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Hier finden Sie allgemeine Informationen über die Entwicklung der Kinolandschaft im Saarstaat.
Auf unserer Seite Saarländische Kinos werden einzelne Lichtspielhäuser des Saarlandes in Wort und Bild ausführlich dargestellt,
und auf der Seite Star-Besuche lesen Sie über persönliche Auftritte deutscher Film- und Schlager-Stars in saarländischen Kinos.
1) Kino in Trümmern
Nachdem der Zweite Weltkrieg endlich ein Ende gefunden hatte, sehnten sich die traumatisierten Menschen nach ein wenig Ablenkung von ihren Sorgen und ihrer Trauer. Radiohören war für viele ein beliebtes Mittel der Unterhaltung, aber man hatte schon vor und während des Krieges auch ein anderes Unterhaltungsmedium
schätzen und lieben gelernt: den Spielfilm. An Fernsehen war damals noch nicht zu denken, und so wünschten sich die Leute ihre Kinos zurück.
Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im Saarland im März 1945 waren alle Filmtheater zunächst geschlossen worden. Die Franzosen, die im Juli die Amerikaner als Besatzungsmacht ablösten, benötigten eine geraume
Zeit, bis sie die Eröffnung
der Kinos wieder zuließen. Die meisten Lichtspielhäuser hatten durch die Kriegseinwirkungen gelitten und waren mehr oder weniger stark zerstört. Nun begann man damit, die ersten Kinos notdürftig wieder herzurichten, und schon bald wurden die ersten Häuser nach und nach eröffnet.
Um ein Kino betreiben zu können, benötigte man damals zunächst eine Genehmigung von der französischen Militärbehörde. Denn diese hatte die Kontrolle über sämtliche saarländischen Kinos auf einen Sequesterverwalter übertragen (siehe die Verfügung rechts; [1]).
Außerdem musste man Bezugsscheine vorlegen, wenn man z. B. Holz, Leim und Eisen zum Wiederaufbau kaufen wollte. (Näheres dazu können Sie auf der Seite Bezugsscheine nachlesen.) Da es allenthalben an Brennstoffen mangelte, sollten die Zuschauer
in der ersten Zeit Kohlen oder Briketts zu ihren Kinobesuchen mitbringen, damit sie nicht frieren mussten.
In Saarbrücken ließ die französische Miltärbehörde das erste Kino nach dem Krieg im Johannishof, Mainzer Straße, errichten. Es war ständig überfüllt, deshalb wurde kurze Zeit danach ein zweites Kino im großen Saal der Wartburg (Martin-Luther-Straße) eröffnet.
So konnte man sich nun endlich wieder Filme im Kino anschauen. Mehr über die Filme, die damals gezeigt wurden, lesen Sie weiter unten, unter Nr. 4.
2) Wie die Saarländer beim Kinobesuch Französisch lernen sollten
(Siehe auch die SaarlandAlbum-Folge 59 von Bernd Kissel zu diesem Thema ganz unten auf dieser Seite!)
Nach dem Krieg hatten zunächst amerikanische Truppen unser Land besetzt. Im Juli 1945 lösten die Franzosen sie als Besatzungsmacht ab. Sie trennten das Saarland sehr bald von der übrigen französischen Zone ab und fassten den wirtschaftlichen Anschluss der Saar an ihr Land ins Auge (er wurde Ende 1947 vollzogen). Im Zuge dieser Bestrebungen wollten sie offensichtlich die Bevölkerung auf ihre vorgesehene
"französische Zukunft" oder zumindest auf ihre enge Zusammenarbeit mit den Franzosen vorbereiten. Eine der Methoden, die ihnen dafür geeignet erschien, schildert eine Zeitzeugin, die die Nachkriegszeit als Kind in Saarbrücken erlebt hat und 1946 zehn Jahre alt war. Sie beschreibt, was sie damals in den Johannishof-Lichtspielen und im Filmtheater in der Wartburg erlebt hat:
Für eine gewisse Zeit geschah in jeder Kinovorstellung die folgende Lächerlichkeit: Um uns vor Augen zu führen, dass wir uns doch besser von Deutschland lösen sollten und um uns auf diesen Schritt vorzubereiten, lief zuerst ein Sprachkurs auf der Leinwand.
