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Hinweis: Die Geschichte des Rundfunks im Saarland seit den Anfängen finden Sie im Abschnitt Rundfunkgeschichte, mit detaillierten Angaben über die Entwicklung des Rundfunkwesens, die leitenden Persönlichkeiten, Sendungen, Senderstandorte, Sendeleistungen und Sendefrequenzen). - Weitere Details zum Radio gibt es auch auf den Unterseiten
Funkhaus Wartburg, Familie Weissenbach und Saarlandbrille. Alles über den saarländischen Fernsehsender lesen Sie unter TELESAAR.
Inhalt dieser Seite:
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1) Unser Heimatsender
an der Saar
Radio Saarbrücken
war Nachfolger des Reichssenders
Saarbrücken
und Vorläufer von SR 1 |
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Der SR feierte 2007 seinen 50. Geburtstag, weil das Saarland am 1. Januar 1957 zu einem deutschen Bundesland geworden war und das Rundfunkprogramm fortan unter dem Namen Saarländischer Rundfunk ausgestrahlt wurde. Dies war allerdings kein echter Neubeginn, denn im Großen und Ganzen wurden nach der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955 und der Rückgliederung die Sendungen des bereits im Jahr 1946
entstandenen "Radio Saarbrücken" weitergeführt. Es wurden zwar kleinere Änderungen am Programm vorgenommen (besonders im journalistischen Bereich), aber man arbeitete und sendete weiter mit denselben Einrichtungen und zum größten Teil auch mit denselben Mitarbeitern wie vorher.
Die politische Linie der Anstalt hatte sich allerdings schon gleich nach der Volksabstimmung 1955 stark geändert. Nachdem in den Jahren zuvor die Ausrichtung des Senders gezwungenermaßen strikt frankreich- und autonomiefreundlich war, stand sie jetzt im Zeichen der zu erwartenden Angliederung an die Bundesrepublik. Der "Saarländische Rundfunk" war übrigens schon am 18. Juni 1952 als GmbH gegründet
worden (nach dem Erlass des ersten saarländischen Rundfunkgesetzes). *)
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Der erste Reportagewagen von
Radio Saarbrücken
Zwei Bilder aus dem Jubiläumsteller vonHorst Rehm. Mehr über das Emblem, das Fahrzeug und den Keramikteller: Siehe weiter unten auf dieser Seite!
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Das Radioprogramm wurde aber weiterhin und noch bis nach 1956 unter dem Namen "Radio Saarbrücken" ausgestrahlt. Obwohl der Sender das Sprachrohr der frankreichfreundlichen Regierungspolitik des Hoffmann-Regimes war, so war er doch seit dem Ende des 2. Weltkrieges der Heimatsender aller Saarländer. Diese hatten seine Sendungen und ihre Moderatoren im Laufe der gut zehn Jahre schätzen gelernt und ins Herz geschlossen.
(Lesen Sie dazu hier einen Leserbrief von Dr. Horst Wilhelm an die SZ).
Erinnerungen an Radio Saarbrücken von Rainer Freyer:
Radio Saarbrücken war für mich der erste Rundfunksender, den ich
in meinem Leben hörte, und ziemlich lange auch der einzige. Wir hatten in unserer Wohnung in Neunkirchen am Hüttenberg ein Radio, das natürlich fast immer auf Mittelwelle 211 Meter eingestellt war, also auf Radio Saarbrücken, unseren Heimatsender. Er lieferte uns unter anderem die wichtigsten Informationen aus dem Zeitgeschehen,
viel unterhaltsame "leichte" Musik,
manchmal auch etwas aus Oper und Operette. Er sendete auch Hörspiele,
die entweder lustig waren (Mundartbühne)
oder spannend (Hörspielkrimi).
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Mich interessierte in meinen ersten Lebensjahren natürlich vorwiegend der Kinderfunk: Jeden Abend lauschte ich den Geschichten des Märchenonkels in seiner Sendung "Gute Nacht, liebe Kinder". Und jeden Sonntag Nachmittag hörte ich - während meine Eltern ihr Mittagsschläfchen hielten - die "Märchenstunde", in der Geschichten und Märchen erzählt oder als Hörspiel gesendet wurden.
Bei der ganzen Familie beliebt waren die Wunschkonzerte, in denen man die damals bekanntesten
Musikstücke hören konnte, z. B. Schlager von Friedel
Hensch und den Cypries, Vico Torriani, René Carol,
Caterina Valente u.v.a.m., aber auch leichte klassische
Stücke wie die Ouvertüre zur "Leichten Kavallerie" oder das Zwischenspiel (Intermezzo) aus Notre
Dame von Franz Schmidt, das meine Mutter besonders gerne
hörte. Es gab sogar eine Sendung (mit Rudi Schmitthenner), die hieß "Vom Telefon zum Mikrofon". Das Besondere daran war, dass sich die Hörer durch einen Anruf beim Sender einen Titel wünschen konnten, der dann schon nach wenigen Minuten gesendet wurde (der Weg vom Schallarchiv zum Studio war wohl nicht allzu weit). Meine Tante Paula hatte das System nicht verstanden. Sie fragte einmal erstaunt: "Wie kommt es nur, dass die immer so schnell die Noten von
den gewünschten Stücken da liegen haben???" - Einen großen Anteil am Musikprogramm bestritten damals aber tatsächlich auch die sendereigenen Orchester (siehe Seite Die Wartburg). Doch auch sie spielten meist nicht mehr live im Radio (wie in den 30er und 40er Jahren), weil es doch schon sehr brauchbare Tonaufzeichnungsgeräte gab.
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Das "Radio"
hatte mich schon als Kind fasziniert. Sehr lange konnte
ich mir nicht erklären, wie die Stimmen und die
Musik aus dem Radio kommen konnten. Ich konnte mir einfach
nicht vorstellen, dass da kleine Männnchen, also
Sprecher und Musiker, in diesem Kasten sitzen sollten.
Es war für mich wie ein Wunder. Bis ich die wirklichen
Hintergründe verstand, vergingen aber noch einige
Jahre (siehe Amateurfunk-Seite!).
Als ich mit
elf Jahren vier Monate lang wegen einer schweren Gelenkentzündung
in der Kinderklinik Neunkirchen-Kohlhof verbringen musste,
hatte ich das Glück, dass mir eine ganz liebe Krankenschwester
eines Tages ihr privates kleines Radio auf meinen Nachttisch
stellte, so dass ich von da an auch in meinem Krankenbett Radio
hören konnte. Wir hatten sogar ein gemeinsames
Lieblingslied: "Die süßesten Früchte"
von Peter Alexander und Leila Negra.
Damals gab
es am Morgen und am Nachmittag noch recht lange Sendepausen im Radio
(je etwa drei Stunden), und ich wartete, in meinem
Bett liegend, immer mit Spannung auf den erneuten
Beginn der Sendungen. Es fing etwa zehn Minuten vor dem
eigentlichen Sendebeginn an mit dem wiederholten Abspielen des bekannten
Pausenzeichens
. Bei Radio Saarbrücken war es der Anfang des Liedes
"Kein schöner Land in dieser Zeit", das
ich schon von meiner Mutter gelernt hatte. Und dann kam die
Ansage: "Hier
ist Radio Saarbrücken. Guten Tag, liebe Hörer,
wir beginnen nun unser Programm."
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"Sarre" als Stationsangabe
für Radio Saarbrücken auf
einem "Le Régional
55" von 1955. (Foto:
Erhard Pitzius)
Danach folgte eine Programmvorschau,
und dann begannen die Sendungen.
Unser Radio war während meiner gesamten Jugendzeit
mein ständiger Begleiter
während des ganzen Tages, natürlich auch bei
den Hausaufgaben. Da ich gerne ein eigenes Radio haben
wollte, begann ich unter Anleitung von älteren
Freunden mit dem Bau eines Detektorradios. Was für
ein tolles Erlebnis war es, als die ersten Töne
daraus im Kopfhörer erklangen! Und was bekam ich
als erstes zu hören? Natürlich die mir so bekannten
Stimmen und Sendungen meines Heimatsenders Radio Saarbrücken!
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*) Einzelheiten über die Entwicklung des Rundfunks im Saarland
finden Sie auf der Seite Rundfunkgeschichte.
2) Namen von Sendungen
und
Mitwirkenden
von
Radio Saarbrücken
(mehr Infos erhalten Sie durch Anklicken
der blauen Links;
weitere werden folgen). |
SENDUNGEN:
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Guten Morgen, liebe Hörer
(werktags) |
Froher Klang zur Morgenstunde
(sonntags) |
Der Bunte Teller (So, 8:30) |
Allerhand für Stadt und
Land
(werktags 11-12 Uhr) |
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Nachrichten |
Saarnachrichten |
Die Saarlandbrille So, 13:00
(s. Extra-Seite mit Hörproben!) |
Der Hörerbriefkasten |
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Presseschau |
Mittagskonzert |
Märchenstunde (So 15-15:30) |
Frauenfunk, Kirchenfunk |
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Die Stimme des Tages - Indikativ (Hörprobe!)
(Näheres siehe unten im Abschnitt Nachrichten)
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Sport und Musik
(Sportberichte und "Tippreihe" = Sporttoto-Ergebnisse)
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Der runde Tisch |
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Die Mundartbühne
(Hörspiel, montags) |
Hörspielkrimi |
Gute Nacht, liebe Kinder
(werktags am frühen Abend) |
Vom Telefon zum Mikrofon |
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So lebt Frankreich |
Spreb und Atzel (Wiedemann/Weissenbach) |
Sendepausen
(Pausenzei- chen) - siehe unten, Punkt 9)
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Versuch dein Glück
mit Rudi Schmitthenner |
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Von Mensch zu Mensch (u.a. mit Alfred Petto, Johannes Kirschweng)
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Wir lernen Französisch |
Heiteres aus der Saarheimat |
Die genaue Zeit mit Lip |
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Jugendfunk mit Heinrich Kalbfuß (1950-53, zweimal je Woche)
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MITWIRKENDE: (Einzelheiten über die aufgeführten Personen sollen Zug um Zug in diesem Kapitel eingefügt werden.)
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Ferdi Welter (schon seit 1935 beim
Reichssender Saarbrücken) |
Heinz Dützmann (Der Bunte Teller, Reportagen)
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Christa Adomeit |
Fritz und Gerdi Weißenbach Fritz seit 1936 beim Saar-Radio. |
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De Zick, de Zack unn's Marieche |
Franz Duhr |
Nestor Xaidis |
Werner Dorow |
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Karl Pastowsky (Zeitfunkreporter) |
Walter Fürsattel |
Luitpold Ganther |
Hildegard Puth |
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Werner Wiedemann
(Sprecher bei der Radioreklame)
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Karl Ristenpart
(Kammerorchester des SR) |
Margot Schöneberger |
Rudi Schmitthenner |
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Martha Nikodemus |
Dr. Rudolf Michl |
Klaus Greinke |
Günther Stutz |
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Albert C. Weiland
(Oberspielleiter) |
Brigitte Dryander |
Lothar Rollauer |
Victor Lenz |
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Kinderfunk: Tante Käthe, Tante Hilde,
Tante Christa (Christa Frischkorn) |
Der Märchenonkel
(Werner Jakobi) |
Sportreporter: Charly Scholz,
Jupp Hoppen, Rudi Michel |
Otto Karl (O.K.) Müller
(schon seit 1947 bei Radio Saarbrücken) |
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Rudi Braun (Musette Ensemble;
er spielte auch im Café Kreimer in Neunkirchen) |
Heinz Gebhard
(Radio- Tanz- und Unterhaltungsorchester)
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Eberhard Pokorny
(Posaunist bei W. Kowatsch) |
Pierre Séguy
(Sendeleiter v. Radio Saarbrücken) |
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August Antoni
(Radio- Unterhaltungsorchester) |
Wolfgang Kowatsch
(Johnny Kowa) |
Manfred Minnich (Tanzorchester) |
Wilm ten Haaf
1950 - 1952 Oberspielleiter |
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Ilse Laudenklos
(Cutterin und Tontechnikerin)
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Karl Fischer, Ernst Becker, (Tontechniker) |
Anne-Lise Ollendorff
(Frauenfunk)
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Johannes Kirschweng
(religiöse Sendungen)
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Der bekannte Josef Pelz von Felinau war manchmal über Radio Saarbrücken zu hören, aber kein ständiger Sprecher des Senders.
3) Das Programmschema
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Die ersten beiden
Programmvorschauen stammen aus dem Jahr
1946. Damals kamen noch
Teile des von Radio Saarbrücken ausgestrahlten
Programms vom SWF (siehe in Radiogeschichte weiter unten).
Die Sendepausen dauerten werktags
von 8:30 bis 12 Uhr und von 14:10 bis 18:30,
sonntags von 8:30 bis 9:30 Uhr und von 15:30
bis 17 Uhr. Am Sonntag Nachmittag gab es
schon die Märchenstunde (von 15 bis 15:30)
und an den Wochentagen abends um

