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            saar-nostalgie.de - RADIO UND FERNSEHEN

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b) Radio Saarbrücken

 

 

 

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Hinweis:  Über die Geschichte des Rundfunks im Saarland wird im Abschnitt Rundfunkgeschichte ausführlich berichtet (mit detaillierten Angaben zu Senderstandorten, Sendeleistungen und Sendefrequenzen). Über das Fernsehen siehe TELESAAR. Weitere Details finden Sie auch auf den Unterseiten Saarlandbrille und Funkhaus Wartburg.

 

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Unser Heimatsender

 

an der Saar

 

Radio Saarbrücken war Nachfolger des Reichssenders

Saarbrücken und Vorläufer von SR1 Europawelle.

Das saarländische Radio feierte 2007 "offiziell" seinen 50. Geburtstag, weil 1957 das Saarland ein deutsches Bundesland wurde und der Saarländische Rundfunk damals unter diesem Namen die Rundfunkausstrahlung im Saarland übernahm. Aber dies war kein echter "Neubeginn". Im Großen und Ganzen wurde nach der Rückgliederung 1957 das Programm des bereits 1946 entstandenen "Radio Saarbrücken" weitergeführt, zwar mit kleinen Änderungen (besonders im journalisti- schen Bereich), aber mit denselben Einrichtungen und zum großen Teil auch denselben Mitarbeitern wie vorher. Die politische Linie der Anstalt hatte sich allerdings nach der Volksbefragung am 23. Oktober 1955 grundlegend geändert, nachdem in den Jahren davor die Ausrichtung des Senders strikt frankreich- und autonomiefreundlich gewesen war. Dies war wohl auch der Grund dafür, dass man Radio Saarbrücken lange Zeit gerne unerwähnt ließ. Eigentlich schade, denn war der Sender damals auch das Sprachrohr der frankreichfreundlichen Politik gewesen, so war er doch seit dem Ende des 2. Weltkriegs   d e r   Radiosender aller vor etwa 1950 geborenen Saarländer (siehe auch Leserbrief).

 

Der erste Reportagewagen von Radio Saarbrücken   (Die beiden Bilder sind aus dem Jubiläumsteller von Horst Rehm, siehe ganz unten auf dieser Seite!)

 

 

Diese hatten seine Sendungen und ihre Präsentatoren im Laufe der 10 Jahre - trotz seiner politischen Ausrichtung - schätzen gelernt und ins Herz geschlossen. Auch beim SR hat man inzwischen wohl erkannt, dass man den beliebten alten Sender nicht länger totschweigen sollte, denn es wurde ihm in der Ende 2007 herausgegebenen SR-Chronik ("Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar", Herder) ein großes Kapitel mit zahlreichen Fotos, Berichten und Geschichten gewidmet.

             

Radio Saarbrücken war für mich der erste Rundfunksender, den ich in meinem Leben hören konnte, und ziemlich lange auch der einzige. Wir hatten in unserer Wohnung am Hüttenberg 4 in Neunkirchen, in der ich 1942 auf die Welt kam, ein Radio, das meistens auf Mittelwelle 211 Meter eingestellt war - auf Radio Saarbrücken. Dies war unser Heimatsender, der unter anderem die wichtigsten Informationen lieferte, der unterhaltsame "leichte" Musik spielte, manchmal auch etwas Operette und Klassik, und der Hörspiele sendete, die entweder lustig waren (Mundartbühne) oder spannend (Hörspielkrimi).

 

Außerdem hörte ich in dieser Zeit den Kinderfunk: jeden Abend "Gute Nacht, liebe Kinder" mit dem Märchenonkel und jeden Sonntag Nachmittag die "Märchenstunde", in der Märchen und Geschichten erzählt oder als Hörspiel gesendet wurden. Beliebt waren auch Wunschkonzerte, in denen man die damals bekanntesten Stücke hören konnte, z. B. Schlager von Friedel Hensch und den Cypries, Vico Torriani, René Carol, Caterina Valente u.v.a.m., aber auch leichte klassische Stücke wie das Zwischenspiel (Intermezzo) aus Notre Dame von Franz Schmidt, das meine Mutter besonders gerne hörte.

Das "Radio" hatte mich schon als Kind fasziniert. Sehr lange konnte ich mir nicht erklären, wie die Stimmen und die Musik aus dem Radio kommen konnten. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass da kleine Männnchen, also Sprecher und Musiker, in diesem Kasten sitzen sollten. Es war für mich wie ein Wunder. Bis ich die wirklichen Hintergründe verstand, vergingen aber noch einige Jahre (siehe Amateurfunk-Seite!).

 

Als ich mit 11 Jahren vier Monate lang wegen einer schweren Gelenkentzündung in der Kinderklinik Neunkirchen-Kohlhof verbringen musste, hatte ich das Glück, dass mir eine ganz liebe Krankenschwester eines Tages ihr privates kleines Radio auf meinen Nachttisch stellte, so dass ich von da an auch im Krankenbett Radio hören konnte. Wir hatten sogar ein gemeinsames Lieblingslied: "Die süßesten Früchte" von Peter Alexander und Leila Negra.

Damals gab es morgens und mittags noch lange Sendepausen im Radio (von je etwa drei Stunden), und ich wartete, in meinem Krankenbett liegend, immer mit Spannung auf den erneuten Beginn der Sendungen. Es fing etwa 10 Minuten vor dem eigentlichen Sendebeginn an mit dem wiederholten Abspielen des Pausenzeichens . Dieses war bei Radio Saarbrücken der Beginn des Liedes "Kein schöner Land in dieser Zeit", das ich von meiner Mutter gelernt hatte. Und dann kam die Ansage:

 "Hier ist Radio Saarbrücken. Guten Tag, liebe Hörer, wir

 

 

 

"Sarre" als Stationsangabe für Radio Saarbrücken auf

 einem "Le Régional 55" von 1955.       (Foto: Erhard Pitzius)

           

 

beginnen nun unser Mittagsprogramm." Danach kam eine Programmvorschau, und die Sendungen begannen.

 

Als ich wieder zu Hause war, wurde das Radio mein ständiger Begleiter während des ganzen Tages, natürlich auch bei den Hausaufgaben. Da ich gerne ein eigenes Radio haben wollte, begann ich unter Anleitung von älteren Freunden mit dem Bau eines Detektorradios. Was für ein tolles Erlebnis war es, als die ersten Töne daraus im Kopfhörer erklangen! Und was bekam ich als erstes zu hören? Natürlich die altbekannten Stimmen und Sendungen meines Heimatsenders Radio Saarbrücken!

  

 

 

Mehr über die Entwicklung des Rundfunks im Saarland finden Sie auf der Seite Rundfunkgeschichte.

 

Namen von Personen

und Sendungen

von Radio Saarbrücken

(mehr Infos durch Anklicken

der blauen Links, weitere folgen).

 

SENDUNGEN:                                                                                                                                                                            

                             

Guten Morgen, liebe Hörer

(werktags)

Froher Klang zur Morgenstunde (sonntags)

Der Bunte Teller (So, 8:30)

Allerhand für Stadt und Land

(werktags 11-12 Uhr)

Nachrichten

Saarnachrichten

Die Saarlandbrille So, 13:00

(mit Hörproben!)

