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Johannes Hoffmann und Gilbert Grandval schätzten
beide Rundfunk und Fernsehen als die
beherrschenden Medien der Zukunft ein. Bereits ab März 1946 sendete Radio
Saarbrücken. Generaldirektor wurde 1949 Frédéric Billmann, der zuvor Grandvals
Informationsamt leitete.
Staatsmann JoHo wollte nicht nur ein Rundfunk-,
sondern auch ein eigenes Fernsehprogramm. Dafür fehlten aber in jeder Hinsicht
die Mittel. Den Akteuren um Billmann war bekannt, dass in Monaco ein von dem (vermutlich staatenlosen)
Geschäftsmann Charles Michelson geplantes Fernsehprogramm gesendet werden
sollte. Michelson gründete zusammen mit Rainier von Monaco dort ein
Medienunternehmen, die "Images et Son“, und begann zunächst mit
werbefinanziertem Rundfunk.
Das Geschäftsmodell schien auch für das Saarland
geeignet zu sein.
Basis für den Rundfunk im Saarland war der
Militärerlass Nr. 46 von General Pierre Koenig aus dem Jahr 1946 über die Errichtung
eines Rundfunkamts, das mit der Leitung des Betriebs des Senders Saarbrücken
beauftragt wurde. Damit war nur dieser Sender im späteren Saarland legal. Als
oberste Überwachungsinstanz war Gouverneur Grandval bestimmt.
Billmann und Michelson hatten zwar
Rundfunkerfahrung, waren aber keine Techniker. Über Verbindungen zu RTF, der
staatlichen französischen Rundfunk- und Fernsehanstalt, gerieten sie an Henri
de France. Er war, mit seiner Firma „Radio Industrie“, auch in der Lage,
Studioausrüstungen und Empfangsgeräte zu bauen.
Michelson trug zusammen mit Billmann bei JoHo und
Grandval das Geschäftskonzept vor. Sie machten beiden klar, dass Telesaar nur
mit einem zusätzlichen privaten Rundfunkprogramm für Frankreich und den
Werbeeinnahmen daraus zu finanzieren sei. So jedenfalls klingt eine weit
verbreitete Version. Es ist ebenso gut möglich, dass Michelson und Billmann von
vorne herein privaten Werbe-Rundfunk zum Ziel hatten und Telesaar die für einen
Senderstandort im Saarland zu erbringende Gegenleistung darstellte, wie DER
SPIEGEL in seiner Ausgabe 1/1961 vermutete. Diese Darstellung setzt allerdings
die an diesen Verhandlungen beteiligten Politiker dem Verdacht aus, das damals
sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bestehende Verbot privaten Rundfunks von
Anfang an umgehen zu wollen.
Michelson legte einen für sich und die anderen
Financiers günstigen Vertragsentwurf über eine Dauer von 50 Jahren vor, der
nahezu alle vertraglichen und finanziellen Risiken dieses Koppel-Geschäftes auf
das Saarland abwälzte. Außerdem enthielt der Vertrag den Passus, dass Fernsehen
im 819-Zeilen Standard gesendet werden müsse. Nach einigen Änderungen stimmte
JoHo im Frühjahr 1952 dem Handel zu.
Unmittelbar nach einem Vertrag über die Gründung
der “Saarländische Fernseh-AG“ vom 16. Mai 1952 wurde mit dieser Gesellschaft
auch der Vertrag über den geplanten französischen Rundfunksender zu deren Finanzierung
unter Dach und Fach gebracht. Die Vertreter des Saarlandes stimmten ihm nur
unter folgenden Vorbehalten zu: Die Betreiber des Senders
mussten sich selbst um eine Sendefrequenz bemühen, aus seinem Betrieb durften
keine finanziellen Nachteile für Radio Saarbrücken entstehen, Sendungen waren
nur in französischer Sprache zugelassen und Radio Saarbrücken bekam außerdem als
Teil des Geschäfts kostenlos einen neuen 100-kW-Mittelwellensender.
Das neue Rundfunkgesetz, das diese Verträge
legalisierte, wurde am 18. Juni 1952 vom Landtag angenommen.
Nach Gründung der "Saarländischer Rundfunk GmbH" im Oktober
1952 wurden die Verträge sicherheitshalber nochmals unterschrieben. Billmann
hatte zuvor noch dafür gesorgt, dass die bisherigen Geschäfte der Saarbrücker
Radio-Reklame an die Fernseh AG übergingen.