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19:40 die Sendung
"Gute
Nacht, liebe Kinder". Um 20 Uhr lief eine 15minütige
Nachrichtensendung, die später durch
die "Stimme
des Tages"
um 19:45 ersetzt wurde.
Rechts außen
ein Sonntagsprogramm von 1949 aus der HÖR ZU!. An die Stelle
der Sendung "Kunter- bunt" von 8:30 bis
9:15 trat später "Der Bunte Teller". Sendepausen gab
es sonntags nicht mehr. Von 13 bis 13:20
lief die Saarlandbrille, am Abend um
20:05 "Versuch
dein Glück", eine öffentliche
Quizveranstaltung mit
Rudi
Schmitthenner.
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Ende November 1949
aus HÖR ZU!:
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Im Jahr 1955 sah
das Montags-Programm so aus (SZ vom 25.07.1955): |

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Rechts: Die
verschiedenen Freistempel des SR erzählen: Juni 1955:
"Radio Saarbrücken", 5 F
(Drucksache), Post-Saar; Oktober 1955: "Saarländischer
Rundfunk", 15 F (Brief), Post Saar;
1957 ebenfalls "SR" und 15 F,
aber "Deutsche Bundespost Saarland". |
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4) Programmzeitschrift
Es gab auch eine saarländische Pro-
grammzeitschrift
für Radio und Fern- sehen. Sie hieß
bis zum 23.10.1951 "Tele Bild und Funk", dann wurde sie umbenannt
in "Tele
Bild mit Radio".
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Die Zeitschrift erschien
im Saarbrücker "West-Ost-Verlag". Sie
wurde nach 1955 eingestellt, weil sie der Übermacht
der zahlreichen Zeitschriften aus der Bundesrepublik
nicht gewachsen war. (Näheres dazu auf der Seite Tag X, ganz unten.)
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Auch davor schon konnte man
an den Kiosken im Saarland die großen deutschen
Radio- und Fernseh-Zeitschriften wie Hören und Sehen
und HÖR ZU! kaufen (siehe linkes Foto!).
Außer der TELE Bild
gab es noch zwei andere saarländische Zeitschriften:
"Zeit im
Bild" und
"ILLUS -
Illustrierte des Saarlandes". |

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Foto, Hefte (und Teppichboden): Thomas Maus,
Urexweiler |
5) "Beim
Gongschlag ist es 7 Uhr. Sie hören Nachrichten."
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Eine
der wichtigsten Sendungen im Radio sind
die Nachrichten. Heute hört man sie
meist alle halbe Stunde, in den frühen Radio-Jahren
kamen sie viel seltener, bei Radio Saarbrücken höchstens neunmal je Tag. Sie kamen damals noch fix und fertig zum Vorlesen aus der Nach- richtenredaktion auf
den Tisch des Sprechers. Auf diesem befanden sich
das Mikrofon (wenn es nicht von der Decke herunterhing),
die Räuspertaste (diese konnten die Sprecher drücken, um sich kurzzeitig vom Sender abzukoppeln, wenn
sie mal husten oder niesen mussten), oft ein paar Wörterbücher
(zum eventuellen Nachschlagen der Aussprache schwieriger
Wörter oder Namen) und der Gong zum
Ansagen der genauen Zeit. Anfangs wurde der Gong richtig
von Hand geschlagen, wie es auf dem Foto links zu sehen
ist. Später war es ein elektromechanischer Gong,
der auf Knopfdruck ausgelöst wurde, heute gibt
es dafür meist Zeitzeichentöne oder Jingles. Ferdi Welter musste in seiner Frühsendung nach einigen Jahren statt des Gongs ein kleines Handglöckchen verwenden, weil er zu häufig auch mitten in der Sendung den Gong betätigt hatte. -
Das Foto links zeigt einen
unbekannten Sprecher mit dem Handgong. Oben rechts Klaus Greinke. Er las Nachrichten, moderierte manchmal Sendungen und wirkte auch oft in Hörspielen und Sketchen
mit.
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Gretl Palm begann als Nachrichtensprecherin
bei Radio Saarbrücken schon kurz nach der Wieder- aufnahme
der Sendungen nach dem Krieg.

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Auch Walter Fürsattel (unten) und Otto Karl ("O.K.")
Müller (rechts)
lasen schon bei Radio Saarbrücken die Nachrichten.

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O.K.Müller hat auch im
Fernsehen bei Telesaar gearbeitet.

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Rechts: Martha Nikodemus war auch bereits beim Reichssender Saarbücken tätig. Links:
Spre- cher aus dem Team der "Stimme des Tages": Nestor Xaidis, Albert Arthur
Müller, Günther Stutz und Theo Schulte.
Die Stimme des Tages war
eine tägliche halbstündige Sendung mit Meldungen, Kommentaren, Berichten, Reportagen, Interviews (sie
lief bis Ende 1963). Insge- samt brachte Radio Saarbrücken
täglich ungefähr 115 Minuten an Nachrichtensendungen, beinahe
genau soviel wie der SWF, aber mit nur etwa halb soviel
Personal.
Die Erkennungsmelodie (Intro) zur Stimme des Tages können Sie sich hier anhören: Indikativ
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Als Nachrichtenagentur war in den frühen Jahren nur die Agence France Presse
zugelassen.
Der Leiter ihres Saarbrücker Büros bildete
auch die Zensurinstanz von Radio Saarbrücken.
Die Nachrichten-Sendungen aus Saarbrücken waren sachlich, aber auch kritisch, solange es um ausländische
Politik ging. Sobald aber über die Politik der
saarländischen Regierung berich- tet wurde, waren
sie bedin- gungslos regierungsfreundlich und gaben kritik- und kommentar- los den Standpunkt des Hoffmann-
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Regimes wieder. Denn im Saarländischen Rundfunkgesetz von 1952 war festgeschrieben, dass keine Sendung die in der Verfassung vorgesehene Staatsordnung gefährden dürfe (§ 4.6). Wichtigste Aufgabe der Mitabeiter des Nachrichtendienstes war dementsprechend die kompromisslose Unterstützung der Ziele von Staat und Regierung.
Auf dem Foto links ist Albert Arthur Müller im Sprecherstudio zu sehen, ebenfalls mit dem handbedienten Gong. Foto rechts: Waltraud Margraf, Sprecherin am Saarbrücker Sender von 1936 bis 1977.
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Fotos: Das
obere Foto mit dem Gong aus: Regierung des Saarlandes,
"Worüber niemand spricht", Saarbrücken
1951. Das Foto mit den vier "Stimme des Tages"-Sprechern
aus: Unser Sender an der Saar. Das Foto von M. Nikodemus:
Foto Hartung, Saarbrücken. Die Einzelfotos von
Albert Arthur Müller und Waltraud Margraf aus:
25 Jahre SR, Saarbrücken [1971]. Die übrigen
Aufnahmen: Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken.
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Die politische Redaktion von Radio Saarbrücken, 1955:

