender arbeiten sollte. Diese legt z.B. fest, aus wie vielen Zeilen das Bild besteht. Die deutschen und die meisten übrigen Sender Europas arbeiteten mit 625, die Franzosen aber mit 819 Zeilen. Wenn man mit demselben Gerät beide Normen empfangen wollte, brauchte man ein so genanntes Mehrnormengerät (im Volksmund "Mehrzeiler"), der aber damals zuerst gar nicht und später nur mit hohem Aufpreis zu haben war. Die saarländische Regierung musste sich aber zunächst für ein System entscheiden. Den Franzosen war natürlich daran gelegen, ihre 819-Zeilen-Norm auch im Saarland einzuführen. Um die saarländische Regierung von deren Vorzügen zu überzeugen, brachten sie u.a. ein überraschendes Argument ins Spiel.

Der abgebildete Text ist ein Auszug aus einem Schreiben, das der damalige Directeur Général der Firma Radio-Industrie Paris Ende 1951 an die saarländische Regierung gerichtet hatte.

Quelle: Landesarchiv Saarbrücken  

 

Was die amerikanischen und französischen Fachleute noch 1951 angeblich als unumstößliche Voraussetzung für eine Farbübertragung im Fernsehen propagierten, wurde bereits Anfang der sechziger Jahre bei der Einführung des Farbfernsehens eindeutig widerlegt: Sogar das französische SECAM-Farbsystem verwendete, genauso wie das deutsche PAL- und das amerikanische NTSC-System, 625 Zeilen.

 

Wie weiter oben dargelegt, entschied man sich im Saarland mit dem Rundfunkgesetz von 1952 tatsächlich für die volle Übernahme der französischen Norm. Man tat dies aber sicher nicht nur deshalb, weil sie (angeblich) die einzige farbtaugliche war, sondern weil man auch damit die weitgehende Anpassung an französische Verhältnisse demonstrieren wollte. Gleichzeitig konnte damit verhindert werden, dass man mit den im Saarland "üblichen" Fernsehgeräten außer Telesaar und dem französischen Fernsehen ORTF auch das Deutsche Fernsehen empfangen konnte.

 


 

 

  

14-tägige Rundfunk- und

 

Fernsehvorführung

 

in der Bahnhofstraße

 

1953

 

In diesem Gebäude in der Bahnhofstraße in Saarbrücken fand im Herbst 1953 eine etwa 14-tägige Rundfunk- und Fernsehvorführung von Radio Saarbrücken und Telesaar statt.

 

Foto aus dem Buch "Saarbrücken wie es war 3" (von Karl August Schleiden, Droste Verlag).

 

 

Nähere Informationen über dieses Gebäude gibt es auf der Seite Orte & Gebäude.

 

 

    


 

 

 

Alte Fernseh-Kamera im energis-VSE-Elektromuseum, Illingen 2009. (Foto R. Freyer)

 


 

Quellen- und Literaturangaben:

 

- Europa I, Piraterie im Äther. Der Spiegel 1/1961, Seite 63. Nachzulesen unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43159238.html

- Heribert Schwan: Der Rundfunk als Instrument der Politik im Saarland 1945 - 1955. Berlin 1974. Seiten 55ff.

- Fritz Raff, Axel Buchholz, Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk.   Freiburg, Basel, Wien 2007. Seiten 54 bis 56.

- Michael Geib. Fernsehen in den Kinderschuhen. In: Von der `Stunde 0´ zum `Tag X´. Das Saarland 1945-1959. (Katalog zur   Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss). Saarbrücken 1990. Seiten 407 bis 416.

- Universität des Saarlandes. Philosophische Fakultäten. FR 5.6 Informationswissenschaft. Server 02 Telesaar:

  http://server02.is.uni-sb.de/courses/ident/themen/gesch_rundfunk/tele.php

  Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kudrna (Hrsg.).Medienlandschaft Saar von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1   Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945 - 1955). München 2010. Seiten 241 bis 280.

- Sellemols - Vor 50 Jahren: Telesaar. Sendung des SR-Fernsehens vom 1. Februar 2004, 18:45 bis 19:15 Uhr.

 

Vielen Dank an H.-G. Quirin, Völklingen, für die Überlassung seiner umfangreichen Sammlung über die Entwicklung von Telesaar.

 


 

 

Weitere Berichte und Fotos über TELESAAR folgen demnächst.

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

a) Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959)

  

b) Radio Saarbrücken - der saarländische Heimatsender

  

 

     Hauptseite über den Sender (Sendungen, Namen, Werbefunk, Fahrzeuge u.v.m.)

 

     Familie Weissenbach (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

 

     Die Saarlandbrille (beliebte Sonntagssendung mit Zick, Zack & Marieche)

 

c) Die Wartburg - das Funkhaus von Radio Saarbrücken

 

d) Fernsehen im Saarland der 50er Jahre - TELESAAR

  

e) Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

 

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 01.02.2012

 

 

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