Sein späterer Wechsel vom Saarländischen Rundfunk
als Generaldirektor zur Fernseh AG konnte da kaum noch überraschen. Ihr Vorstandsvorsitzender war damals Henri de France.
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Als Senderstandort für den Rundfunk-, aber auch den
Fernsehsender hatte man aus ausbreitungstechnischen Gründen das Plateau des
Saubergs zwischen den Gemeinden Berus und Felsberg ausgewählt. Dieser Standort
hatte außerdem den Vorteil, nur einen Steinwurf von der französischen Grenze
entfernt zu liegen.
Da "Radio Industrie“ die eigentlichen Sender nicht
planen und bauen konnte, erhielt hierfür und für den neuen Mittelwellensender
für Radio Saarbrücken die "Compagnie Française Thomson-Houston“ (CFTH) den
Auftrag. Vorgesehen war für den Langwellensender auf dem Sauberg eine Leistung
von 2 x 200 kW.
Der Fernsehsender Telesaar nahm bereits am 23.
Dezember 1953 in Saarbrücken den Probebetrieb auf. Télé-Monte Carlo, das ja das
Geschäftsmodell für ihn lieferte, ging erst am 19. November 1954 auf Sendung.
Es sollte nur wenig länger dauern, bis der
Langwellensender Europe No.1 im Dezember 1954 provisorisch aus Baracken heraus senden konnte. Die Bauzeit der leistungsstarken Sendeeinrichtungen war
terminbestimmend. Im September 1954 stürzte auch noch das Dach des
futuristischen Sendegebäudes in Muschelform während der Betonarbeiten ein. Die
statischen Berechnungen waren fehlerhaft. Der oberste Ringanker hatte sich
unter Last verformt und das Dach riss bahnenweise ein. Architekt Guédy nahm
sich aufgrund der gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe das Leben. Nach Verbesserung
der Konstruktion wurde die Decke dann 1955 mit nur 4 cm Stärke und ohne Fuge gegossen.
Die Senderhalle hat eine Größe von etwa 46 x 86 Metern. Beheizt wurde sie mit der
Abwärme der Sendeanlage. Heute steht
die gesamte Anlage unter Denkmalschutz.
Die Hauptsendemasten von Europe 1 in Sichtweite des Grenzsteins. Foto: Erhard Pitzius.
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Den Umzug aus den Baracken in das fertige
Sendergebäude und die sukzessive Komplet- tierung der Technik übernahm später für
längere Zeit das Personal weitgehend in Eigenregie. Es gab ab Mitte 1954 finanzielle
Probleme aufgrund einer Bankenkrise in Monaco. Eine beteiligte Bank, die Banque
des Métaux Précieux, hatte
sich ausgerechnet bei der Finanzierung von Radio-Télé-Monte Carlo übernommen.
(Drei Fotos: Rainer Freyer, 2008.)
Frédéric Billmann war inzwischen Generaldirektor
auch bei “Images et Son“ .
Da nach wie vor keine zugeteilte Frequenz zur
Verfügung stand, sendete man am 1.1.1955 ungenehmigt auf der Frequenz 240 kHz.
Damit wurden die Radaranlagen des Flughafens Genf sowie Sender in Skandinavien
gestört, und man musste den Betrieb sofort wieder einstellen. |
Einen Tag später versuchte man es mit 245 kHz und kurz danach auf 239,5 kHz. Es entstanden Störungen und Interferenzen mit der Langwelle von Radio Luxembourg. Billmann schaffte es nicht, sich mit den Luxemburgern gütlich auf eine geringfügige Frequenzänderung beider Sender zu einigen. Beide hatten ja dieselbe Zielgruppe, die französischen Hörer und Werbekunden. Radio Luxembourg wollte
keinen neuen Wettbewerber. Als Ausweg blieb für Europe No.1 nur noch die
Frequenz 182 kHz, die legal bereits geteilt wurde von den Stationen Ankara,
Reykjavik und Lulea in Schweden. Diese
Sender schienen weit genug entfernt. Deshalb wechselte Europe No.1 Anfang April
1955 ebenfalls auf diese Frequenz.
Hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse war immer
noch keine Ruhe eingekehrt. Die französische Politik griff ein und Michelson
wurde auf Korsika festgesetzt. Der Industrielle Sylvain Floirat, auch als Omnibusbauer bekannt, übernahm, derart unterstützt, Mitte 1955 die Aktienmehrheit bei „Images et Son“.