Der Hörerbriefkasten

Presseschau

Mittagskonzert

Märchenstunde (So 15-15:30)

Fauenfunk, Kirchenfunk

Die Stimme des Tages (werktags)

Sport und Musik

Sportergebnisse und Tippreihe

Der runde Tisch

Die Mundartbühne

(Hörspiel, montags)

Hörspielkrimi

Gute Nacht, liebe Kinder

(werktags am frühen Abend)

Vom Telefon zum Mikrofon

So lebt Frankreich

Spreb und Atzel (Wiedemann/Weissenbach)

Sendepausen

(Pausenzeichen)

Versuch dein Glück

mit Rudi Schmitthenner

Von Mensch zu Mensch

Wir lernen Französisch

Heiteres aus der Saarheimat

Die genaue Zeit mit Lip

                             

NAMEN:                                                                                                                                                                                        

                                        

Ferdi Welter (seit 1935 beim Reichssender Sbr.)

Heinz Dützmann

Christa Adomeit

Fritz und Gerdi Weißenbach Fritz seit 1936 beim Saar-Radio.

de Zick, de Zack unn's Marieche

Franz Duhr

Nestor Xaidis

Karl Fischer (Tontechniker)

Pelz von Felinau

Walter Fürsattel

Luitpold Ganther

Hildegard Puth

Werner Wiedemann

Karl Ristenpart

(Kammerorchester des SR)

Margot Schöneberger

Rudi Schmitthenner

Martha Nikodemus

Dr. Rudolf Michl

Klaus Greinke

Günther Stutz

Albert C. Weiland

(Oberspielleiter)

Brigitte Dryander

Lothar Rollauer

Victor Lenz

Tante Käthe, Tante Hilde, Tante Christa (Christa Frischkorn)

 Der Märchenonkel

(Werner Jakobi)

Sportreporter: Charly Scholz, Jupp Hoppen, Rudi Michel 

Otto Karl (O.K.) Müller (schon seit 1947 bei Radio Saarbrücken)

Rudi Braun (Musette Ensemble; er spielte auch im Café Kreimer, Neunkirchen)

Heinz Gebhard (Radio- Tanz- und Unterhaltungsorchester)

Eberhard Pokorny

(Posaunist bei W. Kowatsch)

Pierre Séguy

(Sendeleiter v. Radio Saarbrücken)

August Antoni

(Radio- Unterhaltungsorchester)

Wolfgang Kowatsch

(Johnny Kowa)

Manfred Minnich (Tanzorchester)

Wilm ten Haaf

1950 - 1952 Oberspielleiter

 

Werner Dorow

Pelz von Felinau

 

    

  

Das Programmschema

 

 

 

Die ersten beiden Programmvorschauen stammen aus dem Jahr 1946. Damals kamen noch Teile des von Radio Saarbrücken ausgestrahlten Programms vom SWF (siehe Radiogeschichte weiter unten). Die Sendepausen dauerten werktags von 8:30 bis 12 Uhr und von 14:10 bis 18:30, sonntags von 8:30 bis 9:30 Uhr und von 15:30 bis 17 Uhr. Am Sonntag Nachmittag gab es schon die Märchenstunde (von 15 bis 15:30) und an den Wochentagen abends um

         

19:40 die Sendung "Gute Nacht, liebe Kinder". Um 20 Uhr lief eine 15minütige Nachrichtensendung, die später durch die "Stimme des Tages" um 19:45 ersetzt wurde.

 

Rechts außen ein Sonntagsprogramm von 1949 aus der HÖR ZU!. An die Stelle der Sendung "Kunter- bunt" von 8:30 bis 9:15 trat später "Der Bunte Teller". Sendepausen gab es sonntags nicht mehr. Von 13 bis 13:20 lief die Saarlandbrille, am Abend    um 20:05 "Versuch dein Glück", eine öffentliche    Quizveranstaltung mit Rudi Schmitthenner. 

 

 

Ende November 1949

aus HÖR ZU!: 

 

 

  

Im Jahr 1955 sah das Montags-Programm so aus (SZ vom 25.07.1955):

 

Rechts: Die verschiedenen Freistempel des SR erzählen: Juni 1955: "Radio Saarbrücken", 5 F (Drucksache), Post-Saar; Oktober 1955: "Saarländischer Rundfunk", 15 F (Brief), Post Saar; 1957 ebenfalls "SR" und 15 F, aber "Deutsche Bundespost Saarland".

    

 

 

Programmzeitschrift

 

 Es gab auch eine saarländische Pro-  grammzeitschrift für Radio und Fern-  sehen. Sie hieß bis zum  23.10.1951  "Tele Bild und Funk", dann wurde sie  umbenannt in "Tele Bild mit Radio".

             

 

  Die Zeitschrift erschien im Saarbrücker "West-Ost-Verlag". Sie wurde nach 1955 eingestellt,

  weil sie der Übermacht der zahlreichen Zeitschriften aus der Bundesrepublik nicht gewachsen   war. (Näheres dazu auf der Seite Tag X, ganz unten.)

 

            

Auch davor schon konnte man an den Kiosken im Saarland die großen deutschen Radio- und TV-Zeitschriften wie Hören und Sehen und HÖR ZU! kaufen (siehe linkes Foto!).

Außer der TELE Bild gab es noch zwei andere saarländische Zeitschriften: "Zeit im Bild" und "ILLUS - Illustrierte des Saarlandes".

 

Foto, Hefte (und Teppichboden!): Thomas Maus, Urexweiler

 

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"Beim Gongschlag ist es 7 Uhr. Sie hören Nachrichten."

 

 

Eine der wichtigsten Sendungen im Radio überhaupt ist die Nachrichten- sendung. Heute gibt es sie meist alle halbe Stunde, in den frühen Radio- Jahren viel seltener, bei Radio Sbr. bis zu 9mal am Tag. Sie kamen damals - im Gegensatz zu heute - noch aus der Nachrichtenredaktion fix und fertig zum Vorlesen auf den Tisch des Sprechers. Auf diesem Tisch befanden sich das Mikrofon (wenn es nicht von der Decke herunterhing), die Räuspertaste (die der Sprecher drücken konnte, um sich kurzzeitig vom Sender abzukoppeln, wenn er mal husten oder niesen musste), ein paar Wörterbücher (zum eventuellen Nachschlagen der Aussprache schwieriger Wörter oder Namen) und der Gong zum Ansagen der genauen Zeit. Anfangs wurde der Gong richtig von Hand geschlagen, wie es auf dem Foto links zu sehen ist. Später war es ein elektro- mechanischer Gong, der auf Knopfdruck ausgelöst wurde, heute gibt es dafür meist Zeitzeichentöne oder Jingles. Ferdi Welter musste in seiner Frühsendung nach einigen Jahren statt des Gongs ein kleines Handglöckchen verwenden, weil er zu häufig auch mitten in der Sendung den Gong betätigt hatte.

Das Foto links zeigt einen unbekannten Sprecher mit dem Handgong. Oben rechts Klaus Greinke, der Nachrichten las, manchmal Sendungen moderierte und auch oft in Hörspielen und Sketchen mitwirkte.

 

Gretl Palm begann als Nachrichtensprecherin bei Radio Saarbrücken schon kurz nach Wiederaufnahme der Sendungen nach dem Krieg.

 

Auch Walter Fürsattel (unten) und Otto Karl ("O.K.") Müller (rechts) lasen schon bei Radio Saarbrücken die Nachrichten.

O.K.Müller hat auch im Fernsehen bei Telesaar gearbeitet. 