Oben: Rudolf Hochgrebe, Leiter der Ostredaktion im Nachrichten- dienst, schaut im Fernschreiber nach, ob wichtige Meldungen für die 'Stimme des Tages' gekom- men sind. Foto: Karl Höchst, SR.
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Bild links: (v.l.n.r.) Stehend: (Unbek.), Walter Reuter, Theo Matissek, Heinz Dittmann, Charly Scholz, Rudolf Zeisberger, Ernst Wagner, Die- ter Konrad. Sitzend: Ursula Fischer, Irmgard Siewert, Emmi Haberstroh, Berta Apfelbaum, Lulu Konz, Erika Schädler, Martha Heinz.
Foto: Lulu Konz, SR.
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6a) Hörerpost
Natürlich erhielt ein beliebter
Sender wie Radio Saarbrücken zahlreiche Hörerpost,
wie z.B. diesen Brief (Poststempel vom 3.11.
1949), mit dem eine Hörerin aus Nohfelden beim
"Kreuzworträtsel - Spiel" mitmachen und gewinnen wollte.
Die Anschrift "Nauwieserstraße" war
diejenige der Wartburg
mit dem Funkhaus der Station.
Die verwendete Briefmarke ist die 15-Franken- Sondermarke "Universität des Saarlandes" aus dem Jahr 1949 (Michel-Nr. 264). (Hier finden Sie mehr über die Saar-Marken.)
Der Scan dieses Briefumschlags
wurde zur Verwendung auf dieser Homepage freundlicherweise
zur Verfügung gestellt von www.philafriend1.de. Dort kann man man zahlreiche philatelistische
Belege finden. |

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6b) Antwortkarten
von Radio Saarbrücken auf Hörberichte
Bei fast jeder Rundfunkstation
der Welt freut man sich über technische
Hörerpost, weil diese ihnen Hinweise
auf die Reichweite und technische Qualität
der eigenen Sendungen gibt. Viele Menschen
haben es sich zum Hobby gemacht, Radiostationen
aus aller Welt mit ihren Empfangsgeräten
auf den Wellen zu suchen, zu identifizieren
und dem betreffenden Sender Empfangs- berichte
zu schreiben, mit Angaben über die
empfangene Station, ihre Frequenz und Feldstärke
sowie Details zur eigenen Empfangsausrüstung
(Gerät, Antenne, usw.). Solche Wellenjäger
oder "DXer" (DX = Distance unknown)
schicken ihre Berichte nicht nur an Kurzwellenstationen,
die man weltweit empfangen kann, sondern
auch an Lang- und Mittelwellensender, die
ebenfalls für Hörberichte dankbar
sind. Als Bestätigung antworten die
Rundfunkstationen meist mit vorgedruckten
QSL- Karten, die eine Art Visitenkarte der
Sender darstellen und von vielen Wellenjägern
gesammelt werden. Es gibt auch Kurzwellenhörer-Clubs,
in denen man seine Erfahrungen austauschen
kann. Die größte bundesdeutsche
Vereinigung ist die ADDX, die über
die weltweit größte Sammlung
von Rundfunk-QSL-Karten-Scans verfügt.
Auch Radio Saarbrücken hat solche Bestätigungskarten für Hörberichte verschickt. Zwei davon wurden uns freundli-cherweise von der ADDX zur Verfügung gestellt.
Kennt
jemand noch andere QSL-Karten von Radio
Saarbrücken?
Auf der oberen
Karte stehen unter "THE SAAR"
(schwach lesbar) die Worte "The
coal land". Diese Karte stammt aus
dem Jahr 1953. Die untere Karte ist 1957
versandt worden. (Abbildungen:
ADDX-Bildarchiv, www.addx.de)
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7) Die Wartburg ...
... in der heutigen Martin-Luther-Straße (damals
Nauwieser Straße) diente als Funkhaus
von Radio Saarbrücken.
Über die Saarbrücker Wartburg finden Sie
hier eine eigene Seite mit vielen Fotos
und Erläuterungen über das Gebäude und seine Nutzung.
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8) Der
Werbefunk
von Radio Saarbrücken hieß "Radio-Reklame"
Mit der Ausstrahlung von Rundfunkwerbung begann RIAS Berlin am 1. Februar 1948 als erster Nachkriegssender
auf deutschem Gebiet mit Werbesendungen, Radio Saarbrücken nahm als zweite deutschsprachige
Radiostation am 8. August 1948 Werbefunksenungen auf.
An demselben Tag wurde die Sendeleistung des Heusweiler
Mittelwellensenders von bisher 2 auf 20 kW erhöht.
Vom 10. März 1950 an wurde die Werbung im Radio
ausschließlich von der 1949 gegründeten Radio-Reklame GmbH vermarktet. Radio Saarbrücken war zu 95% des Kapitals an ihr beteiligt.
, aus der später die Werbefunk
Saar GmbH (WFS)
hervorging. Diese besteht heute noch und ist seit dem
17.10.1957 eine hundertprozentige Tochter des Saarländischen
Rundfunks. Die Wirkung der Reklamesendungen bei Radio Saarbrücken
war umwerfend: bei einigen Firmen stieg der Umsatz unmittelbar
nach Beginn ihrer Werbeausstrahlung auf das Doppelte, andere kamen
mit der Produktion ihrer Waren nicht mehr nach.
Lange Zeit wurden die Werbespots im Radio nur in eigens als solche gekennzeichneten Sendungen
der Rundfunk- Werbegesellschaften ausgestrahlt. Zwischen den Werbespots
wurden immer Musiktitel
gespielt.
Die Radio-Reklame und später der Werbefunk
gestalteten bis 1963 täglich drei Sendestunden mit eigenem
Programm, und zwar je eine morgens früh von 7 bis 8, am späten Vormittag (von 11 bis 12 Uhr lief immer "Allerhand für Stadt und Land" (siehe unten und die Seite über Die Weissenbachs), sowie abends zwischen 18 und 19 Uhr. Die gesamte Werbung eines Tages wurde damals auf diese drei Sendungen konzentriert, die natürlich auch viel Musik und Moderation enthielten.
Mit der Eröffnung der Europawelle Saar 1964 wurde diese Praxis beendet, und die Werbespots wurden von da an als so genannte Streuwerbung über den ganzen
Tag verteilt.

In die Funkstunden der Radioreklame wurden auch
schon sehr früh kurze, etwa 2 bis 5 Minuten lange Sendungen eingepackt, die von Anbietern gesponsert waren und für ein bestimmtes Produkt werben sollten. Sie wurden an jedem Werktag oder auch nur an bestimmten Tagen immer zur selben Zeit mit einer
neuen Folge gesendet. Darin wurde nach einem Indikativ
die eigentliche Werbung für ein
bestimmtes Produkt mit redaktionellen Beiträgen
gemischt. Das konnten nützliche Tipps für die
kochende oder schneidernde Hausfrau sein, wie z.B. bei der Sendung "Wohin, wohin - zu Sinn, zu Sinn". Gebr. Sinn war ein Wäsche- und Modegeschäft in Saarbrücken und Neunkirchen (später Sinn-Leffers). Moderatorin war Hildegard Puth, die wie viele andere Sprecher und Mitarbeiter auch nach der "Radio-Saarbrücken"-Zeit noch beim SR tätig war. Mindestens bis in die 70er Jahre präsentierte sie z.B. auch eine mehrminütige Werbe-Sendung für Lesieur-Öl. Darin stellte sie Kochrezepte mit Lesieur-Öl vor und gab "en passant" ein paar
Haushalt-Tipps.
Eine andere Sendung war eine Art Comic-Serie für Kinder und Erwachsene und hieß "Dop und Döpchen" mit Werner Wiedemann und einem kleinen Jungen. Sie spielten kurze
Szenen und machten Werbung für ein damals auch im Saarland erhältliches französisches Haarwaschmittel, nämlich "Shampoing DOP" (Abb. links).
Und dann gab es noch eine andere Sendung dieser Art,
eine Jugendserie der Radioreklame, die immer um 19 Uhr
auf Radio Saarbrücken lief, und in der für
das Spülmittel
Pril geworben
wurde. Ihr Titel war "Pop(p)s tönende Abenteuer", und es ging um die berühmte
Pril-Ente, die in der Serie eine Art Detektiv war. Anhand
einer Ente, die mit einer Prise Pril im Wasser unterging,
wurde in der Werbung die Sache mit dem "entspannten
Wasser" erklärt. Zum Beginn der Sendung hörte
man ein Türenknarren, danach einige Schüsse und dann
den Ruf der Ente: "Priiiil, Priiiil, Priiiil, Priiiil".