1962 zog Charles Michelson vor Gericht, weil er
sich beim Verkauf seiner Anteile über den Tisch gezogen fühlte - aber ohne
Erfolg. Sylvain Floirat hatte inzwischen die Gewinne bei Europe No.1 zum
Sprudeln gebracht. Der Sender sollte später, wie Michelson wohl frühzeitig
ahnte, jährliche Renditen im hohen zweistelligen Prozentbereich auf sein
Eigenkapital einfahren.
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Der Sendebetrieb wurde 1954/1955 mit zwei
Antennenmasten aufgenommen. Im Jahre 1959 wurde der südliche Mast in
aufgebautem Zustand um 102 m versetzt, um eine bessere Abstrahlleistung zu
erreichen. Dies war eine, so erstmals ausgeführte, technische Glanzleistung!
Die Antennenanlage wurde 1959 auf drei, 1964 auf vier Maste erweitert. (Berichte in anderen Publikationen, dass der dritte Mast schon 1954/55 errichtet wurde, sind sehr wahrscheinlich falsch.) - Die Masthöhen der Hauptantennenanlage sind von Südwesten her 270 m, 276 m, 280 m und 282 m.
eine ausreichende Abschirmung der Abstrahlung Richtung Nord-Osten möglich. Die
Antennenanlage ist elektrisch gesehen ein hochkomplexes Gebilde und wurde
hinsichtlich ihres Abstrahlungsverhaltens und der Aufteilung der Sendeleistung
auf ihre einzelnen Elemente zwischenzeitlich optimiert. Das elektrische Gegengewicht bildet ein Erdungssystem aus Kupferdraht. Es ist 30 cm unter der Erdoberfläche verlegt und weist eine Gesamtlänge von 290 km auf.
Charakteristisch für das 117 Hektar große Antennenfeld sind die als abgeschirmte
Reusenleitungen ausgeführten Speiseleitungen und die Einhausungen am
Antennenfuß für die Anpassglieder (siehe Foto).
Die Maste überstanden alle meteorologischen und politischen Stürme bis
zum 8. August 2012. An diesem Tag brach der oberste Teil des 280-m-Mastes aus bisher ungeklärter Ursache ab. (Siehe hierzu unsere Extraseite mit Bildern des havarierten Mastes.). Es musste auf die 1974 nord-westlich zusätzlich errichtete zweimastige Notantennenanlage mit je 234 m Höhe umgeschaltet werden.
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Bis heute fällt der Überrest des 59 m hohen
Antennenturmes in der Nähe des Sendegebäudes ins Auge, der für einen Fernsehsender geplant war. Er
wurde aber nur vom 15. bis 25. Januar 1958 auf Kanal F1b in Betrieb genommen, und strahlte dabei das Programm Telesaar aus. Dann musste die nicht genehmigte
Ausstrahlung eingestellt werden (Näheres auf der Seite Telesaar im Abschnitt 5 Das Ende von Telesaar).
Die Frequenzverteilung im Lang- und Mittelwellenbereich war zum Ende der 50er
Jahre permanent umstritten. Schätzungsweise die Hälfte aller Sender
sendete auf nicht zugeteilten Frequenzen. Erst 1978 wurde in Genf ein neuer
Wellenplan verabschiedet, der die Frequenz 182 kHz Frankreich zuteilte. Damit
war das Thema Sendefrequenz vom Tisch. Später wurde die Frequenz nochmals
geringfügig variiert, weil, wahrscheinlich aus Gründen der politischen
Ost-West-Entspannung, der DDR- Sender Oranienburg nicht länger gestört werden
sollte.
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Seitdem wird das Programm von Europe 1 auf Langwelle
183 kHz ausgestrahlt; heute auch über ein dichtes Netz von UKW-Sendern in unserem Frankreich, sowie über Satellit.
Europe 1 auf LW ist einer der weltweit stärksten Sender. Seine Leistung ist schon seit langem auf 2.000 kW angewachsen. Noch mehr Leistung ist aus Ausbreitungs- gründen nicht zu realisieren.
Aber sie reicht aus, um den Sender über die Raumwelle bei Nacht sogar in
Nordafrika gut zu empfangen.
Schnell hatte man sich in Frankreich mental und politisch mit Europe
No.1 arrangiert.