 

Rechts: Martha Nikodemus (sie war auch bereits beim Reichs- sender Saarbücken tätig), links 4 Sprecher aus dem Team der Stimme d.Tages: Nestor Xaidis, Albert Arthur Müller, Günther Stutz und Theo Schulte.

 

Die Stimme des Tages war eine tägliche halbstündige Sendung mit Meldungen, Berichten, Reportagen, Kommentaren und Interviews (sie lief bis Ende 1963). Damit brachte Radio Saar- brücken täglich ca. 115 Minuten Nachrichtensendungen, fast genau soviel wie der SWF, aber mit nur etwa halb soviel Personal.

Als Nachrichtenagentur war in den frühen Jahren nur die Agence France Presse zugelassen. Der Leiter ihres Saarbrücker Büros bildete auch die Zensurinstanz von Radio Saarbrücken. Die Nachrichtensendungen aus Saarbrücken waren sachlich, aber auch kritisch, solange es um ausländische Politik ging. Sobald aber über die Politik der saarländischen Regierung berichtet wurde, waren sie bedingungslos regierungs- freundlich und gaben kritik- und

kommentarlos den Standpunkt

des Hoffmann-Regimes wieder. Denn im Saarländischen Rundfunkgesetz von 1952 war festgeschrieben, dass keine Sendung die in der Verfassung vorgesehene Staatsordnung gefährden dürfe (§ 4.6). Wichtigste Aufgabe der Mitabeiter des Nachrichtendienstes war dementsprechend die kompromisslose Unterstützung der Ziele von Staat und Regierung.

 

Auf dem Foto links ist Albert Arthur Müller im Sprecherstudio zu sehen, ebenfalls mit dem handbedienten Gong. Foto rechts: Waltraud Margraf, Sprecherin am Saarbrücker Sender von 1936 bis 77.

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Fotos: Das obere Foto mit dem Gong aus: Regierung des Saarlandes, "Worüber niemand spricht", Saarbrücken 1951. Das  Foto mit den vier "Stimme des Tages"-Sprechern aus: Unser Sender an der Saar. Das Foto von M. Nikodemus: Foto Hartung, Saarbrücken. Die Einzelfotos von Albert Arthur Müller und Waltraud Margraf aus: 25 Jahre SR, Saarbrücken [1971]. Die übrigen Aufnahmen: Saarländischer Rundfunk, Saarbrücken.

 

 

Hörerpost

 

Natürlich bekam so ein beliebter Sender wie Radio Saarbrücken zahlreiche Hörerpost, wie z. B. diesen Brief (Poststempel vom 3. November 1949), mit dem eine Hörerin aus Nohfelden beim Kreuzworträtsel- Spiel mitmachen und gewinnen wollte. Die Anschrift "Nauwieserstraße" war die des Funkhauses in der Wartburg. 

 

Die verwendete Briefmarke ist übrigens die 15-Frs.- Sondermarke "Universität des Saarlandes" von 1949 (Michel-Nr. 264). 

 

Der Scan dieses Briefumschlags wurde mir zur Verwendung auf dieser Homepage freundlicherweise zur Verfügung gestellt von www.philafriend1.de, wo man zahlreiche philatelistische Belege dieser Art finden kann.

        

 

  

 

Antwortkarten von Radio Saarbrücken auf Hörberichte

Bei fast jeder Rundfunkstation der Welt freut man sich über technische Hörerpost, weil diese ihnen Hinweise auf die Reichweite und technische Qualität der eigenen Sendungen gibt. Viele Menschen haben es sich zum Hobby gemacht, Radiostationen aus aller Welt mit ihren Empfangsgeräten auf den Wellen zu suchen, zu identifizieren und dem betreffenden Sender Empfangs- berichte zu schreiben, mit Angaben über die empfangene Station, ihre Frequenz und Feldstärke sowie Details zur eigenen Empfangsausrüstung (Gerät, Antenne, usw.). Solche Wellenjäger oder "DXer" (DX = Distance unknown) schicken ihre Berichte nicht nur an Kurzwellenstationen, die man weltweit empfangen kann, sondern auch an Lang- und Mittelwellensender, die ebenfalls für Hörberichte dankbar sind. Als Bestätigung antworten die Rundfunkstationen meist mit vorgedruckten QSL- Karten, die eine Art Visitenkarte der Sender darstellen und von vielen Wellenjägern gesammelt werden. Es gibt auch Kurzwellenhörer-Clubs, in denen man seine Erfahrungen austauschen kann. Die größte bundesdeutsche Vereinigung ist die ADDX, die über die weltweit größte Sammlung von Rundfunk-QSL-Karten-Scans verfügt.

 

Auch Radio Saarbrücken hat solche Bestätigungs- karten für Hörberichte verschickt. Zwei davon wurden mir freundlicherweise von der ADDX zur Verfügung gestellt.

 

Kennt jemand noch andere QSL-Karten von Radio Saarbrücken?

 

Auf der oberen Karte stehen unter "THE SAAR", nur schwach lesbar, die Worte "The coal land". Diese Karte stammt aus dem Jahr 1953. Die untere Karte ist 1957 versandt worden.

(Abbildungen: ADDX-Bildarchiv, www.addx.de)  

  

 

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Die Wartburg - Das Funkhaus von Radio Saarbrücken

 

 

 

Über die Saarbrücker Wartburg gibt es jetzt  hier eine eigene Seite mit vielen Fotos

 

und Erläuterungen über dieses Gebäude und seine Nutzung.

 

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 Der Werbefunk von Radio Saarbrücken hieß "Radio-Reklame"

 

 

Mit der Ausstrahlung von Rundfunkwerbung begann RIAS Berlin am 1. Februar 1948 als erster Nachkriegssender auf deutschem Gebiet mit Werbesendungen, Radio Saarbrücken nahm als zweite deutschsprachige Radiostation am 8. August 1948 Werbefunksenungen auf. An demselben Tag wurde die Sendeleistung des Heusweiler Mittelwellensenders von bisher 2 auf 20 kW erhöht. Vom 10. März 1950 an wurde die Werbung im Radio ausschließlich von der 1949 gegründeten Radio-Reklame GmbH vermarktet, aus der später die Werbefunk Saar GmbH (WFS) hervorging. Diese besteht heute noch und ist seit dem 17.10.1957 eine hundertprozentige Tochter des Saarländischen Rundfunks. Die Wirkung der Reklame bei Radio Saarbrücken war umwerfend: bei einigen Firmen stieg der Umsatz unmittelbar nach Beginn der Werbung auf das Doppelte, andere kamen mit der Produktion ihrer Waren nicht mehr nach.

 

Lange Zeit wurden die Werbespots im Radio nur in eigens als solche gekennzeichneten Sendungen der Rundfunk- Werbegesellschaften ausgestrahlt, fast immer nur ein einzelner Spot, später auch zwei und mehr hintereinander. Dazwischen wurde immer Musik gespielt, manchmal mehrere Titel, oft auch nur einer. Die Radio-Reklame bzw. später der Werbefunk Saar lieferte bis 1963 drei Stunden täglich komplette Sendungen, und zwar je eine morgens früh und am späten Vormittag (von 11 bis 12 Uhr "Allerhand für Stadt und Land", siehe Text und Fotos unten) sowie abends zwischen 18 und 19 Uhr. Sie enthielten die gesamte Werbung des Tages, aber auch Musik, Unterhaltung und verbraucherorientierte Unterhaltung. (Mit der Eröffnung der Europawelle Saar 1964 wurde diese Praxis beendet, und die Werbespots wurden als so genannte Streuwerbung über den ganzen Tag verteilt.)