Man sollte laut nachsprechen, was uns auf der Leinwand vorgesagt wurde an französischen Vokablen. Natürlich hat das keiner getan. Nach einiger Zeit mussten dann die Platzanweiserinnen auf die Bühne, um laut nachzusprechen und das Publikum durch ihr schönes Beispiel zum Nachahmen zu animieren - das klappte aber auch nicht. Welcher Naivling bei den Franzosen sich davon versprochen hatte, dass wir Leute jetzt im Kino begeistert Französisch lernen wollten, weiß ich nicht. Wie lange
das so ging, weiß ich auch nicht mehr. (Siehe auch in Erinnerungen/Schwaduddel unter der Überschrift "Saarbrücker Kinos kurz nach dem Krieg"!)
Wir haben mehrere andere Zeitzeugen befragt, ob sie sich an solche Französisch-Kurse im Vorprogramm saarländischer Kinos kurz nach dem Krieg erinnern können. Zunächst schüttelten alle den Kopf. Einige der Befragten meinten anfangs sogar, unsere "Schwaduddel" habe sich diese ganze Geschichte nur ausgedacht. Aber schließlich wurden alle Zweifel zerstreut: Wir entdeckten in unseren Unterlagen eine kleine Broschüre von 1947, die den Titel "Sprach-Film-Kurse, System Mimephon" trug. In ihrer Einleitung auf Seite 5 ist zu lesen:
"Lieber Leser! Der Inhalt dieses Büchleins dient dazu, Dir noch einmal gedruckt vor Augen zu führen, was Du zuvor im Kino bei der Vorführung des Mimephone-Films gesehen und gehört hast." (Mehr über die Broschüre lesen Sie weiter unten!)
Damit war eine eindeutige Bestätigung für die Existenz der unfreiwilligen Sprachkurse gefunden, von denen unsere Zeitzeugin erzählt hatte.
Inzwischen hat auch ein weiterer Zeitzeuge darüber berichtet: Manfred Montag war schon kurz nach dem Krieg als Filmvorführer in mehreren Kinos in Dudweiler tätig. Er erzählte uns auf Anfrage, dass dort ebenfalls solche Sprachkurse durchgeführt wurden, aber nach seiner Erinnerung nur in einem der Dudweiler Filmhäuser, nämlich im Union Theater (UT; siehe Seite Saarländische
Kinos). Er meinte, den Franzosen wäre es damals am liebsten gewesen, wenn die gesamte Bevölkerung möglichst schnell Französisch sprechen gelernt hätte. Bei den Kinobesuchern seien die Kurse aber überhaupt nicht angekommen. Die Leute hätten ein so großes Desinteresse daran gezeigt, dass die Besatzungsmacht das Unterfangen sehr bald wieder aufgab.
Auch bei Adolf Blind werden die Sprachkurse in den Kinos erwähnt. Im Band 1 seiner Zeitzeugenerinnerung "Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957" schreibt er über den Beginn der fünfziger Jahre unter anderem: "(...) In den Straßenbahnen waren keine Plätze mehr für Franzosen reserviert. Und in den Kinosälen gab es keine französischen Sprachübungen mehr vor
den Vorstellungen." (Adolf Blind. Unruhige Jahre an der Saar 1947 bis 1957. Band 1. Quo vadis, Saarland? 1945 bis 1955. - Frankfurt am Main, 1996. Seite 128.)