Das Foto rechts zeigt Hildegard
Puth mit Ferdi Welter
bei einer gemeinsamen Modenschau von Autohaus Dechent
und Kaufhaus Gebr. Sinn mit dem Titel "Mode und Auto".
(Foto aus: Becker, Schmitt:
"Saarbrücken in den 50er und 60er Jahren,
Wartberg Verlag 1999.)
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Eine der meist gehörten werktäglichen Sendungen im saarländischen Radio war über mehrere Jahrzehnte "Allerhand für Stadt und Land". Sie gehörte auch zum Bereich des Werbefunks und lief von 1949 bis 1976 (27 Jahre!) über 7000 Mal. Sie wurde moderiert von Gerdi und Fritz Weissenbach. Viele Einzelheiten über
diese Sendung und die Weissenbachs selbst finden Sie auf der Extraseite Die Radio-Familie Fritz und Gerdi Weissenbach.
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Wer in diesem (wohl privaten) Verein Mitglied war, sparte
bei den Reparaturkosten
seines Radios. (Zeitungsanzeige aus der Sammlung
von Thomas Maus, Urexweiler)
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9) Die Pausenzeichen von Radio Saarbrücken sowie SR 1 und SR 2
Früher sendeten die Rundfunkstationen nicht wie heute pausenlos 24 Stunden am Tag durch. So entstanden Sendepausen, meist in der Nacht zwischen etwa 23 und 6 Uhr, aber auch am Vormittag z.B. von 9 bis 11 und am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr. Der Hochfrequenzträger wurde dabei meist abgeschaltet, um Strom zu sparen. Außerdem konnten in dieser Ziet die Sendeanlagen gewartet werden.
Einige Minuten vor dem erneuten Programmbeginn wurde der Träger wieder eingeschaltet, um den Hörern zu helfen, ihr Radiogerät auf die gewünschte Frequenz einzustellen. Dabei sendete jede Station das ihr eigene Pausenzeichen (PZ) in kurzen Abständen mehrmals hintereinander, bis das Programm begann. Nach Sendeschluss ließ man den Träger meist ebenfalls noch einige Minuten stehen und sendete dabei wiederum das Pausenzeichen. Im laufenden Radio-Programm aller Sender gab es damals zwischen einzelnen Sendungen kurze Pausen, in denen ebenfalls oft das PZ gespielt wurde. Heute hört man diese Tonfolgen nur noch ganz selten. Manche Kurzwellensender mit internationalem Programm
(wie z.B. Radio Vatikan) spielen oft während der gesamten Sendepause ihr PZ ab.
A) Das Pausenzeichen des Reichssenders Saarbrücken (1935 bis 1945)
bestand aus den ersten vier Tönen des Steigerlieds ("Glück auf, Glück auf"). Da aber gerade der Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich Hitlers vollzogen worden war, sollte das PZ wohl eher auf den neuen Text zu derselben Melodie anspielen, den H.M.Lux 1920 geschrieben hatte: "Deutsch ist die Saar" (siehe hier). - Leider gibt es keine Aufnahme von diesem PZ; Tonbandgeräte waren damals gerade erst entwickelt worden und deshalb noch sehr teuer).
[1]
Interessant ist, dass das nach 1956 vom 1. Programm des SR verwendete Pausenzeichen aus einem anderen Teil derselben Melodie bestand; dabei wurde aber natürlich wieder auf den ursprünglichen Text des Steigerliedes angespielt (siehe unten in Punkt C).
B) Das Pausenzeichen von Radio Saarbrücken (1946 bis 1956)
war vom Ende der 40er Jahre bis März 1956 die Melodie der ersten Zeile des bekannten alten Volkslieds "Kein schöner Land in dieser Zeit". Es wurde wahrscheinlich auf einer Celesta gespielt, einem Tasten-Instrument, das wie ein Glockenspiel oder ein Vibraphon
klingt (siehe Bild). Einzelheiten
zum möglichen Bearbeiter und der Aufnahme
dieses PZ: siehe am Ende dieses Abschnitts in Anmerkung [2].
Man kann vermuten, dass die Wahl gerade dieses Liedes als Pausenzeichen Ausdruck der Einstellung der Landesregierung war, die anfangs noch nicht von einer europäischen Ausrichtung des Saarlands, sondern eher noch von ihrem Hang zur Autonomie geprägt war: Kein Land war schöner als dieses Land. [3]
Zur Erinnerung an die alte Volksweise hier ihr vollständiger Text :
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(1) Kein schöner Land in dieser Zeit als hier das uns´re weit und breit wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendszeit
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(2) Da haben wir so manche Stund´ gesessen da in froher Rund Und taten singen die Lieder klingen im Eichengrund
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(3) Daß wir uns hier in diesem Tal noch treffen so viel hundertmal Gott mag es schenken Gott mag es lenken er hat die Gnad
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(4) Nun Brüder eine gute Nacht der Herr im hohen Himmel wacht in seiner Güte uns zu behüten ist Er bedacht
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Eine Celesta [4]
< So hörte sich das Pausenzeichen von Radio Saarbrücken von 1946 bis 1956 an.
C) Das Pausenzeichen des Saarländischen Rundfunks (ab März 1956)
bestand aus der Melodie zur zweiten Zeile des Steigerlieds "Glück auf, der Steiger kommt". Der Text dieser Zeile lautete "... und er hat sein helles Licht bei der Nacht..." (Den vollständigen Text des Liedes finden Sie hier.) Das PZ wurde bearbeitet von dem Komponisten Heinrich Konietzky [3] und zweistimmig auf zwei Hörnern eingespielt, wahrscheinlich einem Wald- und einem Flügelhorn.
Dieses neue PZ wurde ab 11. März 1956 im ersten Hörfunk-Programm des Saarländischen Rundfunks eingesetzt. Der bisherige Stationsname "Radio Saarbrücken" wurde zunächst geändert in "Saarländischer Rundfunk - 1. Programm" und ab 1964 in "SR 1 Europawelle Saar". Dasselbe PZ wurde auch im 3. Hörfunkprogramm eingesetzt, das man ab 1964 ausstrahlte und am 7.1.1980 in "SR 3 Saarlandwelle" umbenannte. Es erklang auch im Deutschen Fernsehen der ARD während der Umschaltpausen vor Beiträgen des SR, ebenso im 3. Fernsehprogramm Südwest 3 und im SR-TV-Regionalprogramm als Begleitton zum Stationsdia des SR.
So hörte es sich an:
< Das Steigerlied-Pausenzeichen
des SR ab 11.03.1956. Es wurde bis in die 90er Jahre hinein gesendet.
D) Das 2. Hörfunkprogramm des SR startete bereits 1953. Erst einige Jahre danach (wahrscheinlich 1956) erhielt es auch ein eigenes Pausenzeichen. Dessen Melodie war dieselbe wie beim PZ für das 1. Programm, sie wurde aber mit anderen Instrumenten und etwas schneller gespielt:
< Pausenzeichen
des 2. Programms des SR (ab 1967 Studiowelle Saar). Instrumente: Querflöte und Klarinette (oder Fagott?).
E) Zwei bisher unbekannte PZ
2012 sind aus dem SR-Archiv zwei weitere Pausenzeichen bekannt geworden, die möglicherweise "Vorläufer" der ersten PZ waren:
< Pausenzeichen Radio Saarbrücken von 1946 (?)
< Pausenzeichen Radio Saarbrücken von 1946/47 (?). Das Motiv soll aus der Oper"Tiefland" von Eugène d’Albert sein [5].
Alle bisher befragten "Radio-Kenner" kennen diese beiden PZ nicht. Deshalb fragen wir unsere Leser:
Haben Sie eines dieser beiden neu aufgetauchten PZ schon einmal gehört oder wissen Sie irgend etwas darüber? (> Kontakt)
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Anmerkungen
[1] Schum, Alexander. Der Saarländische Rundfunk. In: Altmeyer, Klaus (Hrsg.). Das Saarland. Saarbrücken, 1958. Seite 287.
[2] Zum ersten Pausenzeichen von Radio Saarbrücken: François-Régis Bastide nahm Ende 1945 in Saarbrücken eine Stelle im Informationsbüro der französischen Militärregierung an und kümmerte sich unter anderem darum, für den Rundfunk wieder
ein Sinfonieorchester aufzubauen. (Über seine weiteren Tätigkeiten an der Saar berichten wir auch an anderen Stellen dieser Website; z.B. bei der Wartburg.) In seinem Roman "La Fantaisie du Voyageur", Paris 1976, übersetzt von Eugen Helmlé und Alfred Diwersy unter dem Namen "Wandererfantasie", Blieskastel 2006, schreibt er über seine Tätigkeit nach der Ankunft in Saarbrücken (in der Übersetzung auf S.
179 f):
Zuerst fing ich an, das Erkennungszeichen von Radio Saarbrücken auszuarbeiten. Ich glaubte, das sei ganz einfach. Eine Unterbre- chung zwischen den Meldungen. Ich brauchte Wochen, um etwas zu finden, was zugleich Bergarbeiter- und Kohlenlied, Hoffnungslied, Frankreich und Sehnsucht nach Deutschland war, was zu vergessen ich mich hütete. Ich nahm alles
selbst
auf, die rechte Hand am Celesta, die linke am Klavier, und beim Mischen fügte ich noch einige Paukenschläge hinzu. Es machte mir sehr viel Spaß, ebenso dem Tontechniker, der noch nie so etwas gemacht hatte, er fand, dass es etwas zu modern sei. Da unsere saarländischen Programme sehr kurz waren, wurde jedesmal, wenn es nichts anderes gab, meine kleine Saarmusik gesendet. Es kam vor, dass ich sie mir zu Hause so lange anhörte, wie sie gespielt wurde. Dieses unbewegte Herunterleiern des
immer gleichen gling glang gling bumm versetzte mich in die stupideste Extase, aber ich war glücklich.
Da Bastide Ende 1946 nach Saarbrücken kam, müsste sich die von ihm geschilderte Episode 1946 oder 1947 abgespielt haben. Die Beschreibung des von ihm bearbeiteten Stücks passt aber nicht zu dem im ersten PZ verarbeiteten Lied "Kein schöner Land...", denn darin sind keine Paukenschläge zu hören, und es ist eigentlich auch kein "Bergarbeiter-und Kohlenlied". Das PZ mit dem Steigerlied, das man als ein solches bezeichnen könnte, wurde aber erst etwa 1956 geschaffen (siehe oben). Es ist möglich, dass Bastide sich nicht mehr richtig erinnerte, als er (erst 1976!) seinen Roman schrieb. Oder
er hat "phantasiert", wie es der Titel des Buches ja auch andeutet.
[3] Siehe Schmidt, Robert H. Saarpolitik 1945 - 1957. Band 2. Berlin, 1960. Seiten VI/VII.
[4] Das Foto zeigt eine Celesta, die der Stetson University gehört. Fotograf Gregory Maxwell. Lizenziert unter der GNU-Lizenz (siehe dazu auf der Seite Kontakt unter Rechtliche Hinweise, 2c).
[5] Siehe SR-Info 2/2012, Seite 30. Tondateien: © Saarländischer Rundfunk.
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10) Das Emblem von Radio Saarbrücken
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Das Emblem (oder Logo) von Radio Saarbrücken wurde z.B. auf Fahrzeugen, Briefbögen oder Werbeträgern verwendet.
Es existierte in verschiedenen Ausführungen,
in weißer Schift auf dunklem Hintergrund oder umgekehrt,
selten auch farbig.
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Das obige Logo wurde einem alten
Briefkopf des Senders entnommen. Es hat fünf "Funkwellenkreise",
die in dieser Ausführung teilweise beschnitten sind.
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Dies war eine Plakattafel,
die in der Nähe eines Veranstaltungsorts aufgestellt
war. Hier sind die fünf Wellenkreise fast ganz
zu sehen.
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Oben: Diese Studie des Emblems wurde
2007 von Günter Hesler, Graveurmeister i.R., Wiebelskirchen, nachempfunden.
Das Emblem oben links war auf einem Übertragungswagen von Radio Saarbrücken angebracht. Es hat nur vier Wellenkreise.
Dagegen hat das Logo links sogar acht Kreise. Es war auf der Bestätigungskarte des Senders für Empfangsberichte (QSL-Karte) abgebildet (s. oben, Abschnitt 6b).
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Das Emblem mit Eindruck "Radio Sarrebruck"
stammt aus einer Werbeanzeige
in einer französischen Zeitschrift von 1950; der untere
Teil des Emblems ist durch ein Foto abgedeckt.
Bild rechts: Emblem mit Saar-Wappen und "SR" für
'Saarländischer Rundfunk GmbH' und
sieben Halbkreisen. |