 

In diese 3 Stunden wurden auch schon sehr früh kurze (ca. 2-5 Minuten lange) gesponsorte Sendungen eingepackt, die an jedem Werktag oder auch nur an bestimmten Tagen immer zur selben Zeit mit einer neuen Folge gesendet wurden. Darin wurde nach einer Einleitungsmusik die eigentliche Werbung für ein bestimmtes Produkt mit redaktionellen Beiträgen gemischt. Das konnten nützliche Tipps für die kochende oder schneidernde Hausfrau sein, wie z.B. die Sendung "Wohin, wohin - zu Sinn, zu Sinn" mit Hildegard Puth. Gebr. Sinn war ein Wäsche- und Modegeschäft in Saarbrücken und Neunkirchen (später Sinn-Leffers). Eine andere Sendung war eine Art Comic-Serie für Kinder und Erwachsene und hieß "Dop und Döpchen" mit Werner Wiedemann und einem kleinen Jungen. Sie spielten kurze Szenen und machten Werbung für ein damals auch im Saarland erhältliches französisches Haarwaschmittel, nämlich "Shampoing DOP" (Abb. links). Und dann gab es noch eine andere Sendung dieser Art, eine Jugendserie der Radioreklame, die immer um 19 Uhr auf Radio Saarbrücken lief, und in der für das Spülmittel Pril geworben wurde. Ihr Titel war "Pop(p)s tönende Abenteuer", und es ging um die berühmte Pril-Ente, die in der Serie eine Art Detektiv war. Anhand einer Ente, die mit einer Prise Pril im Wasser unterging, wurde in der Werbung die Sache mit dem "entspannten Wasser" erklärt. Zum Beginn der Sendung hörte man ein Türknarren, dann Schüsse und dann den Ruf der Ente:"Priiiil, Priiiil, Priiiil, Priiiil".

 

Das Foto rechts zeigt Hildegard Puth mit Ferdi Welter bei einer gemeinsamen Modenschau von Autohaus Dechent und Kaufhaus Gebr. Sinn ("Mode und Auto"). Foto aus: Becker, Schmitt: "Saarbrücken in den 50er und 60er Jahren, Wartberg Verlag 1999.

   

             

 

 

 

 

   Fritz und Gerdi

   Weissenbach

   (geborene Gerdi Palmer)

 

 

   in ihrer werktäglichen    Sendung

 

 

   "ALLERHAND FÜR

    STADT UND LAND"

 

 

 

Diese Sendung des Werbefunks lief zunächst bei Radio Saarbrücken und später auch auf SR1, immer werktags zwischen 11:05 und 12 Uhr, insgesamt 7000 Mal. Die beiden machten ihre Witzchen, trugen (meist selbst verfasste) Gedichte u.ä. vor und sprachen Werbetexte live während ihrer Moderation, meist für heimische Geschäfte und Produkte. Peter Hell schrieb in seinen Radio-Erinnerungen (veröffentlicht in "Radio-Kurier - weltweit Hören", 8/2007): "An einen Witz der Weissenbachs kann ich mich noch gut erinnern. Sagte doch Gerdi zu ihrem Mann - heute habe ich aber ein Auto mit einem komischen Kennzeichen gesehen: da stand neben dem Nummerschild groß "GB", was kann das wohl bedeuten. Das ist doch ganz einfach antwortete Fritz; das war ein Fahrzeug von der "GriminalBolizei", die haben eigene Kennzeichen!"

Die Sendung endete stets mit einem von den beiden im Chor gesprochenen "Maaaahlzeit", ähnlich wie man es schon von der "Saarlandbrille" her kannte.  

 

Die Weißenbachs wirkten auch in zahlreichen Hörspielen der Mundartbühne (montags abends) und in anderen Produktionen mit.

 

Weißenbach-Fotos: Saarländischer Rundfunk bzw. Landesarchiv Saarbrücken, Sammlung Fritz Weißenbach.

 

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Wer in diesem (wohl privaten) Verein Mitglied war, sparte bei den Reparaturkosten

seines Radios. (Anzeige in einer Zeitung aus der Sammlung von Thomas Maus, Urexweiler)

 

 

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Das Emblem von Radio Saarbrücken

 

Das Emblem (oder Logo) von Radio Saarbrücken wurde z.B. auf Fahrzeugen, Briefbögen oder Werbeträgern verwendet. Es existierte in verscheidenen Ausführungen, manchmal in weißer Schift auf dunklem Hintergrund, manchmal umgekehrt.

 

 

Das obige Logo stammt von einem Briefkopf des Senders.

Es hat fünf Funkwellenkreise, die oben halbiert sind.

 

 

Dies war eine Plakattafel, die in der Nähe eines Veranstaltungsorts aufgestellt war. Hier sind die fünf Wellenkreise fast ganz zu sehen.

 

 

Das Emblem oben war auf einem Übertragungswagen von Radio Saarbrücken angebracht. Es hat nur vier Wellenkreise.

 

Auf allen drei Logos ist der Schriftzug "Saarbrücken" in einer anderen Schriftart.

 

 

Diese Studie des Emblems wurde im Oktober 2007 von meinem Freund Günter Hesler, Graveurmeister i.R., Neunkirchen-Wiebelskirchen, nachempfunden.

 

 

Das Emblem mit Eindruck "Radio Sarrebruck" hat wiederum 5 Wellenkreise und stammt aus einer Werbeanzeige in einer französischen Zeitschrift; der untere Teil des Emblems war dabei leider durch Fotos abgedeckt.

Rechts das Emblem mit "SR" für "Saarländischer Rundfunk      GmbH" und mit sieben Wellen-Halbkreisen!     >

 

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Die Übertragungs- und Reportagewagen

 

 

  

 

Der kleinere dieser beiden Übertragungswagen war ein Renault Colorale Prairie. Der größere hat im Foto oben links noch das alte

SA-Kennzeichen (SA 05-2524 - siehe Seite Kfz-Kennzeichen unter 2), auf den Fotos unten die spätere Nummer 2524 - OE5.)

 

Fotos: Saarländischer Rundfunk.

 

   

 

Der letzte und modernste Reportage- wagen von Radio Saarbrücken, ein Saurer 3 CT, Karosserie von Belle-Clot, Colmar. Er wurde auch in den 60ern noch vom SR verwendet.

 

Oben links: Auf dem Col du Galivier (in der Nähe von Briançon, Hautes Alpes) zur Übertragung der Tour de France.       Foto: Karl Fischer, 9S4/DL8AP

 

Oben rechts: Auf dem Gelände der Karosseriewerke Schreiner in Saarbrücken, wo er (schon mit SB-

Nummer, also nach 1956) entweder repariert oder umgebaut wurde.

Foto: Fa. Schreiner, Saarbrücken

 

Links: Noch mit OE15-Nummer bei einer Sportübertragung. Vom Dach des Übertragungswagens berichtet der Zeitfunkreporter Karl Pastowsky.

Foto: Landesarchiv Saarbrücken, Tele Bild mit Radio.

