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3) Fernsehen im Saarstaat:  TELESAAR  (1953 - 1958)

 

 


 

Weitere Seiten im Rundfunk-Kapitel:

Rundfunkgesch. - Radio Saarbr. - Sender Heusweiler - Wartburg - Weissenbachs - Saarlandbrille - Reporter Europe No 1 - Radio-Geräte

 


Inhalt:

1)  Ein faszinierendes Medium wird geboren

2)  Die Entstehung des ersten saarländischen Fernsehsenders

3)  Ausstrahlung und Empfang des Telesaar-Programms

4)  "Fernseh-Krimi": Das Ende von TELESAAR - Wie das Deutsche Fernsehen ins Saarland kam

5)  Nach der Schließung von Telesaar

6)  Wie Telesaar seine Zuschauer informierte und unterhielt

Anhang:  a) Farbfernsehen geht angeblich nur mit 819 Zeilen  b) Fernsehkameras von damals


 

 

1) Ein faszinierendes Medium wird geboren.

 

In Deutschland wurden die ersten öffentlichen Fernsehsendungen schon in der Zeit des Dritten Reichs ausgestrahlt, und zwar von 1935 bis 1940. Während des Krieges nutzte man Fernsehübertragungen in der Heimat nicht mehr für Unterhaltungsprogramme, sondern nur noch zu militärischen Zwecken. Auch die Franzosen hatten etwa 1935 mit dem Fernsehen begonnen. Beim Einmarsch der Deutschen in Paris zerstörten sie noch schnell ihren eigenen Sender auf dem Eiffelturm. Die Nazis reparierten ihn, um vom 29.9.1943 bis zum 16.8.1944 in der deutschen 441-Zeilen-Norm ein Programm für die Wehrmacht auszustrahlen, besonders für Soldaten im Kriegslazarett. Während die Franzosen schon kurz nach der Befreiung von Paris im August 1944 wieder mit eigenen Fernsehsendungen begannen, musste man in Deutschland nach dem Krieg bis Mitte 1951 warten, bevor wieder Fernsehversuche und -sendungen auf regionaler Ebene stattfanden. Schließlich startete die am 9.6.1950 gegründete ARD Ende 1952 die ersten bundesweiten täglichen Sendungen.

Zur Abb. rechts: das Testbild von Telesaar. Um ein Foto der Ludwigskirche herum sind einige Felder und Kreise und Zahlen platziert, mit deren Hilfe man verschiedene Parameter des Fernsehbildes messen und einstellen konnte (Helligkeit, Kontrast, Auflösung, Geometrie usw.). Das Testbild wurde damals noch nicht mit Hilfe elektronischer Testbild-Generatoren erzeugt, sondern im Studio mit einer Fernsehkamera von einer Tafel abgefilmt - siehe ganz unten auf dieser Seite im Anhang unter b): letztes Bild.

 

Auch im Saarland wollte man nun gerne ein Fernsehprogramm ausstrahlen. Erste Pläne zur Errichtung eines eigenen saarländischen Fernsehens entstanden 1951/52. Bei der Stockholmer Wellenplankonferenz für UKW und Fernsehen 1952 wurde das Saarland durch die französische Postverwaltung vertreten. Den meisten westdeutschen Sendern wurde damals einer der Kanäle E5 bis E12 im Band III zugewiesen, aber dem Saarland teilte man den französischen Fernsehkanal F1b im Band I zu (dessen Bild- und Ton-Frequenzen überschneiden sich mit denen des Kanals E2).

 

Für den geplanten saarländischen Sender kam es aus politischen Gründen natürlich nicht in Frage, dass er das bundesdeutsche Fernsehprogramm übernehmen würde. Doch wie konnte man ein Eigenprogramm für das Saarland finanzieren? Aus öffentlichen Mitteln hätte es auf keinen Fall bestritten werden können. Daher musste man auf private Geldgeber zurückgreifen; diese standen schon "Gewehr bei Fuß", und zwar in Frankreich (siehe nächsten Abschnitt). So kam es dazu, dass der erste private Fernsehsender Europas im Saarland eröffnet wurde - sogar schon Ende 1953! Er sendete ganze viereinhalb Jahre lang - für eine recht überschaubare Zahl von Zuschauern...

 

 

2) Die Entstehung des ersten saarländischen Fernsehsenders

 

Wie in Deutschland und fast allen anderen europäischen Ländern war in Frankreich kommerzielles Radio und Fernsehen verboten. Aber in einigen kleinen Staaten an der Peripherie des Landes strahlten schon früh private Radiosender werbefinanzierte Sendungen in französischer Sprache aus: im Südwesten Frankeichs Radio Andorra, im Südosten Radio Monte Carlo und im Nordosten Radio Luxembourg. Da sie mit hoher Leistung auf Mittel- bzw. Langwelle sendeten, konnten sie in weiten Teilen Frankreichs empfangen werden.

 

Den LW-Sender in Monaco betrieb die dort ansässige private Holding-Gesellschaft Images et Son ("Bilder und Ton"). Deren Hauptanteils- eigner waren Prinz Rainier III. von Monaco und der ehemalige Uhrenhändler und Medienunternehmer Charles Michelson (er stammte aus Rumänien, wurde aber oft als staatenlos bezeichnet). In den frühen 50er-Jahren bereiteten die Gesellschafter von Images et Son gerade den Aufbau einer kommerziellen Fernsehstation in Monte Carlo vor, als sie auch im Saarland geeignete Partner für ein solches Vorhaben entdeckten. Dort beteiligten sie sich an der Gründung der Saarländischen Fernseh AG, die am 16./17. Mai 1952 über die Bühne ging. Es gelang ihnen, zu deren Hauptaktionären zu werden. Vorsitzender der Fernseh AG wurde Henri de France, der auch Chef der französischen Firma Radio Industrie war (siehe unten, im Anhang dieser Seite; de France entwickelte später das französische Farbfernsehsystem SECAM). Ziel der AG war es zunächst, die Genehmigung für den Betrieb eines privaten Fernsehsenders für das Saarland zu erhalten.

 

Am 18. Juni 1952 verabschiedete der Saar-Landtag ein neues Rundfunkgesetz. Mit diesem wurde die Rundfunkhoheit, die seit 1946 bei den Franzosen lag, auf das Saarland übertragen. Außerdem legte man fest, dass in- oder ausländische Gesellschaften Konzessionen zur Errichtung und/oder zum Betrieb von Radio- und Fernsehsendern im Saarland erhalten konnten. Auf dieser Grundlage wurde kurz danach der gerade entstandenen Saarländischen Fernseh AG durch einen Vertrag mit der Saarländischen Rundfunkverwaltung (die die Mittelwellen-Station Radio Saarbrücken betrieb) die Genehmigung erteilt, einen kommerziellen deutsch- sprachigen Fernsehsender im Saarland aufzubauen und zu betreiben. Die Fernseh AG sollte für die Finanzen, die Technik und das Programm des Senders verantwortlich sein. Als Fernsehnorm wurde nicht die im übrigen Europa (außer GB) verwendete Norm mit 625 Zeilen festgelegt, sondern die in Frankreich übliche 819-Zeilen-Norm.

 

Kurz nach Abschluss dieses Vertrages schlug der Generaldirektor von Radio Saarbrücken, Frédéric Billmann, dem Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann vor, der Fernseh AG auch das Recht einzuräumen, parallel zu dem TV-Sender einen ebenfalls kommerziellen Radiosender aufzubauen. Nur mit den Werbeeinnahmen einer solchen Station könnten die hohen Kosten des neuen Fernsehsenders aufgefangen werden, denn es würde mehrere Jahre dauern, bis dieser eigene Gewinne abwerfe. Billmann war selbst als Aktionär an der Fernseh AG beteiligt und wurde später ihr geschäftsführender Direktor. Man kann vermuten, dass er den Plan für einen zusätzlichen lukrativen Radiosender schon lange vorher in der Tasche hatte, um ihn jetzt als unerlässliche Finanzierungsgrundlage für den saarländischen TV-Sender vorzulegen. Als weiteren Köder versprach er, Radio Saarbrücken einen neuen, stärkeren (100-kW-)Mittelwellensender zu spendieren (dazu kam es aber nie; Näheres darüber auf der Seite Rundfunkgeschichte, am Ende von Abschnitt 2). Foto: Michael John, Holz.