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Emblem auf dem Jubiläumsteller (siehe hier)
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11) Die
Übertragungs-
und Reportagewagen
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Dies war der erste Reportagewagen von Radio Saarbrücken. Im Bild links trägt er noch das alte SA-Kennzeichen SA 05-2524. Auf den anderen Fotos hat er das seit 1949 gültige Kennzeichen 2524 - OE 5.*) Er war auf einem HORCH "mittlerer Einheits-Pkw" (m. Eh.-PKW)
der deutschen Wehrmacht aufgebaut worden. Dieser Typ war ab 1937 von der AUTO UNION in den HORCH-Werken/Zwickau und von 1940 an aus Kapazitätsgründen auch bei OPEL gebaut worden. Auch die Wehrmachts- Funkwagen Kfz. 17 wurden auf diesem m. Eh.-PKW aufgebaut. Möglicherweise hatte man diesen Saarbrücker Ü-Wagen nach dem Krieg aus einem solchen Kfz. 17 umgebaut.
*) Näheres über die Autonummern des Saarlandes finden Sie auf der Seite Kfz-Kennzeichen.
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Dieses Foto wurde (laut Aufschrift auf der Rückseite) 1952 in der Stadt Luxemburg aufgenommen. Hinter dem Ü-Wagen ist eine Ecke des Hôtel de Ville am Place Guillaume II (Wilhelmsplatz) zu erkennen. (Danke für die Info an Freddy Ernst, Luxemburg). (Hinweis für unsere Oldtimer-Fans: Der Wagen links ist ein 1951er MERCURY mit einer Sonderkarosse als
Kombiwagen mit erhöhtem Dach.)
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Die beiden folgenden Fotos zeigen den HORCH-Ü-Wagen und einen moderneren Reportagewagen: den Renault Colorale Prairie.
Fotos oben: Saarländischer Rundfunk.

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Der letzte und modernste Reportage- wagen
von Radio Saarbrücken war ein Saurer
3 CT, Karosserie von Belle- Clot, Colmar.
Er wurde auch in den 60ern noch vom SR verwendet.
Oben links: Auf dem Col du Galivier (in
der Nähe von Briançon, Hautes Alpes) zur
Übertragung der Tour de France. Foto:
Karl Fischer, 9S4/DL8AP
Oben rechts: Auf dem Gelände der Karosseriewerke
Schreiner in Saar- brücken, wo er (schon mit SB-Num- mer, also nach 1956) entweder repariert
oder umgebaut wurde.
Werkfoto der Fa. Peter Schreiner, Saarbrücken
Links: Noch mit OE15-Nummer bei einer Sportübertragung.
Vom Dach des Übertragungswagens berichtet der Zeitfunkreporter
Karl Pastowsky.
Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Tele Bild
mit Radio.
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12) Das "Gute-Nacht-Lied" von
Radio Saarbrücken
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wurde jeden Abend zum Sendeschluss gespielt, berichtet Alfred Schmidt
aus Scheidt. Es wurde gesungen von der hervorragenden
Koloratursängerin Irene
Abs, die u. a.
auch im Stadttheater Saarbrücken auftrat und dort
z. B. die Königin der Nacht gesungen hatte, und
einem kleinen Chor, in dem auch Alfred Schmidt mitsang.
Bei der Aufnahme des Liedes in der Wartburg oblag Dr. Rudolf
Michl die musikalische
Leitung. Nach einiger Zeit war das Tonband so schlecht
geworden, dass es fast nicht mehr gespielt werden konnte.
Daraufhin nahm Rudolf Michl das Stück mit derselben
Besetzung noch einmal auf. Es ist aber heute leider verschollen, auch im SR-Archiv gibt es leider keine Aufnahme mehr davon. Irene Abs musste aus gesundheitlichen Gründen früh von der Bühne abtreten.
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Noten und Text waren erschienen
bei der Edition Schneider, St. Ingbert. |
Hier der Text laut Notenblatt:
Gute Nacht, gute Nacht
allen Müden sei's gebracht.
Neigt der Tag sich still zu
Ende
ruhen alle fleiß'gen
Hände
bis der Morgen neu erwacht.
Geh zur Ruh, geh zur Ruh,
schließ die müden
Augen zu.
Wem die Sorge raubt den Frieden
sei ein schöner Traum
beschieden.
Schlummert bis der Tag erwacht!

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Im Notenblatt ist zwar vermerkt
"Dichter unbekannt", aber der Text ähnelt
stark dem eines Liedes aus dem Jahr 1815 mit dem Titel
"Gute Nacht allen Müden" (siehe rechts).
Die erste Strophe hat genau denselben Text, die zweite
enthält Teile aus den übrigen drei Strophen
des alten Liedes.
Als Dichter dieser alten Fassung
werden verschiedene Autoren genannt: Otto (oder Ludwig)
Körner, (geb. 1791) und Jakob Lorber (1800 bis
1864). |
Hier der Text des Liedes aus
Gute Nacht! Allen Müden sei's
gebracht! Neigt der Tag sich still
zum Ende, Ruhen alle fleiß'gen
Hände, Bis der Morgen neu erwacht. Gute Nacht!
Geht zur Ruh! Schließt die müden
Augen zu! Stiller wird es auf den
Straßen, Und den Wächter
hört man blasen,
Und die Nacht ruft allen
zu:
Geht zur Ruh! |
dem neunzehnten Jahrhundert:
Schlummert süß! Träumt euch euer
Paradies! Wem die Liebe raubt den
Frieden, Sei ein schöner
Traum beschieden, Als ob Liebchen ihn begrüß. Schlummer süß!
Gute Nacht! Schlummert, bis der Tag
erwacht, Schlummert, bis der neue
Morgen Kommt mit Seinen neuen
Sorgen, Ohne Furcht, der Vater
wacht! Gute Nacht!
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Thomas Maus
aus Urexweiler hat die unten abgebildeten Noten in
ein Programm eingegeben, das daraus eine midi-Datei
mit der Melodie des Gute-Nacht-Lieds produzierte. Diese
können Sie sich anhören, wenn Sie hier klicken:

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13) Jubiläumsteller von
1985

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Diesen Jubiläumsteller hat der Saarländische
Künstler Horst Rehm 1985 entworfen. Er wurde von Heinrich Porzellan/Villeroy
& Boch für den SR in einer limitierten Auflage
von 2000 Stück gefertigt und eine Zeit lang bei
SR am Markt verkauft. Man kann ihn u.a. im VSE - energis
- Elektromuseum
in Illingen in voller Größe bewundern.
Mehr über Horst Rehm gibt es demnächst
auf Saar-Nostalgie.de im Kapitel Produkte und Werbung. |
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14) Verschiedene Ereignisse
a) 1949 in Rohrbach: Werbung
fürs Radiohören