    

  

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Das Gute-Nacht-Lied von Radio Saarbrücken

 

 

wurde jeden Abend zum Sendeschluss gespielt, berichtet Alfred Schmidt aus Scheidt. Es wurde gesungen von der hervorragenden Koloratursängerin Irene Abs, die u. a. auch im Stadttheater Saarbrücken auftrat und dort z. B. die Königin der Nacht gesungen hatte, und einem kleinen Chor, in dem auch Alfred Schmidt mitsang. Bei der Aufnahme des Liedes in der Wartburg oblag Dr. Rudolf Michl die musikalische Leitung. Nach einiger Zeit war das Tonband so schlecht geworden, dass es fast nicht mehr gespielt werden konnte. Daraufhin nahm Rudolf Michl das Stück mit derselben Besetzung noch einmal auf.

  

Noten und Text waren erschienen bei der Edition Schneider, St. Ingbert.

Hier der Text laut Notenblatt:

  

Gute Nacht, gute Nacht

allen Müden sei's gebracht.

Neigt der Tag sich still zu Ende

ruhen alle fleiß'gen Hände

bis der Morgen neu erwacht.

  

Geh zur Ruh, geh zur Ruh,

schließ die müden Augen zu.

Wem die Sorge raubt den Frieden

sei ein schöner Traum beschieden.

Schlummert bis der Tag erwacht!

  

Im Notenblatt ist zwar vermerkt "Dichter unbekannt", aber der Text ähnelt stark dem eines Liedes aus dem Jahr 1815 mit dem Titel "Gute Nacht allen Müden" (siehe rechts). Die erste Strophe hat genau denselben Text, die zweite enthält Teile aus den übrigen drei Strophen des alten Liedes.

 

Als Dichter der alten Fassung werden verschiedene Autoren genannt: Otto (oder Ludwig) Körner, (geb. 1791) und Jakob Lorber (1800 bis 1864).

Hier der Text des Liedes aus

 

Gute Nacht!
Allen Müden sei's gebracht!
Neigt der Tag sich still zum Ende,
Ruhen alle fleiß'gen Hände,
Bis der Morgen neu erwacht.
Gute Nacht!


Geht zur Ruh!
Schließt die müden Augen zu!
Stiller wird es auf den Straßen,
Und den Wächter hört man blasen,

Und die Nacht ruft allen zu:

Geht zur Ruh!

dem neunzehnten Jahrhundert:

 

Schlummert süß!
Träumt euch euer Paradies!
Wem die Liebe raubt den Frieden,
Sei ein schöner Traum beschieden,
Als ob Liebchen ihn begrüß.
Schlummer süß!


Gute Nacht!
Schlummert, bis der Tag erwacht,
Schlummert, bis der neue Morgen
Kommt mit Seinen neuen Sorgen,
Ohne Furcht, der Vater wacht!
Gute Nacht!

 

 

 

Von Thomas Maus aus Urexweiler wurden die unten abgebildeten Noten in ein Programm eingegeben, das daraus eine midi-Datei mit der Melodie des Gute-Nacht-Lieds produzierte. Diese können Sie sich anhören, wenn Sie hier klicken:

 

 

 

 

 

 

Jubiläumsteller von 1985

 

 

 

 

 

Diesen Jubiläumsteller hat der Saarländische Künstler Horst Rehm 1985 entworfen. Er wurde von Heinrich Porzellan/Villeroy & Boch für den SR in einer limitierten Auflage von 2000 Stück gefertigt und eine Zeit lang bei SR am Markt verkauft. Man kann ihn u.a. im VSE - energis - Elektromuseum

in Illingen in voller Größe bewundern.

 

Mehr über Horst Rehm gibt es demnächst auf Saar-Nostalgie.de im Kapitel Produkte und Werbung.

 

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1949: Werbung fürs Radiohören

 

 

 

 

Bei dem Festumzug "100 Jahre selbständige Gemeinde Rohrbach" am 4. September 1949 fuhr dieser Wagen mit und machte Reklame für JOBA-Radios (siehe Seite Radiogeräte). Der Chef der Firma, Josef Bayer, sitzt im linken Foto auf der Ladefläche (mit Sonnenbrille und weißem Hemd). Die Aufschriften auf dem Wagen lauten: Linkes Bild: "Radio hören... heißt doppelt leben." -- "Mit Lip ist es genau ... 15 Uhr!" (Lip war eine französische Uhrenmarke, für die mit diesen Worten eine Zeitlang bei der Zeitansage Werbung gemacht wurde.) -- "Versuch dein Glück" / "Der runde Tisch" / "Die Saarlandbrille" (Namen von drei beliebten Sendungen von Radio Saarbrücken.) Rechtes Bild: "Früher: Radiohören ein Sport - Heute: ohne Radio? - ein Leben auf dem Mond." (Man darf nicht vergessen, dass der Beginn regelmäßiger Rundfunksendungen in Deutschland damals gerade erst etwa 25 Jahre zurücklag!)                                                         Fotos: Karl Abel, Rohrbach.

 

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Interessanter Briefwechsel

 

 

zwischen Johannes Hoffmann und Radio Saarbrücken:

 

 

1949: Joh. Hoffmann regt sich über eine Werbeeinblendung bei Radio Saarbrücken am Pfingstsonntag auf:

 

Der Generaldirektor von Radio Saarbrücken schreibt am 8. Juni 1949 an Johannes Hoffmann:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

 

Ich sehe mich veranlasst, Sie von einem Vorfall in Kenntnis zu setzen, der sich am vergangenen Sonntag (Pfingstsonntag) ereignet hat.

 

Um 20:02 Uhr rief ein Unbekannter den diensttuenden Leiter vom Dienst an und gab sich für den Herrn Ministerpräsident aus. Es ist mir tatsächlich etwas peinlich, Ihnen den wortgetreuen Inhalt seines Anrufes wiedergeben zu müssen, denn er bediente sich gewisser Ausdrücke, die ein zivilisierter Mensch in seinem Wortschatz nicht besitzen oder zumindest nicht anwenden sollte.

 

Nachstehend der Wortlaut des Anrufs: "Hier der Ministerpräsident. Wer ist bei Radio Saarbrücken für die Reklame verantwortlich?"

 

Darauf der Leiter vom Dienst: "Das ist eine Verwaltungsangelegenheit, für die der Herr Generaldirektor zuständig ist."

 

Der Anrufer: "Das ist ein Scheißdreck! Wie kommen Sie dazu, an einem hohen Feiertag eine solche Reklame in Ihr Programm aufzunehmen! Wenn ihr Generaldirektor nichts anderes fertig bringt, dann soll er seinen Laden zumachen!"

 

Diese Unterredung hat sich leider im Hause herumgesprochen und konnte leider nur ein schlechtes Licht auf Ihre hochgeschätzte Persönlichkeit werfen. Ich fühlte mich daher verpflichtet, diesen äußerst unangebrachten Scherz aufzudecken und zu erklären, dass der Wortlaut dieses Anrufes allein klar und deutlich durchblicken lässt, dass es sich lediglich um einen bedauerlichen Missbrauch Ihres Namens handelte.

 

Der Anruf erscheint im Übrigen von vornherein unbegründet, da es sich um die Forville-Reklame-Durchsage des Namenstages um 19:59 Uhr handelte, denn erstens erfolgte diese Reklame in vollkommen dezenter Weise - und zwar wurden nach der Jupiter-Sinfonie vier Pausezeichen gegeben, um die Reklame von der vorhergehenden Sendung ordnungsgemäß zu trennen - und zweitens beruht die in Frage kommende Reklame auf einem auf lange Sicht abgeschlossenen Vertrage, der natürlich auch an Feiertagen eingehalten werden muss.

