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Damit wurde unser Sender die erste Radiostation der französischen Zone. Seine Reichweite endete allerdings wegen der geringen Leistung schon in der näheren Umgebung von Saarbrücken. Es dauerte noch zwei Wochen, bis der
Südwestfunk am 31.3.1946 in Baden-Baden ins Leben gerufen wurde. Danach wurde Radio Saarbrücken dem SWF untergeordnet. Dies bedeutete,
dass er zu einem Regionalsender dieser Anstalt wurde und - genauso wie z.B. Radio Koblenz - außerhalb eines täglichen anderthalbstündigen regionalen Fensters das für die ganze französische
Zone bestimmte Südwestfunk-Programm ausstrahlte.
Nachdem man begonnen hatte, das Saarland von
der übrigen französischen Besatzungszone abzutrennen, beschloss man in Baden- Baden am 24. Juni 1946, ein saarländisches Rundfunkamt einzurichten. Dessen "Contrôleur Général" wurde Emanuel Charrin. Am 15. September 1946 wurde Radio Saarbrücken wieder vom SWF-Sendernetz
abgekoppelt und setzte seine eigenständigen Sendungen
fort. Nur noch wenige Programme wurden vom SWF übernommen.
Am 16. Nov. 1947 wurde das Rundfunkamt in "Saarländische Rundfunkverwaltung" umbenannt und die Oberaufsicht auf Gilbert Grandval übertragen, der alsbald einen neuen Verwaltungsrat für Radio Saarbrücken einsetzte. Da die Führungspositionen des Senders weiterhin von Franzosen besetzt sein mussten, wurde der Pariser Brunschwig zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats ernannt. Ihm folgte kurz danach Gérard Losson als erster Generaldirektor von Radio Saarbrücken;
Sendeleiter war Pierre Séguy. Bis zum Erlass des ersten saarländischen Rundfunkgesetzes 1952 übte Frankreich die Funkhoheit im Saarland aus und konnte so auch Einfluss auf das Programm des Senders nehmen.
Nach der Verabschiedung der saarländischen Verfassung nahm das Programm aber allmählich immer mehr saarländische Züge an. Die Regierung des Saarlandes konnte von 1948 an allmählich einen gewissen Einfluss auf das Programm des Senders ausüben. Ab 1949 begann und endete das tägliche Programm mit der Saarhymne. Der Verwaltungsrat setzte
sich jetzt zu gleichen Teilen aus französischen und saarländischen Vertretern zusammen. Unter ihnen waren Erwin Müller, Johannes Kirschweng und Albert Dorscheid. Der Vorsitzende musste aber weiterhin ein Franzose sein. Gérard Losson wurde am 28. Oktober 1948 von dem im Elsass geborenen Frédéric Billmann als Generaldirektor abgelöst. So blieb die enge Verbindungzu Frankreich ein beständiges Element des Programms. Es gab z.B. Nachrichten aus Frankreich, und die Saarländer durften an jedem Werktag einen viertelstündigen Sprachkurs genießen ("Wir lernen Französisch") und in einer Sendung mit dem Titel "So lebt Frankreich" die Lebensart der Franzosen kennen lernen.
Im Juli 1948 wurde Radio
Saarbrücken von Radio Nancy leihweise ein 20-KW-Sender mit einem
120 m hohen Sendemast zur Verfügung gestellt, der
in Heusweiler in Betrieb
genommen wurde. Damit konnte die Reichweite des Senders
tagsüber auf fast das gesamte Saarland ausgedehnt werden; nachts betrug sie bis zu 500 km. Auch die
Sendefrequenz wurde geändert. Auf der Kopenhagener Wellenkonferenz
von 1948 wurde Radio Saarbrücken nun die Frequenz 1421 kHz = 211 Meter
zugewiesen. Ebenfalls 1948 wurden erstmals
Werbesendungen im Saar-Radio ausgestrahlt (siehe Seite RadioSaarbrücken unter "Radioreklame").
Schwarzenbergturm Saarbrücken:
Am 28.07.1950 fand im Großen Saal der Wartburg eine Bach-Gedenkfeier statt. In seiner Einladung
an den Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann und
dessen Gattin wies Generaldirektor Billmann stolz
darauf hin, dass dies das erste Konzert des Senders sei, das
vom französischen Rundfunk übernommen werde.