 

Hoffmann erklärte sich mit Billmanns Vorschlag einverstanden, stellte aber zur Bedingung, dass für Radio Saarbrücken dadurch keine finanziellen Nachteile und keine Störung des Betriebes entstehen dürfe, und dass die Fernseh AG sich selbst um die Zuteilung einer Frequenz für den geplanten Radiosender kümmerte. Kurz darauf wurde der Deal vertraglich festgeklopft. Damit war auch die Grundlage für die Errichtung des späteren französischen Langwellen-Reklamesenders auf saarländischem Gebiet, "Europe No. 1" (siehe hier) geschaffen. Dieser ging im 1. Januar 1955 auf Sendung.

 

Von Billmann stammte wahrscheinlich auch die Idee, den Sender Radio Saarbrücken in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umzuwandeln. Am 24. Oktober 1952 wurde die "Saarländischer Rundfunk GmbH" gegründet. Unmittelbar danach schrieb man die zwischen der Rundfunkverwaltung und der Fernseh AG abgeschlossenen Verträge auf die neue SR-GmbH um und unterzeichnete sie am 30. Januar 1953 sicherheitshalber noch einmal neu.

 

Nun begann man damit, den saarländischen Fernsehsender in Saarbrücken aufzubauen. Bereits im Laufe des Jahres 1953 wurden die ersten Versuchssendungen der neuen Station Telesaar ausgestrahlt. Diese begann damit sogar schon eher als ein anderer, bereits früher von der Images-et-Son-Holding geplanter TV-Sender: "Télé Monte Carlo" nahm in Monaco seinen Betrieb erst am 19. November 1954 auf.

Das Fernsehen startete damit im Saarland auch nur wenig später als in der Bundesrepublik, allerdings mit einer Station, die von französischen Geldgebern privat finanziert wurde! In Deutschland wäre die Genehmigung eines Privatsenders damals (und noch bis etwa 1984!) undenkbar gewesen. Deshalb führte diese Situation nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik am 1. Januar 1957 zu heftigen politischen Turbulenzen (siehe unten im Abschnitt 4:"Das Ende von Telesaar").  (Bildschirm-Fotos: Richard Kirst, Dudweiler)

 

Die erste "richtige" Sendung fand am 23. Dezember 1953 statt. Es war der 63. Geburtstag von Johannes Hoffmann, und der General- direktor von Radio Saarbrücken, Frédéric Billmann, gratulierte dem Ministerpräsidenten vor laufender Kamera. In dieser Auftaktsendung waren außerdem zu sehen: Christa Adomeit als Ansagerin, Fritz und Gerdi Weissenbach (damals noch Gerti Palmer), Viktor Lenz und Sohn, das Schlager-Terzett "Die drei Raben" und der Sänger Luitpold Ganther. Man sendete auch einen Märchenfilm, einen Kurzfilm über Johannes Hoffmann und einen Kulturfilm von Ernst Bingen über das Saarland. Es gibt leider keine Bildaufzeichnungen von den Fernsehsendungen dieser Anfangszeit, weil die technischen Möglichkeiten dazu damals noch nicht bestanden.

 

Danach folgten verschiedene weitere Versuchsausstrahlungen, bis es ab 6. Juni 1954 tägliche Fernseh-Sendungen mit einem Vollprogramm zu sehen gab. Die tägliche Sendedauer betrug etwa drei Stunden. (Mehr über das Telesaar-Programm finden Sie unten in Abschnitt 6.)

 

Telesaar wurde über einen 100-Watt-Sender vom Eschberger Hof in Saarbrücken aus im Band III, Kanal F 7 (horizontale Pol.) in der französischen 819-Zeilen-Norm ausgestrahlt. (Näheres dazu: siehe Abschnitt 3).

 

Das Mini-Studio war nur 58 m² groß und befand sich im Hause der Saarländischen Volksfürsorge, Dudweiler Straße 57-59, Ecke Richard-Wagner-Straße. Man nahm zwei Stockwerke in Anspruch, um besser mit den hohen und heißen Scheinwerfern (den sogenannten Jupiterlampen) umgehen zu können.

Das Foto links oben zeigt die Telesaar-Sendeantenne auf dem Eschberger Hof in Saarbrücken; dieser ist auf dem Bild oben rechts zu sehen. Im Foto darüber sieht man die Richtfunkantenne auf dem Dach des Volksfürsorge-Hauses Ecke Dudweiler-/Richard-Wagner-Straße - es ist auf dem Foto rechts abgebildet. >

 

Rechts neben diesem Anwesen erkennt man das Haus Richard-Wagner-Str. 58. Darin befindet sich noch heute der Sitz der "Europäischen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft (Europa 1)". Diese ist übrigens auch Hauptgesellschafterin der heutigen privaten Radiostation Radio Salü, deren Studios ebenfalls in diesem Gebäude untergebracht sind.

 

Die Bilder wurden in den 50er Jahren von Telesaar-Mitarbeitern aufgenommen.

Literaturangaben für die hier geschilderten Vorgänge finden Sie unten am Ende dieser Seite.

 

Das Personal des saarländischen Fernsehsenders bestand z.B. im Jahr 1954 aus 28 Personen, 25 von ihnen waren Saarländer. Die Mitwirkenden vor und hinter den Kameras und Mikrofonen waren überwiegend Radioleute, die man schon vom Reichssender bzw. von Radio Saarbrücken her kannte. Viele von ihnen arbeiteten jetzt sowohl für den Radiosender als auch für Telesaar. Weitere Angaben zu einzelnen Mitarbeitern beim Fernsehen finden Sie in einer Tabelle weiter unten.

 

Links: Das Stationsbild des Fernsehsenders beinhaltete eine Grubenlampe und die Bergbausymbole Schlägel und Eisen.

Schon kurz nach der Aufnahme des Sendebetriebs von Telesaar wurde ab Mitte Mai 1954 auch Fernsehwerbung ausgestrahlt, denn die Einnahmen daraus wurden benötigt, um zur Finanzierung des privaten Unternehmens beizutragen. Dieses sollte später einmal Gewinne abwerfen - dazu ist es aber nie gekommen.

 

Die Vermarktung der Werbung oblag der Radio-Reklame GmbH, die auch für die Rundfunkwerbung bei Radio Saarbrücken zuständig war.

 

(Siehe hierzu auch Seite Radio Saarbrücken, Abschnitt 8).

Inzwischen war auch der Bau der Sendeanlagen für den kommerziellen Radiosender auf dem Sauberg bei Felsberg-Berus in Angriff genommen worden. Er sollte sein werbefinanziertes Programm meist in französischer Sprache ab 1. Januar 1955 auf Langwelle unter dem Namen Europe No. 1 ausstrahlen (der Name des Senders wurde 1983 abgekürzt zu "Europe 1"; so lautet er heute noch).

 

Weitere Einzelheiten zu dem Langwellen-Sender finden Sie auf der Seite Europe No. 1, deren Lektüre wegen der Verknüpfung der Entstehungsgeschichte von Telesaar und Europe No. 1 sehr zu empfehlen ist.

 

 

3) Ausstrahlung und Empfang des Telesaar-Programms

 

In dem am 18. Juni 1952 verabschiedeten Rundfunkgesetz war für das Saarland die Übernahme aller technischen Normen des französischen Fernsehsystems festgeschrieben worden. Es wurde also wie in Frankreich mit 819 Bildzeilen gesendet, und Bild und Ton wurden in AM ausgestrahlt.

 

Mit Fernsehgeräten, die nur für diese Norm ausgelegt waren, konnte man deshalb im Saarland zwar Telesaar und das französische Fernsehen schauen, nicht aber das deutsche, das ja 625 Zeilen verwendete. Umgekehrt war Telesaar in der angrenzenden BRD mit einem normalen Fernsehgerät nicht zu sehen. Nur mit teuren Mehrnormen-Geräten (wie z. B. dem rechts abgebildeten) konnte man beide Systeme empfangen.