 

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung!

Losson, Generaldirektor.

 

Hier die Antwort von Johannes Hoffmann:

 

Herrn Generaldirektor Losson, Radio Saarbrücken

 

Sehr geehrter Herr Generaldirektor!

 

Ich wundere mich über die Naivität Ihres Schreibens vom 8. ds. Mts. Wenn Sie sich noch hinter peinlichen Gefühlen verstecken wollen, um den "wortgetreuen Inhalt" meines Anrufes wiederzugeben, so kann ich darüber nur lachen. Belehrungen von Ihnen, welcher Ausdrücke sich ein zivilisierter Mensch zu bedienen hat, muss ich zurückweisen. Der Ausdruck, den ich für diese schmutzige Geschäftsreklame gebraucht habe, trifft die Sache haargenau.

 

Der Anrufer war ich tatsächlich selbst, und ich glaube nicht, dass Sie das ehrlich bezweifelt haben. Nur hat sich die Unterredung nicht so abgespielt, wie Sie sie in Ihrem Schreiben wiedergeben.

 

Ihr Schreiben beweist mir, dass Sie gar kein Gefühl für die Beleidigung haben, die in der schmutzigen Reklame, die ich nicht allein, sondern die gesamte Bevölkerung ablehnt, zum Ausdruck kommt. Es hat gar keinen Zweck, sich weiter darüber mit Ihnen zu unterhalten. Die Proteste gegen die Geschmacklosigkeit und Unverschämtheit türmen sich bei mir zu Bergen. Ich habe deshalb am vergangenen Sonntag zum ersten Mal Gelegenheit genommen, selbst einen persönlichen Eindruck zu erhalten und kann die Empörung, die in der christlichen Bevölkerung des Saarlandes über diesen Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken herrscht, nicht nur verstehen, sondern teile sie. Und das hat mich zu meinem Anruf veranlasst, der natürlich entsprechend scharf war, aber von dem Dienstleiter offenbar genauso unlogisch und verzerrt Ihnen wiedergegeben wurde, wie manche Leistungen des Radios bei anderen Berichterstattungen.

 

Ich schäme mich, es überhaupt nötig zu haben, dem Generaldirektor des saarländischen Rundfunks erst die Geschmacklosigkeit und Widerwärtigkeit dieser Reklame auseinandersetzen zu müssen. Wenn diese Reklame nicht bald abgestoppt wird, werden Sie einen Sturm im Saarland erleben, der Ihnen Hören und Sehen vergehen lässt.

 

Hochachtungsvoll, Johannes Hoffmann                                                                    Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025   

 

Anmerkung: Leider wissen wir nicht genau, was Herrn Hoffmann und die von ihm als Mit-Protestierende genannten Hörer an dieser Reklame so empört haben könnte (außer vielleicht der Tatsache, dass am Pfingstsonntag überhaupt Werbung gesendet wurde). Offensichtlich wurde dabei die kirchliche Bedeutung des Pfingstfests in irgendeiner Weise mit den FORVIL-Produkten in Zusammenhang gebracht, was JoHo zu der Formulierung "Missbrauch der Heiligenlegende zu Reklamezwecken" veranlasste. - FORVIL war aus der Fa. FORVAL hervorgegangen und stellte damals u.a. Haarwaschmittel und parfümierte Brillantine her (heute würde man sagen: Haarfestiger oder Gel). (Danke an Jan Müller für die Info!).

 

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1948: JoHo beschwert sich bei Radio Saarbrücken über "Zotereien" im Radio 

 

a) Ein empörter Radiohörer, Franz XXXX, Regierungsrat,

    schreibt an JoHo am 12. 1.1948:

 

Betrifft: Nachrichtensendung des Rundfunks Saarbrücken vom 12. Januar 1947, 3/4 7 Uhr.

 

Der Rundfunk Saarbrücken brachte heute früh in den Frühnachrichten eine Meldung, in der die Stellungnahme eines katholischen Bischofs in England über die Ansicht der katholischen Kirche in der Frage von Schutzmitteln im ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt worden ist. Zu dieser Zeit haben meine Frau und meine beiden schulpflichtigen Jungen im Alter von 13 und 11 Jahren mitgehört. Mein ältester Junge von 13 Jahren hat sofort an mich die Frage gerichtet, wie er das verstehen solle. Meine Frau wurde vom Schamgefühl erfasst und hat das Zimmer verlassen. Sie war jedenfalls über diese Durchsage empört, zumal wir gerade dabei sind, unsere Kinder auf anständige Art aufzuklären, es aber nicht dulden können, dass eine weitere damit zusammenhängende Frage in diesem Alter mit ihnen erörtert wird.

 

Ich erhebe gegen diese Durchsage den schärfsten Protest und bitte, sich über den genauen Wortlaut der Durchsage zu unterrichten.

 

XXXXX, Regierungsrat.

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b) Joho schreibt an Generaldirektor Losson am 12 Januar 1948:

 

Wie mir mitgeteilt wird, brachte der Rundfunk Saarbrücken heute früh in den Nachrichten - 6.45 Uhr - eine Meldung, in der die Stellungnahme eines katholischen Bischofs in England über die Ansicht der katholischen Kirche in der Anwendung von Schutzmitteln im ehelichen Geschlechtsverkehr behandelt wurde.

 

Von Hörern dieser Sendung werden mir Proteste entrüstet zugesandt. Ebenso mehren sich ständig die Klagen darüber, dass gewisse Herren den Rundfunk anscheinend dazu benutzen, mit Hilfe von Zotereien billige Effekthascherei zu betreiben.

 

Über alle diese Dinge wird demnächst - und hoffentlich sehr bald - im Verwaltungsrat deutlich gesprochen werden. Ich bitte Sie, schon jetzt mir den genauen Wortlaut der Meldung des heutigen Frühachrichtendienstes, die ich eben charakterisierte, zu übermitteln, damit ich mir selbst ein Bild machen kann.

 

An der berechtigten Entrüstung der Zeugen, die diese Sendung hörten, zu zweifeln, habe ich keinen Anlass.

 

Mit vorzüglicher Hochachtung, Hoffmann.

 

 

c) Der Generaldirektor antwortet Joho am 13.1.48:

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

 

Ich bestätige hiermit den Erhalt ihres werten Schreibens vom 11.1.48. Was die Meldung über die Äußerungen eines katholischen Bischofs von England angeht, so ist dies eine alte Geschichte, von der sämtliche Zeitungen schon gesprochen haben und an die Sie sich selbst vielleicht erinnern.