Am 18. Juni 1952 wurde das erste saarländische
Rundfunkgesetz erlassen, und am 24. Oktober 1952 wurde die 1946/47 gegründete Saarländische Rundfunkverwaltung in die "Saarländischer Rundfunk GmbH" umgewandelt. Gesellschafter waren zu zwei Dritteln die saarländische Regierung und zu einem Drittel die Société Financière de Radiodiffusion (SOFIRAD) in Paris, die sich im Aktienbesitz des französischen Staates befand. Obwohl die Rundfunkhoheit nun offiziell auf das Saarland überging, blieb der Einfluss der Franzosen durch ihre finanzielle Beteiligung und die vier französischen Mitglieder im Rundfunkrat weiterhin gewährleistet. Außerdem blieb der bisherige französische Generaldirektor des Senders, Frédéric Billmann, im Amt. Aber es wurde jetzt ein saarländischer Geschäftsführer (entsprach dem späteren Intendanten)eingesetzt. Zunächst kam Hans Wettmann zum Zuge, ab 1955 Prof. Hermann M.Görgen; dieser wurde noch im selben Jahr von Prof. Dr. Eugen Meyer abgelöst. Programmdirektor war Dr.
Alexander Schum, Chefredakteur Wilhelm Diederich.
Das Radioprogramm lief bis kurz vor der Rückgliederung des Saarlandes weiterhin unter dem Stationsnamen "Radio Saarbrücken". Im Mai 1952 nahm der erste
UKW-Sender im
Saarland seinen Betrieb auf. Er hatte eine Strahlungsleistung
von 1,5 KW und befand sich auf dem Schwarzenbergturm in Saarbrücken (siehe. Bild auf der Briefmarke oben und Foto rechts [aus der Sammlung Ernst Becker]). Er strahlte zunächst dasselbe Programm wie die Mittelwelle aus. 1953 startete - zunächst für wenige Stunden am Tag - das neue 2. Programm (während der übrigen Zeit übernahm man weiterhin das Mittelwellenprogramm).
Radio Saarbrücken war schon in den frühen 50er Jahren "ein bestens ausgestattetes Unternehmen mit fünf vollständig ausgerüsteten Studios, Zehntausenden von Schallplatten und Bändern und über 200 fest angestellten Mitarbeitern." [1] Da im Funkhaus Wartburg der Platz eng wurde, mietete man 1953 zusätzliche Räume im Städtischen Saalbau am Kleinen Markt in Saarlouis hinzu. Dessen großer Saal wurde als Probe-
und Aufnahmeraum für das Saarländische Kammerorchester genutzt. Diese "Dépendance" wurde auch unter der Bezeichnung "Studio Saarlouis" bekannt.
In der Bundesrepublik und in Frankreich hatte sich nach dem Kriegsende das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durchgesetzt. Kommerzielle Radio- und Fernsehsender waren dort nicht zulässig. Im neuen saarländischen Rundfunkgesetz von 1952 wurde dagegen festgelegt, dass in- oder ausländische Gesellschaften eine Konzession zur Errichtung und/oder Betreibung von Radio- und Fernsehsendern im Saarland erhalten konnten. Dadurch wurde der Grundstein gelegt für die Schaffung privater Rundfunkstationen.
Ende 1953 begannen reguläre Fernsehsendungen im Saarland, die von der im Mai 1952 gegründeten Saarländischen Fernseh AG veranstaltet wurden. Deren Hauptaktionär war die private Holdinggesellschaft Images et Son. (Lesen Sie alle Einzelheiten hierzu auf den Seiten Telesaar und Europe No. 1!).
1954 und 55 plante man im Bereich Rundfunk und Fernsehen mehrere große Projekte auf dem Sauberg bei Felsberg-Berus. Die meisten davon wurden wegen der politischen Veränderungen nach der Volksabstimmung im Oktober 1955 aber nicht
verwirklicht. Auf einer Pressekonferenz gab der Generaldirektor der "Saarländischer Rundfunk GmbH", Frédéric Billmann (Foto), im Juli 1954 folgenden Überblick über die geplanten Einrichtungen:

"Dort wird eine ganz neue moderne Anlage erbaut, die den gesamten Bedürfnissen an Sendeanlagen des Rundfunks und des Fernsehens entspricht. Es entstehen in nächster Zeit:
1. Ein neuer Mittelwellensender, der die Heusweiler Anlage ersetzen und dem sich der Heusweiler Sender zugesellen wird. Insgesamt stehen demnächst 120 kW zur Verfügung." [Dieser Sender sollte zusätzlich zu Heusweiler das Programm "Radio Saarbrücken" von Berus aus verbreiten; er wurde
aber nie realisiert; stattdessen wurde der Heusweiler Sender 1958 auf 100 kW verstärkt.]