 

Es gab im Saarland damals insgesamt nur wenige Fernsehgeräte: ganz am Anfang etwa 100, 1954 ca. 700 und 1958 rund 4000. In fast jeder Gastwirtschaft stand ein Fernseher. Das günstigste Gerät auf dem Markt war ein 819-Zeilen Gerät von Sonora mit 36 cm Bilddiagonale. Es kostete etwa 60.000 Francs. Da man damals in der Regel nur ein einziges Programm empfangen konnte, galt ein Kanalwähler bei diesen Geräten als unnötiger Luxus. Falls doch eine Kanalwahl nötig war, wurden einfach einige mitgelieferte Spulen ausgetauscht.

 

Ein für das Saarland zur damaligen Zeit besonderer Fernseher, Marke Telemaster.

Es war ein Mehrnormengerät ("Mehrzeiler") und kostete ca.125.000 frs. Foto: M. John, Holz

Telesaar sendete im Band III auf Kanal F7 mit horizontaler Polarisation. Dieser Kanal war auf der Stockholmer Wellenkonferenz nicht dem Saarland zugeteilt worden, sondern Frankreich. Die RTF (Radio Télévision Française) trat ihn aber an Telesaar ab. So konnten fernseh- hungrige Saarländer das Telesaar-Programm in und um Saarbrücken mit geringem Antennenaufwand auf diesem Kanal empfangen. Der in Stockholm dem Saarland offiziell zugewiesene Fernsehkanal F1b im Band I (seine Frequenzen überschneiden sich mit denen des Kanals E2), blieb vorläufig ungenutzt (bis Januar 1957, siehe unten im Abschnitt 4).

Mit größeren Antennen war Telesaar auch in weiter entfernten Höhenlagen zu empfangen. Die Geräte und Antennen dafür konnte man z.B. im Raum Neunkirchen bei Radio Zeiler in der Bahnhofstraße kaufen oder bei der Firma Maekel, Ecke Hüttenbergstraße/Oberer Markt. Im Restaurant Burgkeller am Oberen Markt stand ein Gerät, auf dem sich die Gäste gerne den saarländischen TV-Sender anschauten, und auch in der Gaststätte "Beim Hör" in Haus Furpach war ein Fernsehempfänger aufgestellt. (Mitteilung von J. Dippe.)

 

Über seine frühen TV-Empfangserlebnisse berichtet Udo Burkhardt aus Neunkirchen: "Ich habe dort bei der Fa. Maekel von 1961 bis 1965 das Radio- und Fernsehtechnikerhandwerk erlernt. Die alten Geräte, die Mitte der fünfziger Jahre gebaut wurden, hab ich noch repariert, und ich kannte mich auf vielen Dachböden Neunkirchens bestens aus. In Furpach, wo ich aufgewachsen bin, gab es auch schon 1955 im Gasthaus "Zur Ewigkeit" (Ripplinger) ein Fernsehgerät. Ich erinnere mich noch gut an den Bau der Antenne. Ein Riesending! An manchen Stellen des Saarlandes, vor allem im Homburger Raum, bekam man den Südwestfunk vom Sender Hornisgrinde auf Kanal 9 herein. Saarbrücken war dort schlecht zu empfangen. Das lag an der senkrechten Abstrahlung des Signals*), welche zwar die Reichweite erhöhte, aber durch die vielen "Schatten" (Reflexionen) war kaum etwas zu erkennen. Von der Hornisgrinde kam das Signal horizontal. Da war das Bild zwar oft voller Grieß, aber man konnte von dem Geschehen auf dem Schirm mehr erahnen."  *) gemeint ist wohl die vertikale Antennen-Polarisation

Zu dem Bild: Solche und ähnliche abenteuerliche Selbstbau-Antennen verhalfen den wenigen Fernsehfreaks in den Anfangszeiten des neuen Mediums zum Empfang eines einigermaßen erkennbaren Bildes. Diese beiden 21 m hohen freitragenden Stahlmaste standen drehbar in Ensheim beim Haus des Direktors der Saarländischen Röhrenwerke, Baumbach. Sie wurden schon 1953 aufgebaut, um den Sender Feldberg im Taunus auf Kanal 8 zu empfangen. Die Antenne soll aus 64 Elementen bestanden haben; bei Planung und Bau sollen bekannte TV-Techniker wie Werner Rummel (Sbr.), Ernst Groß (St. Ingbert) und Günther Krauß (Güdingen) mitgewirkt haben. (Foto u. Bericht: SZ 28.08.53)

 

Im Anhang ganz unten auf dieser Seite finden Sie einen Bericht "So kann man sich irren" mit interessanten Details über die im Vorfeld geführten Diskussionen bezüglich der im Saarland einzuführenden Zeilennorm und dem damals ebenfalls schon angedachten Farbfernsehen.

 

In den 50er Jahren konnte man im Saarland mit entsprechenden Empfangs- und Antennenanlagen - je nach Empfangslage - folgende Fernsehsender sehen:

 

Programm

Sprache

Standort

kW

Zeit

Kanal

Norm

Bild (MHz)

Ton (MHz)

TELESAAR

 

deutsch

 

Saarbrücken - Eschberg

Felsberg - Berus

0,1

3

23.12.53 -15.7.58

15. - 25.1.1958

F 7

F1b vert

E - 819

E - 819

177,15 pos.

 52,40  pos.

188,30 AM

 41,25 AM

Deutsches Fernsehen

 

 

 

deutsch

 

 

 

Saarbr.-Schwarzenbg. [1]

 

Saarbrücken - Eschberg

Göttelborner Höhe

 0,1

 

 0,1

100

1.1.57 mit Unterbre- chungen bis Okt. 59

16.7.58 - Nov. 58

ab 15.10.1959

E 2 vert.

 

F 7

E 2 vert.

B - 625

 

E - 819

B - 625

  48,25 neg.

 

177,15 pos.

  48,25 neg.

  53,75 FM

 

188,30 AM

  53,75 FM

In guten Empfangslagen waren (mit guten Antennen) auch zu empfangen:

Deutsches Fernsehen

 

 

deutsch

 

 

Baden-Baden-Hornisgrinde

Gr. Feldberg im Taunus

Weinbiet (bei Neustadt)

80

10

30

ab 1954

ab 29.5.1953

ab Ende Mai 1953

E 9

E 8

E 6

B - 625

B - 625

B - 625

203,25 neg

196,25 neg

182,25 neg

208,75 FM

201,75 FM

187,75 FM

Radiodiffusion-Télévi- sion Française (RTF)

französ.

 

Metz (Luttange)

Straßburg (Lauth)  [2]

10

3

ab 1956

ab 1953

F 6

F 5

E - 819

E - 819

173,40 pos.

164,00 pos.

162,25 AM

175,15 AM

Télé Luxembourg

französ.

Dudelange

100

ab 23.1.1955

E 7

E - 819

189,25 pos.

195,75 AM

[1]  Vom 6.1.57 bis 14.1.58 sendete man vom Schwarzenbergturm aus nur sporadisch, etwa 1x pro Woche (Näheres darüber siehe unten im Abschnitt 4 "Das Ende von Telesaar"). Am 1.9.58 wurde seine Leistung von 100 W (= 0,1 kW) auf 2 kW erhöht.

[2]  Der Sender Straßburg-Lauth konnte an der Saar wahrscheinlich nur an sehr wenigen Orten empfangen werden, da er zu schwach war. Er wurde ab 1964 auf demselben Kanal (F5) durch den Sender in Straßburg (Nordheim) mit 50 kW ersetzt.

Tabelle: Rainer Freyer und Karl Presser. Quellen: Chronik der ARD (http://web.ard.de/ard-chronik/) - Wikipedia (Stichworte: Namen einzelner Sendeanlagen) - Französ. Zeitschrift Le HAUT-PARLEUR vom 30. Oktober 1962 - Verschiedene Berichte aus der SVZ und anderen Zeitungen der 50er Jahre

 

 Ausführliche Einzelheiten über das Programm von Telesaar finden Sie weiter unten im Abschnitt 6) Wie Telesaar seine Zuschauer  informiert und unterhalten hat.