 

Ein englischer Ehegatte hat sich an das englische Oberhaus gewandt, um seine Ehe für ungültig erklären zu lassen mit der Begründung, dass seine Frau es ablehne, Kinder zu gebären. Dieser Antrag wurde vom Oberhaus abgelehnt mit der Begründung, dass der eigentliche Zweck der Ehe nicht die Erzeugung von Kindern sei, sondern das Zusammenleben der Eheleute. Daraufhin wandte sich der unglückliche Ehemann an das katholische Episkopat von England, und die Nachricht, die wir am 12.1.48 durchgegeben haben, ist die Antwort des Kardinal GRIFFIN, des katholischen Bischofs von Westminster. Die Meldung lautet folgendermaßen:

 

 

London: Kardinal Griffin, der katholische Bischof von Westminster, beantwortet in einer Rede die vom englischen Oberhaus gestellte Frage, ob eine Ehe nichtig erklärt werden dürfte, weil der Ehegatte beim ehelichen Verkehr Schutzmittel benutzt hatte. Der Kardinal erklärte, dass die Zeugung von Kindern und deren Erziehung das erste Ziel der Ehe sei. Nach katholischer Auffassung sei eine Ehe nicht beendet, wenn in den gegenseitigen Beziehungen von einem ungewöhnlichen Verhalten die Rede ist. Nur wenn die Ehegatten die Erfüllung ihrer Pflichten ablehnen, kann eine Ehe als nichtig erklärt werden. Es ist sehr schwer zu beweisen, dass eine Ehe nicht vollendet ist, weil Schutzmittel benutzt wurden. In dem Fall, in dem das Oberhaus eine Entscheidung zu treffen hatte, stand die Erfüllung der Ehe sowohl vom physischen als auch vom moralischen Standpunkt aus in Frage.

 

Vor allem aber hat die Kirche niemals das Recht des Staates, die Ehe zu scheiden oder zu annullieren, anerkannt.

 

Von meinem Standpunkt aus kann ich die Empörung unserer Hörer von Radio Saarbrücken kaum verstehen. Es handelt sich hier sicher nicht um eine Meldung über eine schmutzige Angelegenheit, sondern vielmehr um eine Stellungnahme des höchsten katholischen Geistlichen in England gegenüber einem moralischen Problem.

 

Lesen Sie bitte rechts oben die Antwort des Generaldirektors!

Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025

 

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1951: Joho wünscht tägliches Ave Maria bei Programm-

   

beginn von Radio Saarbrücken:

 

Es folgt die Abschrift eines Schreibens des Generaldirektors von Radio Saarbrücken (es müsste Gérard Losson gewesen sein) betreffend eines besonderen Programmvorschlags für den Sender, der von Johannes Hoffmann ausging. Es ist ja bekannt, dass Joho ein gläubiger Christ und guter Katholik war.

 

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Der Generaldirektor von Radio Saarbrücken schreibt an JoHo am 5.11.1951:

 

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident! 

 

Herr Generaldirektor Schlachter hat mir zur Kenntnis gebracht, dass Sie den Wunsch ausgesprochen haben, Radio Saarbrücken möge jeden Abend seine Sendungen mit einem Ave Maria beginnen.

 

Ich bin gerne bereit, diesem Vorschlag zu entsprechen, obwohl mir von Seiten meiner Programmdirektion vorausgesagt wird, dass eine derartige Neuerung in evangelischen Kreisen unerfreuliche Reaktionen hervorrufen würde.

 

Wir sind nun daran, eine Anzahl von Melodien zu sammeln, da es ja nicht möglich wäre, jeden Abend dieselbe zu spielen und werden ab Montag, den 12.11.51 um 17.40 Uhr mit dem von Ihnen gewünschten Auftakt des Abendprogramms beginnen.

 

Genehmigen, Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!

 

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Zur Erläuterung: Zu dieser Zeit gab es bei Radio Saarbrücken nachmittags immer eine Sendepause, die z.B. im November 1951 jeweils um 17:40 Uhr endete. JoHos Der Wunsch wurde erfüllt: Kurz nach dem Eingang seines Schreibens begann der Sender damit, zu Beginn der Sendungen ein Ave Maria zu senden.

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1948: Sprache des Senders - Deutsch oder

   

Französisch?                              27. Dezember 1948

 

Joho schreibt an die Direktion von Radio Saarbrücken


Sie haben mir ihre Weihnachts- und Neujahrswünsche zwar in deutscher Sprache, aber auf einem Briefbogen mit französischem Vordruck übermittelt.

 

Ich wäre dankbar, von Ihnen zu erfahren, ob Sie nur französische oder auch deutsche besitzen, da ich mir schlecht vorstellen kann, dass Radio Saarbrücken sich immer in französischer Sprache an die Saarländer wenden wird.

 
Mit vorzüglichen Grüßen


Johannes Hoffmann

 

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1948: SPS klagt über missverständliche

   

Berichterstattung:

 

Die SPS-Landtagsfraktion schreibt an Joho am 7.1.1948:

 

Landtagsgebäude Saarbrücken

Hochverehrter Herr Ministerpräsident!

 

Die Landtagsfraktion der Sozialdemokratischen Partei Saar gibt sich die Ehre, Ihnen, Herr Ministerpräsident, folgendes vorzutragen:

 

In letzter Zeit konnte wiederholt festgestellt werden, dass durch das Radio Saarbrücken Sendungen von hochpolitischer Bedeutung bekannt gegeben worden sind, die entweder unklar oder gar sinnentstellt waren. Diese Meldungen führen nicht nur in den Kreisen der Saarbevölkerung zu Missverständnissen und unliebsamen Diskussionen, sondern sind auch dazu angetan, im Ausland völlig unrichtige und irreführende Pressemeldungen auszulösen.

 

Wir erlauben uns hierbei an die jüngsten sinnentstellenden Radiomeldungen über die äußerst wichtigen Verhandlungen in Paris und die damit verbundene Ernennung des Herrn Gouverneur Grandval zum Hohen Kommissar zu erinnern, die Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, zur sofortigen Berichtigung am Radio Saarbrücken Veranlassung gaben. Laut unseren Feststellungen handelt es sich bei dem betreffenden Sprecher um einen Herrn Ullmann.

 

Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, Herr Ministerpräsident, dass auch sie von der Notwendigkeit überzeugt sind, einen solchen Sprecher umgehend von seiner Funktion zu suspendieren. 

 

Genehmigen Sie, Herr Ministerpräsident, den Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung.

 

Joho schreibt deshalb an Generaldirektor Losson am 11.1.48:

 

Was die Kommentierung  unserer Pariser Besprechung durch Radio Saarbrücken angeht, so scheint es mir doch, dass die Information des Rundfunks über diese Dinge in der Bevölkerung ein falsches Bild der Beurteilung geschaffen hat. Das geht u.a. auch daraus hervor, dass die Fraktion des Landtags der Sozialdemokratischen Partei mir ihren einstimmigen Beschluss mitgeteilt hat, wonach sie die sofortige Abberufung des Herrn Ullmann mit diesen Radiomeldungen über die Pariser Besprechungen begründet. Ich lasse Ihnen eine Abschrift des Schreibens zu Ihrer Information als Anlage zugehen.

 

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass in einer so politisch wichtigen Frage der Rundfunk ruhig im Interesse einer richtigen Berichterstattung auf eine überstürzte zeitliche Aktualität verzichten sollte.

 

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1952: Immer wieder Schalt-Pannen im Radio wegen

   

schlampiger Arbeit beim Post-Verstärkeramt

 

Der Generaldirektor von Radio Saarbrücken schreibt an JoHo am 9.1.1952:

 

Betr.: Rundfunk-Verstärkeramt bei der Post- und Telegrafenverwaltung des Saarlandes

 

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident!

 

In einem bis jetzt unbeantworteten Schreiben vom 16.6.51 hatte ich die Ehre, Ihnen die Missstände darzulegen, die sich für Radio Saarbrücken aus der Beibehaltung des Rundfunk-Verstärkeramtes bei der saarländischen Post und Telegrafenverwaltung ergaben. Mit Rücksicht auf die Tatsache, dass dieses Verstärkeramt der Rundfunkverwaltung unnötige Kosten auferlegte und nur eine zusätzliche Störungsquelle darstellte, bat ich Sie, bei sämtlichen inländischen Übertragungen das Verstärkeramt auszustellen.