"2. ein UKW-Sender, weil der Sender auf dem Schwarzenberg nicht ausreicht, um das ganze Saarland zu bestreichen." [Der neue stärkere UKW-Sender wurde aber nicht wie hier angekündigt in Felsberg errichtet, sondern 1956 mit 10 KW Strahlungsleistung auf dem Schaumberg bei Tholey.]
"3. kommt auf dem Felsberg der neue große Fernsehsender Saarbrücken" [er sollte zusätzlich zum "heimatlichen" Telesaar ein neues, "europäisches" Fernsehprogramm von Berus aus unter dem Namen "Europe No. 1 - Télévision" abstrahlen
(Einzelheiten dazu auf der Seite Telesaar). Das Programm kam aber nie zustande.]
"sowie 4. ein auf europäische Maße berechneter Reklamesender" [dieser
ging am 1.1.1955 tatsächlich als LW-Großsender Europe No.1 auf Sendung und existiert heute noch; siehe unten unter d) und auf der Seite Europe No.1.]
"und für später ist noch ein Kurzwellensender in Aussicht genommen." [Dieser wurde aber nie gebaut.] [2]
[1] Von der Website des SR, 2010.
[2] Die in brauner Farbe wiedergegebenen Zitate entstammen einem Bericht der SVZ vom 03.07.1954 unter dem Titel "Neubauten des Saarbrücker Rundfunks".
3) Ab 1956/57: Saarländischer Rundfunk, 1. und 2. Progarmm
Am 1.1.1957 wurde gleichzeitig mit der "politischen
Angliederung" des Saarlandes an die BRD der Saarländische
Rundfunk in eine Anstalt
des öffentlichen Rechts umgewandelt und in die ARD aufgenommen. Der Name des
Senders lautete jetzt nicht mehr "1." bzw "2. Programm von Radio
Saarbrücken", sondern "Saarländischer Rundfunk", 1. bzw. 2. Programm. Später erhielt das 1. Programm den Namen SR1 - Europawelle Saar (am 1.11.1964) und aus dem 2. wurde SR 2 - Studiowelle Saar (ab 1967). Ab 1964 wurde auch ein drittes Hörfunkprogramm eingeführt (SR 3), das seit 1980 den Beinamen Saarlandwelle führt.
Wie sich der Ausgang der Volksabstimmung von 1955 auf das Programm von Radio Saarbrücken bzw. SR auswirkte, lesen Sie hier auf der Seite Radio Saarbrücken.
1958 wurde der
Heusweiler Mittelwellen-Sender auf eine Leistung von
100 Kilowatt verstärkt. In demselben Jahr trat der Intendant Dr. Franz
Mai sein Amt an. Er übte es bis 1978 aus, dann folgten Dr. Hubert Rohde, 1989 Manfred Buchwald, 1996 Fritz Raff und im Juli 2011 Thomas Kleist.
Als Funkhaus wurde vorläufig weiter die Wartburg verwendet. 1958 und 1959 baute man
das neue Funkhaus auf dem Halberg, in das der Saarländische Rundfunk am
4.September 1961 einzog. Aber auch danach wurden einzelne Sendungen noch in der Wartburg produziert (siehe Seite Wartburg!).
Wie sich das Fernsehen im Saarland weiter entwickelte, lesen Sie auf der Seite Telesaar.
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Mehr über RADIO SAARBRÜCKEN finden Sie auf den Seiten Radio Saarbrücken und Wartburg
mit Einzelheiten und Bildern über den Sender, sein Programm, seine Mitarbeiter und sein Funkhaus
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4) Der private Sender Europe No. 1 (Europa Nr.1)
Dieser private
französische Rundfunksender strahlt sein werbefinanziertes
Programm seit 1954 (und noch heute als "Europe 1") über die weithin
sichtbaren Langwellenantennen in Felsberg-Berus im Saarland aus. Aufgrund
seiner starken Abstrahlleistung ist er in ganz Frankreich
empfangbar, nachts sogar z.B. in Spanien, Italien und Nordafrika. Seine Antennenstrahlung wird in Richtung
Norden (Deutschland und Nordeuropa) abgeschwächt.
Die saarländische Regierung erteilte dem Betreiberkonsortium
damals die Sendelizenz für den privaten Rundfunksender auf saarländischem Terrain. Als Gegenleistung erhielt das Saarland den deutschsprachigen
Fernsehsender Telesaar, der gleichzeitig die erste kommerzielle TV-Station Europas darstellte.
Die interessante Geschichte und eine ausführliche Beschreibung
dieses privaten
französischsprachigen Werbesenders auf saarländischem Staatsgebiet finden Sie auf der Seite Europe No. 1. Alles über den ersten saarländischen Fernsehsender auf der Seite Telesaar.
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