 

 

4) Fast ein Fernseh-Krimi: Das Ende von Telesaar und wie Deutsches Fernsehen ins Saarland kam

 

Auch nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik am 1. Januar 1957 ging der Betrieb der beiden privat finanzierten Sender Europe No. 1 auf Langewelle und Telesaar im Fernsehkanal F7 weiter, obwohl inzwischen die Deutsche Bundespost die Funkhoheit im Saarland übernommen hatte. Doch die Verträge, welche die "Saarländischer Rundfunk GmbH" am 30. Januar 1953 mit der Fernseh AG abgeschlossen hatte (siehe oben im Abschnitt 2), waren juristisch so "wasserdicht", dass sie weiterhin galten und auch nicht aufgrund der neuen politischen Lage außer Kraft gesetzt werden konnten. So wurden Europe No. 1 am 1. Januar 1957 zur ersten privaten Radiostation und Telesaar zum ersten kommerziellen Fernsehsender auf deutschem Hoheitsgebiet.

 

Von diesem Tag an wollte man im gerade entstandenen jüngsten Bundesland natürlich auch das Programm des Deutschen Fernsehens ausstrahlen. Hierfür lieh sich der SR vom Südwestfunk einen 100-W-Sender aus, der Ende 1956 mit einer Sondergenehmigung des französischen Außenministeriums einschließlich Antenne auf einem Lkw ins Land gebracht wurde [1]. Man installierte ihn auf dem Saarbrücker Schwarzenbergturm. Er sollte vom 1. Januar 1957 an das ARD-Programm in vertikaler Polarisation und mit 625 Zeilen senden, und zwar im Band I auf Kanal 2, dessen Frequenzen denen des Kanals F1b entsprach. Dieser war dem Saarland schon 1952 in Stockholm offiziell zugeteilt worden und sollte nun zum ersten Mal hier benutzt werden. Der Sender hatte wegen seiner geringen Leistung von nur 100 Watt allerdings eine sehr geringe Reichweite.

 

Der erste Sendetag sollte mit der Übertragung des Festaktes aus dem Saarbrücker Stadttheater anlässlich der Angliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik [2] beginnen. Das Programm-Signal wollte man vom SWF-Sender Hornisgrinde (Kanal E9) übernehmen. Jener hatte aber ausgerechnet am 1.1.1957 einen Totalausfall. Hierdurch erhielt der neue ARD-Sender auf dem Saarbrücker Schwarzenberg gerade von dieser wichtigen Übertragung weder Bild noch Ton!

 

Da die Feier aber nicht nur von der ARD, sondern auch von einem eigenen Team auf Telesaar übertragen wurde, konnten viele Saarländer den Festakt trotzdem verfolgen, und zwar auf dem gewohnten Kanal F7 mit 819 Zeilen.

 

Auf dem Foto sieht man in der Loge des Theaters rechts und links je eine Kamera des SWF und in der Mitte die Kamera 2 von Telesaar. Zwei weitere Telesaar-Kameras waren in der Nähe der Bühne und auf der Außentreppe postiert (mit der man u.a. die Ankunft von Bundeskanzler Adenauer übertrug).   Foto: siehe Fußnote [1]

 

Nachdem am nächsten Tag (2.1.1957) die Hornisgrinde-Störung behoben war, konnte man in Saarbrücken und Umgebung für kurze Zeit zwei deutschsprachige Fernsehprogramme empfangen: Telesaar wie bisher vom Eschberg im Band III (Kanal F7, 819 Zeilen) und jetzt neu das Deutsche Fernsehen (ARD) vom Schwarzenberg aus im Band I (Kanal 2, 625 Zeilen).

 

Aber die Freude darüber war von kurzer Dauer: Schon nach fünf Tagen (am 6. Januar 1957) musste die Übertragung des ARD-Programms über den Schwarzenbergsender wieder eingestellt werden. Die Fernseh AG hatte heftig gegen diese Ausstrahlung protestiert, weil ihr 1952 im Vertrag mit der SR-GmbH (siehe oben, Abschnitt 2) das alleinige Recht zugesprochen worden war, im Saarland Fernsehprogramme zu verbreiten. Als Reaktion auf die Proteste blieb der Saarbrücker Staatskanzlei nichts anderes übrig, als die sofortige Einstellung der Schwarzenberg-Aussendungen anzuordnen.

 

Hierüber machte sich in der Bevölkerung heftige Verärgerung breit. Auch die Fachverbände der Radio- und Fernsehindustrie protestierten massiv, weil sie wirtschaftliche Einbußen befürchteten: Die Betriebe blieben auf den bereits produzierten Kanal-2-Antennen (s. Farbfoto unten im Abschnitt 5!) für den Empfang des Deutschen Fernsehens sitzen, und die Leute kauften jetzt natürlich auch keine neuen Fernseher für die deutsche Norm mehr. Aber alle Proteste waren nutzlos, die Saar-Regierung änderte ihre Haltung nicht. Grund dafür waren u.a. die vorerst unlösbaren Verstrickungen zwischen SR, Europe No.1 und Fernseh AG [3]; außerdem war der SR auf die vertraglich vereinbarten regelmäßigen Zahlungen von Europe No. 1 angewiesen (siehe im ersten Drittel der Seite Europe 1). So konnte man nur noch sporadische "Versuchssendungen" des ARD-Programms ausstrahlen, für die jedesmal vorher eine Genehmigung bei der Fernseh AG eingeholt werden musste.

Foto: Oberer Teil des Schwarzenbergturms (aus: "Unser Sender an der Saar". SR. 1985)

____________________________

 

[1] Fritz Raff, Axel Buchholz, Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk. Freiburg, Basel, Wien 2007. Seite 67.

[2] siehe unsere Seite Ergebnis und Folgen der Volksbefragung im Abschnitt d)

[3] Näheres dazu: siehe oben, im Abschnitt 2). Die "Saarländischer Rundfunk GmbH" war am 1.1.1957 mit allen Rechten und Pflichten in die "Saarländischer Rundfunk. Gemeinnützige Anstalt des Öffentlichen Rechts" übergegangen.

 

 

Erst ein Jahr später, im Januar 1958, klärte sich die Situation rasch und endgültig.

 

Das kam so: Die Fernseh AG hatte schon 1954 damit begonnen, in Felsberg-Berus neben der riesigen Sendehalle des LW-Senders Europe No.1 einen kleineren Turm mit einem Fernseh-Sender einschließlich Antenne zu errichten. Sie plante, über diese Anlage - vollkommen unabhängig von Telesaar - ein neues mehrsprachiges "europäisches" Fernsehprogramm unter dem Namen "Europa 1 Television" auszustrahlen. Es sollte in der großen Sendehalle auf dem Sauberg produziert werden. Auch ein Logo (siehe links) war bereits kreiert.

 

Aber dieses Programm kam wegen der politischen Entwicklung im Saarland nach der Volksbefragung 1955 nicht mehr zu Stande. Daher änderte die Fernseh AG ihre Pläne. Der neue Fernsehsender in Berus wurde trotzdem weitergebaut und im Juli 1956 fertiggestellt. Man beabsichtigte nun, künftig mit seiner Hilfe die Reichweite von Telesaar zu erhöhen. Da seine Sendeleistung zehnmal höher gewesen wäre als diejenige des bisher genutzten Eschberg-Senders, hätte man das Programm dann im gesamten Saarland flächendeckend und bis in die angrenzenden Gebiete von Rheinland-Pfalz hinein empfangen können. Der Sender wurde aber zunächst nur sporadisch für kurze Testsendungen in Betrieb genommen.

