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Trolleybusse (Obusse)


 

Inhalt:

 

 

1) Völklingen  (diese Seite)

2) Neunkirchen (geplant)

3) Saarbrücken (geplant)


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Nach dem Zweiten Weltkrieg war der öffentliche Personennahverkehr ein vordringliches Thema, hing doch der Wiederaufbau des Landes wesentlich davon ab, dass die Arbeitsplätze erreichbar waren.

 

In der Vorkriegs- und Kriegszeit fuhren im Saarland Straßenbahnen und Omnibusse. In der Nachkriegszeit erschien eine Kombination von Straßenfahrzeug und leitungsgebundenem Elektroantrieb, wie sie der Obus anbot, attraktiv, weil ein gesonderter Fahrweg (Schienen) entfallen konnte. Dadurch waren die Fahrzeuge, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, nicht an eine feste Fahrspur, sondern nur an den Verlauf der Oberleitung gebunden. Nicht jedes falsch geparkte Fahrzeug brachte sie - wie die Straßenbahn - zum Stillstand. Und die Tatsache, dass Obusse im Kriegsfall nicht militärisch einsetzbar waren, empfand die Bevölkerung als beruhigend.

 

Im Saarland war außerdem Dieselkraftstoff teuer im Vergleich zu Strom. Neben Völklingen entschieden sich Saarbrücken und Neunkirchen für Oberleitungsbusse. Im Saarland wurden sie meist Trolleybus genannt, wie in England, Frankreich und der Schweiz.

 

 

1) Die Völklinger Trolleybusse (von Karl Presser)

 

 

Am 12. November 1950 ging im Bereich der Stadtwerke Völklingen (SWV) die erste Obus-Strecke in Betrieb. Sie verband Püttlingen mit Völklingen. Die Fahrleitungen hatten die Stadtwerke in Eigenregie montiert, die Planung lag bei Saar Brown Boveri GmbH (BBC).

 

 

 

Am 29. Juni1952 folgte die Strecke von Völklingen nach Wadgassen. Das Bild wurde bei der feierlichen Eröffnung dieser Strecke mit SOMUA-Obussen aufgenommen.

 

 

Während der Verkehrsstoßzeiten fuhren die Obusse auch mit Anhänger. Das Anhängerdreieck ist auf dem Dach des ersten Fahrzeugs gut zu erkennen. 

 

Am 29. September 1954 war die Obus-Linie Völklingen- Ludweiler über Rotweg betriebsbereit. Die Straßenbahnlinien nach Großrosseln und Ludweiler führten bisher von der Stadtmitte zum Rotweg und gabelten sich dort. Der Straßenbahnverkehr nach Ludweiler wurde mit Aufnahme des Obusbetriebs eingestellt. Zwischen Stadtmitte und Rotweg fuhren Straßenbahn nach Großrosseln und Obus nach Ludweiler ab diesem Zeitpunkt auf der gleichen Strecke. Der Start des Obusverkehrs ab Rotweg nach Großrosseln erfolgte am 19.4.1959 und ermöglichte dann die vollständige Einstellung des Straßenbahnbetriebs. Die Wendeschleife lag unmittelbar an der Grenze.

 

29.09.1954: Festlich geschmückt fahren die ersten Trolleybusse vom Ev. Gemeindehaus Ludweiler nach Völklingen.

 

 

Die neuen Henschel-Obusse wurden mit der Bahn nach Völklingen transportiert.

Die ersten zehn Obusse hatten SOMUA-Fahrgestelle, Aufbauten von Million-Guiet und eine elektrische Ausrüstung von Schneider-Westinghouse. Außerdem beschaffte man für diese Fahrzeuge noch einen (einzigen!) Anhänger. Die 75-kW-Verbundmotoren lieferte Westinghouse. Ab 1958 kamen acht Henschel-Obusse HS 160 OSL mit Kiepe-Steuerung dazu. Sechs dieser Fahrzeuge hatten Doppelkollektormotoren mit 103 kW von Westinghouse, und zwei Fahrzeuge verfügten über Garbe-Lahmeyer-Verbundmotoren mit 105 kW.

 

Mit ihrer selbsttragenden Aluminiumkarosserie und der Luftfederung galten die Frontlenker als hochmodern. Die neuen Obusse waren zusätzlich mit einem Hilfsgenerator ausgerüstet, der von einem VW-Motor angetrieben wurde. So war es möglich, in Wadgassen die Eisenbahnstrecke zwischen Hostenbach und Überherrn ohne Verbindung zur Fahrleitung zu überqueren. Außerdem konnte man damit jetzt im Depot rangieren.

 

Alle SOMUA und Henschel-Oberleitungsbusse hatten einen abgetrennten Schaffnerplatz am hinteren Einstieg. Von dort aus konnten auch die Türen geöffnet und geschlossen werden. Die Kommunikation mit dem Fahrer erfolgte durch Klingelzeichen.

 

 

Letzte Fahrt der Straßenbahn nach Großrosseln. Die Henschel-Obusse stehen schon bereit.

