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1) Walter Barbian
Ein
Bericht nach Notizen seines Sohnes Frank Barbian, Paris
mit Fotos von Walter Barbian
als Beispiele für sein Werk.
Walter
Barbian wurde 1919 geboren. Die Fotografie war sein
Leben, seine Berufung und sein Beruf. Schon in den ersten
Tagen des 2. Weltkrieges gelingt es ihm, seine
Leidenschaft zu verfolgen, die in seiner Jugendzeit
mit selbst gebauten Lochkameras
und Kontaktabzügen unter Sonnenlicht begonnen hatte,
wie in den ersten Tagen der Fotografie.
Als Luftaufklärer über der Nordsee fotografiert
er britische Kriegsschiffe. Nach einem Abschuss treibt
er zwölf Stunden im eisigen Wasser, bevor man ihn
auffischt - die Negative hat er gerettet... Eines
der ältesten Fotos im Archiv Walter Barbians zeigt Adolf Hitler 1936 in den
Straßen von Saarbrücken.
Dreimal
in Kriegsgefangenschaft, dreimal ausgebrochen kehrt
Walter Barbian 1945 in seine zu 70% in Trümmern
liegende Heimatstadt Saarbrücken zurück und
dokumentiert hier die Zerstörungen und
bald danach den beginnenden Wiederaufbau.
Wie
kaum ein anderer verfolgte Walter Barbian in dieser
für das junge Saarland so turbulenten Zeit das
politische wie gesellschaftliche Geschehen. Er war mit
seinen Kameras das Auge der kurzen saarländischen
Autonomie nach 1947, und sein Fotoarchiv stellt das
wichtigste visuelle Gedächtnis der Ereignisse dar,
die später dazu führten, dass die Saarländer
in einem Referendum über sich selbst bestimmen
konnten. Seine Bilder erzählen diese
Geschichte ...
Sie
zeigen, wie nach dem Kriegsende Blindgänger entschärft
und Trümmer geräumt wurden, wie Kohle wieder
gefördert, Hochöfen
wieder entfacht und Eisen wieder gegossen wurde. Auf
dem Foto links sieht man Gilbert Grandval bei der Grundsteinlegung
zu dem neuen Rathaus in Saarlouis am
11.10.1951.
Als Ende 1946 die Zollgrenzen
zwischen dem Saarland und dem übrigen Deutschland
errichtet worden waren, zeigen Barbians Bilder saarländische Grenzschilder und französische
und saarländische Zöllner, die gemeinsam die
Grenzgänger kontrollierten.
Als der Hitlergegner Johannes Hoffmann am 18. Dezember 1947 aus der Emigration ins Saarland zurückkehrte, begann Walter Barbian, ihn auf seinem Weg bis zur Volksbefragung am 23. Oktober 1955 mit seiner Kamera zu begleiten.

Bild rechts: Bei den regen diplomatischen Aktivitäten dieser Zeit war Walter Barbian immer hautnah mit seiner Kamera dabei. Er war ebenso mit von der Partie, als am 6. Februar 1950 eine Delegation unter der Leitung von Johannes Hoffmann zu Staatsvertragsverhandlungen mit dem Schnellzug nach Paris aufgebrochen ist.
Zu dem Bild unten erzählt
Frank Barbian: "Eines der Fotos hatte für
meinen Vater eine besondere Bedeutung. Es ist das Bild
von Johannes Hoffman vor den Särgen der Rohrbacher
Fußballer (siehe Bericht über dieses schwere Unglück);
JohannesHoffmann wollte eine Rede halten und brach
irgendwann haltlos in Tränen aus; mein Vater war
von diesem Moment so beeindruckt, dass er mir noch Jahrzehnte
später sagte, dass er damals begriffen habe, welch
grundlegend aufrichtiger Mensch Hoffmann war."