 

Elf Tage lang Telesaar-Fernsehausstrahlung vom Sauberg aus:

 

Diese Zurückhaltung wurde jedoch spontan aufgegeben, als der Saarländische Rundfunk am 15. Januar 1958 unvermittelt und ohne vorherige Ankündigung die Aussendungen des ARD-Programms auf Kanal E2 vom Schwarzenberg aus wieder aufnahm und kundtat, dass dies nun eine Dauer-Einrichtung sein werde. Daraufhin beschloss die Fernseh AG, noch am selben Abend ihren neuen Fernsehsender auf dem Sauberg bei Berus in Betrieb zu nehmen und das Telesaar-Programm in der 819-Zeilen-Norm mit 3 kW Sendeleistung von dort aus abzustrahlen. Dadurch war es nun plötzlich (und erstmalig!) in großen Teilen des Saarlandes empfangbar.

 

Das Foto rechts zeigt die Spitze des Fernsehturms in Felsberg-Berus. Dahinter ist einer der Masten des Langwellen-Senders Europa 1 zu sehen.

 

Allerdings strahlte man es auf dem französischen Kanal F1b (im Band I) aus und belegte damit etwa dieselben Frequenzen wie der Schwarzenberg-Sender auf Kanal E2 mit dem ARD-Programm. Natürlich gab es sofort heftige Proteste zahlreicher erboster Zuschauer, weil sie das Deutsche Fernsehen jetzt nicht mehr oder nur noch stark gestört sehen konnten.

    

Nun wurde es ernst. Die Bundespost, die seit dem 1. Januar 1957 die Funkhoheit im Saarland ausübte, hatte inzwischen durch den Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, Richard Stücklen, ohne die Beteiligten an der Saar zu informieren bei der Internationalen Frequenzzuweisungsbehörde in Genf beantragt, den 1952 der Saar zugeteilten französischen Kanal F1b mit 819 Zeilen gegen den Kanal E2 mit 625 Zeilen umzutauschen. Diesem Anliegen konnte die Genfer Behörde offensichtlich ohne Probleme stattgeben, da die beiden Kanäle ungefähr denselben Frequenzbereich belegten. Daraufhin teilte Stücklen der Fernseh AG mit, dass sie ihre Aussendungen vom Sauberg aus unverzüglich einzustellen hätte, weil in Deutschland der Kanal F1b nicht zugeteilt und außerdem eine 819-Zeilen-Ausstrahlung nicht genehmigungsfähig war.

 

  Foto: Sendehalle von Europe No.1 und Fernsehturm in Berus etwa 1954 (Zwei Fotos: Walter Schönhofen)

 

Danach informierte er das Bundeskabinett in Bonn in dessen Sitzung vom 22. Januar 1958 über diesen Sachverhalt. Er habe die Fernseh AG per Fernschreiben auf die Unzulässigkeit ihrer Aussendungen hingewiesen und ihr mitgeteilt, dass er im Einvernehmen mit der saarländischen Staatskanzlei und dem Intendanten des Saarländischen Rundfunks die Stilllegung des Senders und der dazugehörenden Richtfunkstrecke von Saarbrücken nach Berus durch das saarländische Innenministerium unverzüglich veranlassen werde [1]. Diese Drohung machte er wahr. Er ließ am 25. Januar 1958 den Fernsehsender auf dem Sauberg durch Post- und Polizeibeamte schließen. Die Fernseh AG legte zwar Rechtsmittel ein, aber der Sender blieb abgeschaltet. Er war nur ganze elf Tage in Betrieb gewesen (und wurde auch später nie wieder benutzt).

 

Der SPIEGEL berichtete am 5.2.1958, wie die Fernseh-Sendeanlage in Felsberg stillgelegt wurde: In den Morgenstunden des 25. Januar 1958 habe sich ein Trupp saarländischer Postbeamter unter dem Geleitschutz von Polizisten zum Sauberg bei Berus aufgemacht, um das Antennenkabel des Fernsehsenders zu durchtrennen. Der Polizeichef habe den Fernseh-Generaldirektor Frédéric Billmann telefonisch davon unterrichtet, worauf dieser unverzüglich seine Techniker in dem "abgelegenen, pompösen Sendepalast" [Spiegel-Wortlaut] alarmierte. Es habe dann allerdings noch eine Zeit gedauert, bis die Truppe eintraf, weil das Polizeiauto im Schnee stecken geblieben war und die Beamten zu Fuß weitermarschieren mussten. Nach dem Durchschneiden des Antennenkabels versiegelten sie den Schaltraum des Senders. [2]

 

Die Ausstrahlung des Telesaar-Programms über den Sender Saarbrücken-Eschberg auf Kanal F7 war davon vorläufig nicht betroffen. Sie blieb aber dem Bundespostminister ein Dorn im Auge; außerdem waren Aussendungen auf diesem Kanal in französischer Norm für Deutschland nicht zugelassen. Aufgrund von Beschwerden aus Frankreich wies Stücklen den Vorstand der Fernseh AG darauf hin, dass Telesaar in manchen Gebieten jenseits der Saargrenze den Empfang des Fernsehsenders Metz-Luttange störe. Dieser strahlte seit Ende Juli 1956 das nationale RTF-Programm auf dem direkten Nachbarkanal F6 aus. Obwohl es den Technikern von Telesaar gelang, diese Störungen zu minimieren, kündigte das Bundespostministerium im Februar 1958 der Saarländischen Fernseh AG in einem Brief an, dass es den Fernsehsender Telesaar "wegen unzulässiger Nutzung von Frequenzen" schließen werde [3].

 

Es dauerte allerdings noch fast fünf Monate bis zum endgültigen Aus: Erst am 16. Juli 1958 wurde Telesaar mittels einer Verfügung des Postministers geschlossen, da es im Widerspruch zu den internationalen Bestimmungen in einer für die Bundesrepublik nicht zugelassenen Sendenorm (819 Zeilen) und auf einer nicht zugeteilten Frequenz (Kanal F7) Werbesendungen ausstrahlte. Ein solcher Tatbestand war mit dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der BRD nicht vereinbar.

 

Nun gab die Fernseh AG ihren Kampf zur Erhaltung von Telesaar endgültig auf. Einen wirtschaftlichen Verlust bedeutete dies für sie nicht, denn der Sender hatte in den viereinhalb Jahren seines Bestehens trotz der Werbeeinnahmen nicht etwa Gewinne, sondern im Gegenteil erhebliche finanzielle Verluste eingefahren. Das war keine Überraschung, denn man hatte von Anfang an damit gerechnet. Trotzdem brachte diese ganze Aktion seinen Betreibern einen großen Nutzen, denn nur durch den Aufbau der kleinen saarländischen Fernsehstation - als "Lockmittel" für die Saarstaat-Regierung - war es ihnen gelungen, den äußerst lukrativen kommerziellen Rundfunksender Europe No. 1 einzurichten und (bis heute!) mit Gewinn zu betreiben.

 

Den Termin für die offizielle Schließung von Telesaar hatte Stücklen der Fernseh AG schon im April bekanntgegeben. So konnte diese für den letzten Sendetag noch ein "würdiges Ende" ihres Programms vorbereiten:

 

Am 15. Juli 1958 fand unter dem Titel "Der Rest ist Schweigen" die Abschiedssendung von Telesaar statt, in der die Mitwirkenden ihrem Publikum Lebewohl sagten.

 

Zum Bild rechts: Roland Stigulinszky kommentierte die Schließung des Senders mit der Zeichnung eines "bissigen Mai-Fisches" (Dr. Franz Mai war damals Intendant des SR).

 

Foto und Info: Roland Stigulinszky

 

Bilder unten: Programmvorschau auf Telesaar für den letzten Sendetag und Ankündigung des Sendeschlusses.

 

Für die inzwischen knapp siebzig Mitarbeiter des Senders war seine Schließung bitter, mussten sie sich doch nun einen neuen Lebensunterhalt suchen. Viele von ihnen fanden aber schnell eine Stelle beim neuen SR-Fernsehen. Trotzdem bedauerten so manche der beliebten Akteure von Telesaar das Ende ihres Senders sehr.