Die erwähnte Broschüre ist 1947 erschienen. Möglicherweise war es die erste Auflage; es kann aber sein, dass es auch frühere Auflagen gab (1946?). Auf der dritten Seite ist vermerkt:

Die Verlagsangabe lautete:
("Amt zur Verbreitung der französischen Sprache, Sulzbach/Saar")
Das Büchlein hatte 120 Seiten und wurde herausgegeben von MIMEPHONE, 30, Rue Grammont, Paris. Die Genehmigung dazu war nach Angabe im Heft erteilt worden "d. G. M. 110 v. 30.1.1947" (d. G. M. bedeutet wahrscheinlich "durch Gouvernement Militaire" = Militärregierung).
Damals wurden also vor dem Hauptprogramm in vielen Kinos zunächst ein oder mehrere dieser Mimephone-Filme mit Szenen in französischer Sprache gezeigt. Danach erschienen einzelne Vokabeln und kurze Sätze mit Aussprachehinweisen und deutscher Übersetzung auf der Leinwand, und die Zuschauer wurden zum Nachsprechenaufgefordert.
Der Zeichner Bernd Kissel hat diese Unglaublichkeit in seiner Saarland-Album-Folge 59 karikiert (ganz unten auf dieser Seite).
Die Broschüre wurde wohl nach der Vorführung der Mimephon-Filme (oder erst nach dem Ende des Hauptfilms?) an die Zuschauer verteilt, damit
sie zu Hause "weiter üben" konnten.
Dies ist der vollständige Wortlaut der Einleitung auf den Seiten 5 und 6 des Büchleins:
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Hier sehen Sie ein Beispiel für die etwa zwölf zweisprachigen Dialoge in dem Kino-Sprachlehrbuch. Diese entsprachen wahrscheinlich den
Szenen, die in den kurzen Filmchen gezeigt wurden. Hinzu kamen noch zahlreiche Vokabel-, Konjugations- und Leseübungen.
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Außerhalb der Kinos konnten die Saarländer ebenfalls Französisch lernen. So wurde von der Obersten Französischen Besatzungsbehörde z.B. der Druck eines Heftes genehmigt ("300 Worte Französisch"), mit dessen Hilfe man sich die wichtigsten Vokabeln aneignen konnte. Es sollte dazu beitragen, die Verständigung
zwischen den Angehörigen der französischen Besatzungstruppen und der einheimischen Bevölkerung zu erleichtern.
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Es wurden auch regelrechte französische Sprachkurse durchgeführt, unter anderem durch das M. R. S. (Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France - "Bewegung für den Anschluss
der Saar an Frankreich" - siehe Abbildung unten. Mehr über das M.R.S. auf der Seite Geschichtliche Entwicklung, unter "Anfang 1946").
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Das M.R.S. bot aber auch Deutschkurse für die zahlreichen Franzosen an, die nach dem Krieg in unser Land kamen: nicht nur Angehörige der Besatzungstruppen, sondern auch viele Beamte und Angestellte, die nun Positionen in der Verwaltung der Saargruben
sowie in Industrie und Handel einnnahmen. Sie benötigten in Ausübung ihres Berufes und im privaten Bereich Kenntnisse der deutschen Sprache. Die Abbildung der Teilnehmerkarte hat François Touret zur Verfügung gestellt.
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Er erzählt, dass er den Kurs zusammen mit seinen Eltern besuchte (wobei er immer schon vor ihnen eine Antwort auf die Fragen des Unterrichtenden gab). Auf den Teilnehmerkarten wurde die Zahlung der Gebühren bescheinigt. Die hier abgebildete Karte ist auf einen Franzosen ausgestellt, der in
der Max-Braun-Straße, heute Großherzog-Friedrich-Straße wohnte. Der Stempel beinhaltet die Inschrift "Mouvement pour le Rattachement de la Sarre à la France, Secrétariat de la Ville Sarrebruck".
