oben

                        saar-nostalgie.de - SAARSTATUT und Volksbefragung 1955

       ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

  

3) Aufkleber und Zettel

 

 

      ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

    

 

 

"Der Dicke muss weg!"

 

 

so lautete ein einprägsames propagandistisches Schlagwort der Nein-Sager, das hauptsächlich auf Aufklebern verbreitet wurde. "Der Dicke", das war Johannes Hoffmann, im Volksmund "JoHo" genannt (die verschiedenen Variationen mit dieser Parole finden Sie etwas weiter unten).

 

Viele freiwillige Helfer brachten die Aufkleber - vor allem nachts - in den Städten und Dörfern an allen möglichen Stellen an, auf Wänden, Laternenpfosten, Türen, Toren usw. Die Anhänger der beiden Lager überboten sich darin, möglichst viele Aufkleber gut sichtbar anzubringen. Auch viele Jugendliche nahmen an diesen Aktionen teil. Man konnte sich die Zettel einfach in den Büros der einzelnen Parteien abholen. (Ganz unten auf dieser Seite können Sie lesen und sehen, wie die Aufkleber hergestellt wurden.)

 

<< Der Aufkleber links mit dem "falschen Bergmannssohn", von einer der Neinsager-Parteien kreiert und verbreitet, zeigt JoHo als Bergann verkleidet, der nach einer Billigung des Saarstatuts den Warndt ohne Gegenleistung an die Franzosen "verschachern" wird. (Der Warndt ist ein rund 5.000 ha großes Waldgebiet im Südwesten des Saarlands; er stellt den weitaus größten Teil des saarländischen Kohlenreviers dar.)

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Aufkleber der Demokratischen Partei des

 

Saarlandes (DPS)

 

Während ihr Parteiprogramm anfangs den Wünschen der Besatzungsmacht entsprochen hatte, begann die DPS bald damit, gegen Frankreich Propaganda zu machen. Deswegen wurde sie am 21. Mai 1951 von der Saar-Regierung verboten. Als drei Monate vor der Volksbefragung 1955 die pro-deutschen Parteien zugelassen wurden, erfolgte am 5. Mai 1955 die Wiedergründung der DPS. Sie kämpfte mit den anderen Heimatbund-Parteien (siehe Tabelle oben!) gegen das Saarstatut. (Lesen Sie auf der Seite Politische Parteien ausführlich über die Geschichte der Parteien.)

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Die Kommunistische Partei, Landesverband Saar (KP)

 

kämpfte ebenfalls gegen das Saarstatut, stand aber in Opposition zum Heimatbund.

 

Acht Klebezettel der KP Saar

(etwa in Originalgröße)

 

  

Die KP (Landesverband Saar) war am 13. Februar 1946 lizenziert worden. Ihren größten Wahlerfolg erlangte sie bei der Landtagswahl 1952, bei der sie 9,5 % der Stimmen und damit 4 Mandate erreichte.

  

Nach der Rückgliederung des Saarlandes wurde sie verboten

(siehe dazu d. Seite Parteien!)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

                                           

                                       

Die verschiedenen Varianten des Aufklebers "Der Dicke muss weg":

           

Parole und Aufkleber kreiert und propagiert von der DPS

 

(siehe Heinrich Schneider: Das Wunder an der Saar, Seite 433f.)

 

Mit dem "Dicken" war, wie schon erwähnt, JoHo gemeint (Ministerpräsident Johannes Hoffmann).

Es gab diese Aufkleber in zwei Farben, zwei Formaten und mit vier verschiedenen Texten.

 

        

 

Die kleineren dieser Aufkleber waren 4 x 6 cm groß, die größeren hatten das Format 7 x 10 cm. Sie waren gummiert und an den Außenrändern gezähnt (siehe ganz unten auf dieser Seite. - Ich habe die Zähnung hier bei den meisten Aufklebern aus ästhetischen Gründen abgeschnitten).

 

     

 

     

 

Eine besondere Variante stellten die beiden folgenden Aufkleber dar. Sie zeigen denselben Kopf mit Brille wie die übrigen, haben aber einen blau-weiß-roten Hintergrund und sehen zunächst wie eine Antwort der Ja-Sager zu den anderen Versionen aus, was sich aber beim Lesen der Texte schnell als falsche Vermutung herausstellt:

 

      

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Aufkleber der DSP:

 

    

 

 

   

Auf der Rückseite des rechten Zettels steht (in Spiegelschrift lesbar): "Neue Grenzen verhindern Europa".

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Drei besondere Aufkleber

 

Diese Zettel dürften recht selten gewesen sein:

 

         

 

rechts:

 

Einer der wenigen Aufkleber

der SPS Richard Kirns. Sie hatte in den ersten Kabinetten

Johannes Hoffmanns zusammen mit dessen CVP die Regierung gebildet, war aber seit dem 17. Juli 1954 im 4. Kabinett Hoffmann nicht mehr vertreten. Sie setzte sich jedoch nach wie vor für die Annahme des Saarstatuts ein.

oben:

 

Dieser Zettel stammte von der CSU-Saar, die sich Mitte der fünfziger Jahre ohne Mitwirkung und Billigung der bayrischen CSU gebildet hatte. Sie blieb eine unbedeutende Splitterpartei und erreichte bei der Landtagswahl 1955 nur 0,6 Prozent. 1957 vereinigte sie sich mit der CVP, 1959 mit der CDU.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

              

 

^  Verfasser wahrscheinlich die Europa-Bewegung des Saarlandes  ^

 

 

Zwei verkleinerte Original-Seiten aus meinen zu Sammel-Alben verwandelten Schulheften

mit verschiedenen Aufklebern der CVP

 

 = "Die Europa-Bewegung

                des Saarlandes"

 

 

     

 

 

 

      

 

Die beiden schwarz-rot-goldenen Aufkleber waren vom DSB (Deutscher Saar-Bund) mit Sitz in Frankfurt/Main herausgegeben worden.

 

Einige der folgenden Handzettel der KP habe ich von der Straße aufgelesen, man sieht noch die Schmutzabdrücke auf den Rückseiten.

 

     

                

    

 

Auch die linksgerichtete DDU war gegen das Statut:

 

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

Wie die Aufkleber hergestellt wurden

 

Die Aufkleber waren kleine Klebezettel, die ähnlich wie Briefmarken angefertigt wurden: Man druckte mehrere Stücke neben- und übereinander auf größere Bögen, die auf der Rückseite gummiert und zwischen den einzelnen Aufklebern perforiert waren. So konnte man sie leicht trennen, und deshalb waren die Aufkleber außen gezähnt. Die kleinen Aufkleber wurden beispielsweise in Bögen zu jeweils 30 Stück gedruckt.

Dieses Bild zeigt zwei Druckbögen für einen der kleinen Aufkleber "Der Dicke muß weg"

(Quelle für dieses Bild: "Von der 'Stunde Null' zum 'Tag X'", Katalog zur Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss mit dem Untertitel "Das Saarland 1945 - 1959". Herausgeber: Stadtverband Saarbrücken, 1990, Seite 312.)

 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 26.03.09                             

 

nach oben

arrow4_u.gif

|

arrow4_L.gif zurück <---------> weiter arrow4_R.gif  

 

 

Home > nostalgie.de