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Bei dem Festumzug "100 Jahre selbständige
Gemeinde Rohrbach" am 4. September 1949 fuhr dieser Wagen mit
und machte Reklame für JOBA-Radios (siehe Seite
Radiogeräte). Der Chef der Firma, Josef Bayer, sitzt
im linken Foto auf der Ladefläche (mit Sonnenbrille
und weißem Hemd). Die
Aufschriften auf dem Wagen lauten: Bilder links und unten: "Radio
hören... heißt doppelt leben." -- "Mit Lip ist
es genau ... 15 Uhr!" (Lip war eine französische
Uhrenmarke, für die mit diesen Worten eine Zeitlang
bei der Zeitansage Werbung gemacht wurde.) -- "Versuch
dein Glück" / "Der runde Tisch"
/ "Die Saarlandbrille" (Namen von drei beliebten
Sendungen von Radio Saarbrücken.) Rechtes Bild: "Früher:
Radiohören ein Sport - Heute: ohne Radio? - ein
Leben auf dem Mond." (Man darf nicht vergessen, dass
der Beginn regelmäßiger Rundfunksendungen
in Deutschland damals gerade erst etwa 25 Jahre zurücklag!)
Fotos: Karl
Abel, Rohrbach.
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b) Auf Biegen und Brechen
hieß eine Ringsendung, die zwischen verschiedenen Radiosendern ausgetragen wurde. Lesen Sie mehr darüber in dem Zeitschriftenausschnitt unten.
Das Foto zeigt einige der Mitarbeiter dieser Sendung:
Links im Bild (mit der Brille) Emil Zalud, er war sehr wahrscheinlich der Redakteur der Sendung. Daneben der damalige Abteilungsleiter Unterhaltung Walter Fourmann, am Magnetophonbandgerät die damals bei Radio Saarbrücken als Cutterin beschäftigte Irma Müller. Ganz rechts schaut mit der Nasenspitze Alfred Zerndt als Leiter vom Dienst
herein. Dahinter sehen wir den Toningenieur Ernst Becker und ganz im Hintergrund den Aufsichts-Ingenieur Erich Engel (er war schon bei der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft tätig). Zeitungsausschnitt und Personenbestimmung: Ernst Becker, Heckendalheim
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Weitere Mitarbeiter, die an der Sendung teilnahmen, v.l.: Theo Schulte, Werner Wiedemann, Wolfgang Schenck, Annemarie Burger, Carla Best, Ingeborg Thomas, Margot Schönberger, Gerd Güth, Fred Braun. Foto: G.Güth, SR.
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Rundfunkgebühren
Natürlich musste man auch damals schon Rundfunkgebühren fürs Radiohören und Fernsehen bezahlen. Eine GEZ gab es noch nicht, daher musste man seine Gebühren an die Post zahlen.
Weitere Infos darüber und von unseren Lesern zur Verfügung gestellte Dokumente (Rundfunkgenehmigungen, Gebührenquittungen) haben wir unten auf der Seite Rundfunkgeschichte zusammengestellt.
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15) Interessanter Briefwechsel
zwischen Johannes Hoffmann und Radio Saarbrücken
(Hervorhebungen durch Fettdruck wurden vom Webmaster dieser Homepage eingefügt.)
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a) 1949 Joh.
Hoffmann regt sich über eine Werbung am Pfingstsonntag auf:
Der Generaldirektor von Radio
Saarbrücken schreibt am 8. Juni 1949 an Johannes
Hoffmann:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Ich sehe mich veranlasst, Sie
von einem Vorfall in Kenntnis zu setzen, der sich am
vergangenen Sonntag (Pfingstsonntag) ereignet hat.
Um 20:02 Uhr rief ein Unbekannter
den diensttuenden Leiter vom Dienst an und gab sich
für den Herrn Ministerpräsident aus. Es ist
mir tatsächlich etwas peinlich, Ihnen den wortgetreuen
Inhalt seines Anrufes wiedergeben zu müssen, denn
er bediente sich gewisser Ausdrücke, die ein zivilisierter
Mensch in seinem Wortschatz nicht besitzen oder zumindest
nicht anwenden sollte.
Nachstehend der Wortlaut des
Anrufs: "Hier der Ministerpräsident. Wer ist
bei Radio Saarbrücken für die Reklame verantwortlich?"
Darauf der Leiter vom Dienst:
"Das ist eine Verwaltungsangelegenheit, für
die der Herr Generaldirektor zuständig ist."
Der Anrufer: "Das ist ein
Scheißdreck! Wie kommen Sie dazu, an einem hohen
Feiertag eine solche Reklame in Ihr Programm aufzunehmen!
Wenn ihr Generaldirektor nichts anderes fertig bringt,
dann soll er seinen Laden zumachen!"
Diese Unterredung hat sich leider
im Hause herumgesprochen und konnte leider nur ein schlechtes
Licht auf Ihre hochgeschätzte Persönlichkeit
werfen. Ich fühlte mich daher verpflichtet, diesen
äußerst unangebrachten Scherz aufzudecken
und zu erklären, dass der Wortlaut dieses Anrufes
allein klar und deutlich durchblicken lässt, dass
es sich lediglich um einen bedauerlichen Missbrauch
Ihres Namens handelte.