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3) "Re-education" durch Vorführung von KZ-Filmen
Außer den unerwünschten Sprachkursen erwarteten die Kinobesucher in der frühen Nachkriegszeit noch andere Strapazen. Die Besatzungs- behörden legten großen Wert darauf, dass alle Deutschen genau darüber informiert wurden, welche Verbrechen Adolf Hitler und seine Gefolgsleute in ihrem
Land begangen hatten. Viele Menschen behaupteten ja nach
dem Krieg, "nichts davon gewusst" zu haben. Manche hatten vielleicht schon während des
Krieges durch Mund-zu-Mundpropaganda oder durch heimliches Abhören sogenannter "Feindsender" (wie BBC London usw.) von den Gräueltaten des Naziregimes erfahren. Aber sie wussten möglicherweise nicht, ob diese Berichte der Wahrheit entsprachen, oder ob es sich nur um "Feindpropaganda" handelte.
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Um dieser Unwissenheit bzw. Ungewissheit der Deutschen ein Ende zu bereiten, ließen die Militärregierungen nun in den Kinos vor dem Hauptprogramm kurze Dokumentarfilme vorführen, die die Alliierten bei der Befreiung der Konzentrationslager gedreht hatten. Und so mussten sich die Leute jetzt unzählige halbverhungerte
Menschen
ansehen, die aus den Lagern herauswankten, und den Anblick der Leichenberge und anderer grauenhafter Zeugnisse der Misshandlungen von KZ-Insassen durch die Nazis über sich ergehen lassen. Und das im Kino, wo sie sich eigentlich unterhalten und entspannen wollten! Auch in den Nachmittagsvorstellungen mit Kindern wurden die Filme gezeigt.
Unsere Zeitzeugin "Die Ald Schwadudel" (sie war damals etwa zehn Jahre alt) berichtet: "All die Greuel, die die Amerikaner nach der Befreiung der KZ in Deutschland entdeckt und gefilmt hatten, liefen da
auf der Leinwand ab, auch in der Kindervorstellung oder in der
Abendvorstellung, wenn die Eltern dabei waren. Bei den KZ-Filmen hielt
mein Vater mir die Augen zu. Danach folgte "Dumbo, der fliegende
Elefant",
"Rintintin" oder "Zorro" oder ein Wildwestfilm.
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Diese Art der "Umerziehung" der Deutschen war Teil der von den Allierten gewollten "Re-education". In einigen Gebieten der Westzonen versuchte man das Anschauen dieser KZ-Filme dadurch zu erzwingen, dass man den Menschen die zum Einkauf von Nahrungsmitteln zwingend notwendigen Lebensmittelkarten nur dann aushändigte, wenn sie durch die Vorlage von Kinokarten nachweisen
konnten,
dass sie sich im Kino die KZ-Filme angeschaut hatten. [2]
Ob die Vorlage von Kinokarten auch im Saarland zum Erlangen von Lebensmittelkarten vorgeschrieben war, ist nicht überliefert. Aber die Militärregierung in Saarbrücken hatte sich noch etwas anderes einfallen lassen: Wer erst in der kurzen Pause zwischen Vorprogramm und Hauptfilm in den Saal zu schlüpfen versuchte, wurde nicht mehr eingelassen, selbst wenn er im Besitz einer gültigen Eintrittskarte war.
Es nutzte also nichts, eine Karte zu lösen und sich dann auf der Straße oder im Foyer herumzutreiben, bis der Hauptfilm begann. Vielleicht gab es einen entsprechenden Aushang im Foyer, etwa mit dem Wortlaut "Kein Eintritt mehr nach Beginn des Vorprogramms" [3].
Das
Foto zeigt Kinostühle der 50er Jahre, die im Historischen Museum Saarbrücken ausgestellt sind. Foto: R. Freyer.
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[1] Text der Verfügung aus: Journal Officiel du Commandement en Chef Français en Allemagne (Amtsblatt des französischen Oberkomman- dos in Deutschland, Nr. 51 vom 8. Januar 1947, Seite 552)
[2] Quelle: Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) e.V.: http://www.deutsches-filminstitut.de/hdf/index.html, unter Kinogeschichte/ Trümmerkinos (1950).