 

Für die letzte Sendung (um 19:15 Uhr) des Kinderprogramms hatte ein junges Mädchen ein "trotziges" Abschieds-Gedicht in Mundart mitgebracht, das ihre Mutter extra für dieses Ereignis geschrieben hatte. Die letzten Worte lauteten: "Unn all, die uns net hawwe wolle, die soll doch der Deiwel holle!" Es durfte dann aber doch nicht vor laufender Kamera vorgetragen werden.[4]

 

 

 

So könnte es am letzten Abend auf dem Sauberg ausgesehen haben: Sonnenuntergang für Telesaar...

 

Der Fernsehturm steht dort heute noch - seit 1958 ungenutzt.

(Foto am 30.9.2014 vom Schoksberg zwischen Riegelsberg und Püttlingen aus aufgenommen von  R. Freyer)

 

____________________________

 

Fußnoten zu Abschnitt 4:

 

[1] Kabinettsprotokoll der Bundesregierung, Sitzung vom 22. Januar 1958, Tagesordnungspunkt A. Nachzulesen unter:

     http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/0000/k/k1958k/kap1_2/kap2_3/para3_5.html

[2] Privat-Sender. Freibeuter an der Saar. In: Der Spiegel 6/1958, Seite 47f. Im Netz: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41760626.html

[3] Kabinettsprotokoll der Bundesregierung, Sitzung vom 19. Februar 1958, TOP 4. Nachzulesen unter:

     http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/0000/k/k1958k/kap1_2/kap2_7/para3_4.html

[4] Mitteilung von Anne Fagherazzi, Januar 2012.

 

 

 

5) Nach dem Ende von Telesaar am 15. Juli 1958...

 

... konnten die anfangs noch wenigen Zuschauer in und um Saarbrücken, die schon ein 625-Zeilen-Gerät besaßen, weiterhin über den Sender auf dem Schwarzenberg das Deutsche Fernsehen empfangen. Für die Besitzer der alten 819-Zeilen-Geräte übertrug man es nun zusätzlich einige Monate lang auch über den bisherigen Telesaar-Sender auf dem Eschberg. Da das Bild von der ARD dort mit 625 Zeilen ankam, musste man es über einen "Zeilenumsetzer" (offizieller Sprachgebrauch!) umwandeln.

Dies geschah ganz einfach dadurch, dass man es auf dem Halberg mit einer 819-Zeilen-Kamera von einem 625-Zeilen-Bildschirm abfilmte und zeitgleich über den Eschbergsender auf der alten Telesaar-Frequenz im Kanal F7 wieder ausstrahlte. So konnten die Saarländer mit ihren vorhandenen Geräten französischer Norm auch das bundesdeutsche Fernsehprogramm verfolgen - wenn auch in mäßiger Bildqualität und nur noch etwa fünf Monate lang.

 

Im November 1958 wurde der Sender auf dem Eschberg endgültig abgeschaltet. Mit den alten 819-Zeilen-Geräten waren jetzt - je nach Empfangslage - nur noch die französischen Sender Metz (Kanal F6) und Strasbourg (F5) sowie das ebenfalls französischsprachige Programm Télé Luxembourg (E7) zu empfangen. Das Deutsche Fernsehen konnte man nun auch an der Saar nur noch - wie überall in Deutschland - mit 625-Zeilen-Empfängern (oder sogenannten "Mehrzeilern") sehen, und zwar nur in der weiteren Umgebung von Saarbrücken über den Sender Schwarzenberg, dessen Leistung am 1. 9. 1958 von 100 W auf 2 kW erhöht worden war.

 

Sein Betrieb wurde schließlich ebenfalls eingestellt, als am 15. Oktober 1959 der neue Grundnetzsender Göttelborn auf demselben Kanal (E2 vertikal) den Betrieb aufnahm. Mit seiner hohen Leistung von 100 kW erreichte er fast flächendeckend das gesamte Saarland. Hier waren zu dieser Zeit nur etwa 4.000 Fernsehgeräte vorhanden. Nach dem Sendebeginn in Göttelborn soll diese Zahl innerhalb eines Jahres auf etwa 24.000 angestiegen sein [1], und bis Mai 1963 erhöhte sie sich auf über 150.000! [2]

 

Das Bild zeigt eine "übriggebliebene" 2-Element-Kanal-2-Fernseh-Empfangsantenne, wie man sie von 1959 an auf Hausdächern im Saarland sehen konnte. Viele von ihnen hatten auch drei, manche sogar vier Elemente. Einige wenige davon fristen dort sogar heute noch ihr Dasein - ohne Funktion, denn der Göttelborner Kanal-2-Sender wurde am 13. Dezember 2007 abgeschaltet. (Das Bild wurde 2014 in Riegelsberg/Saar aufgenommen von R. Freyer.)

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[1] siehe: Saarländischer Rundfunk (Hg.). Unser Sender an der Saar. 50 Jahre Rundfunk im Saarland. Sbr.1985, S. 65

[2] siehe: 15 Jahre Werbefunk an der Saar, hgg. von der Werbefunk Saar GmbH, o.D.; wahrsch. 1963, 7. Textseite

 

 

1959 begannen Regionalprogramm und Werbefernsehen des SR

 

Nach der Schließung von Telesaar im Juli 1958 gab es vorläufig kein saarland-spezifisches Werbefernsehen mehr. Während der Übergangszeit übernahm der SR werktags für das Regionalfenster von18 bis 20 Uhr zunächst das Regionalprogramm des Südwestfunks (mit dessen Werbung). Im Laufe der Zeit wurde ein langsam anwachsender Teil dieser Sendezeit vom neuen Regionalfernsehen des SR gestaltet. Es dauerte anfangs etwa eine halbe Stunde und bestand aus einem kurzen Unterhaltungsfilm und zweimal fünf Minuten eigener Saar-Werbung.

 

Am 9. November 1959 begann der SR schließlich mit der Ausstrahlung seines eigenen zweistündigen Regional- und Werbeprogramms. Produziert wurde es auf dem Halberg in Räumen, die vorher als Pferdestall genutzt worden waren. Zahlreiche ehemalige Mitarbeiter von Telesaar konnten beim neuen SR-Fernsehen weiterarbeiten. Regionale Bild- und Filmberichte aus dem Saarland wurden erst ab 1. Februar 1961 gesendet. In dieser Zeit waren auch die ersten Fernsehansagerinnen auf dem Bildschirm zu sehen. Die allererste war in einem Wettbewerb ausgewählt worden. Sie hieß Ruth Pfordt. Erinnern Sie sich? (Foto: SR.)

 

Rechts: Schlossgeist Kunibert erschien zwischen den einzelnen Spots des SR-Werbefernsehens von 1959 bis 1971.

 

Mehr zu den Anfängen des Fernseh-Regionalprogramms des Saarländischen Rundfunks finden Sie auf dessen Website unter diesem Link:

http://www.sr.de/sr/home/der_sr/wir_uber_uns/geschichte/fundstucke/pferdestall_blattner100.html

 

 

6) Wie Telesaar seine Zuschauer informierte und unterhielt

 

(Dieser Teil soll demnächst durch weiteres Bildmaterial und Berichte ergänzt werden.)

 

Das tägliche Telesaar-Programm war in den ersten Jahren in zwei Blöcke aufgeteilt: Der erste Teil lief von 17 bis 18 (später bis 19) Uhr mit Sendungen für Kinder ("Kinderstunde" u. a. mit Tante Christa und Werner Wiedemann: Basteln, Kasperletheater usw.), für Hausfrauen und Mütter ("Magazin der Frau"), für Gartenfreunde und andere Interessengruppen. Volkstümliche Konzerte wurden von Josef Reichert präsentiert. Nach einer Sendepause begann dann das Abendprogramm. In späteren Jahren lief das gesamte Programm ohne Pause von 19 bis ca. 22.15 Uhr.