Neben vielen anderen Ereignissen
fotografierte er auch die Semestereröffnung
der Universität des Saarlandes, eine von
den Franzosen initiierte Neugründung auf dem Gelände
einer ehemaligen Kaserne.
Der
Weg des Saarlandes zu einem selbstverwalteten, autonomen
Land stand vor dem Hintergrund des Gedankens, das
Saarland könne eine Brückenfunktion zwischen
Deutschland und Frankreich und
darüber hinaus für die europäische Integration
übernehmen.
Als Robert Schuman auf
der Suche nach einer Lösung des Saarproblems seine Visionen vom gemeinsamen
Europa zuallererst am Beispiel Saarland Wirklichkeit
werden lassen wollte, war Walter Barbian zugegen und
dokumentierte die Ereignisse.
Die
Projekte für die Saar waren in dieser Zeit vielfältig:
Sitz der zu gründenden Montanunion sollte
Saarbrücken werden, dann sogar Hauptstadt eines
vereinten Europas, mit dem Saarland als europäischem
Territorium. Walter Barbian fotografierte die kühnen
Modelle des französischen
Städteplaners Pingusson, ohne zu ahnen, dass er
Jahre später in einem der wenigen
realisierten Neubauviertel wohnen würde (nämlich
in der Bruchwiese).
Als
am 1. und 2.Februar 1953 während einer
Sturmflut in Holland die Dämme brachen und Schouwen-Duiveland
überfluteten, kamen Tausende ums Leben. Spontan
hatte die saarländische Gendarmerie einen Hilfskonvoi
zusammengestellt, an dem Walter
Barbian zufällig vorbeikam. Er griff seine Fotoausrüstung,
sprang auf und fuhr kurzerhand
mit ins Katastrophengebiet.

Dieses meisterliche Bild von Meister Rotte und Meister Conrad, die die
letzten Hufschmiede von Saarbrücken waren, entstand
wahrscheinlich in der Roonstraße.
Walter
Barbian hatte inzwischen die saarländische Autonomie
zu schätzen gelernt und sich den Europagedanken zu eigen
gemacht.
Es
wurde ein europäischer Status des Saarlands angestrebt.
Hierüber sollte die Bevölkerung in einem Referendum
entscheiden.Auf den Kundgebungen, die Walter
Barbian auf beiden Seiten für die Zeitungen begleitete,
kochten die Emotionen hoch: "Der
Dicke muss weg!", das sah man bald massenhaft auf Plakatwänden, Aufklebern,
auf Wände und Wege gepinselt. Gemeint
war Ministerpräsident Johannes Hoffmann, der für
Angriffe oft unter der Gürtellinie bald zum beliebtesten
Gegner der Heimatbund-Parteien
wurde, ganz so, als ginge es nicht mehr um ein Statut,
sondern um die Abwahl einer Person.
Eine tiefe Abneigung gegen die
propagandistischen Exzesse trennten Barbian von
den deutsch-nationalen Parteien, und noch bis kurz vor
seinem Tod beschimpfte er zuweilen deren
damalige Agitatoren auf offener Straße. Walter
Barbian hatte für das Statut gestimmt.
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Mehr über diesen Besuch Erhards im Saarland auf der Seite Der Tag X.
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Am 28. Juli 1957 stattete Ludwig Erhard dem Saarland einen Blitzbesuch ab, um sich über die wirtschaftliche Lage zu informieren. Walter Barbian begleitete ihn auf seiner Tour vom Hauptbahnhof (die alten Sandsteintürme am Empfangsgebäude standen noch) durch die Bahnhofstraße, über den St. Johanner Markt und zurück zum Bahnhof.
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Die
Saarländer beginnen durchaus die Geschichte ihrer
Autonomie neu zu bewerten; ein bisschen Nostalgie
ist mit im Spiel, schließlich hatte man eine eigene
Olympiamannschaft, eine Handballnationalmannschaft
(deren Nationaltorhüter Walter Barbian
war!) und eine sagenhafte Fußball-Nationalelf.
Am 28. März
1954 fand im Saarbrücker Ludwigsparkstadion vor
53.000 (!) Zuschauern das erste "innerdeutsche"
WM-Duell statt. Hinter dem Tor saß der saarländische
Pressefotograf Walter Barbian.
Barbian fotografierte für
nahezu alle damals existierenden Zeitungen und Zeitschriften
(und das waren unfassbar viele): SVZ, Illus, Neue Zeit,
SZ, Volksstimme , Sport-Echo, Sport-Welt, Sport-Express,
Kicker, Der Hausfreund, Tele Bild mit Radio usw.
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Gilbert Grandval
auf dem Flugfeld St.Arnual Links hinten, in der zweiten
Reihe sieht man den damaligen Sprecher der Saarländischen Regierung
und späteren ZDF Auslandsreporter Peter Scholl-Latour.
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Dieses Foto zeigt
den saarländischen Ministerpräsidenten
Hoffmann bei den Landtagswahlen 1952, die
trotz Boykott-
aufruf aus Bonn
eine Rekordwahlbeteiligung erreichten. |
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