[3] Bericht unserer Zeitzeugin "Die Ald Schwaduddel". Sie erinnert sich auch an herumschimpfende Kinokarteninhaber im Foyer des Johannishof-Kinos, die nach Beginn des Vorprogramms nicht mehr eingelassen wurden.
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4) Die ersten Spielfilme in der Nachkriegszeit
Solange die Saar zu Großdeutschland gehörte (von 1935 bis 1945) wurden in unseren Kinos hauptsächlich deutsche Filme gezeigt. Neben ausgesprochenen Propagandafilmen hatte man auch Spielfilme gedreht, die sich zwar meist durch eine hohe formale Qualität auszeichneten, inhaltlich aber im Grunde ebenfalls propagandistisch ausgerichtet waren (z.B. Filme wie Jud Süß und ähnliche).
In den Filmen, die man nach dem Krieg in den Kinos spielte, wurde den Menschen nun wieder das angeboten, was sie viele Jahre lang am meisten vermisst hatten: eine heile Welt. Und so liefen zunächst französische, amerikanische oder britische Produktionen in ihren Original- versionen, die man meist mit deutschen Untertiteln
versehen hatte, damit die Zuschauer sie verstehen konnten. Aber manchmal liefen auch sogenannte "Reprisen", das waren deutsche Filme aus der Zeit vor 1945, die die Zensur der Militärbehörden überstanden hatten.
Bald begann die Welle der Heimat- und Revuefilme in unsere Kinos zu schwappen und die Leute anzulocken. Auch Märchenfilme waren sehr beliebt, besonders solche, die als Zeichentrickfilme von Walt Disney aus den USA kamen.
Unsere Zeítzeugin "Die Ald Schwadudel" erinnert sich an ihre frühen Kinobesuche und die Filme, die es zu sehen gab:
Den zur Eröffnung des UT-Kinos gezeigten Film Schneewittchen und... [siehe beim UT-Theater Saarbrücken auf der Seite Saarländische Kinos] habe ich gesehen - helle Begeisterung! "Juchhei juchhei, die Arbeit ist vorbei",
sangen die Zwerge. Damals liefen die Filme manchmal sechs Wochen lang, und die Vorführungen der ersten Zeichentrickfilme von Walt Disney, auch Bambi, wurden geradezu gestürmt. An der Abendkasse gab es oftmals nur noch mit viel Glück eine Eintrittskarte, etwa wenn Karten zurückgegeben wurden. Es war also sicherer, seine Karte im Vorverkauf zu besorgen. Geld hatten wir ja nur sehr wenig, aber bei so Kinobegeisterten wie wir es waren, konnte man das Geld für schöne Filme immer
irgendwie zusammenkratzen. Für gewöhnlich pflegte ich zu maulen, wenn ich zu Besorgungen losgeschickt wurde, aber zum Vorverkauf bin ich beinahe gerannt, um auch wirklich noch Karten zu bekommen.
Herrliche französische Filme (siehe auch unten!) hat man gesehen, etwa Kinder des Olymp (Les enfants du Paradis, von 1945) oder Die Schöne und das Biest (La Belle et la Bête) und Orphée (1949), beide von Jean Cocteau und mit Jean Marais, La Symphonie Pastorale (1946) mit der jungen Michèle Morgan, und dann die schwungvollen amerikanischen Revuefilme wie Badende Venus (von 1944) mit Esther Williams. Seit diesem Film liebe ich südamerikanische Musik! Den Art-Déco-Stil, so vornehm, so elegant, bewundere ich seit den Revuefilmen mit Ginger Rogers und dem wunderbaren Fred Astaire... die Liste ließe sich unendlich verlängern! Damals konnte
man auch nochins Kino gehen ohne geschockt zu werden durch hemmungslose Sex-Szenen, das heißt, die allermeisten Filme waren jugendfrei. Die Kinder tobten noch nicht herum, denn sie waren noch unter einer gewissen Aufsicht, es gab noch kein Gekreische und keine Popcorn-Schlachten, Getränkedosen-Kicken und lauten Unterhaltungen. Schöne alte Kino-Zeiten!