Der französische Staat war längst über die SOFIRAD,
die Société Financière de Radiodiffusion, eingestiegen. Diese hatte Anteile vom Industriellen und Mehrheits- aktionär Sylvain Floirat übernommen. Das Modell mit
SOFIRAD als Anteilseigner und Beeinflusser funktionierte schon in Andorra, Luxemburg und Monaco zur Zufriedenheit Frankreichs. Bei Gründung der Saarländischer
Rundfunk-GmbH (siehe Seite Telesaar) war SOFIRAD auch dort mit 30% beteiligt.
Die Studios von Europe No.1 waren immer in Paris.
Sie waren ursprünglich von der Voice of America benutzt worden. Das Tonsignal lief
von dort aus über französische Postleitungen zum Felsberg. Hier war nur
ein Notstudio eingerichtet. Man hielt einen Sprecherplatz, zwei Bandmaschinen
und zwei Plattenspieler vor. Europe No.1 war also eine reine Sendestation auf
saarländischem Boden. Rundfunk wurde dort nie "gemacht“, nur ausgestrahlt.
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Die Verträge des Senders mit dem Saarland waren,
wie es so schön heißt, juristisch wasserdicht. Er konnte deshalb nach 1957
nicht unter deutsche Funkhoheit gestellt und geschlossen werden. 1964 wurde
dieser Sachverhalt in einem neuen saarländischen Rundfunkgesetz sogar nochmals
festgeschrieben.
Sylvain Floirat blieb bis 1986 "Patron“ von Europe 1 (das "No." im Namen wurde 1983 gestrichen). Frédéric Billmann war Generaldirektor bis kurz vor seinem Tod 1973.
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Neben den Kapitaleignern und Managern gab es auch Programm-Macher der Gründerzeit. Louis Merlin wurde von Radio Luxembourg
abgeworben und hatte ausgiebige Erfahrung mit privatem Werberund- funk. Er ist
einer der Väter des "formatierten Radios“ also eines Rundfunks mit klar
vorgegebenen zeitlichen und inhaltlichen Struktu- ren. Typisch war auch der
sogenannte "Flash“, die bisweilen auch in den Programmablauf eingeblendete
Kurznachricht. Die Nachrichten kamen nicht zur vollen Stunde, sondern 30
Minuten später. Mit der Marktreife eines von NAGRA entwickelten
Reportage-Tonbandgerätes begann die Zeit der aktuellen lokalen Blitzreportagen.
Heute wird diese Art von Rundfunk abwertend als "Dudelfunk“ bezeichnet und gilt
als typisch für private Sender.
Die Hörer wurden über die Wunschsendung "Juke Box No 1“einbezo- gen, die zur besten nachmittäglichen Sendezeit um 17 Uhr 30 lief.
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Nagra III, gebaut ab 1957. Foto: Peter and Frans http://www.soundtapewereld.nl
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Jean Frydmann war ebenfalls in den 50ern mit dabei
und hat eine der damals bekanntesten täglichen Sendungen entwickelt, SLC
("Salut les copains“). Einer ihrer späteren Protagonisten, "Président Rosko“,
bürgerlich Michael Pasternak, arbeitete auch für Radio Andorra und Radio Monte
Carlo und fasste den Programmgrundsatz treffend zusammen: "minimum de bla-bla,
maximum de musique“.
Heute gehört Europe 1, immer noch an der gleichen
Adresse in Paris, zum Lagardère-Konzern.
Die Sendeanlagen auf dem
Felsberg sind im Besitz der "Europäischen Rundfunk-
und Fernseh-GmbH" (ehemals AG) in Saarbrücken, an der auch Europe 1 beteiligt
ist.
Verwendete Publikationen:
Andreas Fickers: Die Anfänge des kommerziellen
Rundfunks im Saarland.
Paul Burgard: Die Saarlandmacher. - Beiträge aus:
Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kuderna (Hg.). Medienlandschaft Saar von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945 - 1955). München 2010.
Fritz Raff, Axel Buchholz,
Hg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der
Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk. Freiburg, Basel, Wien 2007.
http://www.wabweb.net/radio/frames/lwf.htm
http://www.asamnet.de/~bienerhj/0183.html
http://tvignaud.pagesperso-orange.fr/am/e1/fr-e1.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Sender_Felsberg-Berus
http://de.wikipedia.org/wiki/Europe_1
http://fr.wikipedia.org/wiki/Europe_1
http://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89metteur_d%27Europe_1
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