 

Um 20 Uhr sendete man jeden Tag eine "Tagesschau" (diejenige des Deutschen Fernsehens lief erst ab Oktober 1956 täglich!). Das Filmmaterial wurde ohne Ton, aber mit Rohtexten aus Paris geliefert. Auf der Basis dieser Texte schrieben die Telesaar-Redakteure im Laufe des Tages deutsche Kommentare zu den Filmbeiträgen und nahmen sie auf Tonbänder auf. Diese wurden dann abends parallel zu dem in Saarbrücken geschnittenen Filmmaterial abgespielt. Vor dem Sendeschluss, meist gegen 21:45 Uhr, wurde die Tagesschau live wiederholt.

 

Dazwischen lief ab 20:15 Uhr ein Spielfilm, eine Unterhaltungssendung (damals hieß es noch "Bunter Abend") oder ein Sketch. Man produzierte aber auch schon eigene Fernsehspiele, und die wurden natürlich immer live gesendet. Überhaupt konnte alles nur "direkt" ausgestrahlt werden, zeitversetzte Sendungen oder Wiederholungen waren nicht möglich, weil es damals noch keine Geräte für eine magnetische Aufzeichnung (MAZ) gab.

 

Da man Spielfilme in der Anfangszeit des Fernsehens noch nicht elektronisch abtasten konnte, musste man sie im Studio direkt von einem Projektor aus auf die Aufnahmeröhre einer Fernsehkamera projizieren. Deren Bilder gingen dann live über den Sender.

 

Das Telesaar-Programm wurde in den Tageszeitungen abgedruckt. Es gab auch eine saarländische Programmzeitschrift, TELE Bild mit Radio (mehr dazu auf der Seite Radio Saarbrücken unter Programmzeitschrift). Besonders in den ersten Jahren beschwerten sich Zuschauer häufig, weil an vielen Tagen der Titel des Spielfilms, der abends auf Telesaar gezeigt wurde, nicht in den Programmvorschauen der Tageszeitungen erschien. Offensichtlich wurde meist sehr kurzfristig entschieden, welcher Film gezeigt wurde.

 

Sportsendungen spielten eine große Rolle bei Telesaar. Wichtige Fußballbegegnungen aus dem Ludwigspark und Kieselhumes, manchmal auch aus dem Neunkircher Ellenfeld und anderen Stadien, wurden in der Sendung "Und wieder rollt das Leder" live übertragen und kommentiert. Da unser Sender nicht am internationalen Programmaustausch der europäischen Fernsehanstal- ten teilnehmen durfte, konnte er keine populären Sport-Ereignisse von außerhalb des Saarlandes übertragen.

 

Wer im Saarland die Spiele der Fußball-WM 1954 sehen wollte, konnte in grenznahen Gebieten mit Geräten, die für die deutsche Norm geeignet waren, die ARD-Übertragungen genießen. Vielerorts wurden eigens dafür große Antennenanlagen gebastelt, damit man einen der ARD-Sender empfangen konnte (siehe Tabelle oben im Abschnitt 3). In manchen Gebieten konnte man sich - je nach Lage - die Übertragung über einen Sender aus Frankreich anschauen, natürlich nur mit französischem Ton. Für diejenigen, die keine dieser Möglichkeiten nutzen konnten, wurden Sonderbusse eingesetzt, um sie in grenznahe Orte der Bundesrepublik zu fahren. Dort konnten sie die Spiele an den Fernsehern in Gaststätten verfolgen.

 

Telesaar berichtete auch über Pferderennen aus Güdingen und Motorradrennen aus St. Wendel. "Catch as catch can"-Kämpfe waren damals besonders in Frankreich beliebt, und solche Veranstaltungen wurden auch im Saarland ausgetragen und im Fernsehen gezeigt.

 

Für die Sporberichterstattung im Studio und die Bekanntgabe der Tippreihen und der Lottozahlen war u.a. Franz Duhr zuständig.

 

Der Sender übertrug auch Rosenmontagszumzüge, die Eröffnung der Saarmesse, die Ankunft von Politikern am Saarbrücker Bahnhof oder auf dem Flugplatz St. Arnual, den Empfang von Filmstars und anderen Künstlern im Saarbrücker Rathaus usw. Aus der Wartburg und dem Johannishof wurden Veranstaltungen aller Art gesendet. Für diese warb man oft im ganzen Land mit Plakaten.

 

Bei Erwachsenen waren Unterhaltungssendungen mit Variété- und Tanzdarbietungen sehr beliebt; z.B. der "Telecocktail" mit Heinz Schenk (der später zum HR wechselte) oder "Televariété".

 

Abb. rechts: Blick auf das Abendprogramm in einer typischen Programmwoche von Telesaar im Jahr 1955

 

In der Programmvorschau wird für Samstag die Sendung "Tante Christa und die Fernsehsternchen" angekündigt. Auf dem Foto sehen wir die "Sternchen" mit dem Märchenonkel von Radio Saarbrücken (Bildmitte).

Mehr über Tante Christa und über den Märchenonkel demnächst.

 

 

Wöchentliche Programmvorschau mit Roland Stigulinszky unter dem Titel "Sie werden sehen - Stigs lustige Programmvorschau"

 

 

Der bekannte saarländische Zeichner und Karikaturist zeichnete von 1954 bis 1958 die Programmvorschau von Telesaar. Immer freitags um 19:40 stellte er das Fernsehprogramm der folgenden sieben Tage vor. Das tat er vor einer Staffelei, auf der er live zu den wichtigsten Sendungen lustige Zeichnungen anfertigte. Im Bild rechts ging es zum Beispiel um eine Kochsendung, die am Samstag um 19:15 Uhr laufen sollte.

(Foto: Roland Stigulinszky)

 

Wenn ein Zeichenblatt voll war, zog er es von der Staffelei ab und legte es zur Seite, um mit einer neuen Zeichnung zu beginnen. Die fertigen Blätter müssen seine Fernseh-Kollegen entsorgt oder mit nach Hause genommen haben, denn es findet sich heute keines mehr davon in seiner Sammlung.

(Telefonbericht R. Stigulinszky am 30.4.2011)

 

"TELEVARIETE"

 

war eine beliebte Samstagabendsendung aus der Saarbrücker Wartburg. Das Programm bestand in der Hauptsache aus Tanzvorführungen und Darbietungen von Musikern und Artisten. Die dabei dargebotene Erotik beschränkte sich etwa auf das, was man auf dem Foto links sieht. Aber für die damalige Zeit waren Damen in Dessous doch wohl schon eine recht "gewagte" Sache...

 

Im "Telecocktail" begannen manche Stars ihre Karriere – wie zum Beispiel Heinz Schenk, der später im Ersten Deutschen Fernsehen beim "Blauen Bock" den Mainzer Otto Höpfner ablöste und Karriere machte.

 

 

Weitere Infos und Bilder zum Programm von Telesaar werden folgen!

 

 

Der Telesaar-Übertragungswagen

 

 

Als Fernsehübertragungswagen

diente ein umgebauter Omnibus.

 

 

 


 

 

  

14-tägige Rundfunk- und

 

Fernsehvorführung

 

in der Bahnhofstraße

 

Mai/Juni 1952

 

In diesem Gebäude in Saarbrücken (Bahnhofstraße 54)

fand eine etwa 14-tägige Rundfunk- und Fernsehvorführung von Radio Saarbrücken

und Telesaar statt.

 

Foto aus dem Buch "Saarbrücken wie es war 3"

(von Karl August Schleiden, Droste Verlag).

 

 

 

Nähere Informationen über das Gebäude finden Sie

auf der Seite Orte & Gebäude.