Der Anruf erscheint im Übrigen
von vornherein unbegründet, da es sich um die Forville-Reklame-Durchsage
des Namenstages
um 19:59 Uhr handelte, denn erstens erfolgte diese Reklame
in vollkommen dezenter Weise - und zwar wurden nach
der Jupiter-Sinfonie vier Pausezeichen gegeben, um die
Reklame von der vorhergehenden Sendung ordnungsgemäß zu trennen - und zweitens beruht die in Frage kommende Reklame auf einem auf lange Sicht abgeschlossenen Vertrage,
der natürlich auch an Feiertagen eingehalten werden
muss.
Mit dem Ausdruck vorzüglichster
Hochachtung!
Losson, Generaldirektor.
Hier die
Antwort des Ministerpräsidenten:
Sehr geehrter Herr Generaldirektor!
Ich wundere mich über die
Naivität Ihres Schreibens vom 8. ds. Mts. Wenn
Sie sich noch hinter peinlichen Gefühlen verstecken
wollen, um den "wortgetreuen Inhalt" meines
Anrufes wiederzugeben, so kann ich darüber nur
lachen. Belehrungen von Ihnen, welcher Ausdrücke
sich ein zivilisierter Mensch zu bedienen hat, muss
ich zurückweisen. Der Ausdruck, den ich für
diese schmutzige Geschäftsreklame gebraucht habe,
trifft die Sache haargenau.
Der Anrufer war ich tatsächlich
selbst, und ich glaube nicht, dass Sie das ehrlich bezweifelt
haben. Nur hat sich die Unterredung nicht so abgespielt,
wie Sie sie in Ihrem Schreiben wiedergeben.
Ihr Schreiben beweist mir, dass
Sie gar kein Gefühl für die Beleidigung haben,
die in der schmutzigen Reklame, die ich nicht allein,
sondern die gesamte Bevölkerung ablehnt, zum Ausdruck
kommt. Es hat gar keinen Zweck, sich weiter darüber
mit Ihnen zu unterhalten. Die Proteste gegen die Geschmacklosigkeit
und Unverschämtheit türmen sich bei mir zu
Bergen. Ich habe deshalb am vergangenen Sonntag zum
ersten Mal Gelegenheit genommen, selbst einen persönlichen
Eindruck zu erhalten und kann die Empörung, die
in der christlichen Bevölkerung des Saarlandes
über diesen Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken
herrscht, nicht nur verstehen, sondern teile sie. Und
das hat mich zu meinem Anruf veranlasst, der natürlich
entsprechend scharf war, aber von dem Dienstleiter offenbar
genauso unlogisch und verzerrt Ihnen wiedergegeben wurde,
wie manche Leistungen des Radios bei anderen Berichterstattungen.
Ich schäme mich, es überhaupt
nötig zu haben, dem Generaldirektor des saarländischen
Rundfunks erst die Geschmacklosigkeit und Widerwärtigkeit
dieser Reklame auseinandersetzen zu müssen. Wenn
diese Reklame nicht bald abgestoppt wird, werden Sie
einen Sturm im Saarland erleben, der Ihnen Hören
und Sehen vergehen lässt.
Hochachtungsvoll, Johannes Hoffmann
Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv
Saarbrücken, StV 2025
Anmerkung: Leider wissen wir nicht genau, was JoHo und die von ihm als Mit-Protestierende genannten Hörer an dieser Reklame so empört haben könnte (vielleicht war es nur die Tatsache, dass am Pfingstsonntag überhaupt Werbung gesendet wurde?). Nach dem Text seines Briefes müsste die kirchliche Bedeutung des Pfingstfests in irgendeiner Weise
mit den
FORVIL-Produkten in Zusammenhang gebracht worden sein. Dies veranlasste JoHo wohl zu der Formulierung "Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken".
Hinweis: Die französische Firma FORVIL war aus der Firma FORVAL hervorgegangen und stellte damals u.a. Haarwaschmittel und parfümierte Brillantine her (heute würde man sagen: Haarfestiger oder Gel). (Danke an Jan Müller für die Info über die Firma!).
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b) 1948: JoHo
beschwert sich bei Radio Saarbrücken über
"Zotereien" im Radio |
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a) Ein empörter Radiohörer,
Franz XXX, Regierungsrat,
schreibt an
JoHo am 12. 1.1948:
Betrifft: Nachrichtensendung des Rundfunks Saarbrücken
vom 12. Januar 1947, 3/4 7 Uhr.
Der Rundfunk Saarbrücken
brachte heute früh in den Frühnachrichten
eine Meldung, in der die Stellungnahme eines katholischen
Bischofs in England über die Ansicht der katholischen Kirche in der Frage von Schutzmitteln im
ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt worden ist. Zu dieser Zeit haben
meine Frau und meine beiden schulpflichtigen Jungen
im Alter von 13 und 11 Jahren mitgehört. Mein ältester
Junge von 13 Jahren hat sofort an mich die Frage gerichtet,
wie er das verstehen solle. Meine Frau wurde vom Schamgefühl
erfasst und hat das Zimmer verlassen. Sie war jedenfalls
über diese Durchsage empört, zumal wir gerade
dabei sind, unsere Kinder auf anständige Art aufzuklären,
es aber nicht dulden können, dass eine weitere
damit zusammenhängende Frage in diesem Alter mit
ihnen erörtert wird.
Ich erhebe gegen diese Durchsage
den schärfsten Protest und bitte, sich über
den genauen Wortlaut der Durchsage zu unterrichten.
XXX, Regierungsrat.
__________________________________________________________
b)
Joho schreibt
an Generaldirektor Losson am 12 Januar 1948:
Wie mir mitgeteilt wird, brachte
der Rundfunk Saarbrücken heute früh in den
Nachrichten - 6.45 Uhr - eine Meldung, in der die Stellungnahme
eines katholischen Bischofs in England über die
Ansicht der katholischen Kirche in der Anwendung von
Schutzmitteln im ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt
wurde.
Von Hörern dieser Sendung
werden mir Proteste entrüstet zugesandt. Ebenso
mehren sich ständig die Klagen darüber, dass
gewisse Herren den Rundfunk anscheinend dazu benutzen,
mit Hilfe von Zotereien
billige Effekthascherei zu betreiben.
Über alle diese Dinge wird
demnächst - und hoffentlich sehr bald - im Verwaltungsrat
deutlich gesprochen werden. Ich bitte Sie, schon jetzt
mir den genauen Wortlaut der Meldung des heutigen Frühachrichtendienstes,
die ich eben charakterisierte, zu übermitteln,
damit ich mir selbst ein Bild machen kann.
An der berechtigten Entrüstung
der Zeugen, die diese Sendung hörten, zu zweifeln,
habe ich keinen Anlass.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
Hoffmann.
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c)
Der Generaldirektor antwortet Joho am 13.1.48:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Ich bestätige hiermit den
Erhalt ihres werten Schreibens vom 11.1.48. Was die
Meldung über die Äußerungen eines katholischen
Bischofs von England angeht, so ist dies eine alte Geschichte,
von der sämtliche Zeitungen schon gesprochen haben
und an die Sie sich selbst vielleicht erinnern.
Ein englischer Ehegatte hat sich
an das englische Oberhaus gewandt, um seine Ehe für
ungültig erklären zu lassen mit der Begründung,
dass seine Frau es ablehne, Kinder zu gebären.
Dieser Antrag wurde vom Oberhaus abgelehnt mit der Begründung,
dass der eigentliche Zweck der Ehe nicht die Erzeugung
von Kindern sei, sondern das Zusammenleben der Eheleute.
Daraufhin wandte sich der unglückliche Ehemann
an das katholische Episkopat von England, und die Nachricht,
die wir am 12.1.48 durchgegeben haben, ist die Antwort
des Kardinal GRIFFIN, des katholischen Bischofs von
Westminster. Die Meldung lautet folgendermaßen:
London: Kardinal Griffin, der katholische Bischof
von Westminster, beantwortet in einer Rede die vom englischen
Oberhaus gestellte Frage, ob eine Ehe nichtig erklärt werden dürfte, weil der
Ehegatte beim ehelichen Verkehr Schutzmittel benutzt
hatte. Der Kardinal erklärte, dass die Zeugung
von Kindern und deren Erziehung das erste Ziel der Ehe
sei. Nach katholischer Auffassung sei eine Ehe nicht
beendet, wenn in den gegenseitigen Beziehungen von einem
ungewöhnlichen Verhalten die Rede ist. Nur wenn
die Ehegatten die Erfüllung ihrer Pflichten ablehnen,
kann eine Ehe als nichtig erklärt werden. Es ist
sehr schwer zu beweisen, dass eine Ehe nicht vollendet
ist, weil Schutzmittel benutzt wurden. In dem Fall,
in dem das Oberhaus eine Entscheidung zu treffen hatte,
stand die Erfüllung der Ehe sowohl vom physischen
als auch vom moralischen Standpunkt aus in Frage.
Vor allem aber hat die Kirche
niemals das Recht des Staates, die Ehe zu scheiden oder
zu annullieren, anerkannt.
Von meinem Standpunkt aus kann
ich die Empörung unserer Hörer von Radio Saarbrücken
kaum verstehen. Es handelt sich hier sicher nicht um
eine Meldung über eine schmutzige Angelegenheit,
sondern vielmehr um eine Stellungnahme des höchsten
katholischen Geistlichen in England gegenüber einem
moralischen Problem.
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Lesen Sie in der Spalte rechts die Antwort des Generaldirektors!
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Quelle für diese Schreiben:
Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025 |
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c) 1951: Joho
wünscht tägliches Ave Maria bei Programm-
beginn von
Radio Saarbrücken:
Es folgt die Abschrift eines
Schreibens des Generaldirektors von Radio Saarbrücken
(es müsste Gérard Losson gewesen sein) betreffend
eines besonderen Programmvorschlags für den Sender,
der von Johannes Hoffmann ausging. Es ist ja bekannt,
dass Joho ein gläubiger Christ und guter Katholik
war.
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Der Generaldirektor von Radio
Saarbrücken schreibt an JoHo am 5.11.1951:
Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!
Herr Generaldirektor Schlachter hat mir zur
Kenntnis gebracht, dass Sie den Wunsch ausgesprochen
haben, Radio Saarbrücken möge jeden Abend
seine Sendungen mit einem Ave Maria beginnen.
Ich bin gerne bereit, diesem Vorschlag zu
entsprechen, obwohl mir von Seiten meiner Programmdirektion
vorausgesagt wird, dass eine derartige Neuerung in evangelischen
Kreisen unerfreuliche Reaktionen hervorrufen würde.
Wir sind nun daran, eine Anzahl von Melodien
zu sammeln, da es ja nicht möglich wäre, jeden
Abend dieselbe zu spielen und werden ab Montag, den
12.11.51 um 17.40 Uhr mit dem von Ihnen gewünschten
Auftakt des Abendprogramms beginnen.
Genehmigen, Sie, Herr Ministerpräsident,
den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!
--------------------------------------------------------------
Zur Erläuterung: Zu dieser
Zeit gab es bei Radio Saarbrücken nachmittags immer
eine Sendepause, die z.B. im November 1951 jeweils um
17:40 Uhr endete. JoHos Wunsch wurde erfüllt:
Kurz nach dem Eingang seines Schreibens begann der Sender
damit, zu Beginn der Sendungen ein Ave Maria zu senden.
________________________________________________________________ |
e) 1948: Sprache
des Senders - Deutsch oder
Französisch? 27.
Dezember 1948
Joho schreibt an die Direktion
von Radio Saarbrücken
Sie haben mir ihre Weihnachts-
und Neujahrswünsche zwar in deutscher Sprache,
aber auf einem Briefbogen mit französischem Vordruck
übermittelt.
Ich wäre dankbar, von Ihnen
zu erfahren, ob Sie nur französische oder auch
deutsche besitzen, da ich mir schlecht vorstellen kann,
dass Radio Saarbrücken sich immer in französischer
Sprache an die Saarländer wenden wird.
Mit vorzüglichen Grüßen
Johannes Hoffmann
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f) 1948: SPS klagt über
missverständliche
