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g) Straßenbahnen

 

 

 

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Dies ist der Anfang der Straßenbahn-Seite. Nach und nach werden alle saarländischen Straßenbahnen hier vorgestellt werden.

 

 

Es beginnt mit einigen persönlichen Erinnerungen von Rainer Freyer an die Neunkircher Straßenbahn,

 

die einen wichtigen Teil seiner Kindheit darstellte. (Siehe auch die Seite Kindheit!)

 

  

Ein Wagen der Neunkircher Straßenbahn quält sich im Schritttempo den steilen Hüttenberg hinauf.  Foto: Foto Peifer.

 

Als Kinder wohnten wir in Neunkirchen unten am Hüttenberg im Haus des Uhrmachers Schley (auf dem Foto oben sieht man es etwas unterhalb der Straßenbahn). Wir liebten natürlich "unsere" Straßenbahn, die ganz dicht an unserem Haus vorbeifuhr. Wir waren sogar stolz auf sie, denn wir hatten erfahren, dass sie mit dem Hüttenberg die steilste Strecke erklomm, die damals in ganz Europa eine Straßenbahn nur mit Reibradantrieb (also ohne Zahnräder) schaffte. Sie kam immer vom Stummdenkmal aus in normalem Tempo die nur leicht ansteigende Stummstraße (Foto unten) herauf, und der Fahrer schaltete genau vor unserem Haus auf eine niedrigere Geschwindigkeit zurück, weil von dort an die Steigung über 11 % betrug. Und so schlich die Bahn immer ganz gemächlich den Hüttenberg hinauf, so langsam, dass man bequem während der Fahrt hätte ein- und aussteigen können - was einige Fahrgäste manchmal auch taten, denn die alten Wagen hatten noch offene Plattformen.

 

Auf dem Foto oben sieht man vorne rechts die Haltestelle an der Einmündung Vogelstraße. Sie wurde nur bei Bergabfahrt angefahren. Erstens diente sie damit bergab als Bremsprobe und zweitens ersparte man den bergauffahrenden Wagen die eventuell schwierige Wiederanfahrt nach einem Stopp an einer Haltestelle am steilen Berg.

 

Foto: Die Stummstraße führt vom Stummdenkmal zur Christuskirche (ganz rechts außen; links daneben die Drogerie Ohm, ganz links an der anderen Ecke die Metzgerei Windisch)  Foto: Rainer Freyer, ca. 1955.  

 

Warum aber drosselte der Straßenbahnführer bei Bergauffahrt vor unserem Haus regelmäßig die Geschwindigkeit? Ich dachte immer, der Berg sei so steil, dass der Fahrmotor der Bahn nicht stark genug war, um sie in normalem Tempo den Berg hinauf zu bewegen. Aber eines Tages wurde ich eines Besseren belehrt: Es herrschte Glatteis, die Fahrbahn und auch die Schienen waren spiegelglatt. Kein Auto fuhr mehr den Hüttenberg hinauf oder hinunter. Ich stand an unserem Wohnzimmerfenster und beobachtete, wie eine Bahn in normalem Tempo die Stummstraße heraufkam. Und dann geschah etwas Unerwartetes: Der Fahrer schaltete vor unserem Haus nicht wie üblich auf Langsamfahrt um, sondern "raste" den ganzen Berg mit unverminderter Geschwindigkeit hoch, und die Bahn verschwand sehr schnell aus meinem Blickfeld. Ich war unheimlich beeindruckt, denn noch nie hatte ich eine Bahn so in voller Fahrt den Berg hinauffahren gesehen. Aber offensichtlich kam sie auf diese Weise trotz des Glatteises tatsächlich ohne zu rutschen bis zur Haltestelle Marienstraße. Danach habe ich etwas Ähnliches nie wieder beobachtet. Ein Freund, der bei der Straßenbahn gearbeitet hatte, erklärte mir viele Jahre später, dass die Bahn am steilen Berg nur deshalb langsamer fahren musste, weil sonst die elektrische Spannung durch die hohe Stromentnahme im Fahrdraht so stark abgefallen wäre, dass die anderen Bahnen im Liniennnetz langsamer hätten fahren müssen. Er meinte, an jenem Tag habe der Fahrer wahrscheinlich seine "Powerfahrt" vorher im Straßenbahndepot angekündigt, damit sich seine Kollegen nicht über den plötzlichen Spannungsabfall im Netz gewundert und den Strom möglicherweise abgeschaltet hätten.

 

Zu dieser Geschichte schrieb mir kurz nach ihrer Erstveröffentlichung ein Zeitgenosse von damals folgende sachkundige Stellungnahme:

 

"Ich bin selbst als 'Fahrschüler' von 1951 bis 1953 werktäglich mit der Straßenbahn von Heinitz zum Knabenrealgymnasium Neunkirchen (also Richtung Steinwald) gefahren, und dabei am Stummdenkmal umgestiegen in die Linie über den Hüttenberg. Meistens aber fuhr ich morgens um 7.10 Uhr ab Heinitz mit dem E-Wagen für Schüler, der ohne Umsteigen zum Oberen Markt und weiter zum Steinwald fuhr. Als Schüler versuchte ich immer, auf der vorderen Plattform beim Fahrer zu stehen, aber da wurde ich meist vom Schaffner ins Wageninnere verscheucht. Damals habe ich die Technik natürlich noch nicht verstanden, aber als ich später an der TH Karlsruhe Elektrotechnik studiert hatte, wurde mir klar, warum der Fahrer beim Langsamwerden am steilen Bergstück die Kurbel kurz zuerst auf Null drehte, und dann wieder auf halbe Fahrt. Daher weiß ich heute, dass es praktisch unmöglich ist, dass sich eine superschnelle Bergfahrt - und mit der gegebenen Begründung - so zugetragen hat, wie Sie sie in Ihrem Bericht beschreiben; da muss Ihnen Ihre Erinnerung einen Streich gespielt haben!