 

Ein erneuter Vorfall zwingt mich, auf diesen Antrag zurückzukommen mit der dringenden Bitte, ihm so bald wie möglich stattzugeben. Ich hatte schon einmal Gelegenheit, Ihnen mündlich darüber zu berichten, dass während der Saardebatte im Bundeshaus am 31.5.1951 durch eine Fehlschaltung im Verstärkeramt eine Erklärung von Bundeskanzler Dr. Adenauer über die Antenne von Radio Saarbrücken ging. Ein ähnliches Missgeschick ereignete sich am Sonntag, den 6.1.1952, wo eine erneute Fehlschaltung zur Folge hatte, dass zwei Sportreportagen - die eine vom Kieselhumes, die andere vom Ellenfeld - miteinander verwechselt wurden, wodurch in der Hörerschaft selbstverständlich die größte Verwirrung entstand.

 

Die saarländische Rundfunkverwaltung ist nicht gewillt, von der Öffentlichkeit die Verantwortung dieser fahrlässigen Arbeitsweise, auf die sie nicht den geringsten Einfluss hat, zu tragen. Sollten sich ähnliche Vorfälle in der nächsten Zeit wiederholen, so würde ich veranlassen, dass den Hörern genau auseinandergesetzt wird, wo der Fehler solcher Störungen zu suchen ist.

 

Genehmigen Sie mir, sehr verehrter Herr Ministerpräsident, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!

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Lesen Sie bitte rechts oben weiter!

Quelle für diese Schreiben: Landesarchiv Saarbrücken, StV 2025

 

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Radio Saarbrücken und die Volksbefragung 1955

 

 

a) Heimatbundparteien planten, die Programmkabel zwischen Funkhaus Saarbrücken

 

    und Sender Heusweiler zu kappen.

 

 

 

Der Ausgang der Volksbefragung zum Saarstatut war auch am Tag der Abstimmung selbst noch ziemlich ungewiss. Für den Fall, dass eine der beiden Seiten einen klaren Sieg davontragen würde, wurden keine größeren Komplikationen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse erwartet. Aber wenn das Ergebnis sehr knapp ausfallen würde, z. B. 52 % Nein und 48% Ja (oder umgekehrt), wurde befürchtet, dass es möglicherweise zu einer unübersichtlichen Lage kommen könnte, die in Demonstrationen und Krawalle auszuarten drohten. Diese Befürchtungen bestanden offenbar auf beiden Seiten. Im Keller der französischen Botschaft soll eine komplette Kompanie der französischen Gendarmerie in Bereitschaft gestanden haben, um bei eventuellen Unruhen einzugreifen.

 

Die Heimatbundparteien hatten dagegen einen anderen Plan: Er sah vor, im Falle eines knappen Ergebnisses das Zuspielkabel für das Programm von Radio Saarbrücken, das durch den Wald zwischen Saarbrücken und Riegelsberg bis Heusweiler entlang der Straßenbahnschienen verlegt war, zu sprengen. Dann sollte direkt am Sender mit Hilfe von eingeweihten Technikern und Sprechern ein Notprogramm mit Schallplattenmusik und neutraler Berichterstattung ausgestrahlt werden. Die Vorbereitungen zu dem Coup waren schon getroffen, das Bohrloch gegraben und das nötige Personal am oder in der Nähe des Senders postiert. Das Ganze wurde sehr diskret vorbereitet, nicht einmal die Parteivorsitzenden waren informiert, weil man Angst hatte, dass sie sich in der hitzigen Atmosphäre des Abstimmungskampfs verplappern könnten.

 

Da das Ergebnis aber sehr eindeutig ausfiel und Joho unmittelbar nach der Bekanntgabe zurücktrat, konnte der gesamte Plan fallen gelassen werden, und es lief alles den bekannten ruhigen Gang.

 

(Quelle: Die Infos zu diesem Text habe ich folgendem Buch entnommen: Gerhard Franz: Der Sieg der Neinsager. Saarbrücken 2005.)   

 

 

b) 23.10.1955: Was geschah am Abend der Volksbefragung (und danach) im Radio?

 

Radio Saarbrücken gab die Ergebnisse der Stimmenauszählung bekannt, und fast alle saarländischen Familien verfolgten diese Sendung mit Hochspannung. Einige wenige Saarländer (man spricht von unter 1000 Apparaten in Wohnungen und Gaststätten) konnten auch im privaten Fernsehsender "Telesaar" die Bekanntgabe der Ergebnisse miterleben.

 

W.Reinert erzählt in seinem Roman "Der Dicke muss weg" auf Seite 199:

 

"... wurde die Sendung unterbochen. »Achtung, Achtung. Hier ist der Wahlsonderdienst. Wir bringen Wahlergebnisse.« Der Sprecher von Radio Saarbrücken begann seine Durchsage. (...) Jetzt drang die Nachricht in alle Häuser: Das Statut ist abgelehnt."

 

Die Ansager verlasen zunächst die Ergebnisse aus den kleineren Gemeinden, zum Schluss folgten die Städte. Etwa gegen 21 Uhr stand das vorläufige Endergebnis fest. 67,71 % hatten mit Nein gestimmt, 32,29 % mit Ja, die Wahlbeteiligung betrug 96,9 %

 

In den 22-Uhr-Nachrichten wurde verkündet, dass Johannes Hoffmann als Reaktion auf die Ablehnung des Saarstatuts mit sofortiger Wirkung als Ministerpräsident zurückgetreten war. Kurz danach wurde im Radio bekannt gegeben, dass am darauffolgenden Montag an allen saarländischen Schulen schulfrei sei.

 

Nach der Volksbefragung wurde das Programm von Radio Saarbrücken von heute auf morgen teilweise geändert. So entfiel z. B. unmittelbar nach dem Abstimmungstag plötzlich und ohne Ankündigung die überaus beliebte allsonntägliche "Saarlandbrille". Der Grund lag darin, dass auch in der Saarlandbrille politisiert worden war, und jetzt, nach der Ablehnung des Saarstatuts, war die Grundlage für die bisherigen Sticheleien gegen die Neinsager nicht mehr vorhanden, und man antwortete - mit Schweigen. Die meisten anderen Sendungen blieben jedoch weiter im Programm, so auch die Stimme des Tages, Schulfunk- und kirchliche Sendungen, der "Bunte Teller", die Hörspiele oder auch "Allerhand für Stadt und Land".

 

Mehr über die Ereignisse nach der Volksbefragung im Land lesen Sie hier.

 

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Weiteres über Radio Saarbrücken folgt in Kürze!

 

Literaturangaben zum Thema "Rundfunk an der Saar" am Ende des Kapitels Rundfunkgeschichte.

 

 

 

Inhalt des Kapitels RADIO UND FERNSEHEN:

 

a) Geschichte des Rundfunks im Saarland (von 1929 bis 1959)

  

b) Radio Saarbrücken - der saarländische Heimatsender

  

 

     Die Saarlandbrille (beliebte Sonntagssendung mit Zick, Zack & Marieche)

 

 

 

c) Die Wartburg - das Funkhaus von Radio Saarbrücken

 

d) Fernsehen im Saarland der 50er Jahre - TELESAAR

  

e) Radio- und Fernsehgeräte aus saarländischer Produktion

 

 

 

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 Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 04.01.2010                        

 

 

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