  


 

 

Leiter und Mitarbeiter bei TELESAAR:

 

 

 

Generaldirektor

Frédéric Billmann

 

Bild und Dekor

 

Richard Kirst

Werner Kirst

Personal- und kaufm. Direktor

M. Favelier

Leitender Ingenieur

 

M. Legée

Ludwig Schüssler

Tontechnikerin

Ilse Laudenklos

Tontechniker

Otto Gerber

1. Regisseur

Günter Meier

Kameramann

 

 

 

Willi Raber

Fredi Ohnsorge

Elmar Schönecker

Ohm Wegener

Regisseur

Ramon Gill

Regie-Assistent

Siegfried Kohl

Bildtechniker

 

Horst Loch

Arthur Wilhelmi

Sprecher

 

 

O.K. Müller

Olaf Quaiser

Günther Stutz

Bild- und Film-Techniker

 

 

Janni Karamontzo

Ehrhard Pröschel

Eduard Jung

Ansagerin

 

Christa Adomeit

Hedi Ballier

Beleuchter

Rudi Dohn

 

Anhang:

 

a) So kann man sich irren - "Erkenntnis" aus dem Jahr 1951: "Farbfernsehen geht nur mit 819 Zeilen"

 

Als man im Saarland nach 1950 damit begann, erste Pläne für die Errichtung eines eigenen Fernsehsenders zu schmieden, machten sich die Saar-Regierung und einige französische Interessenten aus der Rundfunkindustrie ihre Gedanken über die Fernsehnorm, mit der ein zukünftiger saarländischer Sender arbeiten sollte. Die Norm legt z.B. fest, aus wie vielen Zeilen das Bild besteht. Für die in Deutschland geplanten Sender wurde 1948 eine Norm mit 625 Zeilen festgelegt. Die meisten übrigen Länder Europas schlossen sich diesem Standard an. Die Franzosen sendeten aber schon seit 1948 mit 819 Zeilen. Wenn man mit ein und demselben Fernsehgerät beide Normen empfangen wollte, brauchte man ein Mehrnormengerät (im Volks- mund "Mehrzeiler" genannt), der aber damals zuerst gar nicht und später nur mit einem hohen Aufpreis zu haben war.

Die saarländische Regierung musste sich nun für ein System entscheiden. Den Franzosen war natürlich daran gelegen, ihre 819-Zeilen-Norm auch im Saarland einzuführen. Um die Saar- Regierung von deren Vorzügen zu überzeugen, brachten sie Ende 1951 ein merkwürdiges Argument ins Spiel - siehe Text rechts >>>

 

Der abgebildete Text ist ein Auszug aus der Übersetzung eines Schreibens, das der damalige Directeur Général der Firma Radio-Industrie Paris, Henri de France, Ende 1951 an die saarländische Regierung gerichtet hatte.

 

Was hier die französischen und angeblich auch die amerikanischen Fachleute noch 1951 als unumstößliche Voraussetzung für eine künftige Farbübertragung im Fernsehen propagierten, wurde schon in den sechziger Jahren bei der Einführung des Farbfernsehens eindeutig widerlegt: Auch das französische SECAM-Farbsystem verwendete ab 1967, genauso wie das deutsche PAL, 625 Zeilen; für den amerikanischen NTSC-Farb-Standard waren schon 1953 sogar nur 525 Zeilen festgelegt worden.

 

Man entschied sich im Saarland mit dem Rundfunkgesetz von 1952 für die volle Übernahme der französischen Norm. Ob dies wegen ihrer angeblich exklusiven Farbtauglichkeit geschah, ist unwahrscheinlich. Den Hauptausschlag für die Entscheidung gaben wohl die wirtschaftlichen Interessen der französischen Industrie. Außerdem konnte die Regierung damit einmal mehr ihren Willen zu einer weitgehenden Anpassung des Landes an Frankreich demonstrieren. Zusätzlich wurde die Möglichkeit eingeschränkt, im Saarland mit den "üblichen" Fernsehgeräten neben Telesaar und dem französischen Fernsehen RTF auch das Deutsche Fernsehen zu empfangen. Davon abgesehen wären bei einer Übernahme der 625-Zeilen-Norm die Fernseher viel teurer geworden: Sie hätten aus Deutschland eingeführt und dabei verzollt werden müssen.

 


 

 

b) Fernsehkameras von damals       

 

Links: Solche 819-Zeilen-Kameras (Fabrikat Radio-Industrie) wurden in den Studios von Telesaar verwendet. (SW-Fotos: SR.)

 

Unten: Kamera der Fernseh-GmbH (frühe 60er Jahre), wurde im Regionalprogramm des Saarländischen Rundfunks einge- setzt. (Foto R. Freyer, 2009 im energis-VSE-Elektromuseum, Illingen.)

 

 

Ernst Becker, ehemals Toningenieur beim Radio (siehe hier

auf der Seite Wartburg), erinnert sich: Der Herr, der auf dem Bild ganz oben links auf die Kamera 2 deutet, war sehr wahrscheinlich Günter Meyer.

 

Er wirkte in der Wartburg als Toningenieur im Hörspielstudio von Radio Saarbrücken mit und moderierte auch eine Jazz-Sendung im Radio. Später kümmerte er sich um den guten Ton bei Telesaar. Danach ging er nach Frankfurt zum Hessischen Rundfunk und schaffte es dort bis zum Produktionsleiter. Auch privat war er sehr erfolgreich: Er heiratete eine Fernsehansagerin des WDR.

 

 

Das Foto links zeigt weitere Techniker von Telesaar. Im Hintergrund hängt das Testbild an der Wand (siehe Abb. ganz oben auf dieser Seite!). Von hier wurde es mit einer Fernseh-Kamera abgefilmt und gesendet.

 


 

Literatur:

 

- Andreas Fickers. Die Anfänge des kommerziellen Rundfunks im Saarland. Die Geschichte der Saarländischen Fernseh AG (Tele-

  Saar und Europe No.1). In: Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kuderna (Hrsg.). Medienlandschaft Saar von 1945

  bis in die Gegenwart. Band 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945 - 1955). München 2010. Seiten 241 bis 280

 

- Privat-Sender. Freibeuter an der Saar. In: Der Spiegel 16/1958, Seite 47f.  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41760626.html

 

- Europa I, Piraterie im Äther. In: Der Spiegel 1/1961, Seite 63.  http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43159238.html

 

- Heribert Schwan: Der Rundfunk als Instrument der Politik im Saarland 1945 - 1955. Berlin 1974. Seiten 55ff.

 

- Fritz Raff, Axel Buchholz, Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk.

  Freiburg, Basel, Wien 2007. Seiten 54 bis 56

 

- Michael Geib. Fernsehen in den Kinderschuhen. In: Von der `Stunde 0´ zum `Tag X´. Das Saarland 1945-1959. (Katalog zur

   Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss). Saarbrücken 1990. Seiten 407 bis 416

 

- Mineralienatlas: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Deutschland/Saarland/Saarlouis/%DCberherrn (zum Muschelkalk in

  Überherrn)

 

- Saarländischer Rundfunk (Hg.) Unser Sender an der Saar. 50 Jahre Rundfunk im Saarland. Saarbrücken, 1985. Seiten 54 f

 

- Sellemols - Vor 50 Jahren: Telesaar. Sendung des SR-Fernsehens vom 1. Februar 2004, 18:45 bis 19:15 Uhr

 

- 15 Jahre Werbefunk an der Saar. Hgg. von der Werbefunk Saar GmbH, o.D.; wahrsch. 1963

 

 

Herzlichen Dank an Hans-Günter Quirin, Völklingen, für die Überlassung seiner umfangreichen Sammlung über die Entwicklung von Telesaar mit unzähligen Bildern, Texten und Zeitungsausschnitten.

 


 

 

Weitere Berichte und Fotos über TELESAAR folgen demnächst auf dieser Seite.

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

1)  Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959 und später)

  

2)  Radio Saarbrücken:

     a)  Der saarländische Heimatsender

     b)  Der Mittelwellensender Heusweiler und Bilder der Sendeanlage

     c)  Die Wartburg - das Funkhaus von Radio Saarbrücken

     d)  Die Familie Weissenbach (die beliebten Moderatoren Gerdi und Fritz)

     e)  Die Saarlandbrille (beliebte Sonntagssendung mit Zick, Zack & Marieche)

      f )  Reporter und Übertragungswagen

 

3)  Fernsehen im Saarland der 50er Jahre: Von TELESAAR zum SR-Fernsehen

 

4)  Europe 1

     a)  Der private französische Langwellensender Europe No 1     

     b)  Die Antennen-Anlage von Europe 1 - Mastbruch 2012

  

5)  Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

Diese Seite wurde 2008 begonnen und zuletzt bearbeitet am 15.4.2016

 

 

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