Berichterstattung:
Die
SPS-Landtagsfraktion
schreibt an Joho am 7.1.1948:
Landtagsgebäude
Saarbrücken
Hochverehrter
Herr Ministerpräsident!
Die Landtagsfraktion
der Sozialdemokratischen Partei Saar gibt sich die Ehre,
Ihnen, Herr Ministerpräsident, folgendes vorzutragen:
In letzter
Zeit konnte wiederholt festgestellt werden, dass durch
das Radio Saarbrücken Sendungen von hochpolitischer
Bedeutung bekannt gegeben worden sind, die entweder
unklar oder gar sinnentstellt waren. Diese Meldungen
führen nicht nur in den Kreisen der Saarbevölkerung
zu Missverständnissen und unliebsamen Diskussionen,
sondern sind auch dazu angetan, im Ausland völlig
unrichtige und irreführende Pressemeldungen auszulösen.
Wir erlauben
uns hierbei an die jüngsten sinnentstellenden Radiomeldungen
über die äußerst wichtigen Verhandlungen
in Paris und die damit verbundene Ernennung des Herrn
Gouverneur Grandval zum Hohen Kommissar zu erinnern,
die Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
zur sofortigen Berichtigung am Radio Saarbrücken
Veranlassung gaben. Laut unseren Feststellungen handelt
es sich bei dem betreffenden Sprecher um einen Herrn
Ullmann.
Wir gehen
wohl nicht fehl in der Annahme, Herr Ministerpräsident,
dass auch Sie von der Notwendigkeit überzeugt sind,
einen solchen Sprecher umgehend von seiner Funktion
zu suspendieren.
Genehmigen
Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck unserer
vorzüglichsten Hochachtung.
Joho
schreibt deshalb an Generaldirektor Losson am 11.1.48:
Was die Kommentierung unserer
Pariser Besprechung durch Radio Saarbrücken angeht,
so scheint es mir doch, dass die Information des Rundfunks
über diese Dinge in der Bevölkerung ein falsches
Bild der Beurteilung geschaffen hat. Das geht u.a. auch
daraus hervor, dass die Fraktion des Landtags der Sozialdemokratischen
Partei mir ihren einstimmigen Beschluss mitgeteilt hat,
wonach sie die sofortige Abberufung des Herrn Ullmann
mit diesen Radiomeldungen über die Pariser Besprechungen
begründet. Ich lasse Ihnen eine Abschrift des Schreibens
zu Ihrer Information als Anlage zugehen.
Grundsätzlich vertrete ich
die Meinung, dass in einer so politisch wichtigen Frage
der Rundfunk ruhig im Interesse einer richtigen Berichterstattung
auf eine überstürzte zeitliche Aktualität
verzichten sollte.
__________________________________________________ |
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d) 1952: Immer
wieder Schalt-Pannen im Radio wegen
schlampiger
Arbeit beim Post-Verstärkeramt
Der Generaldirektor von Radio
Saarbrücken schreibt an JoHo am 9.1.1952:
Betr.: Rundfunk-Verstärkeramt
bei der Post- und Telegrafenverwaltung des Saarlandes
Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!
In einem bis jetzt unbeantworteten
Schreiben vom 16.6.51 hatte ich die Ehre, Ihnen die
Missstände darzulegen, die sich für Radio
Saarbrücken aus der Beibehaltung des Rundfunk-Verstärkeramtes
bei der saarländischen Post und Telegrafenverwaltung
ergaben. Mit Rücksicht auf die Tatsache, dass dieses
Verstärkeramt der Rundfunkverwaltung unnötige
Kosten auferlegte und nur eine zusätzliche Störungsquelle
darstellte, bat ich Sie, bei sämtlichen inländischen
Übertragungen das Verstärkeramt auszustellen.
Ein erneuter Vorfall zwingt mich,
auf diesen Antrag zurückzukommen mit der dringenden
Bitte, ihm so bald wie möglich stattzugeben. Ich
hatte schon einmal Gelegenheit, Ihnen mündlich
darüber zu berichten, dass während der Saardebatte
im Bundeshaus am 31.5.1951 durch eine Fehlschaltung
im Verstärkeramt eine Erklärung von Bundeskanzler
Dr. Adenauer über die Antenne von Radio Saarbrücken
ging. Ein ähnliches Missgeschick ereignete sich
am Sonntag, den 6.1.1952, wo eine erneute Fehlschaltung
zur Folge hatte, dass zwei Sportreportagen - die eine
vom Kieselhumes, die andere vom Ellenfeld - miteinander
verwechselt wurden, wodurch in der Hörerschaft
selbstverständlich die größte Verwirrung
entstand.
Die saarländische Rundfunkverwaltung
ist nicht gewillt, von der Öffentlichkeit die Verantwortung
dieser fahrlässigen Arbeitsweise, auf die sie nicht
den geringsten Einfluss hat, zu tragen. Sollten sich
ähnliche Vorfälle in der nächsten Zeit
wiederholen, so würde ich veranlassen, dass den
Hörern genau auseinandergesetzt wird, wo der Fehler
solcher Störungen zu suchen ist.
Genehmigen Sie mir, sehr verehrter
Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!
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(Lesen Sie bitte in der rechten Spalte oben weiter!) |
Quelle für diese Schreiben:
Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025 |
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16) Radio Saarbrücken und die Volksbefragung 1955
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a) Heimatbundparteien planten,
die Programmkabel zwischen Funkhaus Saarbrücken
und
Sender Heusweiler zu kappen.
Der Ausgang der Volksbefragung
über das Saarstatut war bis zur Auszählung der Stimmen völlig offen. Es gab ja damals noch keine Prognosen und auch keine Hochrechnungen. Für den Fall, dass eine
der beiden Seiten einen klaren Sieg davontragen würde,
wurden keine größeren Komplikationen bei
der Bekanntgabe der Ergebnisse erwartet. Aber wenn das
Ergebnis sehr knapp ausfallen würde, z. B. 52 %
Nein und 48% Ja (oder umgekehrt), wurde befürchtet,
dass es möglicherweise zu einer unübersichtlichen
Lage kommen könnte. Es hätte Demonstrationen und
Krawalle geben können. Diese Bedenken
bestanden offenbar auf beiden Seiten. Im Keller der
französischen Botschaft soll eine komplette Kompanie
der französischen Gendarmerie in Bereitschaft gestanden
haben, um bei eventuellen Unruhen einzugreifen.
Die Heimatbundparteien hatten
dagegen etwas anderes vorbereitet. Im Falle eines
knappen Ergebnisses wollte man das Zuspielkabel für das Programm von Radio Saarbrücken sprengen. Dieses war durch den Wald zwischen Saarbrücken und Riegelsberg entlang der Straßenbahnschienen bis Heusweiler verlegt. Danach sollte direkt am Sender mit Hilfe von eingeweihten
Technikern und Sprechern ein Notprogramm mit Schallplattenmusik
und neutraler Berichterstattung ausgestrahlt werden.
Die Vorbereitungen zu dem Coup waren schon getroffen,
das Bohrloch gegraben und das nötige Personal am
oder in der Nähe des Senders postiert. Das Ganze
wurde sehr diskret vorbereitet, nicht einmal die Vorsitzenden
der deutschfreundlichen Parteien waren informiert, weil man Angst hatte, dass sie sich
in der hitzigen Atmosphäre des Abstimmungskampfs
verplappern könnten.
Da das Ergebnis aber sehr eindeutig
ausfiel und Joho unmittelbar nach der Bekanntgabe zurücktrat,
konnte der gesamte Plan fallen gelassen werden, und alles lief den bekannten ruhigen Gang.
(Infos zu diesem Text stammen aus dem Buch: Gerhard Franz: Der Sieg der Neinsager. Saarbrücken
2005.)
b) 23.10.1955:
Was geschah am Abend der Volksbefragung (und danach)
im Radio?
Radio Saarbrücken gab die
Ergebnisse der Stimmenauszählung bekannt, und fast
alle saarländischen Familien verfolgten diese Sendung
mit Hochspannung. Einige wenige Saarländer (man
spricht von unter 1000 Apparaten in Wohnungen und Gaststätten)
konnten auch im privaten Fernsehsender "Telesaar"
die Bekanntgabe der Ergebnisse miterleben.
W.Reinert erzählt in seinem
Roman "Der Dicke muss weg" auf Seite 199:
"... wurde die Sendung
unterbochen. »Achtung, Achtung. Hier ist der Wahlsonderdienst.
Wir bringen Wahlergebnisse.« Der Sprecher von
Radio Saarbrücken begann seine Durchsage. (...)
Jetzt drang die Nachricht in alle Häuser: Das Statut
ist abgelehnt."
Die Ansager verlasen zunächst
die Ergebnisse aus den kleineren Gemeinden, zum Schluss
folgten die Städte. Etwa gegen 21 Uhr stand das
vorläufige Endergebnis fest. 67,71 % hatten mit
Nein gestimmt, 32,29 % mit Ja, die Wahlbeteiligung betrug
96,9 %
In den 22-Uhr-Nachrichten wurde verkündet, dass Johannes Hoffmann als Reaktion auf die Ablehnung des Saarstatuts
mit sofortiger Wirkung als Ministerpräsident zurückgetreten war. Kurz danach wurde im Radio
bekannt gegeben, dass am darauffolgenden Montag an allen
saarländischen Schulen schulfrei
sei.
Nach der Volksbefragung wurde
das Programm von Radio Saarbrücken von heute auf
morgen teilweise geändert. So entfiel z. B. unmittelbar nach dem Abstimmungstag
plötzlich und ohne Ankündigung die überaus
beliebte allsonntägliche "Saarlandbrille". Der Grund lag darin, dass auch in der Saarlandbrille
politisiert worden war, und jetzt, nach der Ablehnung
des Saarstatuts, war die Grundlage für die bisherigen
Sticheleien gegen die Neinsager nicht mehr vorhanden,
und man antwortete - mit Schweigen. Die meisten anderen
Sendungen blieben jedoch weiter im Programm, so auch
die Stimme des Tages, Schulfunk- und kirchliche Sendungen,
der "Bunte Teller", die Hörspiele oder
auch "Allerhand für Stadt und Land".
Mehr über die Folgen
der Volksbefragung im Saarland lesen Sie hier.
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Diese Seite über Radio Saarbrücken
wird ständig erweitert.
Quellen und weitere Literaturangaben:
Die Tondokumente wurden direkt vom SR zur Verwendung auf dieser Website zur Verfügung gestellt oder der Doppel-CD "Radio an der Saar 1935-1995. Ein Querschnitt durch 60 Jahre Programmgeschichte" entnommen. Saarländischer Rundfunk Saarbrücken. 1995. (Eine Lizenz zur Verwendung des GEMA-Repertoires auf dieser Website liegt vor.)
Clemens Zimmermann/Rainer Hudemann/Michael Kuderna (Hrsg.). Medienlandschaft Saar von 1945 bis in die Gegenwart. Band 1 bis 3. München 2010.
Fritz Raff, Axel Buchholz,
Hrsg.: Geschichte und Geschichten des Senders an der
Saar - 50 Jahre Saarländischer Rundfunk. Freiburg, Basel, Wien 2007. In dieser hervorragenden Chronik des
Rundfunks an der Saar finden sich unzählige Fakten
und Geschichten über das Saar-Radio von den Anfängen
bis 2007 sowie zahlreiche Fotos und Abbildungen aus diesem Zeitraum.
Saarländischer Rundfunk, Hrsg.: Unser Sender an der Saar.
50 Jahre Rundfunk im Saarland. Text: Hans Bünte. Saarbrücken 1985.
Klaus Altmeyer: 25 Jahre Saarländischer
Rundfunk - Die
Entwicklung seit Wiederbeginn. Saarbrücken 1971.
Heribert Schwan: Der Rundfunk als Instrument der Politik im Saarland 1945 - 1955. Berlin 1974.
Rainer Hudemann unter Mitarbeit von Marcus Hahn, Gerhild Krebs und Johannes Großmann, Hg.: Stätten grenzüberschreitender Erinnerung – Spuren der Vernetzung des Saar-Lor-Lux-Raumes im 19. und 20. Jahrhundert. Lieux de la mémoire transfrontalière – Traces et réseaux dans l’espace Sarre-Lor-Lux aux 19e et 20e siècles, Saarbrücken
2002, 3., technisch überarbeitete Auflage 2009. Publiziert als CD-ROM sowie im Internet unter www.memotransfront.uni-saarland.de - Der Artikel über den Saarländischen Rundfunk ist unter folgender URL zu erreichen: http://www.memotransfront.uni-saarland.de/saarlaendischer_rundfunk.shtml
Zeitgenössische Originaldokumente aus dem Landesarchiv Saarbrücken. Detaillierte Angaben dazu an den jeweiligen Stellen.
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