Einen hohen Besucherandrang brachten dann in den 50-er Jahren Rock'n'Roll-Filme wie Rock around the Clock (Bill Haley, 1954), aber auch deutsche Musikfilme mit Caterina Valente und Peter Alexander, z.B. Bonjour Kathrin (1956) oder Du bist Musik (1956). Nicht zu vergessen die Teenagerlieblinge Conny Froboess und Peter Kraus in Wenn die Conny mit dem
Peter (1958) und Conny und Peter machen Musik
(1960). Zahlreiche Stars von Bühne und Leinwand besuchten damals das Saarland und traten meist in Kinos auf. (Siehe dazu unsere Seite Star-Besuche im Saarland!)
Als Ende der 50er Jahre das Fernsehen seinen Siegeszug begann, ging die große Zeit der Kinos langsam zu Ende. Es wurden immer weniger große Filme produziert. Im Saarland schwanden die Besucherzahlen nach der Rückgliederung an Deutschland (1957/59) um bis zu 60 Prozent.
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Ein Beispiel für einen der vielen französischen Filme, die damals im Saarland aufgeführt wurden:
Das Kriminaldrama "Wenn es Nacht wird in Paris"
Die Hauptdarsteller des inzwischen zum Klassiker gewordenen Films waren Jean Gabin, die noch blutjunge Jeanne Moreau und Lino Ventura. In Frankreich hieß das Werk "Touchez pas au grisbi" (etwa: 'Hände weg vom Zaster').
Der Film wurde in der Weihnachtszeit 1956 in Saarbrücken aufgeführt; es muss im Scala- oder Passage-Kino gewesen sein. Das Bild ist vor dem Eingang zum Kino aufgenommen worden, der Nikolaus (oder Weihnachtsmann?) posiert zusammen mit dem kleinen Günther Schroden mit seinem Brüderchen (vorne), seiner Mutter und Großmutter sowie seiner Cousine.
Das Bild hat Günther Schroden (www.schroden.de) zur Verfü- gung gestellt.
Mehr über Filme, Filmplakate usw. gibt es demnächst an dieser Stelle!
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5) Filmzensur im Saarland
Neue Filme mussten im Saarland von einer Filmkommission begutachtet werden, bevor man sie aufführen durfte. Manchmal wurden Szenen herausgeschnitten. Dafür war die "Filmprüfungsstelle des Saarlandes" eingerichtet worden. Sie hatte (1955) ihren Sitz in Saarbrücken am Staden 27. Zum Thema Filmzensur berichten Zeitzeugen:
Ich kann mich erinnern, dass eines Tages in einem Film mit der Tänzerin Marika-Rökk eine vier bis fünf Minuten lange Tanzszene fehlte - obwohl sie bestimmt nicht "obszön" war. Man fragte den zuständigen Kommissar, warum er dies veranlasst habe. Er soll geantwortet haben, sie sei ihm "zu langweilig" gewesen... (Ernst
Becker)
Im Saarland waren ja eine Reihe von Filmen nur "Jugendfrei ab 18" und die Einhaltung wurde auch öfters durch Polizeikontrollen nach der Wochenschau überwacht. Dieser Altersgrenze unterlag damals im Saarland auch der Film "Das Gänseblümchen wird entblättert",
mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle. Aber in Forbach,
also in Frankreich, war der Film (unter dem Titel "En effeuillant la marguerite") bereits ab 16 Jahren zugänglich. Da fuhr dann so mancher Schüler mit der Straßenbahn bis zur Goldenen Bremm, und nach Umsteigen weiter nach Forbach. In welchem Jahr das war? Ich denke, 1956 oder 1957. (Dietrich Arbenz)
Anm.: Der Film kam 1956 in Frankreich heraus. Einen Ausschnitt aus dem Film können Sie sich unter folgendem Link bei Youtube ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=RqnIY0mq37g
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