 

Technischer Hintergrund: Die damaligen Straßenbahnen hatten zwei Fahrmotoren, die entweder, je nach Stellung der Fahrkurbel, in Parallel- oder in Serienschaltung betrieben wurden. Die Parallelschaltung war die Schaltung für schnelle Fahrt; wurden die Motoren bei Bergauffahrt dann aber wegen derSteigung langsamer, so stieg dadurch der Strom in den Motoren an, mit der Folge, dass sie (zu) heiß wurden und möglicherweise sogar durchbrennen konnten. Deshalb (und vielleicht auch, um die Spannung im Netz nicht zu sehr zu belasten) wurde der Stromanstieg durch eine Sicherung begrenzt. Wenn der Fahrer unten am Hüttenberg beim Langsamerwerden nicht rechtzeitig mit seiner Fahrwerkskurbel von Parallel- auf Serienschaltung umschaltete, dann sprang diese Sicherung mit einem Donnerschlag heraus und der Wagen blieb erst mal stehen (bzw. rollte sogar einige Meter rückwärts, bis der Fahrer die Drehrad-Handbremse fest genug angezogen hatte); das passierte gelegentlich schon. Das gleiche geschah übrigens auch auf der Strecke von Heinitz kurz vor Niederneunkirchen, die nicht ganz so steil war, aber die Bahn hatte auf dieser Linie 3 von Spiesen (zum Schlachthof) auch noch einen Anhänger. Stand die Bahn erst mal wegen ausgelöster Sicherung am Berg, dann war das Anfahren ein Geduldspiel, oft sprang die Sicherung auch in der strombegrenzenden Serienschaltung der Motoren beim Anfahren wieder raus.

 

Übrigens: Der Glätte der Schienen, schon bei Regen ein Problem, wurde einigermaßen erfolgreich entgegengewirkt, indem der Fahrer seinen Sandstreuer betätigte."

 

Trotz dieser einleuchtenden Erläuterungen glaube ich immer noch, dass mein "Erlebnis", das mich damals als Jugendlicher stark beeindruckt hatte, kein Traum, sondern Wirklichkeit war. Mal sehen, ob andere Fachleute vielleicht noch etwas zu diesem Thema beitragen können. Ein Bekannter, der sich in der Technik der Straßenbahnen auch etwas auskennt, meinte, eine solche schnelle Fahrt hätte vielleicht doch möglich sein können, und zwar dann, wenn die Bahn dabei praktisch leer gewesen wäre. Ich meine, das könnte an diesem Abend der Fall gewesen sein.

 

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Folgendes interessante Detail berichtet ein ehemaliger Neunkircher Straßenbahner in diesem Zusammenhang: Die Straßenbahnführer hatten für Tage mit heftigem Glatteis oder Schnee die Anweisung, bei der ersten Fahrt morgens früh am Stummdenkmal mit der Bahn über eine Weiche die Straßenseite zu wechseln und den Hüttenberg auf dem in Fahrtrichtung linken Gleis hinaufzufahren. Dabei sollten sie zusätzlich den Sandstreuer betätigen. Die Gefahr, dabei mit einer bergabfahrenden Bahn zusammenzustoßen, bestand ja nicht, weil es die erste Bahn auf der Strecke war. Aber auf diese Weise sollte die Glätte auf den Schienen beseitigt werden, damit der Wagen, wenn er später vom Steinwald zurückkam, den Hüttenberg schon sicher und ohne Bremsprobleme wieder hinunterfahren konnte.

 

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Kinderbelustigung: Manchmal hatten wir Kinder einen Heidenspaß, wenn wir ein 1, 2- oder 5-Frankenstück - sie waren aus Aluminium - auf die Schienen legten, kurz bevor eine Straßenbahn die Stelle passierte. Und wie stolz waren wir dann mit unserer total platt gewalzten Münze, die nun eine ovale Form hatte, hauchdünn und fast doppelt so groß wie vorher! Allerdings haben wir das nur ganz selten getan, denn wir konnten es uns eigentlich nicht leisten, Geldstücke nur zum Spaß wertlos zu machen. Ein bis fünf Franken, das war damals viel Geld für uns. Ich erinnere mich daran, dass unsere ganze Familie einmal überglücklich war, als mein Bruder Klaus die unglaubliche Summe von fünfhundert Franken auf der Straße gefunden und nach Hause gebracht hatte. Umgerechnet wären das heute nur etwas mehr als zwei Euro, aber man konnte damals damit viel mehr kaufen als heute.

 

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Dies ist erst der Anfang der Straßenbahn-Seite. Nach und nach sollen alle saarländischen Straßenbahnen in Wort und Bild hier vorgestellt werden.

 

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Diese Seite wurde zuletzt bearbeitet am 30.11.2009                     

 

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