Die  Verkehrsbetriebe fuhren nach dem Krieg zunächst alle Fahrzeuge im Zweimann- oder Schaffnerbetrieb. Die Omnibusse hatten im Heck eine Tür, die der Schaffner manuell betätigte. Er stieg in der Regel hinten ein, schloss die Tür, zog an einer Lederleine, die mit einer Klingel in der Nähe des Fahrers verbunden war und rief laut "fertig am Schluss", worauf sich der Bus in Bewegung setzte. Der arme Kerl hatte zwei Taschen umhängen, eine rechteckige kofferartige, die verschiedenfarbige Fahrscheinblöcke enthielt, und eine lederne Geldtasche mit einem Münzspeicher, dem "Galoppwechsler", auf der Vorderseite.

 

Die Straßenbahnschaffner hatten die gleiche Ausrüstung und zwängten sich ebenso durch die Wagen, um Fahrscheine zu verkaufen. Außerdem mussten sie mit einer langen Stange die mechanischen Weichen stellen.

 

Trolleybusse waren die ersten Fahrzeuge im Saarland mit einem separaten "Schaffnerplatz" im Heck.

 

Basis hierfür war die Einführung des Prinzips "Fahrgastfluss" vom Einstieg hinten zu den Ausstiegen in der Mitte und vorne. Aufgabe des hinten im Trolleybus sitzenden Schaffners war es außerdem auszusteigen, wenn die Stromabnehmer abgesenkt, gesichert und wieder "eingedrahtet" werden mussten. Nach 1952 hatten auch die neuen Omnibusse einen separaten Schaffnerplatz. Dieser wurde in den älteren Fahrzeugen ab 1964 mit der Einführung des Einmannbetriebs und der damit verbundenen Umkehr des Fahrgastflusses, jetzt von vorne nach hinten, nicht mehr besetzt.

 

Wenn ein Fahrgast schon einen Fahrschein oder gar eine Monatskarte hatte, durfte er auch vorne beim Fahrer einsteigen. Verglichen mit dem "freilaufenden" Schaffner war der Schaffnerplatz im Heck der SOMUAs für das Personal ein großer Fortschritt. Den Schaffnerplatz gab es später auch in den Omnibussen. Die CHAUSSON AP522 und die wenigen Völklinger Floirat-Busse waren so gebaut. (Außer Schaffnern gab es damals natürlich auch Schaffnerinnen.)

 

Bei den Überlandstrecken der Post waren die Haltestellenabstände viel größer. Da konnte man durchaus im Einmannbetrieb fahren und längere Haltezeiten einplanen. Einige Dörfer im Warndt hatten nur eine einzige Haltestelle. Etwa 1960 begann der Einmannbetrieb der Stadtbusse. Ein Schild vorne hinter der Scheibe zeigte an: Einmannwagen. Der Schaffnerplatz blieb anfangs einfach unbesetzt. Später wurde er ausgebaut.

 

Bereits 1964 wurde die Strecke nach Wadgassen auf Omnibusbetrieb umgestellt, 1966 die Linie nach Ludweiler. 1967 wurde auch der Verkehr mit Obussen nach Püttlingen und Großrosseln aufgegeben.

 

 

Die Karawane der neuen Henschel-Fahrzeuge in Großrosseln, Blick in Richtung Rossel und Grenze. Durch die Unterführung kommt man nach Petite-Rosselle.

 

Ausschlaggebend waren wirtschaftliche Gründe: Das Oberleitungsnetz musste unterhalten werden, die Fahrzeuge wurden im Schaffnerbe- trieb gefahren, Dieselkraftstoff war inzwischen preisgünstiger geworden, und die Obusse wurden in der Bundesrepublik mit einer staatlichen "Verkehrsabgabe“ belegt - sie hatten ja keinen Hubraum, der besteuert werden konnte. Ökologische Betrachtungen von damals sind nicht überliefert.

 

Die SOMUA Fahrzeuge wurden nach Aussonderung verschrottet, die Henschel-Busse erhielten MAN- Unterflur-Dieselmotoren, dazu Schaltgetriebe, und wurden auf Einmannbetrieb mit Fahrscheinentwerter umgebaut.

 

 

Der automatisierte Einmannbetrieb wurde 1964, bundesweit wegweisend, zuerst in Völklingen eingeführt. Möglich war er durch Einsatz der neu entwickelten Entwerter mit Stempelung geworden. Von nun an durfte man, so im Besitz einer Fahrkarte, auch durch die Mittel- und Hecktüren einsteigen.

 

 

2012 gab es noch Obusbetriebe in Eberswalde, Esslingen und Solingen.

Ein kurzer Blick über die Grenze:

 

Bereits am 19. Mai 1951 hatten die Forbacher Verkehrsbetriebe den Betrieb mit vier VETRA VBRh Obussen auf der Strecke Kleinrosseln-Forbach-Goldene Bremm aufgenommen. Die Wendeschleife der Forbacher Verkehrsbetriebe in Kleinrosseln war der Kreisverkehr vor der Grenze. Der Obus-Betrieb auf der französischen Seite wurde am 1. November 1969 eingestellt.

 

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Literatur:

Sonderdruck der Stadtwerke: 75 Jahre Nahverkehr in Völklingen,1909-1984

Werner Konter: Erinnerungen an die Straßenbahn. Logos-Verlag Saarbrücken 1992  

 

Sämtliche Fotos: Heimatkundlicher Verein Warndt e.V. (HVW)

 

 


 

Demnächst folgen in diesem Kapitel die Obusse/Trolleybusse von Saarbrücken und Neunkirchen.

 


 

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Diese Seite wurde begonnen am 19.7.2012 und zuletzt bearbeitet am 10.5.2016

 

 

 

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